Bildungspaket Von der Leyen will Hartz-IV-Empfänger anschreiben
Das Hartz-IV-Bildungspaket wird kaum nachgefragt. Arbeitsministerin von der Leyen will nun nachhelfen. Bald werden ALG-II-Empfänger Post von ihr erhalten.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will alle von Hartz IV betroffenen Familien schriftlich auf die neuen Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche hinweisen. "Bildung der Kinder ist der Weg aus Hartz IV. Das wissen die allermeisten Eltern, aber nicht alle sind darin geübt, die richtigen Angebote zu finden", sagte sie. "Deswegen halte ich es für richtig, jede Hartz-IV-Familie einzeln anzuschreiben."
Das Bildungspaket gehöre ebenso zum Existenzminimum der Kinder, wie Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Die Verwaltung müsse zwar aktiv auf die Eltern zugehen. Die Ministerin fordert aber auch von den Erziehungsberechtigen, dass sie "ihren Teil der Verantwortung wahrnehmen".
Das Bildungspaket ist Teil der Hartz-IV-Reform, die nach langwierigen Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition im Februar beschlossen wurde. Es sieht eine Reihe von Sachleistungen für etwa 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche vor. Dazu gehören etwa Zuschüsse für warmes Schul-Mittagessen, Nachhilfe und Ausflüge.
Allerdings wird das Paket bisher nur wenig nachgefragt. Die neue Hartz-IV-Regelung war erst Ende März in Kraft getreten. Nach dem Gesetz wäre die Frist dafür Ende April abgelaufen. Weil bisher aber nur wenige Anträge gestellt wurden, will von der Leyen die Frist verlängern. Zugleich will die Ministerin bei einem Runden Tisch mit Kommunen und Ländern über die Anlaufschwierigkeiten bei den neuen Bildungshilfen sprechen.
Von der Leyen sagte mit Blick auf die Eltern: "Sie sind ja in der Lage, ihren Hartz-IV-Regelsatz und die Mietkosten zu beantragen, warum sollen sie keinen Antrag für das Bildungspaket der Kinder stellen können?" Bei der Umsetzung des Bildungspakets sieht die Arbeitsministerin aber auch Lehrer, Kita-Erzieher oder Vereinsmitglieder in der Pflicht – alle müssten mithelfen.
- Regelsätze
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Der Regelsatz für erwachsene Hartz-IV-Empfänger soll nach der nun erfolgten Einigung rückwirkend zum 1. Januar 2011 um fünf Euro auf 364 Euro steigen. Zum Jahresanfang 2012 gibt es weitere drei Euro mehr - und zwar zusätzlich zu der dann ohnehin anstehenden, regulären jährlichen Anpassung aufgrund der Preis- und Lohnentwicklung.
Die Sätze für Kinder und Jugendliche von Hartz-IV-Empfängern sollen nicht steigen. Stattdessen will der Bund mehr in die Bildung investieren. Sie veranschlagen für Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres 211,69 Euro (tatsächlich ausgezahlt: 215 Euro), für Kinder von sieben bis 14 Jahren 240,32 Euro (tatsächlich ausgezahlt: 251 Euro) und für Jugendliche von 15 bis 18 Jahren 273,62 Euro (tatsächlich ausgezahlt: 287 Euro).
- Bildungspaket
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Anstelle höherer Regelsätze für etwa 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche aus Geringverdienerfamilien will der Bund ein Bildungs- und Teilhabepaket als Sachleistung schnüren. Hierunter fallen Zuschüsse für ein warmes Mittagessen in Schule oder Kita, für Nachhilfe sowie eintägige Schul- und Kita-Ausflüge. Zudem gibt es monatlich zehn Euro für die Teilnahme am Vereinsleben.
Zur Finanzierung stockt der Bund seinen Anteil an den Miet- und Heizkosten der Hartz-IV-Bezieher auf Dauer um 1,2 Milliarden Euro auf. Damit sollen die Leistungen des Bildungspakets, die Verwaltungskosten und die Warmwasserkosten von Hartz-IV-Beziehern abgegolten sein. Den Rest müssen die Kommunen tragen.
Für drei Jahre befristet bis 2013 gibt der Bund nochmals 400 Millionen Euro: Diese Summe können die Kommunen für den Ausbau der Jugendsozialarbeit nutzen oder für Essen in Kinderhorten.
- Mindestlohn
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Die Einigung zwischen Koalition und Opposition sieht zudem einen Mindestlohn für etwa 1,2 Millionen weitere Arbeitnehmer vor. Das betrifft vor allem die etwa eine Million Beschäftigten in der Zeitarbeit. Für sie wird im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz auf der Grundlage der tariflich vereinbarten Mindestlöhne eine Lohnuntergrenze festgelegt, die ab 1. Mai greifen soll. Weitere Mindestlöhne für das Bewachungsgewerbe, für den Bereich Geldtransporte sowie für die Weiterbildung werden im Entsendegesetz verankert.
