Bürgerschaftswahl Olaf Scholz, der unterkühlte Triumphator

Die SPD siegt, doch ihr Star will sich nicht feiern lassen. Die Grünen hadern derweil mit sich selbst: die Spitze zu blass, die Inhalte zu wenig grün.

Olaf Scholz nestelt an seinem Anzug herum. Der Spitzenkandidat der SPD scheint nicht so richtig zu wissen, wohin mit seinen Händen. Er steht auf der Bühne seiner eigenen Wahlkampfparty in Hamburg-Altona. Um ihn herum tobt der Jubel: Genossen, die einander in den Armen liegen und seinen Namen skandieren.

Scholz breitet für ein, zwei Sekunden die Arme aus; mehr um die Menge zu beschwichtigen, als um sie weiter anzustacheln. Er lächelt den Fußboden an – und wartet, bis zu er zu einem kleinen Dankesreferat ansetzten kann. Es wählt, wie schon im Wahlkampf, nüchterne, knappe Sätze. Er spricht von "Vernunft" und von "pragmatischer Politik". Genau so unglamourös endet er auch: "An die Arbeit".

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Es ist Scholz' erster öffentlicher Auftritt, seit feststeht, dass seine Partei die Hamburger Wahl triumphal gewonnen hat. Die Wahllokale sind seit 40 Minuten geschlossen. Bei 49,5 Prozent liegt seine Partei in den ersten Prognosen, 48,3 Prozent werden es nach Auszählung aller Zweitstimmen sein. So gut hat die SPD seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr abgeschnitten, in keinem Bundesland in Deutschland. Viele Jusos haben den SPD-Balken überhaupt noch nie so weit hoch schnell sehen wie an diesem Abend. Entsprechend aufgekratzt ist die Stimmung auf der SPD-Party.

Aber Scholz passt sich der Feierlaune in der Altona nicht an. Triumphgesten verkneift er sich, nicht nur auf der Bühne. Den Weg durch die Schulterklopfer bahnt er sich freundlich, aber zügig. Die ersten Prognosen hat er zu Hause vor seinem Fernseher verfolgt, berichtet sein Sprecher. Auch später in den TV-Studios schaut er so gefasst, als müsste er eine Niederlage erklären, wie früher so oft als Generalsekretär der Bundes-SPD. "Scholzomat" nannte man ihn damals, wegen seiner stoischen, unterkühlten Art. Auch heute wirkte er nicht so, als hätte er gerade einen historischen Wahlsieg eingefahren. Die SPD sei die "Partei des Pragmatismus", sagt er in die Kameras.

Wie wären andere Politiker an einem solchen Wahlabend aufgetreten? Gerhard Schröder hätte dröhnend gelacht, Edmund Stoiber hätte sich ein Glas Champagner erbeten, Guido Westerwelle hätte zwanzig Mal gerufen, dass er bescheiden bleiben wolle. Olaf Scholz verkneift sich all das. Das hat mit seiner Persönlichkeit zu tun, er ist kein Heißblüter, keiner, der zum emotionalen Überschwang neigt.

Aber die Zurückhaltung, die er im Moment seines großen Moments zeigt, ist auch Kalkül. Sein erster Dank gilt auf der Altonaer Bühne nicht von ungefähr jenen Wählern, die "die SPD zum ersten Mal" oder "seit langem wieder" gewählt haben. Scholz weiß, dass er "in der Mitte" gewonnen und dabei besonders von enttäuschten CDU-Wählern profitiert hat. Die will er nun nicht verprellen, nicht mit sozialdemokratischem Siegesgeheul verschrecken. Deshalb dankt er artig dem gestürzten CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus für den fairen Wahlkampf. Und er kündigt an, sich an die wirtschaftsfreundliche Politik halten zu wollen, die er im Wahlkampf beworben hat.

Manche SPD-Anhänger hätten sich durchaus etwas mehr Temperament gewünscht. "Langweilig", gähnt eine junge Genossin, während Scholz spricht. Dabei war sie eben, als man noch auf ihn gewartet hat, noch ganz aus dem Häuschen. Scholz scheint die Erwartungshaltung bewusst dämpfen zu wollen: Er hat zwar ein fabelhaftes Ergebnis erzielt. Aber keiner soll nun Wunder von ihm erwarten. Manche Genossen loben diese Zurückhaltung ausdrücklich als "hanseatisch". Jedenfalls lassen sie sich von ihrem stoffeligen Spitzenkandidaten die gute Laune nicht verderben.

Leser-Kommentare
  1. Wirtschaftsfreundliche Politik? Sehr schön. Aber bitte nicht auf Kosten der unteren Einkommensklassen.

    Was dieses Land braucht, ist eine Arbeitszeitverkürzung auf ca. 30 bis 32 Stunden die Woche ohne Lohnausgleich für Bürger über 4 Tsd/Monat und einen gestaffelten teilweisen Lohnausgleich für Bürger darunter. Finanzieren wird sich die Sache über die Einsparungen von H 4.

