2011 dürfte für den FDP-Chef, Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle entscheidend werden. Denn in der eigenen Partei melden sich immer mehr Leute zu Wort, die seine politische Zukunft offen infrage stellen.

Der einflussreiche Schaumburger Kreis der FDP hatte kürzlich über einen Wechsel an der Parteispitze debattiert, wie aus Fraktionskreisen der Liberalen verlautete. Der Zirkel wirtschaftsliberaler Parteivertreter erörterte nach Informationen der Bild- Zeitung unter anderem das Für und Wider eines Rückzugs Westerwelles auf dem Dreikönigstreffen am 6. Januar 2011 in Stuttgart. Auch die Aufgabe des Außenminister-Amtes sei diskutiert worden, berichtete die Zeitung.

An dem Treffen vom Dienstag nahmen nach Angaben von Handelsblatt Online Bundeswirtschaftsminister und Parteivize Rainer Brüderle, Schatzmeister Hermann Otto Solms, Fraktionsvize Patrick Döring sowie die Abgeordneten Martin Lindner und Heinrich Kolb teil.

Zweifel an Westerwelle gibt es schon seit Monaten. Er ist extrem unter Druck, weil die Partei zur Bundestagswahl zwar mit fast 15 Prozent abschnitt, seitdem aber kontinuierlich an Wählersympathie verlor. Das Versprechen aus dem Wahlkampf, Steuern zu senken, stellte sich als unhaltbar heraus. Im Falle einer Bundestagswahl käme die FDP derzeit nicht einmal über die Fünfprozenthürde.

Die jüngste Diskussion um den Chef hatte der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki ausgelöst, als er die Lage der eigenen Partei mit der Endphase der DDR verglich . Dann kursierte ein Offener Brief von baden-württembergischen FDP-Vertretern , die von Westerwelle verlangten, spätestens beim traditionellen Dreikönigstreffen seinen Verzicht auf den Parteivorsitz zu erklären. "Helfen Sie der Partei unter Zurückstellung persönlicher Interessen und jeder Bunkermentalität aus dem Tief", flehen die Autoren. Und dann machte der rheinland-pfälzische Landesverband klar, dass er im anstehenden Landtagswahlkampf auf Westerwelle verzichten will.

Pikant daran ist, dass die FDP dort von Bundeswirtschaftsminister Brüderle geführt wird, dem eine gute Chance auf den Bundesvorsitz eingeräumt wird. Passenderweise kam dann auch noch heraus, dass der 65-Jährige beim Schaumburger Kreis dabei war.

Schon einmal musste ein Parteichef kurz vor dem Dreikönigstreffen gehen: 2001, als sich der damalige Parteichef Wolfgang Gerhardt dem damaligen Generalsekretär Westerwelle beugen musste, der dann selbst den Platz an der Spitze einnahm.

Auch andere Alternativen wurden diskutiert wie ein Sonderparteitag oder eine Kampfkandidatur, falls sich Westerwelle nicht freiwillig zurückziehen sollte.

Von Putsch will Brüderle nichts wissen. "Wir haben als Team gewonnen und werden als Team die schwierige Lage meistern", sagte der Wirtschaftsminister der Nachrichtenagentur dpa. Mit Blick auf die wichtigen Landtagswahlen im Frühjahr – Hamburg und Sachsen-Anhalt, aber vor allem Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – rief er seine Partei zu Optimismus auf. "Die Menschen erwarten von uns, dass wir weiter die Agenda abarbeiten, für die wir gewählt wurden."

In der FDP-Zentrale wird aber durchaus wahrgenommen, dass von Brüderle in den vergangenen Tagen kein Wort zur Verteidigung des Vorsitzenden kam. Ebenso wurde registriert, dass sich der einflussreichste Liberale in Rheinland-Pfalz mit keiner Silbe von der Ausladung des Parteivorsitzenden aus dem Wahlkampf distanzierte. Der Vorwurf, Westerwelle sei ein "Klotz am Bein" steht weiter im Raum.

Selbst wenn Westerwelle das Dreikönigstreffen politisch überlebt, wird seine Zukunft dann vom Ausgang der Wahl in Baden-Württemberg bestimmt. Sollte die FDP im Frühjahr den Einzug in mehrere Landtage nicht mehr schaffen, wird der Bundeschef die Hauptverantwortung übernehmen müssen.

Derzeit ist Westerwelle in der Zwickmühle. Einerseits will er vermeiden, dass die Querelen die Wahlkämpfe erschweren. Andererseits will er nicht kampflos eines seiner drei Spitzenämter räumen. Nach Angaben eines Parteisprechers wird Westerwelle nun doch im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf auftreten.