Dass er nicht kommen würde, war klar. Wäre Karl-Theodor zu Guttenberg an diesem Mittwoch in der Passauer Dreiländerhalle erschienen, er hätte Huldigungen empfangen, deren Ausmaß wohl selbst den gefallenen Jungstar der CSU überrascht hätten. Und hätte die christsozialen Altvorderen noch älter aussehen lassen, als sie es schon sind.

Und doch war er da, jede Minute während dieser alljährlichen CSU-Kraftbekundung. "Ja, wir stehen zu Guttenberg", sagt ein Parteigänger aus Hohenlinden im Kreis Ebersberg, das östlich von München liegt. Und weiter steht auf seinem Plakat: "Die Neider ab nach Afrika." Andere verkünden: "Auf geht’s – auch ohne Doktortitel."

Es steckt ein tiefer Trotz in dieser Partei – dass und wie sie ihre Lichtgestalt im Zuge der Plagiatsaffäre verloren hat. Um 10 Uhr an diesem politischen Aschermittwoch  säumen die Anhänger den ganzen langen Gang quer durch die Halle, um den Einzug des Parteivorsitzenden und Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer zu zelebrieren. Dieser genießt den Jubel der 3600 Menschen in der Halle sichtlich, wenngleich er einem anderen gilt.

Die Marschrichtung der Partei gibt schon der niederbayerische Bezirkschef Manfred Weber in seiner Begrüßung vor. Es habe "eine Hetzjagd auf einen von uns" gegeben, ruft er ins Mikrophon. "Karl-Theodor hat einen schweren Fehler gemacht und sich entschuldigt." Und damit soll es nun gut sein. Bei Bayernflagge, Brezn und Bier klatscht das Parteivolk. Das ist die Haltung der CSU. Und die Mitglieder bejubeln auch das einstige Führungspersonal stellvertretend, etwa Erwin Huber und ganz besonders Edmund Stoiber.

Auch Horst Seehofer widmet sich dem abhanden gekommenen Star: "Wir wollen, dass Du wieder zurückkehrst in die deutsch Politik", ruft er dem imaginären Guttenberg zu und erntet tosenden Beifall. Und wie schon so oft bezeichnet er die CSU als "politische Familie", in der jeder gestützt werde.

Seehofers eigentliches Thema an diesem Tag aber ist ein anderes: "Grüß Gott", sagt er betont. In Bayern werde die Geisteshaltung schon in der Begrüßungsformel offenbar. Er nimmt den neuen CSU-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in Schutz für seine umstrittene Äußerung, der Islam gehöre nicht zu Deutschland . Dieser habe "von der ersten Minute an gesagt, was unsere deutsche Leitkultur ausmacht".