Sparpolitik Kanzleramt kritisiert Guttenbergs Reformpläne
Die Sparpläne des Verteidigungsministeriums gehen dem Kanzleramt offenbar nicht weit genug. Personalabbau und Standortschließung müssten konsequenter stattfinden.
Die Pläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zur Reform seines Ministeriums werden einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge vom Kanzleramt kritisch gesehen. Der Personalabbau und das Sparziel von 8,3 Milliarden Euro würden nicht im benötigten Ausmaß verwirklicht. Die Leitungsebene werde nur unzureichend gestrafft, heißt es in einer Vorlage für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Deutlich mehr Standorte als von Guttenberg in Aussicht gestellt müssten geschlossen werden.
Als unzureichend schätzt das Kanzleramt dem Bericht zufolge auch den Personalabbau ein. Die Zahl der Soldaten soll von 250.000 auf 185.000 Mann reduziert werden, die des Zivilpersonals von derzeit faktisch 100.000 Mitarbeitern auf etwa 65.000. Künftig nicht mehr benötigtes Personal solle nach den Plänen des Ministeriums "im Überhang weiterbeschäftigt werden". Darin sehe das Kanzleramt das Risiko, dass "für Überhangpersonal künstlich Aufgaben geschaffen werden."
Derweil warnte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), davor, die Bundeswehr angesichts der jüngsten Vorfälle unter "Generalverdacht" zu stellen. Dafür gebe es keinen Anlass, sagte Königshaus der Passauer Neuen Presse. Er bezog sich mit seinen Aussagen auf die von Guttenberg angeordnete Überprüfung aller Teilstreitkräfte. "Die Bundeswehr ist gut aufgestellt", sagte Königshaus weiter. "Ein grundsätzliches Problem in der Menschenführung kann ich in der Bundeswehr jedenfalls nicht feststellen."
Kurz zuvor hatte Königshaus weitere, noch nicht öffentlich bekannte Probleme auf der Gorch Fock vermutet und spekuliert, dass Guttenberg von diesen wisse. So gebe es viele Fälle, in denen sich Soldaten insbesondere in der Grundausbildung darüber beklagten, unangemessen gefordert worden zu sein. "Das sind natürlich Fragen, denen wir nachgehen müssen: Ist das individuelles Fehlverhalten, oder gibt es ein strukturelles Problem?", hatte Königshaus gesagt.
Auch Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU) forderte eine bessere Informationspolitik über Missstände und Schwierigkeiten in der Bundeswehr. "Die Fakten müssen transparent und zugänglich sein. Nur so kann in einer Demokratie auch öffentlich mit solchen Problemen umgegangen werden", sagte Schockenhoff. Zugleich sicherte er Guttenberg das volle Vertrauen der Fraktion zu. Der Minister verheimliche nichts bei der Aufklärung der geöffneten Feldpost von Soldaten, dem Tod eines jungen Soldaten in Afghanistan und des Drills auf dem Segelschulschiff Gorch Fock.
Dass die Bundeswehr wochenlang über den Tod des Soldaten in Afghanistan im Dezember nicht umfassend berichtete, obwohl der Minister bereits kurz nach dem Unglück die Beteiligung eines Kameraden deutlich gemacht habe, nannte Schockenhoff eine "ärgerliche Informationspanne". Hier müsse mehr "Sensibilität" entwickelt werden.
Ähnlich äußerte sich der parlamentarische Geschäftsführer der Union, Peter Altmaier. Die Unionsfraktion sei sich einig, dass Guttenberg ein "exzellenter Verteidigungsminister" sei, sagte Altmaier. Die Fraktion werde nicht zulassen, dass der Minister durch die aktuellen Bundeswehrskandale ins "Zwielicht" gestellt werde. Altmaier betonte aber auch, dass Guttenberg wie jeder andere Minister die im vergangenen Sommer vereinbarten Sparziele erbringen müsse. Da stehe die Fraktion "voll und ganz" hinter dem Finanzminister. Guttenberg hatte zuletzt angedeutet, dass es für sein Ressort wegen der Bundeswehrreform schwierig werden könnte, die angestrebten 8,3 Milliarden Euro einzusparen.
Auch die CSU-Landesgruppe im Bundestag stellte sich hinter den unter Druck geratenen Verteidigungsminister. "Die Landesgruppe steht geschlossen hinter Dir", sagte deren Vorsitzender Hans-Peter Friedrich nach Angaben von Teilnehmern einer Sitzung der CSU-Bundestagsabgeordneten am Montagabend in Berlin.