Die vor allem mit der FDP umstrittene Frage der gleichen Bezahlung von Stamm- und Leiharbeitern wurde aus dem Kompromiss ausgelagert. Die Gewerkschaften sollen nun darüber entscheiden.
- Finanzierung
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Zur Entlastung der Kommunen, die einen Großteil der Hartz-IV-Kosten schultern müssen, hat die Koalition ein Milliardenpaket geschnürt: Der Bund nimmt ihnen ab 2012 in drei Schritten die Kosten der Grundsicherung im Alter ab, bis sie ab 2014 vollständig beim Bund liegt. Derzeit wenden die Kommunen dafür rund 3,5 Milliarden Euro auf. Ihre Entlastung bis zum Jahr 2015 beziffert der Bund auf 12,24 Milliarden Euro netto.
Im Bundeshaushalt wird damit ein Milliardenloch aufgerissen. Dies will der Bund stopfen, indem er rund vier Milliarden Euro bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) kürzt. Bisher überweist der Bund jährlich die Einnahmen aus einem Mehrwertsteuerpunkt an die Behörde. Das sind rund acht Milliarden Euro – schrittweise ansteigend soll es künftig nur noch die Hälfte sein. Damit dürften neue Milliardendefizite auf die BA zukommen, für die dann unter Umständen die Beitragszahler – also Arbeitnehmer und Arbeitgeber – aufkommen müssten: Nach BA-interner Rechnung würde sich bis 2014 ein Schuldenberg von 9,6 Milliarden Euro auftürmen. Denkbar ist auch, dass deshalb Leistungen für Arbeitslose eingestampft werden.
Der Präsident des Paritätischen Wohlfahrtverbandes, Ulrich Schneider, sieht die Gründe für die geringe Akzeptanz des Hartz-IV-Bildungspakets dagegen in mangelnder Transparenz. "Das Gesetz ist einfach falsch gemacht. Das Gesetz geht davon aus, dass man irgendwo sitzt und wartet, bis jemand kommt und einen Antrag stellt", sagte Schneider. Er kritisierte die Informationsarbeit des Bundesarbeitsministeriums.
Eltern bedürftiger Kinder müssen schriftlich Anträge ausfüllen, um die staatlichen Zuschüsse zu beantragen. "So funktioniert Jugendhilfe aber nicht", sagte Schneider. "Wir müssen die Jugendlichen da abholen, wo sie sind, und das gelingt nicht mit so einem Antrag." Vielmehr hätte eine Informationsoffensive in Schulen, Kitas oder Jugendzentren gestartet werden müssen, sagte Schneider.
- Datum 20.04.2011 - 11:16 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
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...sollten von der Leyen einen Brief schreiben. Damit kann sie dann ihr - hoffentlich zeitnah erfolgendes - Rücktrittsgesuch begründen. Selten eine derart unfähige Ministerin gesehen.
... ist nicht nur selbstverliebt und nimmt sich selber zwar besonders wichtig, wobei ihre Problemübersicht nicht so doll ist, sie ist auch noch die wirkungsvollste "Pfefferspraykanone" der Regierung gegen die armen Leute.
" Alle HartzIV-Empfänger sollten von der Leyen einen Brief schreiben."
Sie hat ja ein großes Budget für PR. Dann aber bitte mit dem Vermerk " Porto zahlt der Empfänger".
... ist nicht nur selbstverliebt und nimmt sich selber zwar besonders wichtig, wobei ihre Problemübersicht nicht so doll ist, sie ist auch noch die wirkungsvollste "Pfefferspraykanone" der Regierung gegen die armen Leute.
" Alle HartzIV-Empfänger sollten von der Leyen einen Brief schreiben."
Sie hat ja ein großes Budget für PR. Dann aber bitte mit dem Vermerk " Porto zahlt der Empfänger".
was das jetzt wieder kostet...
Das Geld hätte man für was Sinvolles ausgeben können, wenn man frühzeitig angefangen hätte, die Vorderungen des BVGs umzusetzen.
Ich halte die Verfahrensweise des Anschreibens für wenig effektiv. Die Leistungsanspruchsberechtigten sollten nebst der Kinder entweder in ihre Arbeitsagentur einbestellt oder vor Ort, also in der Wohnung, die jeweilige Sinnhaftigkeit zusätzlicher (!) Leistungen (wie des "Bildungspakets" oder einzelner Modules desselben) geprüft werden.
