TV-Duell Klöckner lächelt, Beck schaut säuerlich

Eine angriffslustige Julia Klöckner verärgert den SPD-Ministerpräsidenten beim rheinland-pfälzischen TV-Duell. Nur das Thema Atom bringt sie in die Defensive. L. Caspari

Julia Klöckner will die Eingangsfrage des Moderators erst gar nicht beantworten. SWR-Chefredakteur Fritz Frey hatte von der 38-Jährigen eigentlich wissen wollen, was sie denn von den anderen zuvor erfolglosen CDU-Spitzenkandidaten bei den letzten Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz unterscheide. Sie sei mit ihren Gedanken ganz bei Japan, entgegnet die Herausforderin von SPD-Ministerpräsident Kurt Beck sehr plötzlich und sehr hastig. "Das ist es, was mich im Moment bewegt."

Die Kandidatin hat es nicht leicht. Anderthalb Wochen vor der Wahl in ihrem Bundesland steht Japan vor einer Atomkatastrophe. Und Klöckners CDU hatte erst im Herbst die Laufzeiten der teilweise sehr alten Atomkraftwerke in Deutschland verlängert, auch sie stimmte damals als Bundestagsabgeordnete dafür. Jetzt ist Kanzlerin Angela Merkel von der Laufzeitverlängerung abgerückt, ein Schritt, der dem Wähler in Mainz, Koblenz oder Ludwigshafen nicht ganz einfach zu erklären ist.

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Noch bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU am Samstag in Bad Kreuznach war die Stimmung daher am Boden.  Deshalb hat die Kandidatin sich offensichtlich vorgenommen, gleich zu Beginn des TV-Duells mit dem erklärten Atomskeptiker Beck am Mittwochabend in die Offensive zu gehen. Doch sie wirkt sehr angestrengt, als sie von einer "Zeitenwende" spricht, einem Szenario, das "auch Experten nicht vorausgesagt hätten". Zweimal kurz hintereinander betont sie, dass "wir nicht die Debatten von gestern führen, sondern an morgen denken sollten". Es wirkt nervös und einstudiert.

Kurt Beck lehnt noch entspannt zurück. Der Ministerpräsident gibt sich präsidial. Er berichtet, dass Rheinland-Pfalz den Partnerregionen in Japan zügig Hilfe angeboten habe. Mit Blick auf seine junge Herausforderin sagt er, dass die Landtagswahl am 27. März natürlich auch ausschlaggebend dafür sein werde, wie das Land sich künftig im Bundesrat zum Thema Atomlaufzeiten verhalte.

Das gefällt Julia Klöckner natürlich gar nicht. "Es ziert sich nicht, auf dem Rücken der Toten und Verletzen Wahlkampf zu machen", sagt sie streng. Doch Beck habe die Nuklearfrage sofort nach den ersten Meldungen über ein mögliches Reaktorunglück in Japan zum Thema gemacht. Und als Beck davon spricht, dass das Laufzeiten-Moratorium der schwarz-gelben Bundesregierung seiner Meinung nach verfassungswidrig ist, ruft sie dazwischen: "Mit Verfassungsbrüchen kennen Sie sich ja aus."

Das zielt auf mehrere Affären in der Regierung Beck und da wird der seit 16 Jahren amtierende Ministerpräsident sehr ärgerlich. "Nicht so flapsig bitte", grollt er und guckt sehr finster. Sowieso bringt ihn die junge Spitzenkandidatin mit zunehmender Dauer der Sendung immer mehr auf die Palme. Julia Klöckner ist trotz des holprigen Starts sehr bald ganz in ihrer Herausforderer-Rolle angekommen. Sie provoziert den Amtsveteran, sie fällt ihm ins Wort, sie flirtet gut gelaunt und entschlossen mit der Kamera. Beck hingegen scheint teilweise zu vergessen, dass ihm seine Wähler zuschauen. Der 62-Jährige guckt viel nach unten und macht über weite Teile des einstündigen Gesprächs einen äußerst griesgrämigen Eindruck.

