Bundeswehr-Werbung "taz"-David streitet gegen "Bild"-Goliath

Die Bundeswehr will in den Springer-Medien Soldaten werben. Kritiker wittern Kumpanei zwischen Ministerium und Verlag. Das Ministerium wies nun Vorwürfe der "taz" zurück.

Bundeswehr-Rekruten in Berlin

Bundeswehr-Rekruten in Berlin

Die Springer-Medien stärkten dem strauchelnden – und inzwischen zurückgetretenen – Verteidigungsminister in der Plagiatsaffäre den Rücken, das Ministerium bedankt sich mit einer hochdotierten Werbekampagne – so sehen Kritiker die Werbeaktion der Bundeswehr. Die plant eine große Werbekampagne für den Truppendienst, die ab März in den Zeitungen Bild und Bild am Sonntag sowie der Online-Ausgabe von Bild laufen soll.

Das rief die Konkurrenz auf den Plan. Für die tageszeitung ist die Werbeaktion "eine strafbare Vorteilsannahme" nach §331 Strafgesetzbuch: Die Medien des Springer-Konzerns betrieben "seit Wochen eine Kampagne" zu Gunsten des bisherigen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, sagte taz-Anwalt Johannes Eisenberg. Dadurch hätten sie Guttenberg einen Vorteil gewährt. Zudem argumentiert Eisenberg, der Staat unterliege dem Diskriminierungsverbot im Bereich der Medien – er dürfe also nicht ein Medium bevorzugt behandeln.

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Die taz hatte dem Ministerium darum ein Unterlassungsbegehren mit der Aufforderung geschickt, die Werbung bei Springer zu unterlassen. Weil das Ministerium laut taz zunächst eine Frist zur Stellungnahme verstreichen ließ, erwog die Zeitung eine Klage.

Die Bundeswehr hatte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert, nun erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, man wolle an der Werbekampagne festhalten. Die Vorwürfe der tageszeitung wegen der Einbindung von Springer-Medien entbehrten jeder Grundlage.

In einer Erklärung des Verteidigungsministeriums hieß es, die Bundeswehr folge den Empfehlungen der mit der Kampagne beauftragten Agentur ZenithMedia, "die diese Werbeträger unter anderem aufgrund der Reichweite und der Zielgruppenanalyse vorgeschlagen hat". Von den insgesamt 4,8 Millionen Euro, die für die Werbekampagne für eine Mannschaftslaufbahn bei der Bundeswehr zur Verfügung stehen, entfielen 12,5 Prozent, also rund 600.000 Euro, auf Bild, Bild am Sonntag und bild online.

Die geplante Werbeaktion war auch von der SPD kritisiert worden. "Es riecht nach Kumpanei zwischen Guttenberg und dem Springer-Verlag, wenn ausgerechnet der größte öffentliche Fürsprecher des Ministers in der Plagiatsaffäre einen lukrativen Werbeauftrag des Verteidigungsministeriums bekommt", sagte etwa der SPD-Politiker Sebastian Edathy.

Hintergrund der Kampagne ist die Aussetzung der Wehrpflicht im Zuge der Bundeswehrreform und die damit verbundene Sorge, dass es beim Umbau der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee Probleme bei der Nachwuchsgewinnung geben könnte. Intern sollen die Militärplaner bereits davor gewarnt haben, dass infolge des demografischen Wandels und der Konkurrenz um Fachkräfte die Einsatzbereitschaft der Truppe in Gefahr geraten könnte.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Hallo
    Ich kann mich hier des Eindruckes nicht erwehren, das die TAZ hier quengelt um auch ein paar Anzeigen abzustauben.
    Das ist besonders lustig weil die TAZ garantiert kein Freund der Bundeswehr ist, aber die Kohle wollen sie trotzdem.
    Einfach nur peinlich.
    Gruss
    Rene

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    besser kann man es nicht sagen...

