ZEIT ONLINE: Frau Robinson, Sie sind Vorsitzende der britischen Republikaner und wollen die Monarchie abschaffen. Mit welchen Gefühlen denken Sie an den Hochzeitstag morgen?

Emily Robinson: Ehrlich gesagt freue ich mich. Wir organisieren ein großes Straßenfest mit Flaggen, Spielen für Kinder und britischem Essen. Wir werden ignorieren, was in Westminster Abbey passiert und feiern stattdessen die Demokratie.

ZEIT ONLINE: Ist es nicht komisch, wenn Republikaner am Tag der königlichen Hochzeit auch feiern?

Robinson: Nein. In der Vergangenheit haben sich Republikaner an solchen Angelegenheiten immer sehr still verhalten. Bei der Hochzeit von Prince Charles und Diana sind sie mit einer Fähre nach Frankreich gefahren. Wir wollen sichtbar sein und darauf aufmerksam machen, dass hier ein großes PR Spektakel für das Königshaus stattfindet. Wir wollen andere einladen, sich bei unserem Fest als Republikaner zu outen.

ZEIT ONLINE: Zu outen?

Robinson: Ja, genau. Wenn man gegen die königliche Familie ist, spricht man darüber vielleicht mit seinen Freunden, aber nicht öffentlich. Wir von Republic hören immer wieder von Politikern, dass sie zwar unsere Ansichten teilen, aber das nicht laut sagen würden. Sie haben Angst, Wählerstimmen zu verlieren.

ZEIT ONLINE:  Wir groß ist die republikanische Bewegung denn?

Robinson: Seit Prince William und Kate Middleton ihre Verlobung im November bekannt gegeben haben, hat sich die Zahl unserer Unterstützer auf 14.000 verdoppelt.

ZEIT ONLINE: Laut Umfragen wollen 70 Prozent der Briten die Monarchie aber behalten.

Robinson: Ich glaube, die meisten sind da eher gleichgültig. Unter den Jüngeren finden 37 Prozent, dass Großbritannien ohne Königshaus besser dran wäre. Wir werden nach der Hochzeit ein Referendum fordern und wenn es erstmal eine politische Debatte gibt, könnten sich die Dinge sehr viel schneller ändern, als man denkt. Außerdem glaube ich, dass sich die Zustimmung vor allem auf die Queen bezieht, wenige wollen Prince Charles als König.

ZEIT ONLINE: Was stört Sie denn an den Windsors? Sie haben eigentlich keinen politischen Einfluss und sind eine Art Soap-Opera für die Nation.

Robinson: Und das ist das Problem: Die Vermischung verfassungsrechtlicher Rolle und Celebrity-Kultur. Die Queen ist unser Staatsoberhaupt, aber sie hat keinen politische Befugnisse, weswegen unser Premierminister sehr viel Macht hat. Und als nationales Symbol taugt sie auch nicht. Ist es nicht ein schreckliches Zeichen, wenn britische Kinder von klein auf lernen, dass sie sich vor bestimmten Leuten verbeugen müssen und ihnen nicht den Rücken zuwenden dürfen? Wir sollten uns als ambitionierte, selbstbewusste Nation geben, anstatt dieses archaische Symbol der Vergangenheit zu feiern.

ZEIT ONLINE: Anhänger der Königsfamilie sagen, sie sei eine " soft power " für Großbritannien, eine kulturelle Macht.

Robinson: Das zeigt wieder, wie wenig Vertrauen wir in uns haben. Denken Sie an Shakespeare, die Beatles, unsere Wissenschaftler! Es kann doch nicht sein, dass diese Familie alles ist, was wir der Welt zu geben haben. Viele Briten sagen: Das Königshaus ist unsere Geschichte. Auf unseren Münzen, unseren Briefmarken sieht man daher das Bild von Queen Elizabeth. Aber unsere Tradition ist viel reicher als das.

ZEIT ONLINE: Warum halten dann so viele Briten an der Monarchie fest?

Robinson: Aus Angst vor dem, was stattdessen kommen könnte. Sehr viele Leute haben mir gesagt, dass sie fürchten, dass einer wie Tony Blair dann Präsident würde. Ich sage dann immer: Wenn ihr das nicht wollt, wird das nicht geschehen, denn er würde ja als Präsident gewählt und abgewählt werden. Bei Prince Charles als König haben wir hingegen keine Wahl. Er könnte Jahrzehnte auf dem Thron sitzen!

ZEIT ONLINE: William und Kate gelten als Hoffnungsträger für eine neue, moderne Monarchie. Kate ist beliebt und ein Vorbild für junge Frauen.

Robinson: Ja, aber nicht, weil sie irgendetwas dafür getan oder gesagt hätte. Wir haben noch nichts von ihr gehört. Vielleicht hätte sie sogar etwas zu sagen, und der Hof gibt ihr dafür nicht den Raum. Kate ist ein Symbol dafür, dass auch eine Bürgerliche in die königliche Familie einheiraten kann. Wenn William König wird, wird sie die Königin an seiner Seite. Aber auch sie kann niemals eigenständig Königin werden.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet ihre Heirat für die nationale Seele?

Robinson: Ich glaube, nicht so viel. Vor Kurzem haben wir eine Umfrage in Auftrag gegeben, 79 Prozent sagten, die Hochzeit sei ihnen egal. Jeder fünfte Londoner verlässt die Stadt, vor Westminster Abbey und Buckingham Palace werden viele Ausländer stehen. Ich glaube, die meisten Briten freuen sich vor allem über das lange Wochenende. Ansonsten ist es ihnen nicht so wichtig, wie der Palast und die Medien uns glauben machen wollen.