Wahlkampf in Rheinland-Pfalz "Uns gibt es nur im Original, Herr Beck"

Die Grünen gelten als Königsmacher der Rheinland-Pfalz-Wahl. Trotz Atomdiskussion wollen sie eine Koalition mit der CDU nicht ausschließen, sagen die Spitzenkandidaten.

Zurzeit sind die rheinland-pfälzischen Grünen nicht im Landtag. Die Spitzenkandidaten Daniel Köbler und Eveline Lemke wollen dies am 27. März ändern. ZEIT ONLINE hat beide in Mainz getroffen.

ZEIT ONLINE: Die Atomkrise in Japan ist auch ein Thema im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf. CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner stimmte einst für die Laufzeitverlängerung, jetzt will sie Atomkraftwerke jenseits der Landesgrenzen abschalten. Was sagen Sie als Grüne dazu?

Eveline Lemke: Diese Wahlkampftaktik ist ungehörig und frech, sie macht mich sehr wütend. Julia Klöckners Reaktion ist mehr als unglaubwürdig. Wir als Grüne kämpfen seit Jahren gegen das französische Atomkraftwerk Cattenom nur wenige Kilometer von hier. Bislang wurden wir von der CDU dafür belächelt.

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Eveline Lemke
Eveline Lemke

46, ist Unternehmerin und Mutter von vier Kindern. Sie lebt in Sinzig.

ZEIT ONLINE: Inwieweit wird die Diskussion um Reaktorsicherheit den Wahlausgang beeinflussen?

Lemke: Aktuelle Umfragen zeigen, dass Atompolitik derzeit das wichtigste und wahlentscheidende Thema ist. An unseren Wahlkampfständen bekommen wir viel Zuspruch für unsere Anti-Atom-Politik.

ZEIT ONLINE: Die Grünen lagen in Umfragen zuletzt bei 13 Prozent, Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wird dieses Mal einen Koalitionspartner brauchen und umwirbt Sie schon heftig. Sind die Grünen bereit, Kellner bei Koch Kurt Beck zu sein?

Daniel Köbler
Daniel Köbler

29, ist Politikwissenschaftler und hat zwei Töchter. Er sitzt für die Grünen im Mainzer Stadtrat.

Daniel Köbler: Wir haben die besten Zukunftsrezepte für das Land. Und die Rezepte schreibt nicht der Kellner. Kurt Beck muss wissen, uns gibt es nur auf Augenhöhe und im Original. Wir werden für eine klare Energiewende und eine nachhaltige und ökologische Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik im Land eintreten.

ZEIT ONLINE: Würden Sie auch mit der CDU zusammengehen?

Lemke: Wir brauchen einen Vertragspartner, auf den wir uns verlassen können. Und da habe ich bei dem Kursschwenk in der Atomfrage große Zweifel. Auch bei den Themen Integration und Schulpolitik liegen wir weit auseinander.

ZEIT ONLINE: Ist das also eine klare Absage an Julia Klöckner?

Lemke: Zu 100 Prozent ausschließen wollen wir nichts. Am liebsten würden wir mit der SPD koalieren, weil dort die Schnittmengen am größten sind.

ZEIT ONLINE: Die Grünen in Rheinland-Pfalz galten als zerstrittener und chaotischer Haufen, als sie 2006 aus dem Landtag flogen. Warum sollten die Rheinland-Pfälzer Ihnen jetzt das Regieren zutrauen?

Köbler: Wir haben uns personell neu aufgestellt und unsere Inhalte in vielen fruchtbaren Diskussionen mit der Basis neu definiert. Unser Wahlprogramm wurde von unseren Delegierten zu hundert Prozent befürwortet. Die Bürger merken außerdem, dass wir auf kommunaler Ebene Politik erfolgreich gestalten. So haben wir Grünen das Kohlekraftwerk in Mainz verhindert. Die SPD darf man im Land zudem nicht alleine regieren lassen. Denn im Moment produziert die nur Filz und Skandale.

