Die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg weiten sich aus. So soll die Zahl der Autoren, von denen der CSU-Politiker in seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben soll, derweil bei 14 liegen. Wie Spiegel Online berichtet, hat der Verteidigungsminister sich für seine Dissertation auch aus einem Aufsatz des Staatsrechtlers Rupert Scholz bedient. Der CDU-Politiker wurde 1988 vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als Verteidigungsminister ins Kabinett berufen und ist somit einer der Amtsvorgänger Guttenbergs. Dabei geht es um einen Beitrag von 2001 mit dem Titel Fünfzig Jahre Bundesverfassungsgericht. Er war in der Publikation Aus Politik und Zeitgeschichte erschienen, einer Beilage der Wochenzeitung Das Parlament, die von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird. Eine Fußnote von Scholz übernahm Guttenberg dabei wortgleich, ein Hinweis auf Scholz fehlte aber.

Der Bremer Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano hatte mindestens acht Autoren aufgelistet, von denen Guttenberg abgekupfert haben soll. Nun kamen weitere hinzu. Guttenberg verwendete nach Angaben von Spiegel Online auch einen Absatz von der Website der US-Botschaft ohne Fußnote und bediente sich aus dem Beitrag eines CDU-Europaabgeordneten sowie aus einer Rede eines Jura-Professors.

Die Vorwürfe riefen Plagiatsjäger im Internet auf den Plan. Sie dokumentieren in der Wiki-Website GuttenPlag, wo der Politiker möglicherweise abgeschrieben haben könnte. Bis Donnerstagnachmittag zählten sie rund 30 Fundstellen, von denen ein Großteil aber schon bekannt war.

Von der Universität Bayreuth hat Guttenberg zwei Wochen Zeit erhalten, sich zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Am Donnerstag sei ein Brief an Guttenberg mit der Aufforderung um Stellungnahme innerhalb der nächsten zwei Wochen versandt worden, sagte ein Universitätssprecher. Danach werde sich die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft der Universität mit seiner Antwort befassen. Wie das Verfahren dann weiter laufe, liege in den Händen dieser Kommission.

Der Präsident der Uni Bayreuth, Rüdiger Bormann, sagte, er gehe davon aus, dass Guttenberg eine ehrenwörtliche Erklärung abgegeben habe, die Arbeit selbstständig verfasst und alle Quellen offengelegt zu haben, sagte er. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst", sagte Bormann. "Wir haben sehr strenge Qualitätsmaßstäbe. (...) Wir sind gut beraten, diese einzuhalten."

Es gebe keine Hinweise, dass das Promotionsverfahren nicht ordnungsgemäß verlaufen sei. Zu möglichen Konsequenzen wollte sich Bormann nicht äußern. Die Folgen reichen von der Aufforderung, die Doktorarbeit nachzubessern, bis zur Aberkennung des Doktortitels.

Guttenbergs Kabinettskollegen hielten sich mit Kommentaren zu der Affäre zurück. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte auf die Frage, ob Guttenberg wegen der Probleme zurücktreten solle: "Ich äußere mich nicht zu Dissertationen oder Abiturzeugnissen." Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte: "Die Plagiatsvorwürfe gegen den Verteidigungsminister sollten ganz in Ruhe aufgeklärt werden." Gleichzeitig warnte sie: "Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen."

Linke-Chefin Gesine Lötzsch geht von einem Rücktritt Guttenbergs aus, falls er den Doktortitel verliert: "Wer seine Doktorarbeit (...) gefälscht hat, indem er ohne Angabe von Quellen abgeschrieben hat, dem wird normalerweise der Doktortitel aberkannt. Und wem der Doktortitel aberkannt wird, der ist auch als Minister nicht mehr haltbar", sagte sie dem Fernsehsender N24.

Ähnlich äußerte sich der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold: "Guttenbergs Glaubwürdigkeit wäre dann völlig zerstört", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) warf der Opposition im Bundestag eine "Schmutzkampagne" vor und bezeichnete die Vorwürfe in der Neuen Osnabrücker Zeitung als "lächerlich".

Während in Deutschland die Plagiatsdebatte tobt, besuchte Guttenberg zum neunten Mal seit seinem Amtsantritt die deutschen Soldaten in Afghanistan. Der Minister wurde nur von einem Adjutanten, Bodyguards und dem Herausgeber einer großen Tageszeitung begleitet. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion landete er am späten Mittwochabend in dem Vorposten "OP North" in der Provinz Baghlan. Der Stützpunkt gehört zu den gefährlichsten der Bundeswehr in ihrem Einsatzgebiet in Nordafghanistan. In Baghlan waren im vergangenen Jahr bei Gefechten und einem Anschlag insgesamt fünf deutsche Soldaten getötet worden.

Am Donnerstag flog Guttenberg in den Unruhedistrikt Chahar Darreh weiter und besuchte dort die sogenannte Höhe 432. Dahinter begann bis zur Offensive der internationalen Schutztruppe und der afghanischen Armee im Herbst das von den Taliban kontrollierte Gebiet. Wie gefährlich es dort bis heute ist, wurde nur kurz nach Guttenbergs Abflug deutlich, als ein Sprengsatz zwei Afghanen tötete.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt seit Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe sagte der Minister kurzfristig ab. Guttenberg sei in Berlin "unabkömmlich", hieß es bei einer CDU-Veranstaltung in Barleben (Sachsen-Anhalt), an der er teilnehmen wollte.