Atomdebatte Mappus steckt in der Glaubwürdigkeits-Falle

Das Atomunglück in Japan wird für Stefan Mappus kurz vor der Landtagswahl zum Problem. Schließlich hat er das Land zum Eigner von Atomkraftwerken gemacht.

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Wahlkampftermin in der Turnhalle von Mittelbiberach werden. Der Biberacher CDU-Landtagskandidat und baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider hatte in das oberschwäbische Dorf geladen. Kaffee und Kuchen sollte es geben, dazu eine feurige Rede des Ministerpräsidenten Stefan Mappus, so hätte es ablaufen sollen.

Doch stattdessen erschien an diesem Mittag nicht nur Mappus in dem Provinznest, sondern auch – auf sein Geheiß – Umweltministerin Tanja Gönner und der Innenminister Heribert Rech. Grund hierfür war eine Krise, die in allen Gesichtern stand und von denen alle Stuttgarter Kabinettsmitglieder wussten, dass sie schleunigst eingedämmt werden muss.

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Am Samstag war es bei einer Anti-Atomkraft-Demonstration zu einem unerwarteten Massenauftrieb gekommen. Nach Polizeiangaben 60.000 Demonstranten hatten zwischen Stuttgart und dem Atomkraftwerk Neckarwestheim eine 45 Kilometer lange Menschenkette gebildet und den sofortigen Atomausstieg gefordert. Dass die drohende Katastrophe von Fukushima solch eine Resonanz in der Bevölkerung auslösen würde, hatte niemand geahnt. Die Veranstalter selbst hatten mit nur rund 40.000 Teilnehmern gerechnet. Die Opposition im Stuttgarter Landtag frotzelte umgehend, die Angst der Wähler vor einer Wiederholung des Unglücks in Deutschland werde  nun zum Tsunami für die schwarz-gelbe Regierungskoalition in Stuttgart.
 
Die Rededauer, die Stefan Mappus in einem Nebenraum der Mittelbiberacher Sporthalle vor Journalisten für sich in Anspruch nahm, sagte über die Dramatik der Situation zwei Wochen vor der Landtagswahl nichts. Der ernste Ton umso mehr. Genau acht Minuten lang gab der Regierungschef Auskunft über seine Haltung zum drohenden GAU in Japan. Kein Wort verlor er dabei über die Großdemonstration vor seiner Haustür am Tag vorher.  "Unsere Kraftwerke sind sicher", behauptete Mappus. Er schränkte jedoch ein: "Es gibt offene Fragen, die zu beantworten sind."
 
Mappus sagte, er habe eine Expertenkommission eingesetzt, die analysieren solle, was in Fukushima passiert sei. "Dabei werden alle denkbaren Möglichkeiten geprüft", versprach er. Auch habe er Inspekteure der Atomaufsichtsbehörden aufgefordert, explizit die baden-württembergischen Anlagen zu überprüfen. Sollte sich bei den Untersuchungen eine bisher nicht bekannte Fehlerquelle im Sicherheitssystem der Kernkraftwerke auftun, würden "alle Konsequenzen gezogen". Mappus präzisierte: "Kernkraftwerke, die nicht den erforderlichen Sicherheitsbestimmungen genügen, werden sofort abgeschaltet."
 
Dieses Versprechen könnte Mappus tatsächlich ohne privatwirtschaftliche Hemmnisse umsetzen. Mit dem Kauf der Aktienmehrheit am Karlsruher Konzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) Anfang Dezember vergangenen Jahres ist das Land quasi Eigner aller vier Kernkraftwerke im Südweststaat geworden: Neckarwestheim I und II sowie Philippsburg I und II.

Doch der kreditfinanzierte Aktienkauf von der Electricité de France im Volumen von 4,67 Milliarden Euro, den Mappus mithilfe eines Notstandsgesetztes am baden-württembergischen Landtag vorbei einfädelte, ist in diesem Wahlkampf nun zum doppelten Problem geworden. Bisher musste der Regierungschef vor allem die Attacken der Opposition parieren, die ihm vorwirft, die Rechte des Landtags missbraucht und das Land einem unübersehbaren Schuldenrisiko ausgesetzt zu haben. Jetzt muss Mappus auch noch einer beunruhigten Öffentlichkeit erklären, weshalb die baden-württembergischen Kraftwerke sicherer sein sollen als der brennende Meiler in Japan. "Wir sind nicht Japan mit seinen regelmäßig stattfindenden Erdbeben", sagt der Premier in Mittelbiberach. Auch herrsche in Baden-Württemberg "keine Tsunami-Gefahr". Um jeden Eindruck von Ironie zu zerstreuen, wiederholte Mappus allerdings: "Man kann an solch einem Tag nicht einfach sagen, unsere Kraftwerke sind sicher." Die Sicherheit habe aber oberste Priorität.
 