Damit wären die sprichwörtlichen "zwei Fliegen mit einer Klatsche" geschlagen: 1. ließe sich durch den Hausbesuch seitens des Fallmanager ein unmittelbarer Eindruck des familiären Umfeldes erzielen, und 2. könnte eine Menge "Papierkrieg" vermieden werden, wenn von der Beantragung von Leistungsansprüchen, die zwar rein rechtlich zu gewähren wären, aber im konkreten Fall gar keinen inhaltlichen Sinn machen würden, von vornherein abgeraten würde.
Warum schlagen Sie nicht gleich vor, daß sich alle betroffenen HartzIV-Empfänger zu einem festzulegten Zeitpunkt auf dem Rathausmarkt ihrer jeweiligen Heimatgemeinde einzufinden haben, um dann im Sinne des "Gemeinwohls" auf ihre "Nützlichkeit" für den "Volkskörper" überprüft zu werden?
Um diese Aktion zu einem Erfolg werden zu lassen, und nicht an "Personalmangel" scheitern zu lassen, sollten "rechtschaffende, fleissige, und vor allem "moralisch einwandfreie" Bürger" freiwillig die "Überwachung und Überprüfung der Versammelten übernehmen.
Um bei dieser Prüfung durchzufallen und von der Menge geteert, gefedert und anschließend vertrieben oder "entsorgt" zu werden, langt das einfache Vorurteil, die simple Denuntiation oder das "gesunde Rechtsempfinden" der Freiwilligen aus. Eventuell doch auftretende "Verfehlungen" werden rechtsstaatlich nicht verfolgt.
Mit strammen, stolzen Grüssen
biggerB
Warum schlagen Sie nicht gleich vor, daß sich alle betroffenen HartzIV-Empfänger zu einem festzulegten Zeitpunkt auf dem Rathausmarkt ihrer jeweiligen Heimatgemeinde einzufinden haben, um dann im Sinne des "Gemeinwohls" auf ihre "Nützlichkeit" für den "Volkskörper" überprüft zu werden?
Um diese Aktion zu einem Erfolg werden zu lassen, und nicht an "Personalmangel" scheitern zu lassen, sollten "rechtschaffende, fleissige, und vor allem "moralisch einwandfreie" Bürger" freiwillig die "Überwachung und Überprüfung der Versammelten übernehmen.
Um bei dieser Prüfung durchzufallen und von der Menge geteert, gefedert und anschließend vertrieben oder "entsorgt" zu werden, langt das einfache Vorurteil, die simple Denuntiation oder das "gesunde Rechtsempfinden" der Freiwilligen aus. Eventuell doch auftretende "Verfehlungen" werden rechtsstaatlich nicht verfolgt.
Mit strammen, stolzen Grüssen
biggerB
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Bemerkungen. Danke. Die Redaktion/wg
Es ist einfach typisch für vdL: Alles, was sie anfässt, ist handwerklicher und inhaltlicher Pfusch. Sie kann in ihrer bundespolitischen Laufbahn kein einziges erfolgreiches Projekt melden. Und über ihr letztes Erbe (Zugangserschwernisgesetz) zankt sich die Regierung noch immer.
..wenn Ulla vdL den armen Menschen im Land mal nen netten Brief schreibt, in dem sie ihnen noch einmal erklärt wie sehr sie, die liebe Ulla sich für die armen Familien eingesetzt hat. 10 Euro fürn Sport- oder Kulturverein und ne Klassenfahrt; hat Sie extra durchgesetzt, die Ulla - gegen all die Widerstände in der Regierung. Die Menschen können dann mit Brief und Antrag zu ihrem ARGE-Betreuer und sagen: "Die Ulla hat mir geschrieben, ich bekomm jetzt was extra!" Das ist doch super!... Und der ARGE-Sachverwalter antwortet dann in etwa: "Oh - stimmt ja.Hätten wir beinahe vergessen. Bekommen Sie sofort - tut uns leid. Zum Glück hat Frau von der Leyen sie nochmal angeschrieben.."
Und vielleicht, ja ganz vielleicht, erinnert sich ja wer an den Brief von der netten Ulla vdL und ihrer Partei, wenn er mal wieder irgendwo nen Kreuz machen darf..
Ja, es war schon immer ein Kernpunkt der Politik und des Charakters von vdL, niemals Korrekturen am eingeschlagenen Weg zuzulassen, egal auf welch tönernen Füßen dieser stehen mag und auch unabhängig davon, ob dieser entgegen den Bedingungen der Realität steht. Siehe die teils demagogischen Reden aus dem Jahr 2009 zu den Internetsperren.
... ist nicht nur selbstverliebt und nimmt sich selber zwar besonders wichtig, wobei ihre Problemübersicht nicht so doll ist, sie ist auch noch die wirkungsvollste "Pfefferspraykanone" der Regierung gegen die armen Leute.
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