Ungeachtet der Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schätzen eine große Mehrheit der Deutschen die Arbeit des Verteidigungsministers. In einer Umfrage des Instituts Infratest Dimap im Auftrag des ARD-Magazins Report äußerten sich 73 Prozent der Befragten zufrieden mit Guttenbergs politischer Arbeit. 21 Prozent zeigten sich unzufrieden. Die Zustimmung geht demnach über die Parteigrenzen hinweg: 89 Prozent der Unions-Anhänger, aber auch 71 Prozent der SPD- und 61 Prozent der Grünen-Anhänger sind demnach mit dem Minister zufrieden. Für die Blitzerhebung befragte Infratest 500 Bürger.

Nach Vorwürfen, er habe große Teile seiner Doktorarbeit ohne Quellennennung von anderen Autoren abgeschrieben, hatte Guttenberg am Montag mitgeteilt, er werde seinen Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen und die Universität Bayreuth gebeten, ihn zurückzunehmen. Zugleich gab er "gravierende Fehler" zu, die den "wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen". Er sagte erneut, diese Fehler nicht bewusst gemacht zu haben. An seinem Ministeramt hielt der CSU-Politiker aber fest: Er wolle trotz des Sturms der Kritik seine Aufgabe für die Bundeswehr erfüllen.

Derweil wird sich Guttenberg im Bundestag nicht selbst den Fragen der Abgeordneten zu seiner Dissertation stellen. Nach Angaben des parlamentarischen Geschäftsführers der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, liegen für die Fragestunde am Mittwoch mindestens fünf Fragen vor. Diese würden voraussichtlich "von den anwesenden parlamentarischen Staatssekretären vollumfänglich und ausreichend beantwortet". Im Anschluss an die Fragestunde werde der Minister aber aller Voraussicht nach an einer von SPD und Grünen beantragten Aktuellen Stunde zu den Vorwürfen teilnehmen, hieß es seitens der Union.  

Rückendeckung erhielt Guttenberg von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und aus CDU und CSU. "Die Bundeskanzlerin findet die Entscheidung Karl-Theodor zu Guttenbergs, auf den Doktortitel zu verzichten, richtig", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ähnlich äußerte sich der Fraktionsgeschäftsführer, Peter Altmaier (CDU). Die CDU/CSU-Fraktion stehe "in großer Geschlossenheit hinter der politischen Leistung des Ministers in diesen beiden Jahren". CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich sagte, Guttenberg brauche keinen Doktortitel, um sein Amt auszuüben. "Er weiß, dass die Soldaten und die Bevölkerung ihm vertrauen, und er dafür auch keine akademischen Titel benötigt." Unabhängig davon, wie die Prüfung der Doktorarbeit Guttenbergs durch die Universität Bayreuth ausgehe, sei es entscheidend, dass Guttenberg "jetzt seine Aufgabe als Bundesminister der Verteidigung kraftvoll und entschlossen unterstützt von allen angehen kann".

Aus der Opposition kam dagegen scharfe Kritik. "Minister Guttenberg hat getäuscht und gelogen. Die Kanzlerin muss sich jetzt fragen, ob ein Lügner im Kabinett bleiben darf", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. Mit den Werten der Verfassung und dem Prinzip der Wahrhaftigkeit sei Guttenbergs Verhalten nicht vereinbar. Jeder Soldat würde in einem solchen Fall entlassen, jeder Abiturient wäre durchgefallen und jeder Student würde von der Uni fliegen. "Es darf keine Sonderrechte für Minister geben“, sagte Oppermann.

Auch in der Wissenschaft stieß das Verhalten des Ministers erneut auf Kritik: Guttenberg habe mit seiner Äußerung nur der Entscheidung der Universität Bayreuth zuvorkommen wollen, "weil er wohl mit der Entziehung des Doktortitels rechnet", sagte der Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter von der Universität Mainz. "Zurückgeben kann man einen Doktortitel nicht. Man kann sich nicht entpromovieren", hob er hervor.

Die Universität Bayreuth, an der Guttenberg seine Doktorarbeit geschrieben und abgegeben hatte, will heute über dessen Titelverzicht beraten. Hochschulpräsident Rüdiger Bormann machte deutlich, dass sie angesichts der Plagiatsvorwürfe weiterhin zur Prüfung seiner Dissertation verpflichtet ist. Durch die Bitte Guttenbergs, dem Doktortitel zurückzunehmen, sei dies der Universität aber erleichtert.

Das Bayreuther Studierendenparlament hat sich schon jetzt geäußert: Die potenziellen Verfehlungen im Fall Guttenberg dürften weder auf die Arbeitspraxis der Studierenden noch auf die Prüfungspraxis der Gremien und Personen bezogen werden, die studentische Leistungen bewerten, hieß es in einer Pressemitteilung. Die fehlerhafte Doktorarbeit des Ministers sei ein Einzelfall. Die Studenten forderten eine adäquate Aufklärung des Falls. Es sei nicht hinnehmbar, dass wissenschaftliche Leistungen im Allgemeinen und die Universität Bayreuth im Besonderen in Misskredit gerieten.