Die CDU-Regierungsmannschaft hat ein Zeitproblem. Sie kann ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Atompolitik bis zum Wahltermin nicht mehr belegen. Bis die technischen Prüfungen durch Experten abgeschlossen sind, werden Wochen vergehen. Mappus betonte wohl auch deshalb in Mittelbiberach, die Kernkraft sei für ihn immer "eine zeitlich befristete Brückentechnologie" gewesen. Im Übrigen halte er das Thema für zu ernst, um es für den Wahlkampf zu "missbrauchen".

 
Leser-Kommentare
    • isualK
    • 13.03.2011 um 16:58 Uhr

    Oho, sollte es doch noch so etwas wie Gerechtigkeit geben? Da geht Einem aber A..... auf Grundeis und vielleicht stellt sich der Deal mit EdF doch nicht als so superklasse heraus, wie uns dieser Herr versucht hat, glauben zu machen.

    Aber wahrscheinlich war das sein letzter Deal!

    29 Leser-Empfehlungen
  1. ..macht sich bei einer eventuellen Havarie eines AKWs mitverantwortlich. Und braucht dann auch gar nicht groß nach einem "Verantwortlichen" zu suchen.

    Atomkraft IST NICHT SICHER. Alles andere ist gelogen.

    46 Leser-Empfehlungen
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    Sie haben eine Klitze-Kleinigkeit vergessen: Dass die AKWs bis 2020 laufen ist eine Verordnung von rot-grün, schon vergessen? Zwar ist richtig, dass schwarz-gelb über 2020 hinaus eine Verlängerung angepeilt hat, doch diese ist erst in 9 Jahren wirksam - wir schreiben bekanntlich 2011. Das heißt, dass jetzt noch AKWs laufen, haben wir rot-grün zu verdanken.

    • TDU
    • 13.03.2011 um 18:29 Uhr

    Das ist jetzt der beste Kommentar.

    Schon fast katholische Logik, aus der Zeit als der Zweifler an Gott dem Herrn für alles Unbill der Erde verantwortlich war.

    Da ich aber die SPD für noch zu konzeptionslos halte, die Grünen nicht will, bleibt mir nur die Linke. Gegen Vertsaatlichung bin ich aber auch, rechstradikal kommt nicht in Frage, also was raten sie mir?

    Das Atomkraftwerk zum zentralen Punkt meiner Wahlentscheidung zu machen, egal was sonst noch gewollt ist? Mal sehen, was als nächstes kommt, als Grund eine Partei nicht zu wählen ohne für Tod und Verwüstung verantwortlich zu sein.

    Nach dem Atomgesezt von 2002 wären bzw. würden in den Jahren 2010-13 die Reaktoren Neckarwestheim, Biblis A, Biblis B, Isar , Brunsbüttel, Phillipsburg 1 und Unterweser vom Netz genommen (worden).

    • FA39MD
    • 15.03.2011 um 0:53 Uhr

    Das sehe ich auch so!

    Sie haben eine Klitze-Kleinigkeit vergessen: Dass die AKWs bis 2020 laufen ist eine Verordnung von rot-grün, schon vergessen? Zwar ist richtig, dass schwarz-gelb über 2020 hinaus eine Verlängerung angepeilt hat, doch diese ist erst in 9 Jahren wirksam - wir schreiben bekanntlich 2011. Das heißt, dass jetzt noch AKWs laufen, haben wir rot-grün zu verdanken.

    • TDU
    • 13.03.2011 um 18:29 Uhr

    Das ist jetzt der beste Kommentar.

    Schon fast katholische Logik, aus der Zeit als der Zweifler an Gott dem Herrn für alles Unbill der Erde verantwortlich war.

