Wasserwerfereinsatz Mappus ohne Schuldgefühle wegen erblindeten Demonstranten

Ein Polizeieinsatz während der S-21-Proteste kostete Dietrich Wagner das Augenlicht. Ministerpräsident Mappus tut der Rentner zwar leid, Schuldgefühle hat er aber nicht.

Seine Anwesenheit auf der Demonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 am 30. September endete für Dietrich Wagner mit dem Verlust des Augenlichts. Infolge des gewaltsamen Polizeieinsatzes wird der Rentner auf einem Auge vollständig blind bleiben, das andere hat nur noch eine Sehfähigkeit von wenigen Prozent. Der baden-württembergischen Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat in Bezug auf Wagner "keinerlei Schuldgefühle". "Natürlich tut mir der Mann leid. Allerdings wurde er von Polizisten mehrmals von dem Ort weg geführt. Er wurde darauf hingewiesen, dass es gefährlich sein kann, er ist aber immer wieder zurückgekehrt", sagte Mappus der ZEIT.

Auf die Frage, ob Wagner also selbst schuld sei, antwortete der CDU-Politiker: "Ich fände es unpassend, bei jemandem, der eine schwere Verletzung hat, von Schuld zu sprechen. Aber die Schuld auf andere abzuwälzen, finde ich nicht legitim."

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Wagner hatte Prellungen an beiden Augen erlitten, als die Polizei am 30. September mit Tränengas, Schlagstöcken und Wasserwerfern gegen eine Demonstration von S-21-Gegnern vorging. Das Foto des Rentners mit blutigen Augenverletzungen, gestützt von zwei Helfern, war in den Medien zum Symbol für die Härte des Einsatzes geworden. Insgesamt wurden während des Protesttages laut Polizei 130, laut den Organisatoren des Protests 400 Demonstranten verletzt.

 
Leser-Kommentare
  1. Mappus folgt den Behauptungen der Polizei. Zahlreiche Zeugen widersprechen aber diesen Aussagen.
    Laut Mappus hat die Polizei also das Recht, Menschen, die polizeilichen Ausführungen nicht Folge leisten, zu Krüppeln zu prügeln.
    Was machen wir dann eigentlich mit Gewalttätern? Exekution?
    Die Aussagen von Mappus sind inhuman und inakzeptabel?

    27 Leser-Empfehlungen
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    • SdV
    • 19.01.2011 um 13:17 Uhr

    Selbstverständlich darf und muss die Polizei gegen Leute vorgehen, die ihren Anweisungen nicht Folge leisten. Und wer meint, er könne stur nur seine eigenen Regeln durchdrücken - koste es, was es wolle, gerne im Schutz von vorgeschobenen Kleinkindern im Kinderwagen - der hat auch die Konsequenzen zu gewärtigen. Was Verwerflichkeit angeht, gibt es keinen Unterschied zwischen der Arroganz der Macht und der Arroganz der Straße.

    • SdV
    • 19.01.2011 um 13:17 Uhr

    Selbstverständlich darf und muss die Polizei gegen Leute vorgehen, die ihren Anweisungen nicht Folge leisten. Und wer meint, er könne stur nur seine eigenen Regeln durchdrücken - koste es, was es wolle, gerne im Schutz von vorgeschobenen Kleinkindern im Kinderwagen - der hat auch die Konsequenzen zu gewärtigen. Was Verwerflichkeit angeht, gibt es keinen Unterschied zwischen der Arroganz der Macht und der Arroganz der Straße.

  2. 2. Titel

    Bewusst reißerischer Titel. Schade, liebe Zeit.

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    Das finde ich nicht schade sondern ziemlich durchsichtig.

    Das finde ich nicht schade sondern ziemlich durchsichtig.

  3. 3. Wegen?