Leser-Kommentare
    • ismus
    • 18.03.2011 um 16:50 Uhr

    mit sehr spitzen fingern anfassen. ich bin sicher alles andere als ein experte, was die grüne basis angeht, kann mir aber vorstellen, dass viele dort schwarzgrün für verrat ansehen und danach gar nicht mehr oder ungrün wählen.

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    Stimme ich Ihnen voll zu. Früher habe ich das auch mal als Option gesehen. Aber nach Laufzeitverlängerung, S21, Hamburg, Gutti und Moratorium geht das nun gar nicht mehr.

    Stimme ich Ihnen voll zu. Früher habe ich das auch mal als Option gesehen. Aber nach Laufzeitverlängerung, S21, Hamburg, Gutti und Moratorium geht das nun gar nicht mehr.

  1. 2. @ismus

    Stimme ich Ihnen voll zu. Früher habe ich das auch mal als Option gesehen. Aber nach Laufzeitverlängerung, S21, Hamburg, Gutti und Moratorium geht das nun gar nicht mehr.

  2. ja mal durchsetzen das der große Vorsitzende den Umweltskandal "Hallschlag" endlich ernsthaft sanieren läßt, statt unnötig Anwohner zu kriminalisieren!

    MfG Karl Müller

  3. Gerade der letzte Punkt des Interviews - der Kommentar der FDP über die Schulnoten - macht mich richtig wütend.

    Parallel dazu kürzlich das "TV-Duell" in BaWü zwischen Schmid und Mappus: Da lässt sich auch -schmid von Mappus erklären, was die SPD angeblich vorhätte und wehrt sich nur halbherzig... (und verpasst die Chance ihm das um die Ohren zu hauen)

  4. Koalitionen sollten von demokratischen Parteien niemals vorab ausgeschossen werden, denn das wäre gegen den demokratischen gedanken. Jede Parte vertritt schliesslich einen exakt durch die Wahl bestimmten Prozentsatz der Wähler.

    • Zenj
    • 18.03.2011 um 18:22 Uhr

    Ich vertraue dem der nicht auf einen Posten scharf ist. Wenn ihr ehrliche Politik machen wollt bleibt in der Opposition - auch mit Mehrheiten ( Na so was beklopptes. Verzichten! Da hört sich doch alles auf!). Lasst doch die CDU/FDP ihre selbst eingebrockte Suppe auslöffeln. Weil ihr soviel Kack gar nicht aufräumen könnt seid ihr doch bei der nächsten Wahl sowieso wieder weg vom Fenster. Alles was die verbockt haben schieben die Euch in die Schuhe.
    Also lasst die Doofen auf den Pöstchen sitzen und in der 'Verantwortung', was sie (und auch ihr) ach so lieben. Ihr bleibt in der Opposition, selbst mit Mehrheiten - oder gerade deshalb, und kontrolliert so jede Entscheidung der regierenden Doofen.
    Also das ist ja nun mal ein total beknackter Vorschlag.

    • lamara
    • 18.03.2011 um 18:22 Uhr

    nun weiss ich schon mal dass ich nicht grün wähle.

  5. der Politikwissenschaften.
    Das ist eine reife Leistung und entspricht seinen vollmundigen Ansagen für Kurt Beck "Auf gleicher Augenhöhe".

    Irgendwie habe ich von den Geisteswissenschaftlern als Politiker die Nase voll. Leichtes Studium, von klein auf Zielstrebig an die Futtertröge.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • Buh
    • 21.03.2011 um 10:20 Uhr

    finde ich Ihre Aussage diskriminierend. Es ist keine Schande lange zu studieren. Viele Studiengänge, eben besonders im Geisteswissenschaftlichen Bereich, erfordern mehr als das Regelstudium. Zudem kann das Studium durch weitere Tätigkeiten, wie zum Beispiel Ehrenamt oder politisches Engagement, begleitet wird, was absolut OK ist. Ich kenne viele die länger studieren. Eine Freundin von mir, weil sie eine Depression hat, ein anderer weil er nebenbei einen Getränkemarkt leitet, ein anderer weil er langsamer lernt.