    Da ich aber die SPD für noch zu konzeptionslos halte, die Grünen nicht will, bleibt mir nur die Linke. Gegen Vertsaatlichung bin ich aber auch, rechstradikal kommt nicht in Frage, also was raten sie mir?

    Das Atomkraftwerk zum zentralen Punkt meiner Wahlentscheidung zu machen, egal was sonst noch gewollt ist? Mal sehen, was als nächstes kommt, als Grund eine Partei nicht zu wählen ohne für Tod und Verwüstung verantwortlich zu sein.

    Nach dem Atomgesezt von 2002 wären bzw. würden in den Jahren 2010-13 die Reaktoren Neckarwestheim, Biblis A, Biblis B, Isar , Brunsbüttel, Phillipsburg 1 und Unterweser vom Netz genommen (worden).

    • FA39MD
    • 15.03.2011 um 0:53 Uhr

    Das sehe ich auch so!

  2. .... oh, spielt da etwa der sonst vermisste Respekt vor dem Bürger und Angst vor eigenwilligem Handeln bei Herrn Mappus eine Rolle, die wir vorher so nicht gekannt haben.
    Nunmehr wird schnell eine Kommision ins Leben gerufen, denn es kann ja sein, dass wir (CDU) schlauer werden.

    Dabei kann es sein, dass die bekannten, aber nicht veröffentlichten Mängel´s (Anzeige Grönner) der AKW´s nunmehr die Kernschmelze bei der CDU verursachen können.

    • kael
    • 13.03.2011 um 17:10 Uhr

    Zitat Mappus in der ZEIT: "...eine zeitlich befristete Brückentechnologie..."

    Dieser Spruch, der von Berlin bis Stuttgart eifrig geklopft wird, stellt sich als unerträgliche Gebetsmühle heraus.

    40 Leser-Empfehlungen
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    das würden "die" auch noch von der Sonnenenergie behaupten, und damit -ohne eine Konkretisierung der Zeitspanne, um die es geht- auch nicht lügen. Es geht aber de facto leider, wie mittlerweile fast immer in diesem unserem Lande, ums Geld, das der eine verdienen und der andere nicht ausgeben will.

    das würden "die" auch noch von der Sonnenenergie behaupten, und damit -ohne eine Konkretisierung der Zeitspanne, um die es geht- auch nicht lügen. Es geht aber de facto leider, wie mittlerweile fast immer in diesem unserem Lande, ums Geld, das der eine verdienen und der andere nicht ausgeben will.

  3. Die Situation hat schon was!

    Lässt er die Kraftwerke weiterlaufen muss er schon sehr Kreativ sein warum ein GAU in BW volkkommen unmöglich ist!

    Schaltet er Sie ab macht das Land enorme Verluste weil die "Zauberrechnung" wir zahlen Znsen + Kredit einfach von der Rendite ganz sicher nicht mehr hinhaut.

    Das hat schon was von höherer Gerechtigkeit!

    LG

    Klaus

    25 Leser-Empfehlungen
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    Die 4,700,000,000 Euro werden wohl trotzdem zu zahlen sein, auch wenn die AKWs abgeschaltet werden.

    Gerecht wäre es, wenn der feiste Mappus die Summe aus seinem Privatvermögen zahlen müsste.

    Aber der rückt garantiert nix raus. Auch seine Kumpels von der Unternehmensberatung, die für ihn den Deal am Landtag vorbei durchgezogen haben, rücken ihre Provision wohl nicht raus.

    Das wären dann 4, 7 Milliarden + Zins und Zinseszins, die der sinnvollen Investition entzogen wurden (wieviele Kindergartenstellen, Lehrer usw. kann man davon eigentlich für 10 Jahre bezahlen?) und in das Säckel der Banken fliessen. Die leiden ja alle Not, also gönnen wir ihnen die kleine Summe.

    Es tut mir leid, aber ich kann hier nirgendwo Gerechtigkeit erkennen.

    Die 4,700,000,000 Euro werden wohl trotzdem zu zahlen sein, auch wenn die AKWs abgeschaltet werden.

    Gerecht wäre es, wenn der feiste Mappus die Summe aus seinem Privatvermögen zahlen müsste.

    Aber der rückt garantiert nix raus. Auch seine Kumpels von der Unternehmensberatung, die für ihn den Deal am Landtag vorbei durchgezogen haben, rücken ihre Provision wohl nicht raus.

