Rechtsextremismus Dresden fürchtet Krawalle wegen Neonaziaufmarsch

Bis zu 20.000 Gegendemonstranten wollen sich den Rechtsextremen in den Weg stellen. Die Lage in Sachsens Landeshauptstadt ist angespannt, in der Luft kreisen Helikopter.

Auch am Samstagmorgen ist noch unklar, wo und wann der Neonazi-Aufmarsch in Dresden stattfinden soll. Gerüchten in der Neonazi-Szene zufolge soll die Demonstration nicht in der Altstadt, sondern in der Südstadt ausgehend vom Nürnberger Platz beginnen. Gegen neun Uhr war auf dem Nürnberger Platz aber noch kein Rechtsextremer zu sehen. Dafür sind jede Menge Polizisten vor Ort, die den Platz säumen. In der Luft kreisen Hubschrauber. Bereits am Morgen habe es im Stadtgebiet Auseinandersetzungen zwischen kleineren Gruppen von Linken und Rechten gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Schon in den vergangenen Tagen war die Stimmung gespannt. Polizei und Verfassungsschützer befürchteten den Auftritt tausender Rechtsextremisten und militanter Linker. "Eine außerordentlich schwierige Situation für die Polizei" prophezeite der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, am Donnerstag. Die Gefahr, dass Rechts- und Linksextremisten gewalttätig würden, sei "sehr hoch". Wie zur Bestätigung kündigten Rechtsextremisten im Internet an, den geplanten Aufmarsch in Dresden gegen alle Widerstände durchsetzen zu wollen. "Rechtswidriges Verhalten gerade der Polizeiführung werden wir in diesem Jahr nicht akzeptieren und klar dagegen Stellung beziehen", hieß es auf einer Neonazi-Website.

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Die Polizei hatte im vergangenen Jahr am 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens 1945, etwa 6400 Neonazis am Bahnhof Dresden-Neustadt in Schach gehalten und darauf verzichtet, die Blockaden tausender Nazigegner auf den umliegenden Straßen zu räumen. Erstmals hatte die rechte Szene bei dem für sie wichtigsten Aufmarsch des Jahres, mit regelmäßig auch aus dem Ausland anreisenden "Kameraden", eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Juristisch konnten sich die Rechtsextremen jedoch ein knappes Jahr später durchsetzen: Im Januar urteilte das Verwaltungsgericht Dresden, die Polizei hätte 2010 die Bildung der Blockaden unterbinden müssen.

Und es war das Verwaltungsgericht, das auch jetzt wieder den Bürgerrechten der Neonazis Priorität einräumte, zur Empörung von Demokraten und Linksextremen. Die Richter gaben am Freitag in einer Eilentscheidung den Beschwerden der Anmelder dreier rechtsextremer Veranstaltungen (zwei Kundgebungen und eine Demonstration) statt. Die Auflagen der städtischen Versammlungsbehörde seien "offensichtlich rechtswidrig", monierte das Gericht.

Es kritisierte auch, die Stadt habe das von ihr mit der Polizei erarbeitete Konzept der Trennung der Veranstaltungen von Rechtsextremen (südlich der Elbe) und Nazigegnern (nördlich des Flusses) nicht eingehalten. Der DGB und die Technische Universität hatten Proteste südlich der Elbe angemeldet und die Stadt hatte zugestimmt. Die TU sagte ihre Versammlung jedoch am Freitag dann ab.

Den Rechtsextremisten hatte die Kommune nach intensiven Beratungen mit der Polizei mitgeteilt, sie müssten die drei Veranstaltungen zu einer stationären Kundgebung im Stadtteil Cotta (südlich der Elbe, im Westen Dresdens) zusammenlegen. Dort wurden zunächst auch reichlich Absperrgitter aufgebaut. Nach dem Richterspruch attackierten die sächsischen Grünen das Gericht. "Im Bemühen, das Demonstrationsrecht der Nazis zu gewährleisten, hat sich das Verwaltungsgericht Dresden wieder einmal vergaloppiert", ärgerte sich Johannes Lichdi, rechtspolitischer Sprecher der Grünenfraktion im sächsischen Landtag. Und die Grünen und viele andere Nazigegner riefen weiter dazu auf, eine Demonstration der Neonazis zu blockieren. Der sächsische NPD-Chef Holger Apfel hingegen lobte das Verwaltungsgericht und empfahl der Polizei für den "Notfall" der erwarteten Blockaden von Demokraten und Linksradikalen, "Wasser marsch und Gummiknüppel frei!"

