Umfrage Stammwähler nehmen Union Kurswechsel übel
Die Kehrtwende der Regierung in der Energiepolitik hat Folgen: Kanzlerin und Union verlieren in der Wählergunst. Sogar Parteianhänger irritiert das Atommoratorium.
Was Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als einen notwendigen Schritt darstellt, ist für den Großteil der Wähler vor allem ein Zeichen von Opportunismus: Wie eine Umfrage des Wahlforschungsinstituts Forsa zeigt, hat das Atommoratorium in der Folge der Reaktorkatastrophe in Japan der Union massiv geschadet. Im Wahltrend von Stern und RTL fiel die CDU/CSU im Vergleich zur Vorwoche um drei Punkte auf 33 Prozent – ihr schlechtester Wert seit Mitte November.
Die Grünen dagegen finden als Partei, die Atomkraft von jeher ablehnt, immer mehr Zuspruch und gewannen erneut zwei Punkte hinzu. Sie erreichen nun 20 Prozent.
Bei den übrigen Parteien hatte die energiepolitische Debatte um AKW-Abschaltung und Reaktorsicherheit dagegen kaum Effekte. Die SPD gab nur einen Punkt ab und liegt nun bei 25 Prozent. Die Linke verharrt bei neun Prozent, die FDP bei fünf Prozent. Für sonstige Parteien würden acht Prozent der Wähler stimmen.
Kurz vor den wichtigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am kommenden Sonntag liegt bundesweit Rot-Grün mit 45 Prozent jetzt um sieben Punkte vor Schwarz-Gelb (38 Prozent).
- Alt-AKW: Philippsburg
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Am Standort Philippsburg geht Block 1 vom Netz. Der Reaktor, der auf einer Insel im Rhein rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe liegt, läuft seit 1979. Betreiberin ist die EnBW Kernkraft GmbH. Der Block hat eine Leistung von 926 Megawatt.
Das Kraftwerk war besonders ins Visier von Atomkraftgegnern geraten, weil es mit einem Siedewasserreaktor nach dem Prinzip des Katastrophen-Kernkraftwerks im japanischen Fukushima arbeitet.
- N-Westheim
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Am Standort Neckarwestheim im Norden Stuttgarts geht Block I vom Netz. Der Reaktor ist seit 1976 in Betrieb und damit der zweitälteste Atommeiler in Deutschland. Betreiberin ist die EnBW Kernkraft GmbH.
Neckarwestheim I hat eine Leistung von 840 Megawatt und versorgt ein Viertel des deutschen Eisenbahn-Netzes mit Strom.
Atomkraftgegner haben immer wieder darauf verwiesen, dass Neckarwestheim I in der Pannenstatistik nicht gut dastehe und für einen Störfall nicht über genügend Kühlmittel und Pumpen verfüge. EnBW weist das zurück.
- Biblis
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Am Standort Biblis in Hessen gehen beide Blöcke A und B vom Netz. Block A liefert seit 1974 Strom, Block B seit 1976. Beide Meiler sind Druckwasserreaktoren. Betreiber ist der RWE-Konzern. Die Leistung von Block A beträgt 1225 Megawatt, die von Block B 1300 Megawatt.
Bei einem der schwersten Störfälle in einem deutschen Atomkraftwerk entwich 1987 durch ein offenes Ventil in Block A 15 Stunden lang radioaktiver Dampf. 2006 wurden bei einer Routine-Revision im abgeschalteten Block A fehlerhaft montierte Dübel festgestellt, später auch in Block B. Beide Blöcke standen über ein Jahr lang still.
- Isar 1
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Das bayerische Kernkraftwerk Isar 1 in Essenbach bei Landshut gehört zu den ältesten und umstrittensten Atommeilern. Es gehört ebenso wie die schwer beschädigte Atomanlage im japanischen Fukushima zum Bautyp der Siedewasserreaktoren. Kritiker fordern bereits seit Jahren die Stilllegung.
Bei dem Kraftwerk kam es immer wieder zu technischen Zwischenfällen. So gab es in den vergangenen Monaten eine Panne beim Verladen von Brennelementen und einen Defekt an einem Notstromsystem. Isar 1 ist auch schlechter als andere Meiler gegen Flugzeugabstürze gesichert.
