Krieg führen. Die Bundeswehr reformieren. Die Wehrpflicht abschaffen. Kleiner macht es Karl-Theodor zu Guttenberg nicht. Sogar an der "Quadratur des Kreises", so nennt der Minister es selbst, habe er sich versucht: Familienvater, Politiker, Wissenschaftler – alles gleichzeitig. Hochmütig sei es gewesen zu glauben, dass Letzteres gelingen könne.

Auch die Worte sind immer groß. Klarheit, Wahrheit, Anstand, Aufrichtigkeit. Alles, was der Verteidigungsminister sagt , ist aufgeladen mit Bedeutung. Und nun entschuldigt er sich "von ganzem Herzen". Was ist falsch daran?

Falsch ist, dass Guttenberg seine Entschuldigung so vorträgt , dass sie abermals nur der Erhöhung seiner selbst dient. Mehr als Hundert Seiten Plagiat enthält seine Dissertation, und Guttenberg sagt weiterhin, er habe nicht bewusst täuschen wollen. Hier geht es nicht darum, ehrlich ein Fehlverhalten einzugestehen. Es geht um Wirkung. Demut wird zur Ware in einem Deal.

Als er am Mittwoch im Bundestag gefragt wird , was er denn denke, welches Signal sein Umgang mit der plagiierten Arbeit aussende, antwortet der Minister genau dies: Dass er sich entschuldige und dass dies das Signal sei, dass man geben könne, nämlich dass man Fehler gemacht habe. Nehmt Euch ein Beispiel am reuigen Sünder Guttenberg! Und lasst es gut sein.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein talentierter politischer Kopf. Ihm ist es gelungen, Bürger wieder für die Politik zu interessieren, die sich schon lange nichts mehr von "denen da oben" erwarteten. Doch nun wird sichtbar, wie sehr er dadurch zum Werkzeug der Macht geworden ist. Denn warum sonst stellen sich die Kanzlerin und die ganze Union schützend um ihn.

Tissy Bruns schrieb im Tagesspiegel : "Guttenberg und die Kanzlerin proben ein neues Schurkenstück. Neuerdings soll der ertappte Regelverletzer einfach weitermachen. Die Kanzlerin will seinen Absturz nicht verantworten. Der gemeinsame Nenner dieses unappetitlichen Feldversuchs heißt Popularität, die Merkel nützt und Guttenberg schützt."

Das schadet der Demokratie, weil nun diejenigen frustriert werden, die sich noch nicht von der Politik abgewandt hatten. Die Kluft, die Guttenberg zuschüttete zwischen manchen Bürgern und der politischen Klasse, reißt er an anderer Stelle wieder auf. Es schadet seinem großen Projekt, der Bundeswehrreform. Denn wer soll noch glauben, dass das heute gesprochene Wort des Ministers morgen noch gilt . Es schadet ihm selbst, weil er künftig nicht mehr aus eigenem politischem Gewicht heraus am Kabinettstisch sitzt, sondern aus Kanzlerins Gnaden.

Unabhängigkeit war für Guttenberg immer ein hoher Wert. Wenn er sie retten will, sollte er dem Rat folgen, den ihm Krista Sager von den Grünen zurief: Mach den Cem. Cem Özdemir hatte sich einst aus der Bundespolitik zurückgezogen, weil er auf Dienstreisen erworbene Bonusmeilen privat verflogen hatte. Heute ist er Parteivorsitzender.