DoktorarbeitGuttenberg weist Plagiatsvorwurf als "abstrus" zurück

Der Verteidigungsminister gibt sich gelassen ob der Vorwürfe, er habe für seine Dissertation abgeschrieben. Inzwischen aber sind neue Vorwürfe aufgetaucht. von dpa, Reuters und AFP

Hat er für seine Jura-Promotion 2007 an der Universität Bayreuth, für die Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg die Bestnote summa cum laude bekommen hatte, geschummelt? Durch die Überprüfung zweier Juristen, den Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano und den Frankfurter Jurist Felix Hanschmann, gibt es nun erhebliche Zweifel an der Redlichkeit des CSU-Politikers.

Guttenberg selbst weist die Vorwürfe, bei seiner Doktorarbeit heimlich aus anderen wissenschaftlichen Texten abgeschrieben zu haben, von sich. "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus", sagte er, fügte aber hinzu, er sei aber gern bereit zu prüfen, "ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten". Dies würde bei einer Neuauflage auch berücksichtigt werden.

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Neue Vorwürfe untermauern das Urteil der beiden Experten. So berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass sich "der einleitende Absatz der Arbeit fast wortwörtlich" mit einem am 27. November 1997 in der FAZ erschienenen Text der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig deckt. "Das Zitat ist bei zu Guttenberg weder im Text als solches kenntlich gemacht noch ist Zehnpfennig in der Einleitung als Quelle angegeben."

Guttenberg hatte mit der Arbeit an der Dissertation bereits vor seiner ersten Wiederwahl als Bundestagsabgeordneter 2005 begonnen. Wie er selbst im Vorwort schreibt, sei er aber durch seine politischen Verpflichtungen, durch "freiberufliche wie später parlamentarische 'Ablenkung'", immer wieder unterbrochen worden. Auf die Hilfe von Mitarbeitern – durchaus üblich bei der Erstellung wissenschaftlicher Schriften – will er aber verzichtet haben. "Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung", sagte er. 

Auch Guttenbergs Doktorvater, Professor Peter Häberle, nahm seinen früheren Studenten in Schutz. "Der Vorwurf ist absurd, die Arbeit ist kein Plagiat", sagte er der Bild-Zeitung. "Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert." Gleichzeitig betonte der inzwischen emeritierte Wissenschaftler: "Herr zu Guttenberg war einer meiner besten Seminaristen und Doktoranden."

Nach Auffassung des Bremer Juristen Fischer-Lescano aber ist die Doktorarbeit an mehreren Stellen "ein dreistes Plagiat" und "eine Täuschung". Der Süddeutschen Zeitung sagte er, "die Textduplikate ziehen sich durch die gesamte Arbeit und durch alle inhaltlichen Teile". In einer noch nicht veröffentlichten Rezension der Fachzeitschrift Kritische Justiz schreibt der Gelehrte, das Vorgehen Guttenbergs sei "so systematisch", dass schwer zu sehen sei, wie es noch mit der Promotionsordnung in Übereinklang gebracht werden könne.

Debatte um Dissertation
Was ein Doktor heute noch wert ist: Karl-Theodor zu Guttenberg soll für seine Dissertation abgeschrieben haben. Ein Einzelfall? Dagny Lüdemann kommentiert

Was ein Doktor heute noch wert ist: Karl-Theodor zu Guttenberg soll für seine Dissertation abgeschrieben haben. Ein Einzelfall? Dagny Lüdemann kommentiert  |  © Christopher Furlong/Getty Images

Bei den Vorwürfen geht es laut SZ um eine Textpassage aus einem Bericht der NZZ am Sonntag vom 22. Juni 2003, eine Passage aus einem Aufsatz des Politikwissenschaftlers Hartmut Wasser sowie um die schriftliche Fassung eines Vortrags des Politologen Wilfried Marxer am Liechtenstein-Institut von 2004. Dabei finde sich kein Nachweis. Der NZZ-Text sei in zwei Details geändert worden, die beiden übrigen Texte zeigten kleine Abwandlungen, schreibt die Süddeutsche

Die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, die den Artikel für die Neue Zürcher Zeitung geschrieben hat, findet das Verhalten "nicht sehr ehrenhaft und eigentlich auch nicht sehr klug". "Es kostet ja keine Mühe, Anführungszeichen zu machen – vorne eins, hinten eins, die Quelle angeben, und schon ist man schön raus und hat den Gedanken trotzdem drin", sagte die Autorin.

