Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg© Reuters/Thomas Peter

Im Hause Springer ist man aufgeregt. Karl-Theodor zu Guttenberg, der Star der Bild-Zeitung, hat eine neue Affäre am Hals. "Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor", rät Franz Josef Wagner und vermutet eine "Jagd auf Guttenberg", angetrieben von Neid und Missgunst ob der großen Beliebtheit des Verteidigungsministers.

Das ist die Botschaft des Boulevards: Was sind schon ein paar geklaute Absätze? Und das Blatt hätte Recht, wenn es nicht den entscheidenden Rest des Gedanken verschwiege: Was sind schon ein paar geklaute Absätze verglichen mit all den Fehlern, die sich Karl-Theodor zu Guttenberg im Laufe seiner nicht allzu langen Karriere als Verteidigungsminister geleistet hat?

Eines ist gewiss: Lappalien sind fehlende Zitatnachweise in einer Doktorarbeit nicht. Im schlimmsten Fall könnte der Freiherr seinen Doktortitel verlieren. Peinlicher geht’s kaum – gerade für einen, der auf seine steile Karriere, sein Auftreten und seine Integrität so stolz ist. Und diesmal kann er nicht einmal die oft erprobte Methode Guttenberg anwenden und irgendein Bauernopfer feuern.

Doch ist es eben keineswegs die Plagiatsaffäre, die Guttenbergs Glaubwürdigkeit beschädigt hat. Um die steht es schon viel länger nicht mehr gut:

Als Verteidigungsminister hat er den katastrophal falschen Luftangriff auf zwei entführte Tanklaster bei Kundus erst als "angemessen" und wenig später als das Gegenteil bezeichnet. Er hat den Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert entlassen, ohne dass die Gründe dafür bis heute wirklich klar geworden wären.

Er hat die Wehrpflicht erst verteidigt, dann ihre Abschaffung aus finanziellen Gründen gefordert und später – als mancher in der Union nicht überzeugt war – sicherheitspolitische Gründe nachgeschoben.

Er hat im Fall der Vorgänge auf der Gorch Fock vor schnellen Vorverurteilungen gewarnt – und einen Tag später mirnichtsdirnichts den Kapitän des Segelschulschiffes suspendiert.

Er hat – so behauptet es jedenfalls die Opposition – den Verteidigungsausschuss nicht über die wahren Hintergründe eines tödlichen Zwischenfalls in Afghanistan informiert. Die Abgeordneten erfuhren erst vom Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus, dass ein Soldat wohl bei "Waffenspielen" getötet worden war.

Und er hat mit Pomp eine Bundeswehr-Reform samt Einsparungen angekündigt. Nun will er von letzteren nichts mehr wissen.

Guttenberg redet viel und urteilt schnell. Er widerspricht sich, informiert nach Gutdünken und stößt selbst Kabinettsmitglieder vor den Kopf. Das ist sein eigentliches Problem. Ein Problem, das unmittelbar seinen Job als Verteidigungsminister betrifft. Das tut die Copy-und-Paste-Affäre nicht. Es wäre eine Ironie der Geschichte, würde er ausgerechnet über sie stolpern.