SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz hat Aufklärung über wirtschaftliche Verflechtungen zwischen der Familie Guttenberg und der Universität Bayreuth gefordert. "Das wird das Parlament sehr intensiv interessieren", sagte er. Wiefelspütz schloss auch die Forderung nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss nicht aus. Es müsse Klarheit her.

Nach Ansicht des Parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen, Volker Beck, könnten finanzielle Verflechtungen "eine Erklärung dafür sein, warum die Universität Bayreuth so schnell und ohne Prüfung einer vorsätzlichen Täuschung über die Aberkennung des Doktortitels entschieden hat". Dies sei in Guttenbergs Interesse, sagte Beck.

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Pronold. "Vielleicht hat deswegen auch die Universität vermieden, sich überhaupt zum Täuschungsvorwurf durch Herrn Guttenberg zu äußern", sagte er dem Handelsblatt. "Bisher stand die Promotionsarbeit von Herrn Guttenberg unter dem Motto 'Alles nur geklaut', jetzt kommt noch der Verdacht der Käuflichkeit hinzu."

Der Berliner Tagesspiegel hatte zuvor berichtet, dass die Rhön Klinikum AG zwischen 1999 und 2006 für einen neuen Lehrstuhl an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät insgesamt 747.764,36 Euro überwiesen habe. Guttenberg habe von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der AG gesessen, seine Familie dort ein Aktienpaket gehalten. Der CSU-Politiker studierte von 1992 bis 1999 in Bayreuth Rechtswissenschaften und promovierte dort im Jahr 2007 mit der Bestnote summa cum laude.

Der Vorstand der Rhön Klinikum AG wies die Darstellung zurück. Ein Sprecher des fränkischen Krankenhausbetreibers sagte, dass Guttenberg sich als früheres Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens nicht als Sponsor betätigt und die Hochschule nicht finanziell unterstützt habe. Auch die Universität Bayreuth wies die Sponsorengerüchte zurück. „Der Vertrag ist ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Seitdem wird der Lehrstuhl vom Freistaat Bayern finanziert“, teilte die Hochschule mit.

Auch der Universitäts-Präsident Rüdiger Bormann sagte, die Universität habe die Frage, ob Guttenberg mit seiner Dissertation bewusst getäuscht habe, auf die Schnelle nicht klären können. Dies sei auch eher eine Frage für die Staatsanwaltschaft. Die Universität wolle "gleichwohl weiterhin der Frage nachgehen, ob hier eine bewusste Täuschung vorliegt". Dies sei jedoch ein komplexer Prozess, der noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Für den in Bayreuth lehrenden Staatsrechtler Oliver Lepsius ist der Fall jedoch klar: "Wir sind einem Betrüger aufgesessen", sagte er. Lepsius, seit 2002 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Allgemeine und Vergleichende Staatslehre, fügte mit Blick auf den Ruf der Fakultät hinzu: "Wir gehören zu den zehn besten rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland."

Angesichts der neuen Verdachtsfälle und der andauernden Kritik an Guttenberg, hat Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Doktortitel-Äffäre scharf angegriffen.

Der Fall zu Guttenberg sei jetzt "eine Causa Merkel". Es müsse immer noch geklärt werden, ob der CSU-Politiker "sich nicht strafbar gemacht hat. In vergleichbaren Fällen hat es Anklagen und Verurteilungen gegeben".

Guttenbergs Doktortitel war am Mittwoch aberkannt worden, weil er "gegen wissenschaftliche Pflichten" verstoßen habe.