Laufzeiten-Moratorium Meinungsforscher sehen CDU in der Atom-Falle

Stephan Mappus wird der Atom-Schwenk das Amt kosten, sagt Forsa-Chef Güllner. Wahlforscher Schöppner bezweifelt aber, dass Merkels Glaubwürdigkeit beschädigt ist.

Das Moratorium der Regierung zu den AKW-Laufzeiten ist zwei Tage alt. Noch ist die Stimmungslage zu unübersichtlich, um die Wirkung auf die Wähler genau zu beschreiben. Die Analysen unterscheiden sich. Einig sind sich Wahlforscher darin, dass die Grünen von dem atompolitischen Hakenschlag der Koalition profitieren werden. Was dieser jedoch für die Regierung und ihre christdemokratische Chefin bedeutet, beschreiben die Umfrage-Experten unterschiedlich.

Der Bielefelder Wahlforscher Klaus-Peter Schöppner sieht Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Glaubwürdigkeit gestärkt. Angesichts der Atomkatastrophe in Japan sei der vollzogene Meinungsumschwung politisch erwartbar und damit schlüssig. "Die Bürger bewerten den Schwenk der Kanzlerin höher als den damit verbundenen Verlust an Glaubwürdigkeit", sagte der Chef des Institutes TNS Emnid im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

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Schöppners Kollege Manfred Güllner rechnet dagegen mit massiven Nachteilen für die CDU. "Den Kursschwenk werden die Bürger der CDU als Opportunismus auslegen", sagte der Chef des Umfrageinstitutes Forsa ZEIT ONLINE und führte als Beleg die Entwicklung nach Katastrophe von Tschernobyl 1986 an. Damals verlor die oppositionelle SPD an Sympathie, weil die Menschen deren atomkritischen Kurs als reinen Aktionismus werteten, sagt Güllner. Die CDU/FDP-Regierungskoalition unter Helmut Kohl habe hingegen an Ansehen gewonnen, weil sie konkret handeln konnte und das bis dahin nicht existente Umweltministerium schuf, so Güllners Erklärung.

Nun begehe die CDU den Fehler der SPD. "Kanzlerin Merkel wäre gut beraten gewesen, erst mal nach Japan zu schauen und Hilfe anzubieten, und dann zu sehen, was in Deutschland notwendig ist", erörtert Güllner.

Im Unterschied zu Schöppner sieht der Forsa-Chef durch das Moratorium die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin beschädigt. "Die Menschen hätten es besser gefunden, wenn FDP und Union gesagt hätten, wir haben gute Gründe für die Laufzeitverlängerung." Stattdessen schalte die Regierung nun alte Kraftwerke ab, deren Laufzeitverlängerung sie im vergangenen Herbst noch mit vielen Argumenten verteidigt habe.

Umfragen beider Institute ergaben, dass die Angst der Deutschen vor der Atomkraft seit Japan deutlich gestiegen ist. Eine große Mehrheit ist für den Ausstieg binnen weniger Jahre. "Die Menschen schauen ängstlich nach Japan", sagt Güllner.

Der Berliner Sozialforscher erwartet auch, dass das Moratorium die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg beeinflusst, bei der CDU-Ministerpräsident Stephan Mappus um die Regierungsmacht bangt. "Ich gehe davon aus, dass Mappus durch die Fehlentscheidung der Kanzlerin weg ist", sagte Güllner. Wie die Kanzlerin habe sich der Regierungschef in den Widerspruch verwickelt, mit dem AKW Neckarwestheim-1 jetzt ein Kraftwerk abzuschalten, das er zuvor noch als sicher bezeichnet hatte.

Alt-AKW: Philippsburg

Am Standort Philippsburg geht Block 1 vom Netz. Der Reaktor, der auf einer Insel im Rhein rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe liegt, läuft seit 1979. Betreiberin ist die EnBW Kernkraft GmbH. Der Block hat eine Leistung von 926 Megawatt.

Das Kraftwerk war besonders ins Visier von Atomkraftgegnern geraten, weil es mit einem Siedewasserreaktor nach dem Prinzip des Katastrophen-Kernkraftwerks im japanischen Fukushima arbeitet.