- U-Weser
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Das Atomkraftwerk Unterweser bei Nordenham in Niedersachsen wird vom Energieversorger E.on betrieben und ging im September 1978 ans Netz.
Der Meiler mit einem Druckwasserreaktor hat eine Nettoleistung von mehr als 1300 Megawatt und produziert so Strom für umgerechnet rund zwei Millionen Haushalte.
Ursprünglich sollte der Meiler nach den rot-grünen Ausstiegsplänen im Jahr 2012 vom Netz. In dem Kraftwerk sind knapp 400 Menschen beschäftigt.
- B-Büttel
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Der Siedewasserreaktor im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel ging 1976 an den Start und ist das älteste Atomkraftwerk im Norden.
Der Reaktor wurde bereits im Juli 2007 vollständig abgeschaltet. Grund waren fehlerhafte Dübel und Verankerungen. Ein Antrag auf eine Wiederanfahrgenehmigung wurde bisher noch nicht gestellt.
Brunsbüttel gehört zu etwa zwei Dritteln dem Betreiberkonzern Vattenfall, der Rest gehört E.on. Bei Betrieb produziert das Kernkraftwerk eine Nennleistung von 806 Megawatt.
- Krümmel
Krümmel in Geesthacht ist laut Betreiber Vattenfall der leistungsstärkste Siedewasserreaktor der Welt. Er wurde 1983 in Betrieb genommen. Seit Mitte 2007 war Krümmel aber nur gut zwei Wochen lang am Netz. Ein brennender Transformator, Risse in Schweißnähten an Rohrleitungen, fehlerhaft angebrachte Dübel und ein kaputter Brennstab sorgten für Probleme. Krümmel gehört zur Hälfte Vattenfall, zur anderen E.on. Bisher hat der Betreiber noch keinen Antrag gestellt, das Kraftwerk wieder ans Netz nehmen zu wollen. Atomgegnern gilt Krümmel ähnlich wie Biblis als "Schrottreaktor". Sie fordern seit Langem die endgültige Stilllegung. Er kommt im Betrieb auf eine Leistung von 1402 Megawatt.
Forsa-Chef Manfred Güllner verband den Absturz der Union mit weiteren Daten der Umfrage: So halten fast drei Viertel (71 Prozent) der Befragten das Abschalten der sieben ältesten Atommeiler für drei Monate für reine Wahltaktik. Zudem seien die Stammwähler der Union, die eher zu den Befürwortern der Kernkraft zählten, irritiertüber die abrupte Kehrtwende der Kanzlerin. "Sie sagen, in Deutschland habe sich doch nichts geändert."
Diese Kehrtwende in der Atompolitik schadet demnach auch dem Ansehen der Kanzlerin. Nur noch jeder Zweite (50 Prozent) schätzt sie als glaubwürdig ein – vor anderthalb Jahren seien es noch 68 Prozent gewesen. Vier von fünf Bürgern (79 Prozent) sagen, Merkel treffe ihre Entscheidungen allzu oft aus rein wahltaktischen Motiven. Diese Ansicht teilen sogar zwei Drittel (67 Prozent) der Unionswähler.
Auch ihre weiteren Werte könnten die CDU-Vorsitzende beunruhigen: So halten sie nur noch 55 Prozent für sympathisch (minus 17 Prozentpunkte) und in ihre Kompetenz vertrauen lediglich noch 72 Prozent – ein Verlust von zwölf Prozentpunkten. Auch in puncto Führungsstärke schätzen sie die Wähler nicht mehr allzu stark ein: Im Vergleich zur Vorwoche ging das Vertrauen hier um elf Punkte auf 65 Prozent zurück.
Bei einer Direktwahl des Regierungschefs würde sich Merkel zwar noch durchsetzen, allerdings mit geringerem Zuspruch. Laut Forsa würden derzeit nur noch 40 Prozent der Deutschen Merkel direkt zur Kanzlerin wählen – vier Punkte weniger als in der Vorwoche. 31 Prozent würden sich für SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier entscheiden, der damit einen Prozentpunkt hinzugewinnen konnte.
- Datum 23.03.2011 - 11:16 Uhr
- Quelle dpa, Reuters
- Kommentare 118
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Erstaunlich. Ansonsten sind die CDU Wähler ja äusserst hart im Nehmen. Was da schon alles passiert ist in den letzten 2 Jahren das bei der CDU noch nichtmal zu einem halben Prozent Schwankungen geführt hat.
