Die Bundeswehrreform ist im Kabinett beschlossene Sache. Die Regierung hat die historische Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli kommenden Jahres beschlossen und eine drastische Verkleinerung der Truppe von rund 240.000 auf bis zu 185.000 Soldaten. Nun müssen Bundestag und Bundesrat noch zustimmen. Wie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mitteilte, werden bereits am 1. Januar 2011 zum letzten Mal Wehrpflichtige auch gegen ihren Willen einberufen.

Die Koalitionsrunde hatte bereits am vergangenen Donnerstag Guttenbergs Vorschläge für die Wehrreform gebilligt . Dabei geht es um eine der tiefgreifendsten Veränderungen in der Geschichte der Bundeswehr.

Erstmals seit Wiedereinführung der Wehrpflicht 1957 werden junge Männer damit bald nicht mehr eingezogen. Der Wehrdienst war erst in diesem Jahr von neun auf sechs Monate verkürzt worden. Die Wehrpflicht bleibt allerdings im Grundgesetz verankert, damit in Notfällen Soldaten wieder eingezogen werden könnten.

Die Truppe soll künftig 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten haben. Offen ist noch, wann diese Truppenstärke erreicht wird. Denn die Sparpläne für die Bundeswehr bis 2014 sollen bestehen bleiben. Geplant sind darüber hinaus bis zu 15.000 freiwillig Dienende im Jahr. Dieser Dienst kann bis zu 23 Monate dauern. Um die Freiwilligen zu gewinnen, will das Verteidigungsministerium ein Programm in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags auflegen. Mit der Reduzierung sollen im Verteidigungsetat in den kommenden Jahren 8,3 Milliarden Euro eingespart werden.

Die Attraktivität des Dienstes bei der Bundeswehr soll durch angemessene Aufstiegsmöglichkeiten gerade auch für Fachkräfte wie Ärzte und Ingenieure steigen. Auch soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden.

Bundeswehr - Helmut Schmidt über die Abschaffung der Wehrpflicht Von einer Verteidigungs- zur Einsatzarmee? Die neuen Herausforderungen der Bundeswehr. Helmut Schmidt im Gespräch mit Josef Joffe. Aufzeichnung vom Deutschen Wirtschaftsforum in Hamburg vom 10.12.2010

Von den derzeit gut 3000 Dienstposten im Verteidigungsministerium soll einem Vorschlag der Kommission zur Bundeswehr-Strukturreform zufolge mehr als die Hälfte entfallen. Statt zwei soll es nur noch einen beamteten Staatssekretär geben. Das Ministerium soll sich künftig auf politische und strategische Kernaufgaben konzentrieren. Die Kommission empfahl Guttenberg zudem, den bisherigen Dienstsitz in Bonn möglichst bald aufzugeben.

An welchen Orten die Streitkräfte künftig stationiert sein sollen, soll ab Mitte nächsten Jahres geregelt werden. Guttenberg will nach eigenen Angaben an dem Prinzip festhalten, dass die Bundeswehr in der Fläche und nicht nur an einzelnen Großstandorten vertreten sein soll. Mögliche Standortschließungen stoßen in den Bundesländern auf Widerstand.

Da mit der Aussetzung der Wehrpflicht auch der Zivildienst wegfällt , will die Bundesregierung mit einem sogenannten Bundesfreiwilligendienst etwa 35.000 Männer und Frauen für gemeinnützige Arbeit gewinnen. Für den Dienst soll es keine Altersgrenze geben. Die gleiche Zahl Freiwilliger soll aus bereits bestehenden Initiativen wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) gewonnen werden. Die zivilen Freiwilligendienste sollen bis zu 23 Monate dauern.