Die Stadtverwaltung gab sich allerdings weiterhin stur. Sie verzichtete zwar darauf, beim sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts zu klagen, doch sie teilte Freitagabend den Rechtsextremen mit, sie dürften nur drei stationäre Kundgebungen abhalten, jetzt aber in der Nähe des Hauptbahnhofs – was de facto bedeutet, dass die Rechtsextremen nur in einem eng begrenzten Areal zu einer Veranstaltung zusammenkommen können. Südlich des Bahnhofs hatten sich bereits am vergangenen Sonnabend 1400 Neonazis versammelt und waren dann auf einer kurzen Strecke in der Umgebung marschiert, weitgehend unbehindert. Am Mittag hatten indes 17.000 Dresdener mit einer kilometerlangen Menschenkette gegen Rechtsextremismus protestiert und der Opfer der Luftangriffe von 1945 gedacht.

Leser-Kommentare
  1. Letztes Jahr waren es in Dresden über 12.000 friedliche Demonstranten gegen den braunen Mob. Dieses Jahr sind es fast doppelt so viele. Und die Zuständigen aus Dresden und Sachsen beweisen einmal mehr ihr Unvermögen. Gegen engagierte Demokraten und Antifaschisten schwingen sie die Kriminalisierungskeule, den Nazis aber machen sie es allzu leicht, ihren Hass auf die Straße zu tragen.

    Aber dadurch werden nur noch mehr Menschen zum Protest gegen die Ewiggestrigen motiviert. Und die große Zahl der Gegendemonstranten in Dresden macht schon jetzt deutlich, dass das von den geschichtsvergessenen Richtern geforderte Trennungsgebot einfach nur realitätsfern ist.

    Die Nazis sammeln sich am Dresdner Hauptbahnhof und von allen Seiten strömen Demokraten und Antifaschisten auf sie zu und kesseln sie ein, und das ist gut so!

    Ich hoffe ganz stark, dass die Nazis sich auch in diesem Jahr keinen Zentimeter bewegen werden. Vielleicht wird es dann mit dem Aufmarschspuk der Rechten in Dresden endlich ein Ende haben, so wie auch in Wunsiedel, Leipzig, Jena, Halbe, Berlin etc.

    Sollen sie ihre Gewalt und ihren Hass über einen Dorfacker in der Provinz tragen und dort in Regenpfützen ihre Kundgebungen abhalten. Dort muss man dann nur Mitleid mit Hase, Fuchs und Igel haben. Wenn sie aber durch die Städte laufen, dann sind sie eine Gefahr für Leib und Leben der dortigen Menschen und eine Zumutung für den moralischen Anstand.

    10 Leser-Empfehlungen
    • joG
    • 19.02.2011 um 11:22 Uhr

    ...zu gewährleisten, hat sich das Verwaltungsgericht Dresden wieder einmal vergaloppiert", ärgerte sich Johannes Lichdi"

    Das ist eine gefährliche Rechtsauffassung. Will er die Meinungsäußerung einer kleinen Minderheit abwürgen? Will er die Nazi Gegner aufregen und die Gefahr gewaltsamer Zusammenstöße wahrscheinlicher machen? Das ist ein Grüner? Sehr merkwürdig.

  2. Egal, ob militant rechts oder links. Wer sich anschickt in diesem Land die Ordnung zu tangieren, und somit die Mehrheit zu stören, welche weder für die eine noch die andere Seite steht, gehört sofort dingfest gemacht.

    Das Bildungsniveau der Gesellschaft nimmt ab, das erträgliche Verhalten ist an dieselbe "Kurve" gekoppelt. Deeskalationsstrategien und Appeasement-Politik gegenüber Extremen, haben nicht die Stärke des demokratischen Staates demonstriert, sondern nur seine Schwäche.

    Die braune "Krone" der Evolution schafft sich im Osten eigene Freiräume, oder ihre roten Zwillingsbrüder fackeln Autos und Polizisten ab. Genug ist genug, wir sind Demokraten, deshalb aber noch lange nicht alle verweichlicht und feige.