Dünnhäutig reagiert er auf die ihm doch so alt bekannten Vorwürfe Klöckners, unter der SPD-Alleinregierung von Kurt Beck gebe es nur Filz und Skandale. Der Regierung bei der umstrittenen Sanierung eines Schlosshotels in seinem Wahlkreis Vetternwirtschaft zu unterstellen, sei reine "Böswilligkeit", verteidigt sich Beck erregt: "Ich habe in meinem Leben noch nie nach dem Parteibuch gefragt." "Es reicht langsam", donnert er, als Klöckner mit schelmischem Blick weitere vermeintliche Belege für seine Bevorzugung von SPD-Parteigängern aufführt. Und: "Frechheit." Er habe keine Lust, sich öffentlich "desavouieren" lassen.

Leser-Kommentare
  1. daß die meisten Wähler wohl wieder das wählen, was sie immer wählen.

    Die Bundespolitik von CDU und FDP strahlt so auf die Wähler aus, daß man keinen Grund für einen Wechsel erkennen kann.

    Die "Fehler" von Becks SPD (Politiker sind nicht Teil von Filz sondern machen höchstens mal nen "Fehler") sind nicht gravierend genug, um ihn abzuwählen.

    Vielleicht wird er wieder erinen Partner bekommen, aber damit kann er gut leben die nächsten vier Jahre.

    In meinem Wahlkreis zanken sich seit Monaten die Linken um Pöstchen und Meinungshoheiten. Ich werde sie aber trotzdem wählen. sie sind für mich "alternativlos" zu den sonst vorhandenen "Wirtschaftsvertretern".

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    Wie wärs damit die Parteien mal nach ihren Inhalten zu wählen, oder etwas neuem eine Chance zu geben?
    Egal ob das nun Linke, PIRATEN oder irgendeine der rechten Parteien ist.
    Speziell die "jungen Wilden in orange" können mit einem Ergebnis über 3% jede Menge Druck auf Rot-Grün und Schwarz-Geld ausüben, welche sich dann im Wahlprogramm der kleinen umschauen und Themen übernehmen.
    So bewirkt man mit einer Stimme einen Wandel bei gleich 4 Parteien. Besser als eine eh als korrupt bekannt gewordene Regierung roter oder schwarzer Farbe zu fördern, oder?

    Wie wärs damit die Parteien mal nach ihren Inhalten zu wählen, oder etwas neuem eine Chance zu geben?
    Egal ob das nun Linke, PIRATEN oder irgendeine der rechten Parteien ist.
    Speziell die "jungen Wilden in orange" können mit einem Ergebnis über 3% jede Menge Druck auf Rot-Grün und Schwarz-Geld ausüben, welche sich dann im Wahlprogramm der kleinen umschauen und Themen übernehmen.
    So bewirkt man mit einer Stimme einen Wandel bei gleich 4 Parteien. Besser als eine eh als korrupt bekannt gewordene Regierung roter oder schwarzer Farbe zu fördern, oder?

  2. sind hoch aktuell. Und die Äußerung "auf dem Rücken der Toten und Verletzten..." ist schier eine Unverschämtheit. In Rheinland Pfalz macht außer Frau Klöckner kein Mensch Politik auf Kosten des Elends in Japan. Aber ähnliches haben wir ja schon aus Berlin von Röttgen und Merkel gehört. Wenn die Klöckner keine anderen Argumente hat dann kann sich Kurt Beck am übernächsten Sonntag nur freuen.
    Wenn sie mit Dreck werfen will dann muß gerade sie einmal ihren eigenen Stall ausmißten. Da gibt es viel zu tun in Hinsicht auf Vetternwirtschaft und Korruption.

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    ich als Frau schäme mich ob solcher Frauen in der Politik.

    Keine Überzeugungen, Meisterinnen bei Verdrehungen und Taktierereien. Da lobe ich mir gestandene Männer wie Beck.

    ich als Frau schäme mich ob solcher Frauen in der Politik.

    Keine Überzeugungen, Meisterinnen bei Verdrehungen und Taktierereien. Da lobe ich mir gestandene Männer wie Beck.

  3. Ist das nicht der Problembär aus der Pfalz, der einmal Kanzlerkanditat spielen wollt, dann aber scheiterte?

    Einige von Becks Skandalen:
    Der Justizminister geriet unter Beschuss, weil er den SPD-Wunschkandidaten zum Präsidenten eines Oberlandesgerichts machte und einen kompetenteren, aber parteilosen Bewerber ausbootete. Das Bundesverwaltungsgericht bescheinigte dem Minister einen Bruch des Grundgesetzes, doch Beck hält seinem Mann die Stange.

