Torsten Albig: Ein nüchterner Realpolitiker als neuer SPD-Spitzenkandidat
Der SPD-Politiker Torsten Albig will Ministerpräsident von Schleswig-Holstein werden. Er gilt als pragmatischer Politiker. Sein Nachteil: Er ist vielen im Land unbekannt.
© Carsten Rehder/dpa

SPD-Politiker Torsten Albi in Kiel
Torsten Albig genießt den Ruf eines ruhigen Feinmechanikers der Macht. Mit den großen politischen Visionen ist es bei dem neuen Hoffnungsträger der schleswig-holsteinischen SPD dagegen so eine Sache. Bei seinen Auftritten strahlte der 47-jährige SPD-Oberbürgermeister von Kiel zuletzt vor allem nüchternen Pragmatismus aus. "In kleinen, aber tatkräftigen Schritten" wolle er das Land voranbringen, sagte der frühere Pressesprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) jüngst. Die SPD müsse den Menschen ehrlich sagen, "was wir können und auch was wir nicht können". Dann werde sie auch gewählt.
Die Mitglieder der schleswig-holsteinischen SPD überzeugte der verheiratete Vater eines Sohns und einer Tochter damit. Mit mehr als 57 Prozent der Stimmen bestimmten ihn die Genossen in Deutschlands nördlichstem Bundesland in einem Mitgliederentscheid überraschend eindeutig zum Spitzenkandidaten für die kommende Landtagswahl. "Das ist heute ein großartiger Tag für die Sozialdemokratie", sagte Albig nach seiner Wahl.
Mit Albig machte das Rennen ein in der Landespolitik von Schleswig-Holstein bislang eher unbekanntes Gesicht. Albig lebte in seiner Jugend einige Jahre in Schleswig-Holstein und kehrte nach seinem Jura-, Geschichts- und Sozialwissenschaftsstudium dorthin zurück, um in der Steuerverwaltung des Landes Karriere zu machen. Zwischenzeitlich arbeitete der bekennende Anhänger des Fußballzweitligisten Arminia Bielefeld von 2002 bis 2005 außerdem als Stadtrat in Kiel – jener Stadt, in der er 2009 auch überraschend die Wahl zum Oberbürgermeister gewann. Aber Parlamentserfahrung hat der ausgewiesene Finanzexperte nicht. In den teils harten Auseinandersetzungen zwischen SPD und schwarz-gelber Landesregierung war er in den vergangenen Jahren kaum präsent.
Der Schwerpunkt seiner Arbeit war in Berlin, wo er Ende der neunziger Jahre im Planungsstab des damaligen SPD-Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine begann. Diesem folgte er während dessen kurzen Amtszeit als Bundesfinanzminister als Sprecher in sein Ministerium und behielt den Posten auch unter dessen Nachfolger Hans Eichel (SPD). Es folgte ein Ausflug in die Wirtschaft als Sprecher der Dresdner Bank, bevor Albig, nach seiner Tätigkeit als Kieler Stadtrat, im Jahr 2006 als Pressesprecher von Bundesfinanzminister Steinbrück nach Berlin zurückkehrte.
Noch vor einem Jahr hatte sich Albig kritisch über den Föderalismus geäußert: "Es gibt eine überflüssige Ebene in Deutschland, das sind die Länder." Jetzt will er selber Ministerpräsident werden. "Schleswig-Holstein ist ein starkes Land. Es braucht endlich wieder einen starken Ministerpräsidenten, der nicht nur scheinbaren finanziellen Sachzwängen hinterher verwaltet, sondern der dem Land wieder eine klare Richtung gibt", schreibt er auf seiner Homepage.
Albigs Sieg ist zugleich eine schmerzliche Niederlage für seinen Hauptkonkurrenten, den langjährigen Landespartei- und Fraktionschef Ralf Stegner. Albig pflegt einen präsidialen, ausgleichenden Politikstil, was ihn auch vom angriffslustigen Stegner unterscheidet, der als Vertreter des linken SPD-Flügels stets auf klare Positionierung setzt. Er wolle Wahlkampf für "die Menschen in der Mitte der Gesellschaft" machen, sagte Albig am Samstag nach der Bekanntgabe seines Siegs. Die Frage nach der ideologischen Ausrichtung der SPD sei für ihn "eine Debatte der Vergangenheit".
Schon im Wahlkampf für den Mitgliederentscheid, bei dem sich die Kandidaten auf 16 Diskussionsveranstaltungen den SPD-Anhängern präsentierten, hatte Albig für sich als nüchternen Realpolitiker geworben. Er wolle den Wählern erklären, wie der Landeshaushalt des hochverschuldeten Schleswig-Holsteins funktioniere und dass es "die nächsten 15, 20 Jahre" dauern werde, diesen "Stück für Stück besser zu machen", sagte er etwa bei der letzten Runde Ende Januar in Tarp.
An Ehrgeiz und Zielstrebigkeit mangelt es dem 47-Jährigen trotz seines nach außen hin zurückhaltenden Auftretens gleichwohl nicht. "Ungeduld", antwortete der gebürtige Bremer, als er in Tarp nach seiner größten Schwäche gefragt wurde – vor allem als Chef gegenüber seinen Mitarbeitern. "Manchmal will ich einfach zu schnell ans Ziel kommen."





Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/wg
ich hoffe für Sie, dass Sie nachts noch zur Ruhe kommen.
Übrigens in SH wird in 2012 der MP gewählt und nicht der BK!
Das wird spannend, weil 2 neue Kandidaten von CDU und SPD.
Ich räume beiden gleiche Chancen ein, wobei der CDU Kandidat die Mehrheit alleine schaffen muß und der SPD Kandidat auf die GRÜNEN und den SSW setzen kann.
Alles, was du aufzählst, mag durchaus berechtigt gewesen sein oder auch nicht, nur hat es mit Schleswig-Holstein nichts zu tun. Oskar Lafontaine hatte übrigens damals nichts dagegen, als der erste Auslandseinsatz im Kabinett besprochen wurde, denn er wusste genau, dass Deutschland nicht die Hände in Unschuld waschen durfte - erst lange später, als er keine Verantwortung mehr zu tragen hatte, war er plötzlich immer gegen Auslandseinsätze.
Albig ist ein kluger Mann mit viel Sachverstand, aber neben dem zurecht angesprochenen Mangel an Bekanntheit muss er sich auch um Emotionen bemühen und wichtige Themen beherzt ansprechen. Das sind durchaus nicht nur soziale Fragen, sondern auch der Landeshaushalt - die Menschen wissen, dass die Schuldenmacherei so nicht weitergehen kann, das Grundgesetz erlaubt ein Weiter-so auch nicht mehr. Und genau seinem politischen Lebenslauf kann er diesem Bereich punkten.
ich hoffe für Sie, dass Sie nachts noch zur Ruhe kommen.
Übrigens in SH wird in 2012 der MP gewählt und nicht der BK!
Das wird spannend, weil 2 neue Kandidaten von CDU und SPD.
Ich räume beiden gleiche Chancen ein, wobei der CDU Kandidat die Mehrheit alleine schaffen muß und der SPD Kandidat auf die GRÜNEN und den SSW setzen kann.
Alles, was du aufzählst, mag durchaus berechtigt gewesen sein oder auch nicht, nur hat es mit Schleswig-Holstein nichts zu tun. Oskar Lafontaine hatte übrigens damals nichts dagegen, als der erste Auslandseinsatz im Kabinett besprochen wurde, denn er wusste genau, dass Deutschland nicht die Hände in Unschuld waschen durfte - erst lange später, als er keine Verantwortung mehr zu tragen hatte, war er plötzlich immer gegen Auslandseinsätze.
Albig ist ein kluger Mann mit viel Sachverstand, aber neben dem zurecht angesprochenen Mangel an Bekanntheit muss er sich auch um Emotionen bemühen und wichtige Themen beherzt ansprechen. Das sind durchaus nicht nur soziale Fragen, sondern auch der Landeshaushalt - die Menschen wissen, dass die Schuldenmacherei so nicht weitergehen kann, das Grundgesetz erlaubt ein Weiter-so auch nicht mehr. Und genau seinem politischen Lebenslauf kann er diesem Bereich punkten.
Gut so! Glückwunsch!
Die Republik von Kernenergie und Ihrem Müll befreien?
Die Antwort auf den demographischen Wandel finden?
Die kommenden Generationen vor Schulden beschützen?
Den Lebensmittelfabrikwahnsinn stoppen?
Die Gerechtigkeit in der Verteilung des Einkommens wiederherstellen?
Die Kindergärten, Schulen und Universitäten wieder zum guten Lernort für Alle machen?
Die Emanzipation vorantreiben?
Die Gleichbehandlung in das Gesundheitssystem und die Rente bringen?
Das Recht auf demokratische Beteiligung sicherstellen?
Das Vertrauen in die politische Klasse wiederherstellen?
Das alles wird nur gelingen wenn wir links denken, demokratisch streiten und realistisch Handeln.
Zu viel oder zu wenig Schröder ist so falsch wie zu viel oder zu wenig Lafonaine!
Ein Ministerpresident sollte Pragmatiker sein wie Albig.
Aber er braucht die Vision und das Korrektiv eines Linken in SH, so wie es Schröder im Bund gut getahen hätte.
Stegner sollte einen Platz finden...an der Seite von Albig
hätten Sie den letzten Satz nicht geschrieben!
Ich verstehe das Votum der Parteimitglieder so, dass Herr Stegner freundlichst aufgefordert wurde, seinen Koffer zu packen.
Ein Partivorsitzender, ehemaliger MP Kandidat und FV im Landtag, der so eindeutig abgebügelt wird, kann das auch nicht anders deuten!
hätten Sie den letzten Satz nicht geschrieben!
Ich verstehe das Votum der Parteimitglieder so, dass Herr Stegner freundlichst aufgefordert wurde, seinen Koffer zu packen.
Ein Partivorsitzender, ehemaliger MP Kandidat und FV im Landtag, der so eindeutig abgebügelt wird, kann das auch nicht anders deuten!
hätten Sie den letzten Satz nicht geschrieben!