N-Westheim

Am Standort Neckarwestheim im Norden Stuttgarts geht Block I vom Netz. Der Reaktor ist seit 1976 in Betrieb und damit der zweitälteste Atommeiler in Deutschland. Betreiberin ist die EnBW Kernkraft GmbH.

Neckarwestheim I hat eine Leistung von 840 Megawatt und versorgt ein Viertel des deutschen Eisenbahn-Netzes mit Strom.

Atomkraftgegner haben immer wieder darauf verwiesen, dass Neckarwestheim I in der Pannenstatistik nicht gut dastehe und für einen Störfall nicht über genügend Kühlmittel und Pumpen verfüge. EnBW weist das zurück.

Biblis

Am Standort Biblis in Hessen gehen beide Blöcke A und B vom Netz. Block A liefert seit 1974 Strom, Block B seit 1976. Beide Meiler sind Druckwasserreaktoren. Betreiber ist der RWE-Konzern. Die Leistung von Block A beträgt 1225 Megawatt, die von Block B 1300 Megawatt.

Bei einem der schwersten Störfälle in einem deutschen Atomkraftwerk entwich 1987 durch ein offenes Ventil in Block A 15 Stunden lang radioaktiver Dampf. 2006 wurden bei einer Routine-Revision im abgeschalteten Block A fehlerhaft montierte Dübel festgestellt, später auch in Block B. Beide Blöcke standen über ein Jahr lang still.

Isar 1

Das bayerische Kernkraftwerk Isar 1 in Essenbach bei Landshut gehört zu den ältesten und umstrittensten Atommeilern. Es gehört ebenso wie die schwer beschädigte Atomanlage im japanischen Fukushima zum Bautyp der Siedewasserreaktoren. Kritiker fordern bereits seit Jahren die Stilllegung.

Bei dem Kraftwerk kam es immer wieder zu technischen Zwischenfällen. So gab es in den vergangenen Monaten eine Panne beim Verladen von Brennelementen und einen Defekt an einem Notstromsystem. Isar 1 ist auch schlechter als andere Meiler gegen Flugzeugabstürze gesichert.

U-Weser

Das Atomkraftwerk Unterweser bei Nordenham in Niedersachsen wird vom Energieversorger E.on betrieben und ging im September 1978 ans Netz.

Der Meiler mit einem Druckwasserreaktor hat eine Nettoleistung von mehr als 1300 Megawatt und produziert so Strom für umgerechnet rund zwei Millionen Haushalte.

Ursprünglich sollte der Meiler nach den rot-grünen Ausstiegsplänen im Jahr 2012 vom Netz. In dem Kraftwerk sind knapp 400 Menschen beschäftigt.

B-Büttel

Der Siedewasserreaktor im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel ging 1976 an den Start und ist das älteste Atomkraftwerk im Norden.

Der Reaktor wurde bereits im Juli 2007 vollständig abgeschaltet. Grund waren fehlerhafte Dübel und Verankerungen. Ein Antrag auf eine Wiederanfahrgenehmigung wurde bisher noch nicht gestellt.

Brunsbüttel gehört zu etwa zwei Dritteln dem Betreiberkonzern Vattenfall, der Rest gehört E.on. Bei Betrieb produziert das Kernkraftwerk eine Nennleistung von 806 Megawatt.

Krümmel

Krümmel in Geesthacht ist laut Betreiber Vattenfall der leistungsstärkste Siedewasserreaktor der Welt. Er wurde 1983 in Betrieb genommen. Seit Mitte 2007 war Krümmel aber nur gut zwei Wochen lang am Netz. Ein brennender Transformator, Risse in Schweißnähten an Rohrleitungen, fehlerhaft angebrachte Dübel und ein kaputter Brennstab sorgten für Probleme. Krümmel gehört zur Hälfte Vattenfall, zur anderen E.on. Bisher hat der Betreiber noch keinen Antrag gestellt, das Kraftwerk wieder ans Netz nehmen zu wollen. Atomgegnern gilt Krümmel ähnlich wie Biblis als "Schrottreaktor". Sie fordern seit Langem die endgültige Stilllegung. Er kommt im Betrieb auf eine Leistung von 1402 Megawatt.