    Naja, oder aber die taz betreibt ernsthaften Journalimus, was meines Erachtens wesentlich wahrscheinlicher ist, da die taz, zumindest wenn man sich ihre Geschichte und ihre kritischen Positionen betrachtet (inklusive Antimilitarismus), aller Wahrscheinlichkeit nach Rekrutierungsmaßnahmen nicht unterstützt. Von dem her würde ich sagen, dass das ganze weniger peinlich als prinzipienfest ist.

    Die BILD + die Glotze zeigen gerade am Fall Guttenberg deutlich, wie mächtig diese Medien geworden sind und Menschenmassen bewegen können. Sie tun das, indem sie sie emotional geschickt ansprechen, Promis und Politiker werden bewundert oder gestürzt durch diese Macht. Sie können Millionen Menschen in Wut bringen. Das war schon 1967 so bei dem Attentat auf Rudi Dutschke, gegen den die BILD massiv als den leibhaftigen Kommunistenteufel gehetzt hatte.

    Solche Machtfülle ist gefährlich. Natürlich berichtet die BILD nicht unabhängig über den Baron von Münchhausen, denn sie bekommt ja von ihm 600.000 € - vielleicht auch mehr.

    Die Artikel haben ihm allesamt geschmeichelt, waren aber nicht als Anzeige deklariert. Ist dies nicht eigentlich Pflicht nach Werbe- oder Mediengesetz? Doch heute haben wir ja schon bei fast allen Medien tendenziöse "Experten", von Instituten bezahlt.

    besser kann man es nicht sagen...

    Naja, oder aber die taz betreibt ernsthaften Journalimus, was meines Erachtens wesentlich wahrscheinlicher ist, da die taz, zumindest wenn man sich ihre Geschichte und ihre kritischen Positionen betrachtet (inklusive Antimilitarismus), aller Wahrscheinlichkeit nach Rekrutierungsmaßnahmen nicht unterstützt. Von dem her würde ich sagen, dass das ganze weniger peinlich als prinzipienfest ist.

    Die BILD + die Glotze zeigen gerade am Fall Guttenberg deutlich, wie mächtig diese Medien geworden sind und Menschenmassen bewegen können. Sie tun das, indem sie sie emotional geschickt ansprechen, Promis und Politiker werden bewundert oder gestürzt durch diese Macht. Sie können Millionen Menschen in Wut bringen. Das war schon 1967 so bei dem Attentat auf Rudi Dutschke, gegen den die BILD massiv als den leibhaftigen Kommunistenteufel gehetzt hatte.

    Solche Machtfülle ist gefährlich. Natürlich berichtet die BILD nicht unabhängig über den Baron von Münchhausen, denn sie bekommt ja von ihm 600.000 € - vielleicht auch mehr.

    Die Artikel haben ihm allesamt geschmeichelt, waren aber nicht als Anzeige deklariert. Ist dies nicht eigentlich Pflicht nach Werbe- oder Mediengesetz? Doch heute haben wir ja schon bei fast allen Medien tendenziöse "Experten", von Instituten bezahlt.

  2. Da gibts zwar wirklich den bitteren Beigeschmack, das Mogel-Gutti dem Springerverlag ein "Dankeschön" zugeschustert hat.

    Aber seien wir doch mal ehrlich. Der typische BILD-Leser hat nun mal das intellektuelle Potential, als Kanonenfutter für die Bundeswehr rekrutiert zu werden. Von da her ist es nur richtig, in diesen Käseblättchen zu announcieren.

    21 Leser-Empfehlungen
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    • CvdD
    • 04.03.2011 um 21:30 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/ew

    • CvdD
    • 04.03.2011 um 21:30 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/ew

  3. diesen Auftrag nicht bekommen zu haben. Diese Werbung hätte dort auch weniger Erfolg.
    Außerdem braucht man eine bestimmte Zielgruppe, die nur Bild und Bunte liefern können.
    Man stelle sich vor gebildetes Kanonenfutter. Was für eine Verschwendung. Ich denke ja das es Letzteres nicht geben wird.