Aber der Ausstieg aus der Atomkraft. Da schlottern dem Konservativen die Knie. 0,5 Cent pro Kilowattstunde mehr Stromkosten? Das Aktiendepot bei EON in Gefahr?
Und noch schlimmer: Es ändert sich was.
Sowas mögen Konservative überhaupt garnicht...
ich glaube dass jetzt auch vieles was die Union macht doppelt hinterfragt wird seit sie sich in der googleberg affäre so dreist verhalten hat. demoskopen hatten "damals" gesagt, dass sich solche ereignisse oft mit gewisser verzögerung in den umfragen wiederfinden..
Eben, nichts ist passiert ausser ein paar Steuersenkungen und Erhöhung des Schonvermögens, Massnahmen die den Fortschrittlichen ebenfalls zu Gute gekommen ist. Allerdings gabs auch eine Menge, egal welcher Couleur, die davon gar nichts hatten, ausser höhere Preise ohne Aktiendepot.
Aber der Konservative goutiert scheinbar nicht die Aktion an sich. Abschalten ist kein Wert, wenn nichts dahinter ist. Raus halten aus dem Bündnis auch nicht.
Er muss Taten sehen, während der Fortschrittliche durchaus der Rede nicht abgeneigt ist und sich damit begnügt. Aber das liegt in den Natur der Sache. Versprechungen sind nun mal an Sprache gebunden.
ich glaube dass jetzt auch vieles was die Union macht doppelt hinterfragt wird seit sie sich in der googleberg affäre so dreist verhalten hat. demoskopen hatten "damals" gesagt, dass sich solche ereignisse oft mit gewisser verzögerung in den umfragen wiederfinden..
Eben, nichts ist passiert ausser ein paar Steuersenkungen und Erhöhung des Schonvermögens, Massnahmen die den Fortschrittlichen ebenfalls zu Gute gekommen ist. Allerdings gabs auch eine Menge, egal welcher Couleur, die davon gar nichts hatten, ausser höhere Preise ohne Aktiendepot.
Aber der Konservative goutiert scheinbar nicht die Aktion an sich. Abschalten ist kein Wert, wenn nichts dahinter ist. Raus halten aus dem Bündnis auch nicht.
Er muss Taten sehen, während der Fortschrittliche durchaus der Rede nicht abgeneigt ist und sich damit begnügt. Aber das liegt in den Natur der Sache. Versprechungen sind nun mal an Sprache gebunden.
Woher kommen denn bloß diese Zahlen? Ich kann mir partout nicht vorstellen, dass fast drei Viertel der Bevölkerung Kanzlerin Merkel für kompetent halten. Worin soll denn diese Kompetenz begründet liegen?
Bestenfalls kann man feststellen, dass Frau Merkel sich darauf versteht, die eigene Machtbasis zu sichern und Konkurrenten ins Abseits zu befördern, ohne dass dies ihrem eigenen Ruf schadet.
das ist es ja eben- es geht vielmehr um Sympathie als um Kompetenz. Sympathie ist das Hauptargument der Wähler. Merkel hat es doch wie keine andere geschafft, sich aus dem Dreck rauszuhalten und sie glänzt als Frau im Machismoreigen.
da staunte ich auch nicht schlecht. Man stelle sich vor, in einer Gruppe aus vier Personen, würden drei davon Merkel Kompetenz zurechnen! Wahrscheinlich ist aber, ich kenne nicht die richtigen Menschen.
das ist es ja eben- es geht vielmehr um Sympathie als um Kompetenz. Sympathie ist das Hauptargument der Wähler. Merkel hat es doch wie keine andere geschafft, sich aus dem Dreck rauszuhalten und sie glänzt als Frau im Machismoreigen.
da staunte ich auch nicht schlecht. Man stelle sich vor, in einer Gruppe aus vier Personen, würden drei davon Merkel Kompetenz zurechnen! Wahrscheinlich ist aber, ich kenne nicht die richtigen Menschen.
Die Deutsche Bundeskanzlerin erinnert mich an die Dinger aus den 80er Jahren in den Keller discos.
