CDU und FDP waren immer schon große Freunde der erneuerbaren Energien. So jedenfalls stellt es Angela Merkel am Donnerstagmorgen dar. Im hellblauen Sakko steht sie im Bundestag und wiederholt selbstbewusst ihre Argumente für ihre 180-Grad-Wende bei der Atom-Laufzeitverlängerung . Gerade so, als wären die alle völlig logisch. Die Katastrophe in Japan führe der Welt nun bislang nicht bekannte Gefahren der Atomtechnologie vor Augen, sagt Merkel. Daher müsse der bereits von Schwarz-Gelb vorangetriebene Ausbau der Öko-Energien eben jetzt noch schneller vorangehen. Offen bleibt, ob die Kanzlerin selbst glaubt, was sie da sagt, und wie lange sie diese Strategie nach den Landtagswahlen aufrecht erhalten wird.

Noch vor Ostern will Merkel sich mit den Ministerpräsidenten treffen, um unter anderem den Ausbau von Windparks voranzutreiben. Sie ruft die Verbraucher dazu auf, Strom zu sparen. Sie ist jetzt ganz in ihrem grünen Element, die erneuerbare Kanzlerin. Der Opposition im Plenum verschlägt es da teilweise die Sprache. Mit verschränkten Armen und fassungslosem Blick folgen die SPD- und Grünen-Abgeordneten der ehemaligen Atomkanzlerin. Irgendwann ruft Fraktionschefin Renate Künast, jetzt reiche es aber. Merkel kontert: "Sie entscheiden nicht über die Redezeit".

So gar keine Atomkanzlerin will Angela Merkel dann übrigens doch auch nicht sein. Noch habe Deutschland nicht genug Ressourcen, um die Stromversorgung komplett umzustellen. "Ich lehne es ab, unsere Kraftwerke auszuschalten und den Kernenergie-Strom aus anderen Ländern zu beziehen", ruft sie. Man dürfe nicht "scheinheilig sein". Da bricht sich erstmals lautstarker Protest in der Opposition Bahn.

Auch im rot-grünen Atomausstiegsgesetz war erst eine mittelfristige Abschaltung der Kraftwerke vorgesehen. Merkel provoziert die Opposition daher, als sie daher sagt, es sei doch "Konsens aller" in Deutschland, dass die Kernkraft als Brückentechnologie notwendig sei. Dennoch gebe es wegen Japan einen "überzeugenden Grund" für sie als Kanzlerin, nicht zur Tagesordnung übergehen. "Die Wahl", brüllt einer von den Linken dazwischen und denkt an Stefan Mappus in Baden-Württemberg.

Doch Merkel führt unbeirrt aus: Schwarz-Gelb sei der eigentliche Abschalter von überalteten Atomkraftwerken. Schließlich wäre durch den rot-grünen Ausstiegsbeschluss bisher nur Neckarwestheim vom Netz gegangen, betont sie mehrmals in ihrer Rede. Die Bundesregierung hingegen fahre in Kürze sieben Atomkraftwerke herunter. Verschweigen tut sie dabei, dass zum Beispiel Neckarwestheim noch vor einer Woche aus schwarz-gelber Sicht bis 2019 laufen sollte. Egal, Merkel fährt fort: Das Problem der Atomendlager, das habe Rot-Grün doch während seiner Regierungszeit auf "unverantwortliche Weise" liegen gelassen. "Wir packen das an", sagt Merkel. CDU und FDP sind in dieser Weltsicht die Macher, die Grünen die Blockierer. Und so kurz vor den Landtagswahlen ist das natürlich eine gute Weltsicht.

Achso, und die Debatte um das juristisch korrekte Vorgehen bei der nun angestrebten vorübergehenden Abschaltung der Meiler könne sie "nur schwer nachvollziehen", sagt Merkel. Im Atomgesetz räume ihr ein Paragraph in Ausnahmefällen dieses Recht ein. Also sei kein Parlamentsgesetz über den Ausstieg notwendig.

Daher werde sie auch das Angebot der SPD nicht annehmen, gemeinsam im Bundestag ein eigenes Ausstiegsgesetz zu verabschieden, sagt Merkel stur. Sie will die Zügel ihres neuen quasi-grünen Kurses nicht aus der Hand geben. In einer Situation "höchster Gefahrenvorsorge" dürfe man ihr allein schon aus moralischer Sicht heraus "keine juristischen Tricks" unterstellen. Dabei verschweigt Merkel, dass beispielsweise auch ihr angesehener Parteikollege, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), verärgert über die Art und Weise ist, wie gerade die legislative Funktion des Parlaments ignoriert wird.