    Müßte es nicht heißen "...wegen erblindeten Demonstrantens"? Wobei mir diese "wegen-Formulierung" ohnehin BILD-haft erscheint^^

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    • tilou
    • 19.01.2011 um 13:40 Uhr

    Der Demonstrant, des Demonstranten = schwache Deklination wie "der Pilot, des Piloten", was bedeutet, dass alle Fälle, außer dem Nominativ Singular die Endung -en tragen.
    Inwiefern eine Präposition + Genitiv BILDhaft sein soll ist mir vollkommen schleierhaft.

    erblindeten...

    das reicht schon.

    Dann:
    "Mappus ohne Schuldgefühle wegen erblindetem Demonstranten"

    es müsste heissen "erblindetem Demonstranten".

    Im übrigen scheinen Meldung wie Darstellung einseitig und tendenziös.

    • tilou
    • 19.01.2011 um 13:40 Uhr

    Der Demonstrant, des Demonstranten = schwache Deklination wie "der Pilot, des Piloten", was bedeutet, dass alle Fälle, außer dem Nominativ Singular die Endung -en tragen.
    Inwiefern eine Präposition + Genitiv BILDhaft sein soll ist mir vollkommen schleierhaft.

    erblindeten...

    das reicht schon.

    Dann:
    "Mappus ohne Schuldgefühle wegen erblindetem Demonstranten"

    es müsste heissen "erblindetem Demonstranten".

    Im übrigen scheinen Meldung wie Darstellung einseitig und tendenziös.

    • CM
    • 19.01.2011 um 13:02 Uhr

    Manchmal frage ich mich, wer auf dieser Welt blind ist: die Leute mit dem weißen Stock oder die mit den dunklen Anzügen, die kein Gewissen haben.

    • Simnie
    • 19.01.2011 um 13:05 Uhr

    Das Bild des brutal verletzten Rentners hat sich in das Gedächtnis vieler Menschen tief eingeprägt. Mir hat sich seit 20 Jahren ein anderes Bild eingeprägt, weil es jedes Jahr zum Fall der Mauer von den Medien verbreitet wird. Es zeigt einen jungen Mann in Berlin, der im Oktober 1989 bei einer nichtgenehmigten Demonstration, die in ein Sperrgebiet einer Feier von Staatsoberhäuptern des RGW eindringen wollte. Dabei erlitt der junge Mann eine kleine Verletzung im Gesicht und blutete. Dieses Bild wird von der CDU und den Medien zum Symbol für einen brutalen Polizeieinsatz der DDR gemacht. Dabei war er im Vergleich zum Polizeieinsatz in Stuttgart ein lauer Wind und Stuttgart ein Orkan. Wenn damals ein DDR-Politiker gesagt hätte:Tut mir leid, hätte ja nicht hingehen müssen. Na das hätte einen Medienrummel gegeben. Und heute? Heute wird mit Vorliebe auf andere Staaten gezeigt.

    29 Leser-Empfehlungen
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    Auf der Ausstellung auf dem Alexanderplatz zur Revolution in der DDR wurde großformatig das Bild eines Demonstranten präsentiert, der einem Volkspolizisten den Stikefinger zeigt.
    Wenn man das heute gegenüber unseren Uniformträgern (im Volksmund und Tatortjargon auch Trachtengruppe oder Bulle genannt) einen ebensolchen hinhält, bekommt Bürger eine Anzeige...

    Dabei haben spätestens nach dem schwarzen Donnerstag in Stuttgart alle Uniformträger eine solche Begrüßung verdient, solange nicht die Verantwortlichen (insbes.. des Zungnschnalzenden Wasserwerferfahrers und des prügelnden Meister Propper) aus ihren Reihen entfernt wurden...

    Auf der Ausstellung auf dem Alexanderplatz zur Revolution in der DDR wurde großformatig das Bild eines Demonstranten präsentiert, der einem Volkspolizisten den Stikefinger zeigt.
    Wenn man das heute gegenüber unseren Uniformträgern (im Volksmund und Tatortjargon auch Trachtengruppe oder Bulle genannt) einen ebensolchen hinhält, bekommt Bürger eine Anzeige...

