Während die Linke noch über die Eignung ihres Parteichefs Klaus Ernst diskutiert, ist nun die Co-Vorsitzende Gesine Lötzsch für ihre Thesen zum Kommunismus stark kritisiert worden. In einem Artikel in der linksgerichteten Zeitung Junge Welt hatte Lötzsch unter anderem geschrieben: "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung."

Unter den sogenannten Reformern ihrer Partei sorgte der Artikel für Irritationen. "Wenn sie das Wort Kommunismus durch demokratischen Sozialismus ersetzt hätte, wäre er unproblematisch", hieß es in der Fraktionsspitze. So aber fehle die historische Positionierung. Im Namen des Kommunismus seien "Verbrechen ohne Ende" begangen worden. Wer sich als Politiker der Linken damit befasse, sei verpflichtet, an die Opfer zu erinnern.

Auch in Sachsen-Anhalt, wo am 20. März gewählt wird, stellten sich die Genossen gegen ihre Parteichefin. Das Ganze sei "taktisch das Gegenteil von klug" gewesen. Auch wenn im Text Anderes stehe, die Botschaft, die gesendet werde, sei, dass "Lötzsch jetzt den Kommunismus ausruft". Damit bediene sie den politischen Gegner CDU, der "ein rotes Horrorszenario an die Wand zu malen versucht".

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe verurteilte Lötzschs Äußerungen als "skandalöse Kommunismus-Sehnsucht" und einen "Schlag ins Gesicht aller Opfer dieser menschenverachtenden Ideologie". CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ging weiter. Er verlangte die Beobachtung der Linkspartei durch den Verfassungsschutz. "Der Kommunismus als Staatsziel offenbart klar die verfassungsfeindliche Gesinnung in der Linkspartei bis in die Führungsspitze", sagte er Spiegel Online.

SPD-Fraktionschef Frank Walter Steinmeier rief die Führung der Linkspartei zu einer Klärung auf. "Ich fass mir an den Kopf. Gesine Lötzsch will zurück zum Kommunismus. Dorthin, wo wir Unfreiheit und Misswirtschaft 70 Jahre lang regieren sahen", sagte er dem Hamburger Abendblatt. Er kenne nicht mal viele in der Linkspartei, die das wollten.

Derweil distanzierte sich Lötzsch bei Spiegel Online vom Kommunismus. Dort sagte sie zu den Vorwürfen: "Die Linke ist linkssozialistisch, wir sind und werden keine kommunistische Partei. Und ich werde auch kein Mitglied der kommunistischen Plattform." Mit ihrer Teilnahme an der Rosa-Luxemburg-Konferenz am 8. Januar wolle sie "auch diejenigen für die Linke gewinnen, die unsere Partei für zu angepasst halten". An der Diskussionsrunde auf der Konferenz zum Thema "Wo bitte geht's zum Kommunismus?", nehmen neben Lötzsch auch die frühere RAF-Terroristin Inge Viett und die Vorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), Bettina Jürgensen, teil.

Auch einige Genossen versuchten, ihre Aussagen abzuschwächen. Er habe Lötzsch "bislang nicht als eine Vorsitzende erlebt, die die Linke in eine kommunistische Partei umwandeln will", sagte Berlins Landeschef Klaus Lederer. Sachsen-Anhalts Parteichef Matthias Höhn sagte, er hege keinen Zweifel, dass Lötzsch "generell, wie auch auf der in Rede stehenden Veranstaltung, unsere klare Abgrenzung gegenüber Gewalt als Mittel der Politik sowie unseren unwiderruflichen Bruch mit dem Stalinismus als System, und der Verurteilung begangener Verbrechen im Namen des Kommunismus vertritt".

Wolfgang Zimmermann, Linke-Fraktionsvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, sagte: "Ich möchte – wie meine Partei auch – Wege finden, die zu einer demokratisch-sozialistischen Gesellschaft führen und bin fest davon überzeugt, dass dies meine Parteivorsitzende Gesine Lötzsch ebenso als Ziel hat."