    Ich habe genug, als Einzelperson kann ich mich auch nicht über das Gesetz stellen und nur weil dies ein Mob ist, gilt für diesen die gleichen Regeln. Deshalb kann nur gelten, bei Militanz sofort und mit aller Härte, den Mob auflösen!

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    Sie wollen sich hoffentlich nicht so verstanden wissen, daß Sie die Gegendemonstranten gegen die Vereinnahmung Dresdens durch Rechtsextremisten allesamt unter 'Autos und Polizisten' abfackelnde Extremisten fassen? Das wäre nämlich mehr als schräg. Ich persönlich bin extrem froh, daß so viele Demokraten nicht 'verweichlicht und feige' sind und in Dresden Präsenz zeigen. Danke dafür!

    Und hoffe nun sehr, es bleibt insgesamt halbwegs friedlich. Was nicht zuletzt auch vom der jeweiligen Situation hoffentlich angepaßten Verhalten der Polizei abhängen wird.

    Stets aktualisierte Information bietet der Live-Blog der taz http://www.taz.de/1/polit...

    Sie wollen sich hoffentlich nicht so verstanden wissen, daß Sie die Gegendemonstranten gegen die Vereinnahmung Dresdens durch Rechtsextremisten allesamt unter 'Autos und Polizisten' abfackelnde Extremisten fassen? Das wäre nämlich mehr als schräg. Ich persönlich bin extrem froh, daß so viele Demokraten nicht 'verweichlicht und feige' sind und in Dresden Präsenz zeigen. Danke dafür!

    Und hoffe nun sehr, es bleibt insgesamt halbwegs friedlich. Was nicht zuletzt auch vom der jeweiligen Situation hoffentlich angepaßten Verhalten der Polizei abhängen wird.

    Stets aktualisierte Information bietet der Live-Blog der taz http://www.taz.de/1/polit...

  3. Sie wollen sich hoffentlich nicht so verstanden wissen, daß Sie die Gegendemonstranten gegen die Vereinnahmung Dresdens durch Rechtsextremisten allesamt unter 'Autos und Polizisten' abfackelnde Extremisten fassen? Das wäre nämlich mehr als schräg. Ich persönlich bin extrem froh, daß so viele Demokraten nicht 'verweichlicht und feige' sind und in Dresden Präsenz zeigen. Danke dafür!

    Und hoffe nun sehr, es bleibt insgesamt halbwegs friedlich. Was nicht zuletzt auch vom der jeweiligen Situation hoffentlich angepaßten Verhalten der Polizei abhängen wird.

    Stets aktualisierte Information bietet der Live-Blog der taz http://www.taz.de/1/polit...

    Antwort auf "Mob auflösen!"
  4. Menschenleere Straßen und keine Menschen in und an den Fenstern - kurz, keine Öffentlichkeit für die Neonazis. Das ist es, was denen auf die Dauer den Spaß an der Provokation nehmen wird.

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    • joG
    • 19.02.2011 um 12:24 Uhr

    .....durch. Sonst wäre es eine gute Idee.

    Sie meinen, man sollte den nazis die straße überlassen? oder wie?

    Das ist in Dortmund ungefähr 10-15 Jahre gemacht worden und das Problem totgeschwiegen worden mit der Konsequenz, dass die Schicht zu der Nazihochburg Westdeutschlands geworden ist und sich an mehreren Tagen jedes Jahr wieder nahezu Bürgerkriegsähnliche Zustände abspielen.

    Totschweigen und Ignorieren ist leider keine Alternative.

    • Pyr
    • 19.02.2011 um 14:23 Uhr

    Ist Ihnen dieser Begriff geläufig? Das einzige was passiert, wenn sich alle in ihre Häuser verkriechen, ist eine Stärkung der Nazis.

    Man muss diesem Pack zeigen, dass eine breite Mehrheit keine Kompromisse macht, wenn es um die Verteidigung der Freiheit ALLER Menschen in diesem Staat geht.

    • joG
    • 19.02.2011 um 12:24 Uhr

    .....durch. Sonst wäre es eine gute Idee.

    Sie meinen, man sollte den nazis die straße überlassen? oder wie?

