Die Pressekonferenz nach dem Spitzentreffen von Wirtschaft und Politik zur Frauenquote war nur kurz. Das habe Termingründe, hieß es. Doch in der knappen Zeit wollten die vier anwesenden Bundesminister und drei Wirtschaftsvertreter nicht verbergen, dass sie nach wie vor uneins über die gesetzliche Notwendigkeit der Frauenförderung sind.

Die Gräben verlaufen dabei nicht nur zwischen Bundesregierung und Wirtschaft. Auch innerhalb von CDU und FDP sind sie offensichtlich tiefer denn je. Von "Licht und Schatten" während des rund eineinhalbstündigen Treffens sprach Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lächelnd, während ihre Familienministerin Kristina Schröder (CDU) versteinert wirkte.

Schröder hatte für das Treffen extra einen "Vier-Stufen-Plan" zu einer gesetzlich festgeschriebenen Frauenquote erarbeitet, die den Unternehmen jedoch Spielraum lassen soll. Doch weder ihre Amtsvorgängerin und Rivalin von der Leyen, noch die FDP und natürlich schon gar nicht die Wirtschaft fanden Gutes an Schröders Vorschlag. Am Ende einigte man sich darauf, dass alle 30 Dax-Unternehmen erst einmal von sich aus unverbindliche Zielvereinbarungen erarbeiten und diese noch in diesem Jahr vorlegen.

Dabei liest sich Schröders Vorschlag zu einer gesetzlichen Verpflichtung bereits wie ein Kompromiss: Aus eigener Kraft sollen die großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland bis 2013 den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten verdreifachen, was dann einem Anteil von 30 Prozent entsprechen würde. Wer diese Vorgabe bis dahin nicht erfüllt, soll gesetzlich verpflichtet werden, eine eigene Quote festzulegen. Jedes Unternehmen soll sie selbst bestimmen können, sie aber auch öffentlich machen und innerhalb der kommenden Jahre verwirklichen müssen. Andernfalls drohen Sanktionen. Die Familienministerin spricht von einer "Flexiquote", die "praxistauglich" und "realitätsnah" sei, weil sie jeder Branche quasi ihre eigene Lösung ermögliche, sie aber dennoch gesetzlich verpflichte. Schröder wird ihren Vorschlag nun dem Kabinett vorlegen. Doch nach den Reaktionen ihrer Kollegen zu urteilen, dürfte die 33-Jährige scheitern.

Ihre Amtsvorgängerin von der Leyen jedenfalls klagte nach dem Gespräch mit Spitzenvertretern, das sei alles noch nicht "konkret genug". Die heutige Arbeitsministerin, die gerne mal in Schröders Revier wildert, ist eine vehemente Verfechterin einer gesetzlichen Quote bereits ab 2020, ohne Ausnahmen und ohne flexible Staffelung. Zwar steht von der Leyen damit in der Bundesregierung weitgehend allein da, denn auch die Kanzlerin will keine feste Quote . Doch gibt von der Leyen nicht auf: In den vergangenen zehn Jahren habe sich gezeigt, dass freiwillige Vereinbarungen wirkungslos blieben. Beim Spitzengespräch mit Schröder und der Wirtschaft habe ihr einiges gefehlt, zählte von der Leyen auf: "Die konkrete Formulierung, was sind die Zahlen, was ist die Zeitleiste und was ist das Konzept und die Strategie." Das könnte nicht nur als Seitenhieb auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Familienministerin zu verstehen sein.

Die Dax-Unternehmen hingegen wehren sich naturgemäß gegen jede Art der Quote, auch eine flexibel ausgestaltbare gesetzliche Festschreibung gefällt ihnen nicht. Gerade in technischen Berufen mit einem geringen Frauenanteil in der Belegschaft könnte eine starre gesetzliche Quote zu "Fehlentscheidungen" führen, schreiben Deutschlands größte Firmen in einem aktuellen Positionspapier. Will heißen: Aus Mangel an Alternativen müsste am Ende eine minderqualifizierte Frau in den Aufsichtsrat oder Vorstand einziehen. Um die Politik zu besänftigen, will nun jede Firma bis zum Ende des Jahres eigene Vorstellungen vorlegen, welcher Frauenanteil ihrer Ansicht nach erreichbar ist. Man kann davon ausgehen, dass diese Zielvereinbarung sehr viel geringer sein wird, als das, was Schröder sich so vorstellt. Die Familienministerin betonte daher, die Bundesregierung wolle der Wirtschaft noch ein wenig Zeit geben, aber bald nicht mehr nur zuschauen.

Doch in ihrer Ablehnung einer gesetzlichen Quote weiß die Wirtschaft auch die FDP an ihrer Seite: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle nahm die Wörter "Quote" und "gesetzlich" am Mittwoch gar nicht in den Mund. Es sei wichtig, dass sich in den Firmen das "Denken" ändere, sagte er betont unkonkret. Nach Zwang zur Frauenförderung klingt das nicht.