    Das wären dann 4, 7 Milliarden + Zins und Zinseszins, die der sinnvollen Investition entzogen wurden (wieviele Kindergartenstellen, Lehrer usw. kann man davon eigentlich für 10 Jahre bezahlen?) und in das Säckel der Banken fliessen. Die leiden ja alle Not, also gönnen wir ihnen die kleine Summe.

    Es tut mir leid, aber ich kann hier nirgendwo Gerechtigkeit erkennen.

    • TDU
    • 13.03.2011 um 17:12 Uhr

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es braucht keine Erdbeben um Atomkraftwerke schwer zu beschädigen wie in Japan geschehen, es genügen (in Deutschland wahrscheinlichere) Dinge wie z.b. ein Flugzeugabsturz oder (CDU-Lieblingsthema) ein Terroranschlag.

    ... ja, die Bahn hätte in Ihrem Beispiel ein Problem und die Partei, die diese Schlamperei mitgetragen hat, ebenso. Denn in Deutschland gibt es Erdbebengebiete (wenn auch nicht mit Stärken wie in Japan, aber zeigt die Natur nicht aller Ortens, dass sie so langsam die Nase voll von uns hat? Man sollte also niemals nie sagen).

    Instrumentalisieren tun dieses Thema eigentlich die Befürworter. Denn bevor einer auch nur sagen kann: "Aber" schreien die schon: Bei uns ist alles sicher. Alternativlos. Sozusagen.

    [...]

    Sie wollen wirklich ein Zugunglück mit einem GAU vergleichen.

    Na gut, Sie schlauberger: Was passiert denn mit der Unglücksstelle danach? Muss weiträumig evakuiert werden???

    Ich bin gespannt...
    Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    ...es reicht eine schlampige Herstellung und Wartung durch die Bahn. Oder Sparmaßnahmen an der Gleissicherung - um mit dem ersparten Geld unsinnige Prestigeprojekte zu finanzieren.

    ist wirklich sehr schlecht gewählt.
    Bei der Bahn steht ja nun nicht nur die CDU dahinter.
    Einen entgleisten ICE(so schlimm dies auch wäre) kann man wohl kaum mit dem Elend und den Folgen eines eventuellen Super-Gau's eines AKW's vergleichen.
    Außerdem zielt die Diskussion nicht nur auf mögliche Erdbeben in Deutschland. Sondern darauf, inwieweit man diese gefährliche Technologie in Notsituationen unter Kontrolle behält.
    Klar sind die Vorgänge in Japan Wasser auf die Mühlen der AKW-Gegner. Aber warum denn auch nicht?
    Es gibt, wie schon angedeutet offene Fragen.

    Im übrigen hat gestern Abend sogar Röttgen die Zurückhaltung von Gabriel positiv hervor gehoben.
    Und das die CDU in der Provinz mit Ministerpräsident, Umweltministerin und Innenminister auftaucht, ist ja wohl nicht die Schuld der ZEIT, oder?

    Sie vergleichen eine oder mehrer Kernschmelzen in bewohntem Gebiet mit einem Zugunglück?
    Das kann nicht ihr Ernst sein. FDP und CDU haben Atomenergie 2009 selbst zum Wahlkampfthema gemacht. Wo ist also ihre Kritik? Es wurden auch keine Opfer vorgeschoben, sondern einfach die Sicherheit in Frage gestellt, was angesichts der Vorkommnisse mehr als gerechtfertigt ist.

    Wer jetzt immer noch ein "Weiter so" befürwortet, der ist nicht nur ein unverbesserlicher Ignorant, der macht sich mitschuldig!

    • Jenss
    • 13.03.2011 um 17:51 Uhr

    Die Akw in BW liegen ebenfalls in einer Erdbebenzone.

    aber wo ist das Problem. Dann wird halt mal eine Sachfrage wahlentscheident. So was können wir häufiger gbrauchen.

    • oannes
    • 13.03.2011 um 18:21 Uhr

    Die Ereignisse in Japan zeigen jetzt vor allem, dass Atomkraftwerke dieser Bauart und Technik bei Ausfall der Notkühlung und einsetzender Kernschmelze nicht mehr beherrschabr sind. Das dumme Gerede, dass wir hier keine Tsunamis oder starke Erdbeben in diesem Ausmaß haben, ist ein Scheinargument, welches die potentiellen Wähler beruhigen soll.