    In Becks Heimatort Bad Bergzabern liefen die Kosten für ein Infrastrukturprojekt aus dem Ruder, Beck hatte seine Finger mit im Spiel, das Innenministerium sponserte das Projekt großzügig und verzichtete auf die vorgeschriebene Prüfung. Ein Unternehmer und Parteifreund von Beck profitierte. Politische Konsequenzen: keine. Für die größten Schlagzeilen sorgte der Nürburgring, wo das Land inzwischen rund 400 Millionen Euro an Steuergeldern verbraten hat. Mit dem Rücktritt von Finanzminister Ingolf Deubel sollte das Thema abgehakt werden — doch ständig tauchen neue Details auf, die das unternehmerische Versagen der von Beck gestützten Strippenzieher um Wirtschaftsminister Hendrik Hering dokumentieren.

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    • Glawen
    • 17.03.2011 um 13:00 Uhr

    Och mit dem Problembärenimage tun Sie dem Beck aber unrecht. Ich würde ihm nicht unbedingt das Scheitern als Parteivorsitzenden vorwerfen. Das lag in meinen Augen eher in einer Unkompatibilität zum berliner SPD-Klüngel. Deshalb würde ich dies sogar eher positiv werten.
    Die anderen Punkte stimmen allerdings, werden wohl aber von vielen Wählern, wie das schon jemand anderes hier schrieb, unter "kleinen Fehlern" abgebucht. Das liegt allerdings auch bestimmt daran, dass der Untersuchungsausschuss ziemlich viel Mist gebaut hat. Diese zwei CDU'ler, die sich da über illegale Quellen Polizeiakten besorgten und dann auch noch so doof waren mit den Sachen im Untersuchungsausschuss punkten zu wollen....dann wollten die nicht zurücktreten, dann nur aus dem Untersuchungsausschuss...dann mal so mal so. Ist doch alles Mumpitz. Dann schafft es die Klöckner doch nicht so ganz den Sauhaufen bei sich aufzuräumen und tritt sogar noch bei einem von denen bei einer Wahlkampfveranstaltung auf...
    Also ich werde wohl keine Partei wählen, die zur Zeit im Landtag vertreten ist. Wie der Klüngel der SPD aussieht haben Sie sehr gut dargelegt. Die CDU ist kein Stück besser aber wenigstens auf Grund ihrer fehlenden Macht hauptsächlich auf sich selbst beschränkt und die FDP ist doch immer noch eingeschnappt, dass die nach der absoluten Mehrheit von Beck auf einmal nicht mehr mitklüngeln durften. Ich werde einen aus der Top4 beim Wahl-o-mat wählen. Die Etablierten lagen da eh unter "ferner liefen".

    • Glawen
    • 17.03.2011 um 13:00 Uhr

    Och mit dem Problembärenimage tun Sie dem Beck aber unrecht. Ich würde ihm nicht unbedingt das Scheitern als Parteivorsitzenden vorwerfen. Das lag in meinen Augen eher in einer Unkompatibilität zum berliner SPD-Klüngel. Deshalb würde ich dies sogar eher positiv werten.
    Die anderen Punkte stimmen allerdings, werden wohl aber von vielen Wählern, wie das schon jemand anderes hier schrieb, unter "kleinen Fehlern" abgebucht. Das liegt allerdings auch bestimmt daran, dass der Untersuchungsausschuss ziemlich viel Mist gebaut hat. Diese zwei CDU'ler, die sich da über illegale Quellen Polizeiakten besorgten und dann auch noch so doof waren mit den Sachen im Untersuchungsausschuss punkten zu wollen....dann wollten die nicht zurücktreten, dann nur aus dem Untersuchungsausschuss...dann mal so mal so. Ist doch alles Mumpitz. Dann schafft es die Klöckner doch nicht so ganz den Sauhaufen bei sich aufzuräumen und tritt sogar noch bei einem von denen bei einer Wahlkampfveranstaltung auf...
    Also ich werde wohl keine Partei wählen, die zur Zeit im Landtag vertreten ist. Wie der Klüngel der SPD aussieht haben Sie sehr gut dargelegt. Die CDU ist kein Stück besser aber wenigstens auf Grund ihrer fehlenden Macht hauptsächlich auf sich selbst beschränkt und die FDP ist doch immer noch eingeschnappt, dass die nach der absoluten Mehrheit von Beck auf einmal nicht mehr mitklüngeln durften. Ich werde einen aus der Top4 beim Wahl-o-mat wählen. Die Etablierten lagen da eh unter "ferner liefen".

