Gesundheitswesen Union will Vier-Bett-Zimmer für Patienten abschaffen
Nach dem Willen der Union soll es in Kliniken künftig höchstens zwei Betten pro Zimmer geben. Außerdem sollen Fachärzte Patienten binnen drei Wochen Termine geben.
Die Union will die nächste Gesundheitsreform nutzen, um Verbesserungen für Patienten in Krankenhäusern und bei niedergelassenen Ärzten durchzusetzen. So solle es künftig nur noch Zwei-Bett-Zimmer in den Krankenhäusern geben, kündigte der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn in der Süddeutschen Zeitung an. Kassenpatienten müssten häufig zu viert in einem Zimmer liegen, kritisierte Spahn. "Das wird den Bedürfnissen der Menschen einfach nicht mehr gerecht, das ist etwa für einen Krebskranken eine ziemliche Zumutung."
Um die Krankenhäuser zur Aufgabe der Vier-Bett-Zimmer zu bewegen, will Jens Spahn Anreize schaffen: "Wer noch Vier-Bett-Zimmer anbietet, bekommt dann weniger Geld."
Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte allerdings, es gebe noch keine konkreten Pläne für die künftige Patientenversorgung in Kliniken. Die Koalition sei sich zwar einig, die ärztliche Versorgung sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich zu verbessern. "Konkrete Vorfestlegungen" gebe es jedoch nicht. Eine von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vorgeschlagene Bund-Länder-Kommission soll zu Beginn des nächsten Jahres darüber beraten.
Experten vermuten, dass viele Krankenhäuser die Zahl von Zwei-Bett-Zimmern bewusst niedrig halten, um für Privatpatienten Einzelzimmer anbieten zu können. So flössen den circa 2000 Kliniken in Deutschland jährlich zusätzliche 300 Millionen Euro zu. Da Krankenhausaufenthalte im Schnitt kürzer werden ist nach Ansicht von Spahn genug Platz, um alle Patienten in Zwei-Bett-Zimmern unterzubringen.
Auch bei den niedergelassenen Medizinern müsse der Service deutlich besser werden, forderte Spahn. Fachärzte sollten Termine innerhalb von drei Wochen vergeben müssen.
Diese Neuregelungen sollen in dem für 2011 geplanten Versorgungsgesetz der schwarz-gelben Koalition festgeschrieben werden. Patienten sollen zudem erfahren, was ihr Arzt abrechnet. Dies könne durch ein "Lieferschein-Prinzip" erreicht werden: "Der Arzt legt dem Patienten eine Übersicht über die erbrachten Leistungen vor, und erst wenn dieser sie ihm quittiert hat, kann der Arzt abrechnen."
Nach Spahns Aussagen will die Regierungskoalition zudem jede Klinik verpflichten, die Zahl der Infektionen zu veröffentlichen, die durch Krankenhauskeime entstanden sind. In Deutschland sei die Zahl dieser Erkrankungen deutlich höher als beispielsweise in den Niederlanden. "Wir brauchen einen Wettbewerb der Kliniken, bei dem es darum geht, die wenigsten Infekte zu haben." Notwendig sei eine Art Keimregister mit einem allseits verständlichen Benotungssystem. "Wer wenig Keime hat, kriegt fünf Sterne, wer viele hat, nur einen oder keinen." Der Patient solle sich selbst ein Bild machen können.
- Datum 27.12.2010 - 13:05 Uhr
- Quelle Reuters
- Kommentare 32
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toll, die union will vierbettzimmer abschaffen.
konsequenz: patienten müssen ihre wunddrainagen in zukunft in eigenarbeit vorm heimischen fernseher ziehen (vorteil: das wird dann auch nicht im "lieferschein" abgezeichnet).
wer sich das nicht zutraut, kann gegen geringen aufpreis auch die unterbringung in geräumigen zweibett-iglu-zelten oder zwanzig-fuß-containern buchen. ansonsten sind noch freie plätze in der werkstatt der hausmeister, auf dem flur, oder im schwesternzimmer zu vergeben.
und dass in dt. krankenhäusern so viele keime rumschwirren, liegt natürlich nicht an der systematischen unterbezahlung, überlastung und ausdünnung des personals, sondern daran, dass es keine fünf fleißsterne für besonders hygienische krankenhäuser gibt.
Natürlich ist eine Forderung zur Abschaffung von Vier-Bett-Zimmern in Ordnung. Aber die Niedrighaltung von Zwei-Bett-Zimmern für Privatpatienten mit Einzelzimmern? Und dadurch flössen den 2.000 Kliniken jährlich 300 Mio Euro zu (das sind lächerliche 150.000 Euro pro Klinik). Diese Argumentation ist nicht nachvollziehbar (abgesehen von eventuellen Umbaumaßnahmen für die Zimmer) und zeugt nicht gerade von Sachverstand.
> Patienten sollen zudem erfahren, was ihr Arzt abrechnet. Dies könne durch ein "Lieferschein-Prinzip" erreicht werden: "Der Arzt legt dem Patienten eine Übersicht über die erbrachten Leistungen vor, und erst wenn dieser sie ihm quittiert hat, kann der Arzt abrechnen." <
Schlimmer geht's nimmer. Wie soll denn das funktionieren? Der Patient geht am Monatsende zum Arzt und lässt sich die Abrechnung vorlegen? Da stehen am Monatsende mehr als 100 Patienten im Wartezimmer und kontrollieren? Auch die Patienten die nicht mehr laufen können?
