Keine Frage, Stefan Mappus hatte es in diesem Wahlkampf schwer. Eine solche Kette an externen Faktoren, die den Wahlkampf überlagern und den Blick von der Landespolitik ablenken, gab es noch nie: Die Atom-Wende nach Fukushima , der Streit um den Libyen-Einsatz , Brüderle und, manche erinnern sich noch, zu Guttenberg . All das hat außerhalb von Baden-Württemberg stattgefunden, aber die Stimmung im bürgerlichen Lager gehörig vermiest.

Dennoch, der Machtverlust ist nicht nur unglücklichen Umständen geschuldet. Wenn Schwarz-Gelb nun so argumentiert, machen sie es sich zu einfach . Die Landtagswahl wurde nicht "in Japan" verloren, wie CDU-Generalsekretär Thomas Strobl verkündet, sondern natürlich im Land selbst . Der Machtverlust ist selbst verschuldet und hausgemacht.

Schließlich war Schwarz-Gelb in den Umfragen schon vor Fukushima eingebrochen. Auch lehrt die Vergangenheit, dass externe Krisen Regierungen nicht zwangsläufig schaden müssen. Im Gegenteil, meist steigt das Ansehen der Exekutive in Notzeiten. Es ist halt immer die Frage, wie sie damit umgeht. Und hier hat die CDU versagt: 64 Prozent geben in Umfragen an, dass die schwarz-gelbe Regierung in Stuttgart sich zu wenig um die Belange und Sorgen der Bürger gekümmert habe. Der Regierungschef Mappus personifizierte in den Augen vieler Wähler Unglaubwürdigkeit und mangelndes Problembewusstsein. Selten war ein Ministerpräsident so unpopulär, auch im eigenen Lager.

Noch ärger sind die Werte bei der FDP: Zwei Drittel ihrer eigenen Anhänger gaben an, dass sie sich im zentralen Thema des Wahlkampfs, der Energiepolitik, von den Homburgers, Brüderles und Westerwelles nicht ernst genommen fühlen. In einer selten gesehenen Problemverdrängungsstrategie mieden die FDP-Spitzen im Wahlkampf sämtliche unangenehmen Themen, die auch den eigenen Anhängern auf der Seele brannten. Die Abwahl ist, so gesehen, verdient.

Auch fällt der Aufschwung der Grünen nicht aus heiterem Himmel. Die Wahl-Gewinner sind nicht erst über Nacht populär geworden. In Baden-Württemberg stehen sie seit langem stabil über der 20-Prozent-Marke. Betrachtet man das Wahlergebnis genauer, erkennt man, dass die Grünen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Sie wurden stärkste Partei in den Großstädten, bei den Beamten und holten insgesamt neun Wahlkreise. Nur bei den Rentnern dominiert die CDU noch. Bei der mittelalten Generation, den 30- bis 59-Jährigen, liegen Grün und Schwarz mittlerweile gleichauf. All das zeigt: Die Grünen sind längst mehr als eine "Stimmungspartei", wie die CDU am Wahlabend ätzte.

Diese Verankerung in der Gesellschaft wird auch dafür sorgen, dass Baden-Württemberg nun nicht im Chaos versinkt. Unternehmer taten bereits in den Stuttgarter Zeitungen kund, dass sie mit Argwohn auf Grün-Rot schauen. Kommt jetzt ein neuer Berg an Bürokratie auf sie zu? Sind höhere Steuern zu entrichten? Was meinen die Grünen, wenn sie vom "Umbau der Wirtschaft" sprechen, die ja bekanntermaßen in Baden-Württemberg recht erfolgreich ist?

Winfried Kretschmann betonte bewusst nichts häufiger als die "Besonnenheit" und "Behutsamkeit", mit der er künftig regieren wolle. Er will die Menschen "zusammenbringen", die zuletzt so gespaltene baden-württembergische Gesellschaft wieder "versöhnen". Eine Politik des "Gehörtwerdens" schwebt ihm vor. Im Streitfall sollen die Bürger befragt werden. So lautet das vielfach beschworene Credo am ersten Tag von Grün-Rot. Es steht im bewussten Kontrast zur "Rambo"-Politik des abgewählten Ministerpräsidenten.