Die Opposition nutzt diese Vorwürfe zu neuen Angriffen auf den Politstar im Kabinett Angela Merkel. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kritisierte: "Egal ob vorsätzliches Plagiat oder einfache Schlamperei: Guttenberg hat zum ersten Mal das Problem, dass er die Verantwortung auf keinen anderen abschieben kann." Grünen-Chefin Claudia Roth sagte: "Wenn man schon abschreibt, dann sollte man sich wenigstens nicht erwischen lassen." Bayerns SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher legte Guttenberg nahe, bis zur Klärung der Vorwürfe auf seinen Doktortitel zu verzichten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt dagegen vor einer Vorverurteilung. Sie habe davon "wie der Rest der Republik auch gerade erst erfahren und interessiert sich dafür", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es sei jetzt sinnvoll, "das Verfahren abzuwarten". Zugleich betonte Seibert, dass die Kanzlerin bisher keine Zweifel an ihrem Minister habe. "Die Bundeskanzlerin sieht, dass der Minister in seinem Amt vor vielen Herausforderungen steht und dass er diesen Herausforderungen sehr gut gewachsen ist."

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte Guttenberg der Titel aberkannt werden. Der Jurist Hanschmann sagte zur Einschätzung der Vorwürfe: "Das kann man nicht mehr als bloße Unachtsamkeit qualifizieren. Das ist vergleichbar mit anderen Fällen, die vor Gericht entschieden wurden und in denen der Doktortitel aberkannt wurde." Der Medienwissenschaftler Stefan Weber sagte: "Wenn noch circa fünf weitere Stellen dieser Art gefunden werden, dann muss Guttenberg meinen Erfahrungen nach der Doktortitel aberkannt werden."

Darüber kann aber nur die Universität Bayreuth entscheiden. Der Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Professor Markus Möstl, sagte: "Wir prüfen jetzt, ob dieser Vorwurf berechtigt ist". Das Verfahren der Dissertation Guttenbergs sei korrekt verlaufen, auch seien renommierte Gutachter daran beteiligt gewesen.

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Leserkommentare
    • QUOTE
    • 16. Februar 2011 15:19 Uhr
    1. Nun...

    ...da Herr KTFvG ja bereits als Verteidigungminister eine lange Liste von Fehlern vorzuweisen hat, für die er mannhaft und ehrlich eingestanden ist, OHNE jemals auch nur daran zu DENKEN, auszuweichen oder die Fehler jemand anderem zuzuschieben, ist das nun ja wohl vollkommen glaubhaft.

    Es lebe die Moral und das Pflichtbewusstsein des Gutshauses!

    • QUOTE
    • 16. Februar 2011 15:21 Uhr

    ... (Das Google-Copy-Paste-Syndrom) weist darauf hin, dass Guttenberg bereits den allerersten Absatz seiner Dissertation - ohne dies als Zitat kenntlich zu machen - aus einem FAZ-Artikel abgeschrieben hat."

    http://www.heise.de/tp/bl...

  1. und das schon vor der Untersuchung, die Teflon-Nummer versucht.
    Etwas Zurückhaltung wäre wohl angebracht.

    • QUOTE
    • 16. Februar 2011 15:26 Uhr

    "Guttenberg hat Anfang seiner Dissertation bei F.A.Z. abgeschrieben"

    http://www.faz.net/s/RubF...

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    Da können die Journalisten bei FAZ und NZZ ja wirklich stolz auf ihre Arbeit sein! ;-)

    Dürfen die jetzt auch den Dr. auf die Visitenkarte schreiben...???

    • Fabiana
    • 16. Februar 2011 15:31 Uhr

    ist es, dass ein Mitglied des Prüfungsausschusses Ombudsman ist. Da kann ich glauben, dass der Minister keine Angst haben muss. Ähnlich war es doch auch bei Ministerin Köhler. Als Trägerin einer ehrlich erworbenen Doktortitels fühle ich mich geschädigt und ... das darf ich hier nicht sagen.

    • kinnas
    • 16. Februar 2011 15:33 Uhr

    Nur sollte man dann den ursprünglichen Autor als Quelle mit angeben und die Passagen entsprechend hervorheben.

    Gutes muss und sollte man nicht immer neu aufsetzen. Daher ist das ganze ja auch legitim. Blöd ist es, wenn man die Quellenangabe vergißt und kriminell ist es, wenn das ganze vorsätzlich passiert.

    Was auf unseren Minister nun zutrifft weiß wohl nur er ganz alleine wirklich.

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    • NoG
    • 16. Februar 2011 15:58 Uhr

    das ist nun bewiesen. (siehe FAZ oder heise)
    wenn man an dieser stelle schon fremde gedanken abschreibt,
    wo es auf die eigenen worte ankommt, fehlt mir der glaube das es sich bei der gesamten arbeit um einen gedanklichen erguss der ministers handelt.

    Doktorarbeit hat von jemandem "fremdschreiben" lassen und denjenigen gut bezahlt hat.

    Blöd nur für Guttenberg, dass er denjenigen nun nicht gerichtlich belangen kann.

    Irgendwo in Deutschland sitzt jetzt einer/eine und lacht sich ins Fäustchen, während er/sie ein Champgnerfläschchen öffnet.

    • Fabiana
    • 16. Februar 2011 15:34 Uhr

    Wer denkt, das Beweismaterial sei gering, lese Fischer-Lescanos Rezension in "Kritische Justiz",Heft 1, Jahrgang 44,2011, S. 112, Nomos-Verlag.

