Mit dem für ihn typischen federnden Schritt läuft Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf die hellbraune Tür zu. Davor stehen Dutzende Fotografen und Kameras. Doch völlig untypisch für den Minister: Er bleibt nicht stehen. Guttenbergs einziges Zitat an diesem Morgen lautet "Morgen". Dann eilen er und sein Tross in den Tagungsraum des Verteidigungsausschusses im Bundestag.

"Das wird ein Guttenberg-Tag", prophezeit danach ein Fernsehjournalist bei einem Aufsager vor der Kamera. Viel mehr gibt es nicht zu berichten.

Denn das Gremium tagt wie immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Was der Verteidigungsminister zu den drei Skandalen und deren Aufarbeitung sagt, bleibt vorerst geheim. Sehr wenig dringt an diesem Mittwochvormittag nach draußen. Nicht nur Guttenberg, auch der Inspekteur der Marine, Axel Schimpf und der Kommandeur des Einsatzführungskommandos, Rainer Glatz, sowie Generalinspekteur Volker Wieker werden befragt.

Guttenberg habe dünnhäutig auf Nachfragen reagiert, berichten Teilnehmer. Eine gewisse Gereiztheit bescheinigen ihm sogar Abgeordnete aus dem eigenen Lager.

Die Opposition kritisiert Guttenbergs Umgang mit diesen drei Affären: Die geöffneten Feldpostbriefe, die skandalösen Vorgänge auf dem Segelschulschiff Gorch Fock und der Tod eines jungen Hauptgefreiten an einem Außenposten in Nordafghanistan. Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei werfen Guttenberg vor, sie spät und unzureichend informiert zu haben.

Vor allem die Zustände auf dem Segelschulschiff Gorch Fock , dem Stolz der deutschen Marine, und die von Guttenberg angeordnete Abberufung des Kommandanten Norbert Schatz, sorgen für Ärger. Paul Schäfer, Obmann der Linkspartei im Verteidigungsausschuss wirft Guttenberg Aktionismus vor. "Mein Unbehagen hat sich eher noch verschärft", sagt er nach der Ausschusssitzung.

Sein Kollege Omid Nouripour von den Grünen sagt, Guttenberg habe in den vergangenen Monaten viele Schlagzeilen produziert , aber offensichtlich das Kleingedruckte vergessen. Ihn erinnere das Vorgehen Guttenbergs an dessen Informationspolitik beim Tanklaster-Bombardement von Kundus . "Die Information des Parlaments ist unvollständig gewesen."

Auch SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold kritisiert den Umgang des Freiherrn mit dem Parlament. Arnold sagt, er verstehe nicht, warum die Abberufung von Schatz noch kein Thema war, als Guttenberg am vergangenen Freitagmittag die Obleute des Verteidigungsausschusses über den Fall Gorch Fock informierte. Wenige Stunden später wurde der Kapitän dann seines Amtes enthoben. Angeblich wegen neuer Vorwürfe.

Guttenbergs Sprecher verteidigt das Vorgehen seines Chefs: Die Entscheidung habe der Minister nicht allein getroffen. Am Freitagnachmittag häuften sich die negativen Presseberichte. Der Inspekteur der Marine habe am Freitag mehrfach mit Schatz telefoniert. Die Entscheidung, ihn vorübergehend vom Kommando zu entbinden, sei daher eine Schutzmaßnahme gewesen. Der Verteidigungsminister selbst habe mit dem Kapitän vor dessen Abberufung nicht gesprochen. 

Nach der Befragung, die fast zwei Stunden länger dauerte, als geplant, tritt endlich auch Guttenberg kurz vor die Kameras. Der Minister wirkt erschöpft, abgekämpft. Er betreibt Verteidigung in eigener Sache. "Wichtig ist, dass man nicht mit Vorwürfen, sondern mit Tatsachen arbeitet", sagt der Minister zum Beispiel. Die Anschuldigungen gegen ihn seien "alle unbewiesen". Die vorläufige Abberufung des Kommandanten der Gorch Fock habe auch dessen Schutz gedient.

Vor dem Ausschuss soll er Informationspannen in seinem Haus eingeräumt haben, vor der Presse tut er das nicht. Nach kurzem Statement eilt er davon. Die Grünen haben eine Aktuelle Stunde im Bundestag zu den Vorfällen in der Bundeswehr beantragt. Seine Parteifreunde, die Guttenberg wie immer in Schutz nehmen, hoffen auf einen energischen Auftritt des Ministers.

Sie werden nicht enttäuscht. Mit Verve wehrt sich Guttenberg gegen den Vorwurf, er habe die Vorfälle vertuschen wollen. "Alle diese Vorgänge bedürfen zweifelsfrei der vollständigen Aufklärung", sagt er vor den Parlamentariern. "Ich weise (...) mit Nachdruck zurück, ich hätte das Parlament nicht informiert, ebenso den Vorwurf einer gezielten Vertuschung oder Irreführung."