    Das ist in Dortmund ungefähr 10-15 Jahre gemacht worden und das Problem totgeschwiegen worden mit der Konsequenz, dass die Schicht zu der Nazihochburg Westdeutschlands geworden ist und sich an mehreren Tagen jedes Jahr wieder nahezu Bürgerkriegsähnliche Zustände abspielen.

    Totschweigen und Ignorieren ist leider keine Alternative.

    • Pyr
    • 19.02.2011 um 14:23 Uhr

    Ist Ihnen dieser Begriff geläufig? Das einzige was passiert, wenn sich alle in ihre Häuser verkriechen, ist eine Stärkung der Nazis.

    Man muss diesem Pack zeigen, dass eine breite Mehrheit keine Kompromisse macht, wenn es um die Verteidigung der Freiheit ALLER Menschen in diesem Staat geht.

    • joG
    • 19.02.2011 um 12:24 Uhr

    .....durch. Sonst wäre es eine gute Idee.

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  5. Sie meinen, man sollte den nazis die straße überlassen? oder wie?

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    Neonazi-Umzüge - ohne Aussicht auf ein Ende - also lieber. Oder wollen Sie etwa ein Ende des Demonstrationsrechts oder ein selektives - nur für Menschen die Ihre Meinung vertreten?

    Soweit ich weiß, hat es in der Zeit der Weimarer-Republik viele Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nazis gegeben.

    Den Nazis die Straße überlassen, ist also wohl weniger "deutsche Tradition" als (antideutsches?) Vorurteil.

    Neonazi-Umzüge - ohne Aussicht auf ein Ende - also lieber. Oder wollen Sie etwa ein Ende des Demonstrationsrechts oder ein selektives - nur für Menschen die Ihre Meinung vertreten?

    Soweit ich weiß, hat es in der Zeit der Weimarer-Republik viele Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nazis gegeben.

    Den Nazis die Straße überlassen, ist also wohl weniger "deutsche Tradition" als (antideutsches?) Vorurteil.

  6. Neonazi-Umzüge - ohne Aussicht auf ein Ende - also lieber. Oder wollen Sie etwa ein Ende des Demonstrationsrechts oder ein selektives - nur für Menschen die Ihre Meinung vertreten?

    Antwort auf "deutsche tradition"
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    sich in der heimischen idylle hinter butzenscheiben zu verkriechen, bis der spuk vorbei ist, ist natürlich die bessere lösung. um alles weitere kümmert sich die verehrte staatsobrigkeit. wozu mit dieser schönen tradition brechen? hat sich in der vergangenheit ja bestens bewährt.

    halten sie faschistische meinungen für legitime politische überzeugungen? der ns ist eine ansammlung von kleinbürgerlichen vorurteilen, die in ihrer umsetzung massenvernichtung und krieg bedeuten und bedeuteten. die ziele der nazis stehen außerhalb dessen, was ich und viele andere menschen, als für eine menschliche gemeinschaft akzeptabel betrachten. ihrer logik folgend, hätten dann ja auch pädophile oder noch besser vorbestrafte "kinderschänder" das recht auf eine eigene demo haben. mir ist klar, dass pädophile nicht automatisch straftäter sind, sondern teilweise unter ihrer neigung leiden.
    nazis sind schlimmer als kinderschänder

    sich in der heimischen idylle hinter butzenscheiben zu verkriechen, bis der spuk vorbei ist, ist natürlich die bessere lösung. um alles weitere kümmert sich die verehrte staatsobrigkeit. wozu mit dieser schönen tradition brechen? hat sich in der vergangenheit ja bestens bewährt.

    halten sie faschistische meinungen für legitime politische überzeugungen? der ns ist eine ansammlung von kleinbürgerlichen vorurteilen, die in ihrer umsetzung massenvernichtung und krieg bedeuten und bedeuteten. die ziele der nazis stehen außerhalb dessen, was ich und viele andere menschen, als für eine menschliche gemeinschaft akzeptabel betrachten. ihrer logik folgend, hätten dann ja auch pädophile oder noch besser vorbestrafte "kinderschänder" das recht auf eine eigene demo haben. mir ist klar, dass pädophile nicht automatisch straftäter sind, sondern teilweise unter ihrer neigung leiden.
    nazis sind schlimmer als kinderschänder

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