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    Dazu kommt jetzt der Vorwurf, KTzG habe auch bei der FAZ abgeschrieben, ohne den Autoren zu nennen und ohne ordnungsgemäß nach den Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens zu zitieren:

    http://www.faz.net/s/Rub5...

    Eine solche Hausarbeit hätte ich schon im 2. Semester von meinen Professoren links und rechts um die Ohren gehauen bekommen - und zwar zu Recht! Einfach einen Text abzuschreiben, ohne den eigentlichen Autoren zu nennen, diesen Text dann auch noch als eigene Erkenntnis zu verkaufen - das ist Diebstahl fremden geistigen Eigentums.

  2. Das macht man gerne hierzulande, nicht wahr, man kleidet Vorverurteilungen in Fragen, um der Verleumdungsklage zu entgehen und versteckt seine eigene Ablehnung, sein Misstrauen und seine Pedanterie hinter den (bislang) unbewiesenen Anschuldigungen unbekannter Dritter, die man dann zu allem Überfluss auch noch als "Gelehrte" bezeichnet. Ob und in welchem Umfang der Minister abgeschrieben und plagiiert hat, wird zu klären sein - geben wir uns aber doch in der Zwischenzeit nicht vagen Vermutungen und Unterstellungen hin, bloß weil sie wiedermal auf einen der wenigen profilierten Politiker zielen, den die politische , ja, Bühne muss man sagen, zur Zeit zu bieten hat.
    Teflon-Minister hin Politiker mit Rückgrat her, die Diskussion allein verrät mehr, als manchem Kommentator und Kolumnisten lieb sein kann.
    Ich stehe derweil hinter dem Mann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sind die vielen Links mit eindeutigen Beweisen seiner Abschreiberein Ihnen sicher entgangen.

    Es gibt bereits für alle Einsicht in die Arbeit und entsprechende Quellen, wo abgeschrieben wurde. So kann schon jetzt jeder sehen, dass an vielen Passagen wörtlich übernommen wurde mit kleineren Wortänderungen, damit es wohl nicht auffallen soll.

    Wie sagte jemand so schön: woanders werden Leute wegen 20 Cent auf dem Kassenzettel gekündigt, da muss hier auch ein gleicher Maßstab gelten.

    Dieser Mann bekleidet eines der höchsten Ämter in Deutschland, wieso sollte in diesem Fall großzügig über Fehler hinweggesehen werden, während andere keine Existenzgrundlage mehr haben, wegen vergleichsweise wesentlich geringeren "Vergehen".

    • red_sky
    • 16. Februar 2011 15:48 Uhr

    Das schöne an diesem Sachverhalt ist, dass jeder die Anschuldigungen selbst nachprüfen kann. Man nehme sich die Arbeit Guttenbergs und die Quellen. Auf einigen Seiten ist eine solche Gegenüberstellung auch abrufbar. In dieser Hinsicht kann von einer Vorverurteilung also nur schwerlich die Rede sein.

    Und "vage" ist in diesem Zusammenhang überhaupt nichts. Jeder, der schon mal wissenschaftlich gearbeitet hat, also nahezu jeder Studierende, weiß, dass das wörtliche Übernehmen ohne Quellenangabe ein Plagiat ist. Da gibt es weder etwas zu interpretieren, noch zu diskutieren. Die einzige Schwierigkeit ist, diesen Stellen und die entsprechende Quellen zu entdecken. Ist das aber erst einmal geschehen, wie bei Guttenberg, kann man sich kaum noch rausreden.

    Das können Sie hier ja gerne selbst überprüfen:
    http://www.sueddeutsche.d...

    Die Originaltexte und Guttenbergs Doktorarbeit sind hier nebeneinander gestellt. Die wichtigen Passagen hervorgehoben.

    Nein - darum geht es nicht. Es geht hier um die Berufs- und Standesehre der Akademiker in Deutschland. Ich glaube, ich kann für die überwältigende Mehrheit aller deutsche Akademiker aus allen Fachrichtungen sprechen, wenn ich hier ganz einfach sage, dass ich es Karl-Theodor zu Guttenberg persönlich übel nehme, wenn er bei seiner Dissertation auch nur annähernd in einem derart großen Umfang herumgetrickst und sich mit fremden Federn geschmückt hat. KTzG hat - sollten sich die Vorwürfe bestätigen - dem deutschen Wissenschaftsbetrieb einen Bärendienst erwiesen. Und mehr noch: sein Verhalten stellt alle Akademiker, die in ehrlicher harter Arbeit sich ihre wissenschaftlichen Abschlüsse ERARBEITET haben, in ein falsches Licht. KTzG ist nicht irgendwer - sondern bekleidet schon seit Jahren hohe Partei- seit 2009 auch Ministerämter. Er hat dort eine Vorbildfunktion, die weit über die CDU/CSU hinaus reicht.

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  • Quelle dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Angela Merkel | CDU | Steffen Seibert | Claudia Roth | Jürgen Trittin | Universität Bayreuth
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