Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat dem Druck aus Koalition, Opposition und Wissenschaft nachgegeben: Der CSU-Politiker hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Entbindung von seinem Kabinettsposten gebeten. Zugleich legt er sein Bundestagsmandat nieder sowie alle politischen Ämter – er war Vorstands- und Präsidiumsmitglied seiner Partei. 

In seinem Statement begründete Guttenberg seinen Schritt damit, dass er Schaden von seinem Amt abwenden wolle. Er könne derzeit nicht dem eigenen Anspruch an seine Arbeit gerecht werden. Wenn die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit – wie in den vergangenen Wochen – sich nur noch auf die Person Guttenberg konzentriere, "findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zu Lasten der mir Anvertrauten statt". Er könne aber nicht verantworten, dass es auf dem Rücken der Soldaten immer nur um seine Person gehe.

Der 39-Jährige, der in den vergangenen Jahren eine rasante politische Karriere hingelegt hatte und in den Umfragen zum beliebtesten deutschen Politiker aufgestiegen war, machte deutlich, dass er sich mit seinem Rücktritt schwer getan habe. Dies sei "unbefriedigend, aber allzu menschlich". Man gebe nicht leicht ein Amt auf, "an dem das Herzblut hängt". Dies sei der schmerzlichste Schritt seines Lebens, gestand Guttenberg ein. "Ich gebe meinen Gegnern gerne Recht, dass ich tatsächlich nicht zur Selbstverteidigung, sondern als Minister der Verteidigung berufen wurde", sagte er. "Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kraft erreicht."

Das Verteidigungsministerium hatte die Medien nur eine reichliche halbe Stunde zuvor in den Berliner Bendlerblock eingeladen, was die technischen Vorbereitungen der TV-Journalisten erschwerte. Einige Sender beklagten, Mitarbeiter des Hauses hätten sie am Ziehen der notwendigen Kabel gehindert – was ein Ministeriumssprecher zurückwies. n-tv konnte Guttenbergs Worte zumindest live über Telefon übertragen. Bilder von der Rücktrittserklärung gab es erst später.

Der CSU-Politiker hatte vor wenigen Tagen einräumen müssen, beim Erstellen seiner 2007 fertig gestellten Dissertation zahlreiche Passagen aus anderen Quellen kopiert zu haben, ohne dies anzugeben. Die Universität Bayreuth erkannte ihm daraufhin den Doktortitel ab.

Zunächst hatte er den Plagiatsvorwurf abgestritten. Als dann aber Plagiatsjäger vor allem im Internet auf Hunderten Seiten seiner Dissertation auf fremde, nicht als Zitate deklarierte Textpassagen stießen, wurde der Druck deutlich stärker. Dass er sein eigenes Handeln so wechselhaft beurteilte, löste eine Diskussion über seine Glaubwürdigkeit aus.

Eine Fragestunde an die Bundesregierung wurde im Parlament angesetzt, eine Aktuelle Stunde auf Antrag der Opposition folgte im Bundestag – der Fall Guttenberg beschäftigte die Bundespolitik über Wochen. Doch die Bundeskanzlerin unterstützte ihn unbeirrt von aller Kritik: Sie habe ihn als Verteidigungsminister ins Kabinett geholt und nicht als wissenschaftlichen Mitarbeiter, betonte sie.

Was Merkel nicht tat, übernahmen dann andere aus der Koalition, der Druck wurde so groß, dass der Minister dem nicht mehr standhalten wollte: So sagte beispielsweise Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), sie schäme sich stellvertretend für die Wissenschaft.

Tausende Doktoranden und verärgerte Bürger hatten einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin unterzeichnet, zuletzt unterstützten mehr als 1000 Hochschulprofessoren ein ähnliches Schreiben, weil sie den Ruf der Wissenschaft gefährdet sahen. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, sagte im Namen der über 400 deutschen Universitätsrektoren, wissenschaftliches Fehlverhalten sei kein Kavaliersdelikt und dürfe nicht als solches behandelt werden.

Guttenberg war 2009 während der Großen Koalition als Wirtschaftsminister ins Bundeskabinett gekommen. Später wechselte er ins Verteidigungsressort. Denn sein Vorgänger Franz Josef Jung (CDU) hatte wegen seiner Informationspolitik über den – von Deutschen mit verursachten – Tod von afghanischen Zivilisten zurücktreten müssen.

Guttenberg überzeugte die Koalition, die Wehrpflicht auszusetzen – vor wenigen Tagen berief die Bundeswehr die letzten Rekruten ein. Wer aber Guttenbergs wichtigstes Projekt, die Reform der gesamten Bundeswehr, weiterführt, ist vorerst offen. Der Bundeswehrverband warnte bereits, jetzt nicht in "veraltete Strukturen zu verfallen", nur weil es einen personellen Wechsel gebe.