    Wer will denn jetzt garantieren, dass es, aus welchen Gründen auch immer, hierzulande nie und nimmer zu einem Totalausfall der Kühlung kommen kann?
    Wahrscheinlich würde man auf eine solche Frage mit den Wahrscheinlichkeiten antworten.
    Einmal in 10 000 Jahren .... oder so.
    Jetzt sind eben mal ein paar Jahrzehnte vergangen und wir hatten Three MIle Island, Tschnernobyl und jetzt Japan (mit möglicherweise 3 Reaktoren). Von den mehr oder weniger ernsthaften Zwischenfällen weltweit erst gar nicht zu reden.

    Wollen und sollen wir jetzt darauf warten, wann die nächsten 10 000 Jahre um sind? Nächste Woche vielleicht, in einem Monat, Jahr....

    Atomkraftwerke abschalten geht in Deutschland so: Bei der nächsten Wahl ein Kreuz bei den richtigen Parteien machen.

    Glückwunsch, wenigstens einer hier im Forum, der sich bedingungslos hinter unseren Ministerpräsidenten stellt.

    Wie sind doch gleich die Farben des Zeichens
    "Gefahr, radioaktiv" ?

    schwarz - gelb

    • Varech
    • 13.03.2011 um 18:36 Uhr

    Seinerzeit der Einstieg in die Kernenergie-Nutzung geschah in unverantwortlich kopfloser Begeisterung; kein Grund für einen Ausstieg in ebensolcher Panik.

    Die Geschehnisse in Japan sind in einer ganz anderen Grössenordnung als alles was in D irgendeine Wahrscheinlichkeit hat. Wir müssen nun aufpassen, dass unsere Spontanreaktionen nicht schlicht tragisch-lächerlich werden.

    Der "Ausstieg", besser wohl der planmässige Rückbau der Atomindustrie wird mit jedem Tag notwendiger, aber auch eine grünbunte Regierung müsste sagen können, wie sie das Problem der "Entlagerung" (nur das beispielsweise) lössen will. Nach dem grossen Nuklearirrtum (ich meine "das Irrtum" als Epoche der Menschheitsgeschichte) werden ganz ausserordentliche Anstrengungen nötig sein. Wenn das Haus einstürzt, genügt es nicht, einfach nur im Hof weiterzuspielen und vielleicht den Hausmeister zu wechseln.

    • kael
    • 13.03.2011 um 18:53 Uhr

    Zitat: "Man stelle sich vor ein Edbeben würde einen ICE entgleisen lassen...."

    Was ist denn das für ein absurder Vergeich? ICEs sind aus bereits verschiedenen Gründen entgleist. Tragisch, aber es betrifft immer nur eine "überschaubare" Zahl von Opfern. Das soll nicht zynisch klingen.

    Sie werden wohl zustimmen, dass ein automarer GAU von ganz anderer Qualität ist, der über Jahre und Jahrzehnte, sogar über Generationen hinweg eine unüberschaubare Zahl von Opfern mit sich bringt.

    Da ist es wohl angebracht, dieser Technik mit allergrößter Skepsis und besonderem Misstrauen gegenüber zu treten.

    Vermutlich ist in Deutschland mit einem heftigen Erdebeben nicht zu rechnen. Aber kennen Sie alle "Restrisiken"?

    hier wird nichts instrumentalisiert. Leider hat dieser verhehrende Tsunami nur wieder etwas an die Oberfläche gespült was in Wahrheit nicht im Verborgenen bleiben kann. Die Debatte über die Sicherheit von AKW´s weltweit darf nicht verebben. Sie muss im Bewusstsein der Menschen und deshalb an der Oberfläche bleiben. Es darf nicht sein, daß eine Technologie mit diesem Restrisiko eine solch große Bedeutung in der Energieversorgung zugesprochen bekommt. Die menschen- und umweltverträglichen Energien der nahen Zukunft sind: Wind-, Wasser- und Sonnenenergie. Dafür hat gerade Deutschland ein großes knowhow. Wenn die Energie der Entscheider in diesem Land in diese Alternativen fliessen würden, könnte das Ziel bis 2030 eine 100%ige Versorgung zu erzielen locker erreicht werden. Doch zuerst müsste dieser Lobby-Regierung abgestraft werden.

    werfen die Befürworter (und Profiteure) den Kritikern Panikmache vor.

