Den meisten Applaus bekam der leutselige Bürgermeister aus Krauschwitz in Sachsen-Anhalt: Für sein Ständchen zu Ehren der neu fusionierten Partei NPD – die Volksunion , das der ehemalige Sozialdemokrat Hans Püschel den 180 Gästen der als "Festakt" angekündigten Veranstaltung in schiefer Stimmlage vortrug. Sein plötzliches Bekenntnis zur NPD begründete Püschel mit der notwendigen Kompromissfähigkeit in einer Demokratie. Dabei verwies er auf das strapazierte Rosa-Luxemburg-Zitat von der Freiheit der Andersdenkenden.

Unterdessen lästerten draußen – in der Raucherecke vor der Aula der Max-Taut-Schule in Berlin-Lichtenberg – langjährige Mitglieder der rechtsextremen Partei: "Der denkt wohl, dass wir eine demokratische Partei sind." Der Landesvorsitzende Uwe Meenen machte deutlich, wie er zu Rosa Luxemburg steht. "Sie war weder groß, noch war sie deutsch. Sie war eine polnische Jüdin, die es geschafft hat, durch eine Scheinehe hier eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen", sagte er. Meenen begrüßte seine Parteifreunde ganz herzlich "in der Reichshauptstadt".

Auf dem Klageweg hatte die NPD erreicht, dass der Berliner Senat ihr die Schulaula für ihre Veranstaltung überlassen musste. Die Mitarbeiter der Schule waren damit nicht einverstanden: "Dieser Ort, die Max-Taut-Aula, ist für uns Angestellte der Max-Taut-Schule trotz allem ein Ort der Toleranz und Menschlichkeit!", stand auf großen Plakaten am Eingang zum Veranstaltungssaal zu lesen.

Hans Püschel hingegen hat noch nicht erkannt, dass seine neue politische Heimat keinen Platz für demokratische Ideale hat. Er soll der neuen Partei helfen, in den Landtag von Sachsen-Anhalt einzuziehen. Denn die Veranstaltung in der Schule war nicht nur zur Feier der Parteifusion gedacht: Die NPD nutzte den Anlass zu einem allgemeinen Wahlkampfauftakt im Superwahljahr 2011 .

Sieben Landtage werden in diesem Jahr neu gewählt, darunter auch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Während man im September in Schwerin unbedingt den Wiedereinzug in den Landtag schaffen will, hofft man in Magdeburg schon am 20. März auf den lang ersehnten Einzug in den dritten Landtag.

Hans Püschel ist der einzige Bürgermeister aus dem politischen Lager der NPD. Als solcher ist er für sie ein wichtiger Mann, der hofiert wird. "Das Medienecho, was uns in Sachsen-Anhalt bisher beschert wird, ist beeindruckend. Das ist natürlich der Rückenwind durch Herrn Püschel", sagte Holger Apfel am Rande der Veranstaltung. Der sächsische Partei- und Fraktionsvorsitzende ist zugleich Wahlkampfleiter für Sachsen-Anhalt. "Die gesamte Partei ordnet sich jetzt dem Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt unter", sagte er.

Die Wahlen in den alten Bundesländern sind für die Parteistrategen dagegen zweitrangig. Einzig Berlin macht eine zaghafte Ausnahme. Und so präsentierte Udo Voigt, der Bundesvorsitzende der NPD, der seine Partei in diesem Jahr erneut in den Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus führen wird, in der Max-Taut-Schule seine Kandidaten für die Wahl im September. Den Wahlkampf wird er wohl vor allem mit Polemik gegen Ausländer führen. "Seit Sarrazin wissen wir, wir sind nicht alleine! Es gibt noch Millionen Menschen, die so denken wie wir", rief Voigt den Anwesenden zu. Sarrazin wurde noch häufiger bemüht als Rosa Luxemburg.