Die Opposition hält die von Guttenberg angeordnete Absetzung des Kapitäns des Schulschiffes Gorch Fock für überstürzt, Grüne und Linke wollen gegebenenfalls einen Untersuchungsausschuss einschalten.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Affären stellt Hellmut Königshaus am heutigen Dienstag seinen ersten Jahresbericht vor. Der FDP-Politiker gibt darin einen Überblick über Missstände, die er bei Truppenbesuchen festgestellt hat und die ihm von Soldaten mitgeteilt wurden. So gab es nach Informationen von Spiegel Online Berichte über Alkoholexzesse an Bord der Gorch Fock. Die Schilderungen von Offiziersanwärtern an Bord erinnerten demnach an "Erzählungen aus dem Rotlichtmilieu".
Das Zentrum für Innere Führung der Bundeswehr verteidigte angesichts der Kritik an brutalen Schleifermethoden auf der Gorch Fock die Notwendigkeit militärischen Drills. Die Grenze des Zumutbaren sei dabei "manchmal sehr schwer zu finden", sagte Oberst Siegfried Morbe von der Koblenzer Militär-Bildungseinrichtung. "Es muss eine militärische Notwendigkeit vorhanden sein, es muss eine Sinnhaftigkeit vorhanden sein. Drill um des Drills willen, lehnen wir ab."
Zu der von Verteidigungsminister Guttenberg angekündigten Überprüfung der gesamten Bundeswehr auch auf fragwürdige Rituale sagte Morbe, es würden voraussichtlich auch Leute gefunden, die sich hart am Rande des guten Geschmacks und vielleicht sogar der Verletzung von Strafgesetzen bewegten. "Die Grenze ist dort, wo es gegen die Würde des Soldaten geht", sagte Morbe.
- Datum 25.01.2011 - 12:16 Uhr
- Quelle AFP, dpa
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....muss wohl das Ziel sein, die Gelder für das ausgibt und ausbildet wozu die Truppe da ist. Gelten die Vorschläge des Kanzleramtes diesem Ziel, so wären sie gerechtfertigt. Dabei darf man allerdings nicht außer Acht lassen, dass die Umformung der Streitkräfte in vollem Gange ist und sehr tiefgehend sind. Da sind zwar Anlehnungen an die Erfahrung anderer Armeen, die ähnliche Prozesse durchlaufen haben möglich. Die genaue Marschroute wird aber durch Eigenheiten der eigenen Situation diktiert. So werden Anpassungen der Pläne sicherlich immer wieder notwendig werden.
Es erinnerte an das Problem der Unbedarftheit der Bevölkerung und an den Erklärungsbedarf ein Interview heute Früh im WDR, als der Reporter den Skandal Mittenwald aufgriff und die entsetzlichen Rituale der Soldaten schilderte, die zu viel Alkohol tranken und rohe Leber aßen. Heranwachsende trinken viel und rohe Leber essen Viele. Was genau war außerordentlich daran?
So wäre eine allererste Aufgabe der Politik zu erklären und verständlich zu machen, was die neuen Aufgaben der Bundeswehr sind und warum Deutschland diese Aufgaben erfüllen muss. So würde sie die Diskussion in eine konstruktive Richtung lenken weg von verworrenen Vorstellungen und dazu beitragen die neuen Aufgaben des Militärs zu legitimieren.
Wer sich einmal die verschiedenen Facetten der gruppendynamischen Zwangs- und Beherrschungsmechanismen anschaut, wer sich bei Bund, Marine und Luftwaffe umschaut und die Vielzahl der dort eingesetzten Initiationsriten unter dem Blickwinkel der klinischen Psychatrie anschaut, der wird sich eines gewissen Verständnisses für die Skepsis und Kritik der interessierten und sachkundigen Öffentlichkeit nicht verschließen können.
Das setzt aber unbedingt voraus, dass es sich der Betrachter eben nicht in den Refugien eines herrenmenschelnden und devoten Untertanenweltbildes bequem gemacht hat und nur darauf wartet, seine Lustlösung dadruch zu erlangen, dass er den Absatz des Reitstiefels seines Herren in sein Genick hineintreten fühlt.
Wer sich einmal die verschiedenen Facetten der gruppendynamischen Zwangs- und Beherrschungsmechanismen anschaut, wer sich bei Bund, Marine und Luftwaffe umschaut und die Vielzahl der dort eingesetzten Initiationsriten unter dem Blickwinkel der klinischen Psychatrie anschaut, der wird sich eines gewissen Verständnisses für die Skepsis und Kritik der interessierten und sachkundigen Öffentlichkeit nicht verschließen können.
Das setzt aber unbedingt voraus, dass es sich der Betrachter eben nicht in den Refugien eines herrenmenschelnden und devoten Untertanenweltbildes bequem gemacht hat und nur darauf wartet, seine Lustlösung dadruch zu erlangen, dass er den Absatz des Reitstiefels seines Herren in sein Genick hineintreten fühlt.