  4. Wie wärs damit die Parteien mal nach ihren Inhalten zu wählen, oder etwas neuem eine Chance zu geben?
    Egal ob das nun Linke, PIRATEN oder irgendeine der rechten Parteien ist.
    Speziell die "jungen Wilden in orange" können mit einem Ergebnis über 3% jede Menge Druck auf Rot-Grün und Schwarz-Geld ausüben, welche sich dann im Wahlprogramm der kleinen umschauen und Themen übernehmen.
    So bewirkt man mit einer Stimme einen Wandel bei gleich 4 Parteien. Besser als eine eh als korrupt bekannt gewordene Regierung roter oder schwarzer Farbe zu fördern, oder?

  5. wenn sie eine Hilfsaktion für die armen Menschen in Japan initiieren würde. Diese Diskussion der Berufsdiskutierer macht allmählich krank. Gerade drei Monate ist es her, dass Schnee und Eis die Verkehrswege in Europa zum Erliegen brachten und der miserable Zustand unserer Infrastruktur offen zu Tage trat. Jetzt spielen die Deutschen die Besserwisser der Energiewirtschaft. Dabei schauen sie zu, wie in Japan die Menschen in ihren Notunterkünften erfrieren. Als wäre das Erdbeben vor Japans Küste das neueste Videospiel.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Voce
    • 17.03.2011 um 10:15 Uhr

    einige Male von seiner Herausforderin in die Ecke getrieben aus der er sich oft nicht überzeugend zu befreien versuchte, auch wenn er sich Mühe gab, seine Antworten unter Aufsetzen des ihm eigenen Gesichtsausdruckes : "Zugehört, Euer Landesvater sagt Euch jetzt mal, wie ihr das zu sehen habt", glaubwürdig rüberzubringen. Das ist ihm aber selten gelungen.

    Ohnehin sind m.E. derartige Fernsehduelle nur etwas für vorwiegend unentschlossenen Wähler, die sich teilweise an den Programmen der Parteien und deren Umsetzung orientiert, aber andererseits auch stark an anderen Faktoren, so auch u.a. an der Präsentation der Kandidaten in dieser Politshow.

    So gesehen hat J.Klöckner gestern gepunktet. Doch es dürfte ihr schwer fallen, die Instutition K. Beck im ersten Anlauf vom Sockel zu stossen.

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    der Beck ist nicht unbedingt mein Typ. Aber der hat nicht die "Visakarte" der Fraktion für "Puffbesuche" missbraucht. Frau Klöckner - wenn sie einmal überlegen; Gestern haben sie gesagt das ist alles vorbei - Wir machen einen neuen Anfang - darüber denke ich ich gar nicht mehr nach (SWR Fernsehen) Was wollen Sie uns denn jetzt noch GLAUBHAFT sagen????? Denken wollen sie nicht. Überlegen wollen sie nicht. Regieren können sie nicht. Bleiben sie Weinkönigin- UM GOTTES NAMEN!!!

    der Beck ist nicht unbedingt mein Typ. Aber der hat nicht die "Visakarte" der Fraktion für "Puffbesuche" missbraucht. Frau Klöckner - wenn sie einmal überlegen; Gestern haben sie gesagt das ist alles vorbei - Wir machen einen neuen Anfang - darüber denke ich ich gar nicht mehr nach (SWR Fernsehen) Was wollen Sie uns denn jetzt noch GLAUBHAFT sagen????? Denken wollen sie nicht. Überlegen wollen sie nicht. Regieren können sie nicht. Bleiben sie Weinkönigin- UM GOTTES NAMEN!!!

  6. Beck pöbelte dereinst einen Hartz IV-Empfänger an, er möge sich waschen u. zum Frisör gehen, dann klappt es mit dem neuen Job. Richtig Herr Beck: Gehen sie zum Frisör, vielleicht wird es dann was mit der Wiederwahl !

  7. ...wird wieder zum ministerpräsidenten gewählt, keine sorge. ich denke das die grünen wegen der unentrinnbaren tageshorrornachrichten allerdings wesentlich mehr stimmen erhalten werden als das in meinungsumfragen prognostiziert wird. und ich hoffe, daß die zusätzlichen stimmen aus dem stimmanteil der cdu und fdp erwachsen. könig kurt macht dann noch die ersten jahre den chef, um dann an frau ahnen zu übergeben.

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