Die Idee das bei Kassenpatienten so zu machen wie bei Privatpatienten ist zu abwegig weil zu einfach, nämlich eine Rechnung zu verschicken.
Das letzte ist dann ja wohl das Letzte. Ein Kassenpatient kann sich die Klinik nicht einfach aussuchen. Punkt. Der Untergang Deutschlands steht kurz bevor.
Man merkt immer mehr das die Politiker, durch ihre Nebenjobs ihre eigentliche Arbeit als abgeordnete gar nicht mehr machen können, was man in Deutschland abschaffen sollte, ist die vielen Überzähligen Filialen (Zweigfilialen) wenn man sich vorstellt wir haben weit über 2500 Filialen, waren es noch vor 40 Jahren nur der zwanzigste Teil, bei gleicher Einwohnerzahl und viel mehr Arbeitern, das muss man sich mal vor Augen führen was das für kosten sind! Miete Strom Wärme, die Wasserköppe das Personal Instandhaltung.. bezahlt von 20-25 Millionen Arbeitern und Angestellten!
Ich kann es nicht glauben. Das ist ein vernünftiger Entwurf eines Politikers, eines Experten aus diesem Bereich, von der CDU. Dass ich so etwas noch vernehmen darf! Und es gibt gleich Umsetzungsvorschläge, die sogar funktionieren könnten.
Das macht mich misstrauisch.
Es ist ja nicht nur so, dass die reale Entwicklung dieser Aspekte des Gesundheitssystems genau entgegen gesetzt verlief. Dieser Vorschlag ist schon zu gut, zu vernünftig, zu sehr auf die zunehmenden Missstände ausgerichtet. Ja, er würde natürlich auch einiges kosten, für Durchführung und Kontrollen ebenso wie bei Fachärzten und Kliniken. Es ist einfach so, dass dieser Entwurf den Patienten als Mensch in den Vordergrund rückt - was mich so verblüfft.
Dann fiel mir aber ein, uns droht ein Superwahljahr. Außerdem sind Ferien, zwar keine Sommerferien, aber immerhin die rund um Feiertage am Jahresende. Ob da ein Politiker aus der zweiten Reihe mal schnell eine Chance nutzen wollte?
Dass dies nämlich mit der Fraktion abgesprochen wäre, dass dies tatsächlich eine Vorlage für einen Gesetzesentwurf werden wird, dazu fehlt mir noch der Glaube. Und die Hoffnung musste ich durch allerlei Erfahrungen aufgeben.
Wollen wir einmal sehen, was daraus wird. Ich wünsche mir nur, es gibt dann auch eine Medienmeldung, wenn dieser Entwurf sang- und klanglos verschwindet.
Da Deutschland wie der Rest Europas an Überalterung leidet, wird der Bedarf an Krankenbetten gleich hoch bleiben oder in Zukunft massiv steigen.
Indem man 2-Bett-Zimmer zum Standard macht, wird man einen gigantischen Investitionsschub auslösen, der zwar die Missstände im Krankheitswesen nicht aufhebt, aber der mächtigen Baulobby fette Gewinne verspricht.
Dass mehr Zimmer mehr Personalaufwand (Reinigung, längere Wege) bedeuten, sei nur nebenbei bemerkt.
Wer das alles bezahlen darf, ist sicher bekannt.
Zum Glück hat aber Deutschland volle Kassen, keinerlei ernsthafte Probleme und liegt inmitten einer prosperierenden Wirtschaftzone, die vor lauter..ähh, Erfolg nicht weiss, wohin mit dem Geld! Darum finde ich den Vorschlag spitzenmässig...
So total durchdachte Vorschläge sind der Grund, wieso ich Politiker so ungemein schätze.
Ich schlage vor da anzugreifen, wo es Not tut.
Politiker sollten:
1. keine Privatpatienten sein dürfen, sondern kassenversichert.
2. keine Nebenjobs haben dürfen und ihre Arbeitsstunden dokumentieren müssen und vom Vorgesetzten abzeichnen lassen müssen.
3. zweimal jährlich einer Qualitätskontrolle und einer Prüfung über ihr "Fachgebiet" durch Externe unterzogen werden.
Darüber werden dann öffentliche Jahresberichte verfasst, die online durch die Bürger einsehbar sind.
4. 25 Urlaubstage haben.
5. Sozialversichert sein wie normale Angestellte auch und einen Anspruch auf Rente ab dem 67. Lebensjahr erhalten.
Vielleicht würde sich das weltfremde Gerede sog. "Experten" dann auch in Grenzen halten.
Ich bin gespannt auf die `Geschenke´ von CDU-CSU-SPD-FDP-GRÜNE!
Was ich als Bürger bisher bekam, war der Ausbau des Neoliberalismus der o.g. Parteien. Aber das war nach den Wahlen.
Hier handelt es sich um ein Manöver,dass von der ansonsten unausgegorenen,verlogenen Gesundheitspolitik ablenken soll.
Im hiesigen Klinikum liegen wg.der erfreulich hohen Auslastung von über 90%,sogar auf den Privatstationen Patienten auf den Gängen.Würden die 4-Bett Zimmer umgebaut...wohin mit den Leuten?
Ich weiß ehrlich nicht mehr wo hin mit meiner Wut,wenn ich das dumme Gebabbel unserer Kanzlerin zu Weihnachten,oder jetzt dieses "Experten" wahrnehme.
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