Ich fordere die sofortige Auflösung des Verteidigungsministeriums in Bonn und Berlin.
Da wir deutschen nur noch von Freunden in Europa und der Welt umgeben sind (solange wir alles Bezahlen), benötigen wir dieses Mamut-Ministerium nicht mehr.
Braucht der Bund Soldaten, gibt es zwei Möglichkeiten, erstens: es gibt 600 Abgeordnete die man einsetzen kann, braucht er zusätzliche Soldaten, sollte er sich an private Sicherheitsfirmen wenden, wie es die USA schon lange machen (Söldner-Armee).
Danke
Wo wird denn in den anderen Ministerien, zum Beispiel im Landwirschafts Ministerium oder im Bundeskanzleramt eingespart?
Ich bin sicher wenn man sich das anguckt findet man mindestens genau so viel überflüssiges Personal wie beim Verteidigungsministerium.
Man sollte mal den ganzen Regierungsapparat durchleuchten, denn unterm Strich kommt uns unsere Regierung nicht nur durch den Unsinn den sie beschließt teuer zu stehen sondern eben auch durch die horrenden Personalkosten.
Wenn ich mir ansehe was man als Politiker so verdient, plus die ganzen kleinen Zuwendungen vom Finanzmarkt und der Wirtschaft mit der Aussicht sowieso irgendwann einen gut bezahlten Job in einem Aufsichtsrat zu haben, muss ich sagen, die Herren verdienen zu viel. Wenn die Leute glauben man kann mit knapp 400 Euro im Momant auskommen, dann müssten die ja selbst mit ihrem normalen Beamtengehalt prassen können und brauchen nicht wie jetzt das 5fache davon im Monat heimtragen.
Es ist schon jetzt absehbar, daß die Bundeswehr in nicht allzu ferner Zeit aufgelöst wird, und aufgeht in einer Europäischen Berufsarmee.
Da wir also mit der Bundeswehr nun auf dem Weg in eine Europäische Berufsarmee sind, so ist die Vorgabe des Kanzleramtes nach eindeutig drastischeren Einsparungen nur konsequent.
An die Bedenkenträger gegen diese Entwicklung:
Das einzige was Deutschland dann noch bräuchte, wäre eine Heimatschutztruppe, die eventuelle Übergriffe der europäischen Berufsarmee verhindert. :)
....hin zu einer EU Armee sind zögerlich eingeleitet worden. Da aber auf EU Ebene Dissens besteht, ob das nicht kontraproduktiv sein könnte indem man die funktionierend Strukturen der Nato implizit in Frage stellen würde, dies zumindest so wahrgenommen werden könnte, ist das relativ langsam. Sollte dies aber weiter gehen, so wäre wie beim Lissabonner Übertrag von Souveränität weg vom GG an den Rat die Verfassungsfrage zu stellen.
....hin zu einer EU Armee sind zögerlich eingeleitet worden. Da aber auf EU Ebene Dissens besteht, ob das nicht kontraproduktiv sein könnte indem man die funktionierend Strukturen der Nato implizit in Frage stellen würde, dies zumindest so wahrgenommen werden könnte, ist das relativ langsam. Sollte dies aber weiter gehen, so wäre wie beim Lissabonner Übertrag von Souveränität weg vom GG an den Rat die Verfassungsfrage zu stellen.
Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Die Redaktion/ft
Entfernt, bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Die Redaktion/ft
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....hin zu einer EU Armee sind zögerlich eingeleitet worden. Da aber auf EU Ebene Dissens besteht, ob das nicht kontraproduktiv sein könnte indem man die funktionierend Strukturen der Nato implizit in Frage stellen würde, dies zumindest so wahrgenommen werden könnte, ist das relativ langsam. Sollte dies aber weiter gehen, so wäre wie beim Lissabonner Übertrag von Souveränität weg vom GG an den Rat die Verfassungsfrage zu stellen.
"...Sollte dies aber weiter gehen, so wäre wie beim Lissabonner Übertrag von Souveränität weg vom GG an den Rat die Verfassungsfrage zu stellen."
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Und würde entschieden, wie mit dem Lissabonvertrag geschehen.
"...Sollte dies aber weiter gehen, so wäre wie beim Lissabonner Übertrag von Souveränität weg vom GG an den Rat die Verfassungsfrage zu stellen."
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Und würde entschieden, wie mit dem Lissabonvertrag geschehen.
Entfernt, bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Die Redaktion/ft
"...Sollte dies aber weiter gehen, so wäre wie beim Lissabonner Übertrag von Souveränität weg vom GG an den Rat die Verfassungsfrage zu stellen."
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Und würde entschieden, wie mit dem Lissabonvertrag geschehen.
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