Beide Experten stimmen darin überein, dass die CDU durch das Moratorium einen Teil ihrer Stammwähler verlieren könnte. "Die CDU hat zur Wahl in Baden-Württemberg jetzt Mobilisierungsschwierigkeiten", sagt Güllner. Und die Wechselwähler, die Merkel in den vergangenen Jahren den Grünen abspenstig gemacht habe, gingen nun auch wieder weg. "Die Grünen werden nun zum Sammelbecken für enttäuschte Wähler", sagt Güllner.

Schöppner sagt, die CDU könne den Stammwähler-Schwund vielleicht durch die von ihr vermittelte Kompetenz und ihr Image als Krisenbewältigungspartei ausgleichen. Wie lange, werden die nächsten Umfragen zeigen. In einer am Montag erstellten Umfrage war die Union noch stabil. Von dem Moratorium wussten die Befragten da aber meist noch nichts.

 
Leser-Kommentare
  1. kann nicht beschädigt werden.

    Sie hatte nie welche.

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  2. Verdächtig wirds, wenn die Herren dann auch noch Ratschläge erteilen, wie aus ihrer Sicht (oder vielleicht der ihrer Geldgeber?!) verfahren werden sollte. Wie wäre es, wenn man einfach repräsentative oder meinetwegen gekennzeichnete nichtrepräsentative Umfragen durchführte und seinen Senf nicht dazugäbe?

  3. ...steckt Mappus: Sondern auch in der Bürger-Verprügel-Falle. Der EnBW-Aktiendeal-Falle. Der Stuttgart21-Falle. Der Gönner,-Goll,-Rech-Falle. Der Schuster-Falle. Und ein paar anderen Fallen mehr.

    32 Leser-Empfehlungen
    • HLWT
    • 16.03.2011 um 19:12 Uhr

    immer feste druff!

  4. Wenn das Ausland schon mit dem Finger auf Frau Merkel zeigt (http://www.zeit.de/politi...), ist es natürlich VÖLLIG unmöglich, dass sie in Deutschland ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

    An dieser Stelle kann ich mich nur dem ersten Beitrag anschließen.

  5. wenn es dazu kommt, dass merkel einmal genau erklären soll, wieso sie jetzt das moratorium für richtig hält, wird dem letzten klar werden, dass sie entweder jetzt lügt oder vor einem halben jahr, ach, vor einer woche, gelogen hat. denn sie kann dann nicht sagen, was jeder vernunftbegabte mensch weiß, weil sie es bis eben noch bestritten hat. was sie jetzt aus fukushima lernen kann, das konnte sie, als physikerin zumal, auch schon bei tschernobyl begriffen haben.

    13 Leser-Empfehlungen
  6. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Posten werblicher Inhalte. Danke. Die Redaktion/ag

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    Der König und Premierminister Abdullah bin Abdul-Aziz Al Saud ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef.
    Er ist „legibus solutus“ (lateinisch für „von den Gesetzen losgelöst“), das bedeutet, dass er den Gesetzen, die er selbst erlässt, nicht untersteht und der oberste Befehlshaber der Streitkräfte. Er besitzt damit die alleinige und uneingeschränkte Vollmacht über die Polizei, den Geheimdienst und das Militär.
    Zahlreiche Staatsoberhäupter haben schon, nachdem sie daheim in Ungnade gefallen waren, seinen Haarem als Altersdomizil gewählt, so z.B. der pakistanische Ex-Premierminister Nawaz Sharif, der jüngst verstorbene ugandische Ex-Präsident Idi Amin, und zuletzt der tuneschischen Ex-Präsidenten ben Ali samt Familie.
    (Quelle Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...)
    Folgende Fluglinien fliegen das Königreich direkt von Berlin an:
    British Airways, Turkish Airlines, EgyptAir, Royal Jordanian, KLM, British Airways, Air France, KLM, Qatar Airways, Lufthansa.
    Quelle:
    http://www.skyscanner.de/...