Da hatte man einen Leuchtspot und eine Farbscheibe davor mit 4 Farben drauf, Je ein Viertel, genau so wechselt die Kanzlerin ihre Farbe.
Mal rot, mal grün mal schwarz, mal gelb, so wie es ihr gefällt.
Ich werde lieber durch abschalten der AKW ins 19. Jahrhundert zurück geworfen, als durch einen GAU ins Zeitalter der Dinosaurier.
Nicht jeder kann einen Spagat zwischen zwei so völlig unterschiedlichen Meinungen ohne große Schmerzen ertragen. Das Ächzen in der Union bei der von Frau Merkel vorgegebenen Meinungsgymnastik ist unüberhörbar.
So schafft sie zwei gute Taten auf einmal: sie schaltet Atomkraftwerke ab - und CDU-Ministerpräsidenten.
Das Landtagswahl-Ergebnis in Baden-Württemberg wird, da bin ich mir ganz sicher, einen schweren Schock bei CDU und FDP auslösen und in beiden Parteien zu großen Turbulenzen führen. Ich tippe auf Machtverlust im Ländle.
Ganz offensichtlich ist das "Wahlvolk" aufgewacht...
[...]
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf provozierende, polemische Beiträge. Danke. Die Redaktion/er
Ich bin skeptisch ob sich da was ändern wird. Immerhin regiert in BW seit 48 Jahren die CDU und durch die Allgemeine Volksverdummung ist es möglich, dass das weiterhin so bleibt.
ich habe mich nicht geirrt.
[...]
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf provozierende, polemische Beiträge. Danke. Die Redaktion/er
Ich bin skeptisch ob sich da was ändern wird. Immerhin regiert in BW seit 48 Jahren die CDU und durch die Allgemeine Volksverdummung ist es möglich, dass das weiterhin so bleibt.
ich habe mich nicht geirrt.
55 Prozent halten Merkel für symphatisch.
72 Prozent vertrauen in Merkels Kompetenz
65 Prozent vertrauen in Merkels Führungsstärke
Gottseidank haben wir Bildungsnotstand und keinen BILD-Notstand, sonst wären die Werte um ein vielfaches niedriger.
Oder wie Volker Pispers sagte:
"Was glauben Sie was in diesem Land los wäre, wenn mehr Bürger begreifen würden was hier los ist."
40 Prozent für Merkel, 31 Prozent für Steinmeier bei einer Kanzlerdirektwahl. Was ist mit den restlichen 29 Prozent?
MfG
AoM
ich glaube dass jetzt auch vieles was die Union macht doppelt hinterfragt wird seit sie sich in der googleberg affäre so dreist verhalten hat. demoskopen hatten "damals" gesagt, dass sich solche ereignisse oft mit gewisser verzögerung in den umfragen wiederfinden..
Eben, nichts ist passiert ausser ein paar Steuersenkungen und Erhöhung des Schonvermögens, Massnahmen die den Fortschrittlichen ebenfalls zu Gute gekommen ist. Allerdings gabs auch eine Menge, egal welcher Couleur, die davon gar nichts hatten, ausser höhere Preise ohne Aktiendepot.
Aber der Konservative goutiert scheinbar nicht die Aktion an sich. Abschalten ist kein Wert, wenn nichts dahinter ist. Raus halten aus dem Bündnis auch nicht.
Er muss Taten sehen, während der Fortschrittliche durchaus der Rede nicht abgeneigt ist und sich damit begnügt. Aber das liegt in den Natur der Sache. Versprechungen sind nun mal an Sprache gebunden.
Statt "und Erhöhung des Schonvermögens" hätte "und Erhöhung des Schonvermögens auf den Wert, den SPD und Grüne ursprünglich im Hartz-IV-Gesetz vorgesehen hatten, und der auf Druck der den Bundesrat dominierenden Union auf ein Drittel reduziert wurde" den Sachverhalt deutlicher wiedergegeben.
Statt "und Erhöhung des Schonvermögens" hätte "und Erhöhung des Schonvermögens auf den Wert, den SPD und Grüne ursprünglich im Hartz-IV-Gesetz vorgesehen hatten, und der auf Druck der den Bundesrat dominierenden Union auf ein Drittel reduziert wurde" den Sachverhalt deutlicher wiedergegeben.
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