Die Quellenlage um die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) weitet sich offenbar aus. Wie das Magazin Spiegel schreibt,  hat Guttenberg eine zehnseitige Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages beinahe unverändert in seine Doktorarbeit übernommen. Das Papier hatte er dem Bericht zufolge in seiner Funktion als CSU-Abgeordneter selbst in Auftrag gegeben.

Der Ministerialrat Dr. Dr. Ulrich Tammler habe demnach 2004 für Guttenberg die Ausarbeitung verfasst. Der Titel lautete: "Die Frage nach einem Gottesbezug in der US-Verfassung und die Rechtsprechung des Supreme Court zur Trennung von Staat und Religion". Tammler habe seine Arbeit an dem zehnseitigen Papier am 13. Mai 2004 beendet und dann an das Abgeordnetenbüro Guttenbergs weitergeleitet.

Obwohl Abgeordnete den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages nur im Rahmen ihrer mandatsbezogenen Arbeit nutzen dürfen, habe Guttenberg den Text nahezu vollständig in seine Dissertation eingefügt. Änderungen Guttenbergs an dem Text fänden sich kaum. Tammler selbst werde namentlich in keiner von Guttenberg Quellenangaben zitiert. Lediglich die Arbeit des Wissenschaftlichen Dienstes erwähnt Guttenberg auf Seite 391 seiner Promotionsschrift.

Die Opposition wirft Guttenberg nun Amtsmissbrauch vor und fordert Aufklärung. "Die Aussage von Guttenberg, es hätten keine Mitarbeiter an seiner Arbeit mitgewirkt, ist inzwischen wenig glaubwürdig", sagte Thomas Oppermann, der erste parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Die Opposition hat bereits Auskunft darüber verlangt, inwieweit Guttenberg für seine Doktorarbeit den Wissenschaftlichen Dienst eingespannt hat.

Oppermann sagte: "Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern in der Bundestagsverwaltung geschrieben wurden". Guttenberg habe "sein Abgeordnetenmandat missbraucht". Die Öffentlichkeit habe nun "Anspruch darauf zu erfahren, ob der Wissenschaftliche Dienst zu Privatzwecken eingesetzt wurde und Guttenberg seine Promotion auf Kosten der Steuerzahler geschrieben hat". Der SPD-Abgeordnete Burkhard Lischka richtete an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in einem Brief die Frage, wie oft und zu welchen Themen Guttenberg als CSU-Parlamentarier zwischen 2002 und 2007 dort juristische Ausarbeitungen und Literaturlisten bestellt habe.

Guttenberg hatte in seiner Promotionsarbeit den Wissenschaftlichen Dienst als Sekundärquelle für eigene Vorträge zitiert, an einer Stelle auch als Primärquelle. In einer Fußnote Guttenbergs heißt es laut Medienberichten, die Ausarbeitung des Dienstes sei in seinem Auftrag erfolgt. Noch am Mittwoch hatte er betont: "Sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meines Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu."

Konsequenzen will der Verteidigungsminister derzeit nicht ziehen. Auf die Frage, ob er an Rücktritt denke, antwortete Guttenberg dem Magazin Focus: "Unsinn!" Es obliege ihm nicht zu beurteilen, was der Vorgang für seine Glaubwürdigkeit und Autorität bedeute, sagte er. "Aber beidem gerecht zu werden, bleibt mein Anspruch.". Am Freitag hatte Guttenberg Fehler in seiner Dissertation eingeräumt. Bis zur Klärung der Vorwürfe durch die Uni Bayreuth will er den Doktortitel nicht führen. Zugleich hatte er aber unterstrichen, dass er zu keinem Zeitpunkt in seiner Dissertation bewusst getäuscht habe.