    Das sollen die Wirtschafts- und Finanzexperten doch einfach mal durchrechnen. Und gleichzeitig einen Mindestlohn einführen. Und H 4 anheben. Denn die Sätze sind viel zu niedrig und menschenunwürdig, weil diese noch nicht mal eine ausreichende medizinsiche Versorgung zulassen. Ich persönlich gehe davon aus, dass die meisten Bürger arbeiten wollen, wenn die Politik es schafft, erträgliche Arbeitsverhältnisse und Löhne einzuführen.

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    • CHHN
    • 21.02.2011 um 2:35 Uhr

    "Die meisten Buerger wollen ertraegliche Arbeitsverhaeltnisse und Loehne". 30-32 Stunden Arbeit pro Woche ist aber eine Zumutung, der kein selbstrespektierender Mensch/Arbeiter in unserer Gesellschaft noch zustimmen kann. Die 25 Stundenwoche muss her. Mindestloehne auch, aber bitte nicht im Hartz IV Niveau. Da braucht 'man ja gar nicht erst auf Schicht zu fahren, wenn das alles ist, was dabei herausspringt. 20-25 Euro pro Stunde ist 'mal ein Anfang. Alles andere ist ja fast eine Beleidigung. Beim Kegelkloppen muss auch noch eine Gefahrenzulage ran. Und um das zu erkennen braucht man keinen Wirtschafts- oder Finanzexperten. Ob die Sozi's uns dabei wohl helfen, will ich erst einmal sehen. Also der Olaf ist ja auch soon' Neuer. Bei dem muss man auch abwarten und Tee trinken und erst 'mal kucken, wie der kuckt.

    • CHHN
    • 21.02.2011 um 2:35 Uhr

    "Die meisten Buerger wollen ertraegliche Arbeitsverhaeltnisse und Loehne". 30-32 Stunden Arbeit pro Woche ist aber eine Zumutung, der kein selbstrespektierender Mensch/Arbeiter in unserer Gesellschaft noch zustimmen kann. Die 25 Stundenwoche muss her. Mindestloehne auch, aber bitte nicht im Hartz IV Niveau. Da braucht 'man ja gar nicht erst auf Schicht zu fahren, wenn das alles ist, was dabei herausspringt. 20-25 Euro pro Stunde ist 'mal ein Anfang. Alles andere ist ja fast eine Beleidigung. Beim Kegelkloppen muss auch noch eine Gefahrenzulage ran. Und um das zu erkennen braucht man keinen Wirtschafts- oder Finanzexperten. Ob die Sozi's uns dabei wohl helfen, will ich erst einmal sehen. Also der Olaf ist ja auch soon' Neuer. Bei dem muss man auch abwarten und Tee trinken und erst 'mal kucken, wie der kuckt.

  2. was Olaf Scholz für eine Politik betreiben wird. Immerhin war er auf dem letzten Bilderbergertreffen, was wohl auch seine BM-Kanidatur erklärt.

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    Entfernt. Bitte diskutieren Sie konkret zum Thema des Artikels. Danke. Die Reaktion/wg

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    • CHHN
    • 21.02.2011 um 2:35 Uhr

    "Die meisten Buerger wollen ertraegliche Arbeitsverhaeltnisse und Loehne". 30-32 Stunden Arbeit pro Woche ist aber eine Zumutung, der kein selbstrespektierender Mensch/Arbeiter in unserer Gesellschaft noch zustimmen kann. Die 25 Stundenwoche muss her. Mindestloehne auch, aber bitte nicht im Hartz IV Niveau. Da braucht 'man ja gar nicht erst auf Schicht zu fahren, wenn das alles ist, was dabei herausspringt. 20-25 Euro pro Stunde ist 'mal ein Anfang. Alles andere ist ja fast eine Beleidigung. Beim Kegelkloppen muss auch noch eine Gefahrenzulage ran. Und um das zu erkennen braucht man keinen Wirtschafts- oder Finanzexperten. Ob die Sozi's uns dabei wohl helfen, will ich erst einmal sehen. Also der Olaf ist ja auch soon' Neuer. Bei dem muss man auch abwarten und Tee trinken und erst 'mal kucken, wie der kuckt.

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    Antwort auf "An die Arbeit!"
  3. dass Sie den grünen Verrat angemessen bestraft haben. Hat hoffentlich Signalwirkung.
    Grüße, BG

  4. "Manche SPD-Anhänger hätten sich durchaus etwas mehr Temperament gewünscht."

    man kanns eben nie recht machen.
    als ich die interviews gestern sah, fiel mir zuerst ein, da steht einer, der mit stil und klasse gewonnen und daneben einer, der mit ebensoviel stil und klasse verloren hat.

    da gratuliere ich doch gerne zum wahlerfolg und zu der chance, ohne koalitionsverrenkungen arbeiten zu können.

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    • Voce
    • 21.02.2011 um 10:15 Uhr

    finde es aber gut, dass sie in HH nun allein das Sagen haben wird. Nun wird sie in für den Bürger und die Stadt wichtigen Fragen nahezu unbeeinflusst von anderen Parteien Farbe bekennen und zeigen können, was sie politisch drauf hat und ob das Wohl,und dazu gehört auch der Abtrag des Schuldenberges), der Bürger wirklich Priorität hat.

  5. 8. Ja...

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    Antwort auf "Bin gespannt"

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