Ich verstehe das Votum der Parteimitglieder so, dass Herr Stegner freundlichst aufgefordert wurde, seinen Koffer zu packen.
Ein Partivorsitzender, ehemaliger MP Kandidat und FV im Landtag, der so eindeutig abgebügelt wird, kann das auch nicht anders deuten!
Stegner wurde nicht von der Mehrheit der SPD SH gewählt, aber von einem hohen Prozentsatz in Zahlen, wie inhaltlich. Die Fülle der Gesellschaft (auch außerhalb der SPD z.B. Grüne, Linke)wird nicht durch Wahlsiege abgebildet.
Vielleicht war gerade deshalb Olaf Scholz nach seiner Wahl in Hamburg so bescheiden .....
Stegner wurde nicht von der Mehrheit der SPD SH gewählt, aber von einem hohen Prozentsatz in Zahlen, wie inhaltlich. Die Fülle der Gesellschaft (auch außerhalb der SPD z.B. Grüne, Linke)wird nicht durch Wahlsiege abgebildet.
Vielleicht war gerade deshalb Olaf Scholz nach seiner Wahl in Hamburg so bescheiden .....
...haben die Schleswig-Holsteiner wenig ürbig. Sie sind eher nüchtern und an der Realität orientiert; man muss schließlich in ihr leben.
Das größte Problem ist im Moment der mehr als marode Landeshaushalt...auf dem Gebiet ist Herr Albig Fachmann. Natürlich, von 12 bis Mittag wird auch er den Haushalt nicht sanieren können und deshalb geht er auch mit genau dieser Aussage in den Wahlkampf. Das ist auf jeden Fall redlicher als die Taktik der Kollegin in Nordrhein-Westfalen, die der festen Überzeugung ist, dass deficit spending das Allheilmittel ist.
Ein Torsten Albig ist mir immer noch lieber als ein Peter Carstensen, der von den Dithmarscher Kohltagen hin zur Kieler Woche schlendert und dem Volk erklärt, wie eine vernünftige Kohlroulade auszusehen hat (von außen am besten nich so verbrannt, das mag der Landesvater nich).
..dass Sie MP Beck auch nicht sehr moegen.
...ist vollkommen irrelevant; aber eine Amtsführung im Stil eines Schützenkönig halte ich für nicht angebracht- unabhängig davon, wer den Ministerpräsidenten stellt.
..dass Sie MP Beck auch nicht sehr moegen.
...ist vollkommen irrelevant; aber eine Amtsführung im Stil eines Schützenkönig halte ich für nicht angebracht- unabhängig davon, wer den Ministerpräsidenten stellt.
ich hoffe für Sie, dass Sie nachts noch zur Ruhe kommen.
Übrigens in SH wird in 2012 der MP gewählt und nicht der BK!
Das wird spannend, weil 2 neue Kandidaten von CDU und SPD.
Ich räume beiden gleiche Chancen ein, wobei der CDU Kandidat die Mehrheit alleine schaffen muß und der SPD Kandidat auf die GRÜNEN und den SSW setzen kann.
Stegner wurde nicht von der Mehrheit der SPD SH gewählt, aber von einem hohen Prozentsatz in Zahlen, wie inhaltlich. Die Fülle der Gesellschaft (auch außerhalb der SPD z.B. Grüne, Linke)wird nicht durch Wahlsiege abgebildet.
Vielleicht war gerade deshalb Olaf Scholz nach seiner Wahl in Hamburg so bescheiden .....
Herr Stegner wurde von seinen Parteimitgliedern, seiner Basis, seinem Souverän abgewählt und zwar nachhaltig!
Da gibt es nichts zu beschönigen.
Herr Stegner wurde von seinen Parteimitgliedern, seiner Basis, seinem Souverän abgewählt und zwar nachhaltig!
Da gibt es nichts zu beschönigen.
Alles, was du aufzählst, mag durchaus berechtigt gewesen sein oder auch nicht, nur hat es mit Schleswig-Holstein nichts zu tun. Oskar Lafontaine hatte übrigens damals nichts dagegen, als der erste Auslandseinsatz im Kabinett besprochen wurde, denn er wusste genau, dass Deutschland nicht die Hände in Unschuld waschen durfte - erst lange später, als er keine Verantwortung mehr zu tragen hatte, war er plötzlich immer gegen Auslandseinsätze.
Albig ist ein kluger Mann mit viel Sachverstand, aber neben dem zurecht angesprochenen Mangel an Bekanntheit muss er sich auch um Emotionen bemühen und wichtige Themen beherzt ansprechen. Das sind durchaus nicht nur soziale Fragen, sondern auch der Landeshaushalt - die Menschen wissen, dass die Schuldenmacherei so nicht weitergehen kann, das Grundgesetz erlaubt ein Weiter-so auch nicht mehr. Und genau seinem politischen Lebenslauf kann er diesem Bereich punkten.
Herr Stegner wurde von seinen Parteimitgliedern, seiner Basis, seinem Souverän abgewählt und zwar nachhaltig!
Da gibt es nichts zu beschönigen.
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