    Tritt der Ernstfall dann mal wieder ein, ändert man die Tonlage und der Vorwurf lautet nun: "Instrumentalisierung eines tragischen Unglücks", evtl. noch Rechthaberei.

    Durchschaut natürlich keiner.

    Die Situation hat sich in der Tat nicht geändert:

    Die deutschen AKWs sind technologische Spitzenprodukte, bei deren Konstruktion man alle erdenklichen Risiken identifiziert und durch Gegenmaßnahmen minimiert hat.

    Nur: dasselbe können Sie auch über Japan und seine Reaktoren sagen.
    Ergebnis liegt jetzt vor: Ein Kraftwerk wurde auf ein 8.2-Erdbeben ausgelegt und hat sogar 8.8 (noch ca. 5x stärker) zunächst gut überstanden - Respekt.
    Leider wurde die danach essentielle Notstromversorgung nicht ausreichend tsunami-sicher positioniert.

    "It was a lack of imagination" (aus dem Untersuchungsbericht des Apollo 1-Unglücks).

    Das kann es bei uns nicht geben, meinen Sie?

    P.S. Einen Erdbebenschnellstopp für ICEs erwartet keiner - pünktliche Abfahrten wie in Japan und funktionierende bestehende Technik trotz Wetter würden reichen.
    Tolles Beispiel für die absolute Zuverlässigkeit deutscher Ingenieurskunst, passt prima zum Thema, danke!

    • Fifty4
    • 14.03.2011 um 7:47 Uhr

    Es hat sich alles geändert. Zum Glück.

    Nichts wird mehr so sein wie es war. Und Mappus bleibt eine schlecht Geschichte.

    Es braucht keine Erdbeben um Atomkraftwerke schwer zu beschädigen wie in Japan geschehen, es genügen (in Deutschland wahrscheinlichere) Dinge wie z.b. ein Flugzeugabsturz oder (CDU-Lieblingsthema) ein Terroranschlag.

    ... ja, die Bahn hätte in Ihrem Beispiel ein Problem und die Partei, die diese Schlamperei mitgetragen hat, ebenso. Denn in Deutschland gibt es Erdbebengebiete (wenn auch nicht mit Stärken wie in Japan, aber zeigt die Natur nicht aller Ortens, dass sie so langsam die Nase voll von uns hat? Man sollte also niemals nie sagen).

    Instrumentalisieren tun dieses Thema eigentlich die Befürworter. Denn bevor einer auch nur sagen kann: "Aber" schreien die schon: Bei uns ist alles sicher. Alternativlos. Sozusagen.

    [...]

    Sie wollen wirklich ein Zugunglück mit einem GAU vergleichen.

    Na gut, Sie schlauberger: Was passiert denn mit der Unglücksstelle danach? Muss weiträumig evakuiert werden???

    Ich bin gespannt...
    Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    ...es reicht eine schlampige Herstellung und Wartung durch die Bahn. Oder Sparmaßnahmen an der Gleissicherung - um mit dem ersparten Geld unsinnige Prestigeprojekte zu finanzieren.

    ist wirklich sehr schlecht gewählt.
    Bei der Bahn steht ja nun nicht nur die CDU dahinter.
    Einen entgleisten ICE(so schlimm dies auch wäre) kann man wohl kaum mit dem Elend und den Folgen eines eventuellen Super-Gau's eines AKW's vergleichen.
    Außerdem zielt die Diskussion nicht nur auf mögliche Erdbeben in Deutschland. Sondern darauf, inwieweit man diese gefährliche Technologie in Notsituationen unter Kontrolle behält.
    Klar sind die Vorgänge in Japan Wasser auf die Mühlen der AKW-Gegner. Aber warum denn auch nicht?
    Es gibt, wie schon angedeutet offene Fragen.

    Im übrigen hat gestern Abend sogar Röttgen die Zurückhaltung von Gabriel positiv hervor gehoben.
    Und das die CDU in der Provinz mit Ministerpräsident, Umweltministerin und Innenminister auftaucht, ist ja wohl nicht die Schuld der ZEIT, oder?