    Der König und Premierminister Abdullah bin Abdul-Aziz Al Saud ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef.
    Er ist „legibus solutus“ (lateinisch für „von den Gesetzen losgelöst“), das bedeutet, dass er den Gesetzen, die er selbst erlässt, nicht untersteht und der oberste Befehlshaber der Streitkräfte. Er besitzt damit die alleinige und uneingeschränkte Vollmacht über die Polizei, den Geheimdienst und das Militär.
    Zahlreiche Staatsoberhäupter haben schon, nachdem sie daheim in Ungnade gefallen waren, seinen Haarem als Altersdomizil gewählt, so z.B. der pakistanische Ex-Premierminister Nawaz Sharif, der jüngst verstorbene ugandische Ex-Präsident Idi Amin, und zuletzt der tuneschischen Ex-Präsidenten ben Ali samt Familie.
    (Quelle Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...)
    Folgende Fluglinien fliegen das Königreich direkt von Berlin an:
    British Airways, Turkish Airlines, EgyptAir, Royal Jordanian, KLM, British Airways, Air France, KLM, Qatar Airways, Lufthansa.
    Quelle:
    http://www.skyscanner.de/...

  7. Das Problem Angela Merkels ist, dass sie sich in den von ihr selbst ausgelegten Fallstricken verheddert hat. Wesentlicher Aspekt der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ist ein Vertrag zwischen der Bundesregierung und den KKW betreibenden Energiekonzernen. Mit diesem Vorgehen wollte man sicher stellen, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie massive Schadensersatzforderungen und Vertragsstrafen zur Folge hätte, die der Bund - also der Steuerzahler - dann bezahlen müsste.

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    ..."Wesentlicher Aspekt der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ist ein Vertrag zwischen der Bundesregierung und den KKW betreibenden Energiekonzernen. Mit diesem Vorgehen wollte man sicher stellen, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie massive Schadensersatzforderungen und Vertragsstrafen zur Folge hätte, die der Bund - also der Steuerzahler - dann bezahlen müsste."
    ... zu wiederholen.
    Ich nenne dies zudem eine mafiöse Struktur innerhalb einer Regierung,wenn über solche Verträge Konzernen
    das Geld der Steuerzahler zugeschustert wird und unabänderliche Fakten geschaffen werden.Die zusätzlichen Schulden die wir dann auf den Buckel kriegen,kann man ja einer Nachfolgeregierung anlasten.Italienische Schule der hohen Politik unter Mitwirkung der Mehrheit des deutschen Parlaments- und ich dachte immer die sollen Schaden von uns abwenden.!?

    Glaubst du etwa, die Energiekonzerne lassen Merkel wegen Japans Armagedon vom Haken ? Das glaubst du doch wohl selbst nicht ! Da wird noch einmal richtig Kasse gemacht, denn irgend jemand muss den Rückbau der geschlossenen KKW bezahlen und das werden bestimmt nicht die Betreiber sein!

    ..."Wesentlicher Aspekt der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ist ein Vertrag zwischen der Bundesregierung und den KKW betreibenden Energiekonzernen. Mit diesem Vorgehen wollte man sicher stellen, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie massive Schadensersatzforderungen und Vertragsstrafen zur Folge hätte, die der Bund - also der Steuerzahler - dann bezahlen müsste."
    ... zu wiederholen.
    Ich nenne dies zudem eine mafiöse Struktur innerhalb einer Regierung,wenn über solche Verträge Konzernen
    das Geld der Steuerzahler zugeschustert wird und unabänderliche Fakten geschaffen werden.Die zusätzlichen Schulden die wir dann auf den Buckel kriegen,kann man ja einer Nachfolgeregierung anlasten.Italienische Schule der hohen Politik unter Mitwirkung der Mehrheit des deutschen Parlaments- und ich dachte immer die sollen Schaden von uns abwenden.!?

    Glaubst du etwa, die Energiekonzerne lassen Merkel wegen Japans Armagedon vom Haken ? Das glaubst du doch wohl selbst nicht ! Da wird noch einmal richtig Kasse gemacht, denn irgend jemand muss den Rückbau der geschlossenen KKW bezahlen und das werden bestimmt nicht die Betreiber sein!

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