  4. Wir hatten einmal einen unvergessenen Kanzler und einen noch tolleren Außenminister, die uns die Tür für die Teilnahme an Kriegen in aller Welt geöffnet haben.
    Und dieser unvergessene Kanzler hat öffentlich verkündet, wen er für die erfolgreiche Verkündigung seiner Politik benötigt: BILD, BamS und Glotze.
    Warum sollen die heutigen Politiker dies anders sehen?
    Kein Mensch liest die dämliche BILD-Zeitung, wenn man nachfragt. Aber es ist die meistverkaufte Tageszeitung unseres Landes.
    Wir haben es nicht besser verdient!

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    mit einem WIR vereinnahmt.

    "Wir haben es nicht besser verdient!"

    Sie sind keine Majestät und können den Plural nicht für sich in Anspruch nehmen und Leser so ansprechen. Differenzieren Sie! Es gibt kein WIR, wenn es ums Geld geht - und das tut es ja fast immer, das müssten Sie doch wissen.

    Seien Sie so freundlich und nehmen Sie diesen leider oft gelesenen und gesprochenen Spruch zurück.

    mit einem WIR vereinnahmt.

    "Wir haben es nicht besser verdient!"

    Sie sind keine Majestät und können den Plural nicht für sich in Anspruch nehmen und Leser so ansprechen. Differenzieren Sie! Es gibt kein WIR, wenn es ums Geld geht - und das tut es ja fast immer, das müssten Sie doch wissen.

    Seien Sie so freundlich und nehmen Sie diesen leider oft gelesenen und gesprochenen Spruch zurück.

    • otomo
    • 04.03.2011 um 20:55 Uhr

    Sebastian Heiser von der TAZ hat neulich erst im TAZ Blog klargestellt, das auch die TAZ Werbung für ALLES macht, solange die Kohle stimmt. Seien es Atomstromerzeuger, Rüstungsfirmen oder die Bild. Von daher denke ich, wäre die TAZ froh etwas von dem Kuchen abzubekommen.

    Den Kommentar bezüglich der Zielgruppe, dem Niveau der Bild-Leser und das das schon zueinander passt möchte ich unterstreichen.

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    Das wäre in etwa so als ob der deutsche Fleischerverband in einer Vegetarierzeitung werben würde - nämlich ziemlich dumm.
    Springer ist schon die beste Adresse wenn man auf der Suche nach Rekruten ist. Linke ziehen nicht in den Krieg, egal ob gebildet oder weniger gebildet. Gebildete Konservative ziehen auch nicht in den Krieg weil die ihr Geld besser in der Wirtschaft verdienen können. Was bleibt? Mäßig gebildete Konservative. Anders formuliert: Bild-Leser.

    Also unabhängig davon wie die Bild-Zeitung berichtet hat in letzter Zeit, die Entscheidung der Bundeswehr dort zu werben ist mehr als verständlich.

    Das wäre in etwa so als ob der deutsche Fleischerverband in einer Vegetarierzeitung werben würde - nämlich ziemlich dumm.
    Springer ist schon die beste Adresse wenn man auf der Suche nach Rekruten ist. Linke ziehen nicht in den Krieg, egal ob gebildet oder weniger gebildet. Gebildete Konservative ziehen auch nicht in den Krieg weil die ihr Geld besser in der Wirtschaft verdienen können. Was bleibt? Mäßig gebildete Konservative. Anders formuliert: Bild-Leser.

    Also unabhängig davon wie die Bild-Zeitung berichtet hat in letzter Zeit, die Entscheidung der Bundeswehr dort zu werben ist mehr als verständlich.

    • WiKa
    • 04.03.2011 um 21:21 Uhr

    …BILD hingegen ist das ideale Medium, wenn man daran denkt, dass die neue Bundeswehr weniger gebildet sein darf und dafür besser gehorchen muss. Die Eigenschaften von gutem Kanonenfutter sind eben nicht unbedingt Bildung und Denkvermögen. Insoweit ist doch die Welt völlig in Ordnung und die vom Ministerium beabsichtige Werbung als zielgerichtet und effizient zu beschreiben. Richtiger Dummenfang ist eben mit der TAZ nicht effektvoll genug machbar.