    Sie vergleichen eine oder mehrer Kernschmelzen in bewohntem Gebiet mit einem Zugunglück?
    Das kann nicht ihr Ernst sein. FDP und CDU haben Atomenergie 2009 selbst zum Wahlkampfthema gemacht. Wo ist also ihre Kritik? Es wurden auch keine Opfer vorgeschoben, sondern einfach die Sicherheit in Frage gestellt, was angesichts der Vorkommnisse mehr als gerechtfertigt ist.

    Wer jetzt immer noch ein "Weiter so" befürwortet, der ist nicht nur ein unverbesserlicher Ignorant, der macht sich mitschuldig!

    • Jenss
    • 13.03.2011 um 17:51 Uhr

    Die Akw in BW liegen ebenfalls in einer Erdbebenzone.

    aber wo ist das Problem. Dann wird halt mal eine Sachfrage wahlentscheident. So was können wir häufiger gbrauchen.

    • oannes
    • 13.03.2011 um 18:21 Uhr

    Die Ereignisse in Japan zeigen jetzt vor allem, dass Atomkraftwerke dieser Bauart und Technik bei Ausfall der Notkühlung und einsetzender Kernschmelze nicht mehr beherrschabr sind. Das dumme Gerede, dass wir hier keine Tsunamis oder starke Erdbeben in diesem Ausmaß haben, ist ein Scheinargument, welches die potentiellen Wähler beruhigen soll.

    Wer will denn jetzt garantieren, dass es, aus welchen Gründen auch immer, hierzulande nie und nimmer zu einem Totalausfall der Kühlung kommen kann?
    Wahrscheinlich würde man auf eine solche Frage mit den Wahrscheinlichkeiten antworten.
    Einmal in 10 000 Jahren .... oder so.
    Jetzt sind eben mal ein paar Jahrzehnte vergangen und wir hatten Three MIle Island, Tschnernobyl und jetzt Japan (mit möglicherweise 3 Reaktoren). Von den mehr oder weniger ernsthaften Zwischenfällen weltweit erst gar nicht zu reden.

    Wollen und sollen wir jetzt darauf warten, wann die nächsten 10 000 Jahre um sind? Nächste Woche vielleicht, in einem Monat, Jahr....

    Atomkraftwerke abschalten geht in Deutschland so: Bei der nächsten Wahl ein Kreuz bei den richtigen Parteien machen.

    Glückwunsch, wenigstens einer hier im Forum, der sich bedingungslos hinter unseren Ministerpräsidenten stellt.

    Wie sind doch gleich die Farben des Zeichens
    "Gefahr, radioaktiv" ?

    schwarz - gelb

    • Varech
    • 13.03.2011 um 18:36 Uhr

    Seinerzeit der Einstieg in die Kernenergie-Nutzung geschah in unverantwortlich kopfloser Begeisterung; kein Grund für einen Ausstieg in ebensolcher Panik.

    Die Geschehnisse in Japan sind in einer ganz anderen Grössenordnung als alles was in D irgendeine Wahrscheinlichkeit hat. Wir müssen nun aufpassen, dass unsere Spontanreaktionen nicht schlicht tragisch-lächerlich werden.

    Der "Ausstieg", besser wohl der planmässige Rückbau der Atomindustrie wird mit jedem Tag notwendiger, aber auch eine grünbunte Regierung müsste sagen können, wie sie das Problem der "Entlagerung" (nur das beispielsweise) lössen will. Nach dem grossen Nuklearirrtum (ich meine "das Irrtum" als Epoche der Menschheitsgeschichte) werden ganz ausserordentliche Anstrengungen nötig sein. Wenn das Haus einstürzt, genügt es nicht, einfach nur im Hof weiterzuspielen und vielleicht den Hausmeister zu wechseln.

    • kael
    • 13.03.2011 um 18:53 Uhr

    Zitat: "Man stelle sich vor ein Edbeben würde einen ICE entgleisen lassen...."

    Was ist denn das für ein absurder Vergeich? ICEs sind aus bereits verschiedenen Gründen entgleist. Tragisch, aber es betrifft immer nur eine "überschaubare" Zahl von Opfern. Das soll nicht zynisch klingen.

    Sie werden wohl zustimmen, dass ein automarer GAU von ganz anderer Qualität ist, der über Jahre und Jahrzehnte, sogar über Generationen hinweg eine unüberschaubare Zahl von Opfern mit sich bringt.

    Da ist es wohl angebracht, dieser Technik mit allergrößter Skepsis und besonderem Misstrauen gegenüber zu treten.

