Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) erwägt eine Gründung von Bundesuniversitäten. Mittelfristig müsse geklärt werden, wie exzellente Hochschulprogramme dauerhaft finanziert werden könnten, sagte sie der Berliner Morgenpost. "Spätestens dann wird sich die Frage nach Standorten von Bundesuniversitäten stellen", fügte die Ministerin hinzu.

Schavan ermahnte die Bundesländer gleichzeitig, ihren Pflichten in der Hochschulfinanzierung nachzukommen. "Wenn eine politische Ebene in den letzten Jahren überdurchschnittlich in Wissenschaft investiert hat, dann ist das der Bund. Auch die Länder müssen aber ihren Anteil erbringen und die Wissenschaftsetats zur Finanzierung der zusätzlichen Studienplätze entsprechend aufstocken. Nur nach dem Bund rufen, das läuft nicht."

Mit der Exzellenzinitiative fördern Bund und Länder herausragende Forschung an Universitäten in Deutschland. Im Juni 2009 war die bis 2017 laufende Runde der Initiative mit einem Gesamtfördervolumen von 2,7 Milliarden Euro festgesetzt worden.

Erste Reaktionen auf den Vorschlag Schavans, die Zuständigkeit für bestimmte Universitäten von den Bundesländern auf den Bund zu verschieben, waren positiv. So regte auch der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, eine Debatte über Bundesuniversitäten an. "Die Spielräume für reiche und arme Länder sind inzwischen so unterschiedlich geworden, dass der nationale Anspruch, Wissenschaft und Lehre überall auf hohem Niveau zu garantieren, infrage steht", sagte er der Morgenpost. Deshalb müsse man über Bundesuniversitäten nachdenken, sagte Olbertz. 

Die letzte Initiative in Deutschland, Universitäten in Bundeszuständigkeit zu übergeben, liegt inzwischen rund zehn Jahre zurück. Damals gab es Pläne, die Humboldt-Universität nach dem Vorbild der ETH Zürich zu einer Bundesuniversität zu machen. So sollte die Attraktivität für Forscher erhöht werden.