    Um etwas über-bissig zu bleiben … das Ganze geht doch gut einher mit dem „Verkauf der Bundeswehr an Blackwater“ … Link, sprich mit einer noch optimierteren Form der Bundeswehr nach marktwirtschaftlichen Einsichten. Ein Schelm wer Böses dabei denkt …

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    Ich kann mich meinen Vorpostern nur anschliessen.

    Die Vorteile der Werbung bei Bild und Co, treffen aufgrund der Auflage auf ein großes "Kontingent" und natürlich nur für die Mannschaftslaufbahn...

    Interessant wirds wenn man mal die Person Guttenberg dazunimmt und die Sache mal dreht, warum nicht um einen Menschen einen "Hype" aufbauen, damit die Zielgruppe dieser "Leitfigur" folgen kann sobal sie "gedurft" hätte. Die vielen Vorteile die sich da ergeben so zB. wie die zeitnahe Umstrukturierung, das oben angesprochene Kontingent, der Rückhalt bei einer "bestimmten Bevölkerungsschicht" (ich möchte Menschen nicht einer Klassifizierung unterwerfen)und die damit eingesparten Kosten, wäre eine sehr effiziente Lösung gewesen. Wer hat da wohl mit dem "de-hyped" Guttenberg nun diesen tollen "Plan" verdorben.

    Leider reden wir aber hier nicht von einem gut situierten Mittelstandsbetrieb oder einer Global ausgelegten Aktiengesellschaft, sondern von einer Armee in der man dann eventuell auch töten muss oder getötet wird und unter diesem Blickwinkel ist es eine verkommene Kampagne wenn die Werbung nur bei Bild, Bild - Online und BamS erfolgt. Da schließ ich mich Hernn Eisenberg an, es ist diskriminierend in den "Humanressourcen" nur auf diese eine Mediumsparte zurückzugreifen.

    Und für Mich persönlich löst dieser weitere Blickwinkel auf das momentane Politische Geschehen wieder mal nur Grausen beim Umgang mit dem Souverän aus.

    Der Souverän ist nicht grundsätzlich Dumm.

    Gruß Fingerzeig

    Ich kann mich meinen Vorpostern nur anschliessen.

    Die Vorteile der Werbung bei Bild und Co, treffen aufgrund der Auflage auf ein großes "Kontingent" und natürlich nur für die Mannschaftslaufbahn...

    Interessant wirds wenn man mal die Person Guttenberg dazunimmt und die Sache mal dreht, warum nicht um einen Menschen einen "Hype" aufbauen, damit die Zielgruppe dieser "Leitfigur" folgen kann sobal sie "gedurft" hätte. Die vielen Vorteile die sich da ergeben so zB. wie die zeitnahe Umstrukturierung, das oben angesprochene Kontingent, der Rückhalt bei einer "bestimmten Bevölkerungsschicht" (ich möchte Menschen nicht einer Klassifizierung unterwerfen)und die damit eingesparten Kosten, wäre eine sehr effiziente Lösung gewesen. Wer hat da wohl mit dem "de-hyped" Guttenberg nun diesen tollen "Plan" verdorben.

    Leider reden wir aber hier nicht von einem gut situierten Mittelstandsbetrieb oder einer Global ausgelegten Aktiengesellschaft, sondern von einer Armee in der man dann eventuell auch töten muss oder getötet wird und unter diesem Blickwinkel ist es eine verkommene Kampagne wenn die Werbung nur bei Bild, Bild - Online und BamS erfolgt. Da schließ ich mich Hernn Eisenberg an, es ist diskriminierend in den "Humanressourcen" nur auf diese eine Mediumsparte zurückzugreifen.

    Und für Mich persönlich löst dieser weitere Blickwinkel auf das momentane Politische Geschehen wieder mal nur Grausen beim Umgang mit dem Souverän aus.

    Der Souverän ist nicht grundsätzlich Dumm.

    Gruß Fingerzeig

  5. besser kann man es nicht sagen...

    Antwort auf "Peinlich"
    • CvdD
    • 04.03.2011 um 21:30 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/ew

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