    Und Geisteswissenschaftler sind für die Gesellschaft alles andere als unbrauchbar. Sie behandeln die Themen, die im öffentlichen Diskurs geführt werden, wissenschaftlich. Sie liefern die Erkenntnisse, die politisch diskutiert werden müssen. Das misst ihnen viel Einfluss zu, was auch schon immer so wahr. Noch heute kann man Moralvorstellungen verschiedener Nationen aufgrund ihrer Philosophischen Tradition ableiten. Wir Deutschen sind zb sehr von Kant geprägt worden, und das merkt man bei Diskussionen wie zb zu Abschuss von Zivilflugzeugen. Wir handeln häufiger nach Werten, Grundsetzen, Maximen als nach Nützlichkeitserwägungen. Das finde ich gut und ich stehe dazu.

    Jedenfalls finde ich, dass es zur Demokratie gehört, dass JEDER, egal aus welchem Bereich der Gesellschaft er kommt, politisch tätig sein dürfen sollte, und man ihm seine Tätigkeit nicht perse zum Nachteil machen sollte. Wichtig ist doch, wie sich das auf seine Arbeit auswirkt. Es geht um die Sache.

    • Buh
    • 21.03.2011 um 10:23 Uhr

    "Leichtes Studium" ist eine krasse Frechheit. Lesen SIE Die Kritik der reinen Vernunft und sagen Sie mir, dass das "leicht" ist, das zu verstehen! Oder arbeiten Sie doch mal Wissenschaftstheorie oder Logik durch! Natürlich analytische Logik, wär ja sonst zu einfach! Soetwas kann nur sagen, der keine Ahnung hat, der niemals Geisteswissenschaften tangiert hat, der einfach ätzen will.

    • Buh
    • 21.03.2011 um 10:20 Uhr

    finde ich Ihre Aussage diskriminierend. Es ist keine Schande lange zu studieren. Viele Studiengänge, eben besonders im Geisteswissenschaftlichen Bereich, erfordern mehr als das Regelstudium. Zudem kann das Studium durch weitere Tätigkeiten, wie zum Beispiel Ehrenamt oder politisches Engagement, begleitet wird, was absolut OK ist. Ich kenne viele die länger studieren. Eine Freundin von mir, weil sie eine Depression hat, ein anderer weil er nebenbei einen Getränkemarkt leitet, ein anderer weil er langsamer lernt.

    Und Geisteswissenschaftler sind für die Gesellschaft alles andere als unbrauchbar. Sie behandeln die Themen, die im öffentlichen Diskurs geführt werden, wissenschaftlich. Sie liefern die Erkenntnisse, die politisch diskutiert werden müssen. Das misst ihnen viel Einfluss zu, was auch schon immer so wahr. Noch heute kann man Moralvorstellungen verschiedener Nationen aufgrund ihrer Philosophischen Tradition ableiten. Wir Deutschen sind zb sehr von Kant geprägt worden, und das merkt man bei Diskussionen wie zb zu Abschuss von Zivilflugzeugen. Wir handeln häufiger nach Werten, Grundsetzen, Maximen als nach Nützlichkeitserwägungen. Das finde ich gut und ich stehe dazu.

    Jedenfalls finde ich, dass es zur Demokratie gehört, dass JEDER, egal aus welchem Bereich der Gesellschaft er kommt, politisch tätig sein dürfen sollte, und man ihm seine Tätigkeit nicht perse zum Nachteil machen sollte. Wichtig ist doch, wie sich das auf seine Arbeit auswirkt. Es geht um die Sache.

    • Buh
    • 21.03.2011 um 10:23 Uhr

    "Leichtes Studium" ist eine krasse Frechheit. Lesen SIE Die Kritik der reinen Vernunft und sagen Sie mir, dass das "leicht" ist, das zu verstehen! Oder arbeiten Sie doch mal Wissenschaftstheorie oder Logik durch! Natürlich analytische Logik, wär ja sonst zu einfach! Soetwas kann nur sagen, der keine Ahnung hat, der niemals Geisteswissenschaften tangiert hat, der einfach ätzen will.

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