Knapp 200 Seiten hat die Stasi-Akte von Siegfried Sievert. Der Chef des Fettherstellers Harles und Jentzsch ist für den Staatssicherheitsdienst der DDR tätig gewesen. Das geht aus Akten der Birthler-Behörde hervor, aus denen die Süddeutsche Zeitung zitiert. Sievert sei 18 Jahre lang bis zur Wende als IM Pluto geführt worden. Schon damals arbeitete er für fettverarbeitende Betriebe wie dem VEB Märkische Ölwerke in Wittenberge, schrieb die Zeitung weiter.

"Der IM hat keinerlei Vorbehalte bei der Belastung von Personen aus seinem Umgangskreis", zitierte die Süddeutsche Zeitung aus seiner Akte. Weiter heißt es, dass Sievert nicht aus Überzeugung für die Stasi arbeite, sondern nur, weil er  "persönliche Vorteile/Nachteile in Erwägung" ziehe. Sievert wollte sich laut der Zeitung auf Anfrage nicht äußern.

Sievert ist Geschäftsführer des mittlerweile insolventen Fettherstellers Harles und Jentzsch im schleswig-holsteinischen Uetersen. Die Firma hatte dioxinbelastete Fettsäuren mit unbelasteten Fetten gemischt. Die Fette wurden zu Futtermitteln verarbeitet und führten bundesweit zur Dioxin-Belastung von Hühnern und Schweinen.

Derweil schrieb die Berliner Zeitung, dass der Fetthersteller Harles und Jentzsch regelmäßig und in viel größerem Ausmaß dioxinbelastete Fettsäuren gemischt und ausgeliefert haben soll als bislang bekannt. Die Zeitung berief sich dabei auf Messergebnisse des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). Insgesamt 92 der 153 überprüften Fettproben haben Laves zufolge den zulässigen Dioxin-Grenzwert von 0,75 Nanogramm pro Gramm überschritten.

Ein besonderes Merkmal der Ergebnisse ist, dass sich der Dioxingehalt in den Proben eklatant voneinander unterscheidet. Der Dioxingehalt lag bei 1,0, in anderen bei 11,7 und 28,7 Nanogramm, auch Werte von 48,0 bis 61,6 Nanogramm kamen vor. Für die Ermittler erhöht sich damit der Verdacht, dass das erhöhte Dioxin nicht zufällig in den Fetten vorhanden ist sondern unterschiedlich belastete Fette vorsätzlich miteinander vermengt wurden.

Alle Proben stammen aus der Zeit vom 11. November bis zum 13. Dezember. Die Behörden schätzen, dass die Firma Harles und Jentzsch in diesem Zeitraum rund 2500 Tonnen Futtermischfette hergestellt hat und diese an 20 niedersächsische Futtermittelunternehmer lieferte. Diese hätten dann die Fette mit anderen Futtermitteln weiterverarbeitet. Daraus ergebe sich für Niedersachsen eine Futtermittelmenge von 25.000 bis 125.000 Tonnen, die auf diese Weise in der Nahrungskette eingegangen sind.