    Dabei haben spätestens nach dem schwarzen Donnerstag in Stuttgart alle Uniformträger eine solche Begrüßung verdient, solange nicht die Verantwortlichen (insbes.. des Zungnschnalzenden Wasserwerferfahrers und des prügelnden Meister Propper) aus ihren Reihen entfernt wurden...

  4. würde eine offizielle, staatlich unterstrichene Debatte über staatliche Gewalt losbrechen müssen- meiner Meinung nach zu recht und unbedingt endlich zu führen. Weitere Aufrüstung bei gleichzeitiger Personalreduzierung von Polizei erbringt nicht mehr Schutz, sondern überarbeitete einzelne Menschen, die ihre Macht schneller missbrauchen, als ihnen selber lieb sein kann. Übergriffe einzelner Polizisten und manchmal scheinbar gruppenmäßig abgesprochene provokative, eskaliriende Maßnahmen in Demonstrationen sind leider keine Einzelerscheinungen, weshalb natürlich die Diskussion auf grundgesetzlich festgelegtes Meinungs- und Demonstrationsrecht neben durchaus nachvollziehbare Einhaltung öffentlicher Ordnung und Staatsschutz sich gegenüberstehen. Sehr viel mehr müssten die Einsatzkräfte/-leiter ihre Vorgehensweisen argumentativ darlegen müssten. Es kann nicht sein, dass sie der Staatsbürger, die Staatsbürgerin vermehrt vor ihrem Recht auf Demonstration ängstigt.

  5. Was an Deutschland auffällt, ist die Vielzahl an Politikern, die - egal was auch immer geschehen sein mag - keine Schuld oder Verantwortung trifft, und die stets eine weisse Weste tragen.

    Angesichts derartiger Vollkommenheit wundert sich der Betrachter, dass in diesem perfekten Land Hunderte Demonstranten bei einer Knüppelorgie, die jeder Bananenrepublik Ehre machen würde, verletzt werden - oder wie im genannen Fall einer sogar erblindet. Man darf sich darüber wundern, dass bei einer mit deutscher Gründlichkeit geplanten Veranstaltung 21 Menschen zu Tode getrampelt werden und u.ä. Wenn das die Ergebnisse verantwortungsbewussten Handelns sind, möchte ich nicht erleben, was geschieht, wenn Entscheidungen von inkompetenten, rücksichtslosen Ignoranten getroffen werden - und nicht von den hochkompetenten bürgernahen Vorbildern die derzeit am Ruder sitzen.

    Der Dienstanzug des deutschen politischen Verantwortungsträgers scheint in jedem Fall selbstreinigend zu sein. Das schlimmste, was dessen Träger zustossen kann, ist der - meist durch parteiinterne Machenschaften - erzwungene frühzeitige Verzehr seiner Pension oder die Abschiebung auf einen gut dotierten und wenig fordernden Posten mit überschaubarem Anforderungsprofil.

    22 Leser-Empfehlungen
    • SdV
    • 19.01.2011 um 13:11 Uhr

    >ZEIT-Redaktion ohne Schuldgefühle wegen reißerischer Überschrift.
    >Hannelore Krafft ohne Schuldgefühle wegen verfassungswidrigen Haushalts.
    >Linkspartei ohne Schuldgefühle wegen SED-Verbrechen.

    Schuld ist das Versagen vor der eigenen Verantwortung.

    Das gilt für Mappus und seine politische Verantwortung.

    Und genauso für den Demonstranten, der meinte, er könnte einfach auf Recht und Gesetz pfeifen.

    Dafür hat der Demonstrant bewusst Risiken in Kauf genommen und einen Preis bezahlen müssen. Mappus wiederum bekommt seine Quittung bei der Landtagswahl.

    Aber eine persönliche Schuld gegenüber dem Demonstranten hat Mappus natürlich nicht.

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