    Vermutlich ist in Deutschland mit einem heftigen Erdebeben nicht zu rechnen. Aber kennen Sie alle "Restrisiken"?

    hier wird nichts instrumentalisiert. Leider hat dieser verhehrende Tsunami nur wieder etwas an die Oberfläche gespült was in Wahrheit nicht im Verborgenen bleiben kann. Die Debatte über die Sicherheit von AKW´s weltweit darf nicht verebben. Sie muss im Bewusstsein der Menschen und deshalb an der Oberfläche bleiben. Es darf nicht sein, daß eine Technologie mit diesem Restrisiko eine solch große Bedeutung in der Energieversorgung zugesprochen bekommt. Die menschen- und umweltverträglichen Energien der nahen Zukunft sind: Wind-, Wasser- und Sonnenenergie. Dafür hat gerade Deutschland ein großes knowhow. Wenn die Energie der Entscheider in diesem Land in diese Alternativen fliessen würden, könnte das Ziel bis 2030 eine 100%ige Versorgung zu erzielen locker erreicht werden. Doch zuerst müsste dieser Lobby-Regierung abgestraft werden.

    werfen die Befürworter (und Profiteure) den Kritikern Panikmache vor.

    Tritt der Ernstfall dann mal wieder ein, ändert man die Tonlage und der Vorwurf lautet nun: "Instrumentalisierung eines tragischen Unglücks", evtl. noch Rechthaberei.

    Durchschaut natürlich keiner.

    Die Situation hat sich in der Tat nicht geändert:

    Die deutschen AKWs sind technologische Spitzenprodukte, bei deren Konstruktion man alle erdenklichen Risiken identifiziert und durch Gegenmaßnahmen minimiert hat.

    Nur: dasselbe können Sie auch über Japan und seine Reaktoren sagen.
    Ergebnis liegt jetzt vor: Ein Kraftwerk wurde auf ein 8.2-Erdbeben ausgelegt und hat sogar 8.8 (noch ca. 5x stärker) zunächst gut überstanden - Respekt.
    Leider wurde die danach essentielle Notstromversorgung nicht ausreichend tsunami-sicher positioniert.

    "It was a lack of imagination" (aus dem Untersuchungsbericht des Apollo 1-Unglücks).

    Das kann es bei uns nicht geben, meinen Sie?

    P.S. Einen Erdbebenschnellstopp für ICEs erwartet keiner - pünktliche Abfahrten wie in Japan und funktionierende bestehende Technik trotz Wetter würden reichen.
    Tolles Beispiel für die absolute Zuverlässigkeit deutscher Ingenieurskunst, passt prima zum Thema, danke!

    • Fifty4
    • 14.03.2011 um 7:47 Uhr

    Es hat sich alles geändert. Zum Glück.

    Nichts wird mehr so sein wie es war. Und Mappus bleibt eine schlecht Geschichte.

  4. Mappus hat ja einiges getan, was eine Abwahl rechtfertigen würde. Bleibt zu hoffen, daß er nicht in die rhetorische Grobkiste greift und sagt: "Gerade weil wir die Enbw gekauft haben, können wir nun die Kraftwerke besser kontrollieren (blabla einfügen)..."

    Es gibt tausende Alternativen, TINA Merkel...

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  5. ...die japanischen AKWs gelten als die mit dem höchsten Sicherheitsstandard auch im Hinblick auf Standorte im Land mit den meisten Erdbeben. Trotzdem aber wurde offensichtlich nur der "Normalfall" abgesichert, eine Erbebenstärke, die über "Normal" liegt nicht einkalkuliert. Das heißt: Unter normalen Umständen waren die AKWs sicher, nicht aber wenn das Normale überschritten wird.

    Wenn mir nun eine Frau Merkel oder ein Herr Mappus sagen, dass unsere AKWs sicher sind, dann gehe ich vom gleichen Sprachverständnis aus. Sie sind sicher, solange nichts ungewöhnliches passiert. Zum Beispiel, dass Mutter Natur zurückschlägt, in welcher Form auch immer. Größere Naturkatastrophen sind ja offensichtlich nicht einkalkuliert. Auch nicht in Japan.

    Da kann einem (von Endlagerungsproblem mal ganz abgesehen) schon Angst und Bange werden.

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