Was für ein Medienprofi, dieser zu Guttenberg. Er soll sich erklären an diesem Tag. So viel steht fest. Nur der genaue Zeitpunkt ist noch unklar.

Geschickt narrte er die Hauptstadtpresse. Während die Korrespondenten der Zeitungen und Online-Medien darauf warteten, dass die Sprecher von Regierung und Ministerium in der Bundespressekonferenz zu den Plagiatsvorwürfen des Ministers Stellung nehmen, gewährte zu Guttenberg zeitgleich einigen handverlesenen Berichterstattern eine anderthalbminütige Privataudienz.

So erreichte er, dass keine kritischen Fragen gestellt wurden. Niemand störte den hübschen reumütigen Auftritt, der heute die Nachrichtensendungen dominieren wird. Der Minister konnte vor illustrer und quasi-vertrauter Runde vorlesen, dass es ihm leid tue, dass seine Doktorarbeit "fraglos Fehler enthält".

Die Journalisten machten in der Bundespressekonferenz zwar ordentlich Radau , als sie erfuhren, dass sie verladen wurden. Einer rief "feige", alle murrten. Kurz zuvor hatten Guttenbergs Mitarbeiter noch im gestressten Ton versichert, man werde rechtzeitig kundtun, sollte der Minister etwas öffentlich mitzuteilen haben. Aber dieses gebrochene Versprechen wird allenfalls als Fußnote in die Geschichte dieser Copy-und-Paste-Affäre eingehen.

Der Inhalt seiner 90-sekündigen Rede nicht. Wie immer wählte Guttenberg eine geschliffene, doppelbödige, anspielungsreiche Sprache. Die sieben Jahre, die er laut Eigenaussage in Uni-Bibliotheken verbracht hat, um seine 475-seitige Doktorarbeit "in mühevoller Kleinstarbeit" zu verfassen, waren keinesfalls vergeudet.

In einem Nebensatz weist er auf seinen Fleiß, seine Integrität und seine Verpflichtung für das Vaterland hin: Er hat nicht nur promoviert, sondern nebenbei auch eine Familie gegründet und eine politische Karriere gestartet. Andere, so der angedeutete Subtext, vergeuden ihre zwanziger Jahre mit Jux und Tollerei.

In einem hintersinnigen Konditionalsatz verbirgt Guttenberg seine Entschuldigung. Es tue ihm leid, "sollte sich jemand durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten verletzt fühlen." Im selben Atemzug erwähnt er, dass er insgesamt 1300 Fußnoten formuliert habe. Was ist bei dieser schieren Menge schon das ein oder andere falsche Zitatlein? Ein Lapsus, klar! Zumal er als Chef der deutschen Streitkräfte inzwischen wichtigeres zu tun hat. Schließlich ist heute ein deutscher Soldat in Afghanistan ums Leben gekommen, wie er in seiner Verteidigungsrede in eigener Sache andeutet. Sicher ist ein toter Soldat wichtiger als die kleine Schummelei. Aber dafür hat er seine Privat-PK nicht einberufen.

Überdies erfindet Guttenberg, dieser Pfiffikus, auch noch einen neuen akademischen Grad. Sein Doktortitel ruht nun, bis die Vorwürfe geklärt sind. So wie der Bundespräsident auf seine Parteimitgliedschaft verzichtet, während er in Bellevue wohnt. Ruhende Doktorschaften sind zwar in akademischen Kreisen unüblich, aber das Signal ist ausgesandt. Guttenberg hat es nicht nötig, sich mit womöglich fremden Federn zu schmücken.

All das passt zu Guttenberg, unserem beliebtesten Minister. Er räumt vordergründig Fehler ein, er übernimmt demonstrativ Verantwortung. Persönliche Konsequenzen zieht er nicht. Schuldig? Er doch nicht! Er ist ein Meister des Bluffs und der Selbstverteidigung.