Monarchie : "Die Queen taugt nicht als nationales Symbol"

Die Politologin Emily Robinson führt die Monarchiegegner in England an. Im Interview erzählt sie, warum die Beatles das Land besser repräsentieren als Queen Elizabeth.
Queen Elizabeth II auf einem besuch in Cambridge © Chris Radburn - WPA Pool/Getty Images

ZEIT ONLINE: Frau Robinson, Sie sind Vorsitzende der britischen Republikaner und wollen die Monarchie abschaffen. Mit welchen Gefühlen denken Sie an den Hochzeitstag morgen?

Emily Robinson: Ehrlich gesagt freue ich mich. Wir organisieren ein großes Straßenfest mit Flaggen, Spielen für Kinder und britischem Essen. Wir werden ignorieren, was in Westminster Abbey passiert und feiern stattdessen die Demokratie.

ZEIT ONLINE: Ist es nicht komisch, wenn Republikaner am Tag der königlichen Hochzeit auch feiern?

Robinson: Nein. In der Vergangenheit haben sich Republikaner an solchen Angelegenheiten immer sehr still verhalten. Bei der Hochzeit von Prince Charles und Diana sind sie mit einer Fähre nach Frankreich gefahren. Wir wollen sichtbar sein und darauf aufmerksam machen, dass hier ein großes PR Spektakel für das Königshaus stattfindet. Wir wollen andere einladen, sich bei unserem Fest als Republikaner zu outen.

ZEIT ONLINE: Zu outen?

Robinson: Ja, genau. Wenn man gegen die königliche Familie ist, spricht man darüber vielleicht mit seinen Freunden, aber nicht öffentlich. Wir von Republic hören immer wieder von Politikern, dass sie zwar unsere Ansichten teilen, aber das nicht laut sagen würden. Sie haben Angst, Wählerstimmen zu verlieren.

ZEIT ONLINE:  Wir groß ist die republikanische Bewegung denn?

Robinson: Seit Prince William und Kate Middleton ihre Verlobung im November bekannt gegeben haben, hat sich die Zahl unserer Unterstützer auf 14.000 verdoppelt.

ZEIT ONLINE: Laut Umfragen wollen 70 Prozent der Briten die Monarchie aber behalten.

Robinson: Ich glaube, die meisten sind da eher gleichgültig. Unter den Jüngeren finden 37 Prozent, dass Großbritannien ohne Königshaus besser dran wäre. Wir werden nach der Hochzeit ein Referendum fordern und wenn es erstmal eine politische Debatte gibt, könnten sich die Dinge sehr viel schneller ändern, als man denkt. Außerdem glaube ich, dass sich die Zustimmung vor allem auf die Queen bezieht, wenige wollen Prince Charles als König.

ZEIT ONLINE: Was stört Sie denn an den Windsors? Sie haben eigentlich keinen politischen Einfluss und sind eine Art Soap-Opera für die Nation.

Robinson: Und das ist das Problem: Die Vermischung verfassungsrechtlicher Rolle und Celebrity-Kultur. Die Queen ist unser Staatsoberhaupt, aber sie hat keinen politische Befugnisse, weswegen unser Premierminister sehr viel Macht hat. Und als nationales Symbol taugt sie auch nicht. Ist es nicht ein schreckliches Zeichen, wenn britische Kinder von klein auf lernen, dass sie sich vor bestimmten Leuten verbeugen müssen und ihnen nicht den Rücken zuwenden dürfen? Wir sollten uns als ambitionierte, selbstbewusste Nation geben, anstatt dieses archaische Symbol der Vergangenheit zu feiern.

ZEIT ONLINE: Anhänger der Königsfamilie sagen, sie sei eine " soft power " für Großbritannien, eine kulturelle Macht.

Robinson: Das zeigt wieder, wie wenig Vertrauen wir in uns haben. Denken Sie an Shakespeare, die Beatles, unsere Wissenschaftler! Es kann doch nicht sein, dass diese Familie alles ist, was wir der Welt zu geben haben. Viele Briten sagen: Das Königshaus ist unsere Geschichte. Auf unseren Münzen, unseren Briefmarken sieht man daher das Bild von Queen Elizabeth. Aber unsere Tradition ist viel reicher als das.

ZEIT ONLINE: Warum halten dann so viele Briten an der Monarchie fest?

Robinson: Aus Angst vor dem, was stattdessen kommen könnte. Sehr viele Leute haben mir gesagt, dass sie fürchten, dass einer wie Tony Blair dann Präsident würde. Ich sage dann immer: Wenn ihr das nicht wollt, wird das nicht geschehen, denn er würde ja als Präsident gewählt und abgewählt werden. Bei Prince Charles als König haben wir hingegen keine Wahl. Er könnte Jahrzehnte auf dem Thron sitzen!

ZEIT ONLINE: William und Kate gelten als Hoffnungsträger für eine neue, moderne Monarchie. Kate ist beliebt und ein Vorbild für junge Frauen.

Robinson: Ja, aber nicht, weil sie irgendetwas dafür getan oder gesagt hätte. Wir haben noch nichts von ihr gehört. Vielleicht hätte sie sogar etwas zu sagen, und der Hof gibt ihr dafür nicht den Raum. Kate ist ein Symbol dafür, dass auch eine Bürgerliche in die königliche Familie einheiraten kann. Wenn William König wird, wird sie die Königin an seiner Seite. Aber auch sie kann niemals eigenständig Königin werden.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet ihre Heirat für die nationale Seele?

Robinson: Ich glaube, nicht so viel. Vor Kurzem haben wir eine Umfrage in Auftrag gegeben, 79 Prozent sagten, die Hochzeit sei ihnen egal. Jeder fünfte Londoner verlässt die Stadt, vor Westminster Abbey und Buckingham Palace werden viele Ausländer stehen. Ich glaube, die meisten Briten freuen sich vor allem über das lange Wochenende. Ansonsten ist es ihnen nicht so wichtig, wie der Palast und die Medien uns glauben machen wollen.

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Es gibt kein besseres nationales Symbol als die Windsors!

Die feste Überzeugung das man qua Geburt etwas besseres ist, begleitet von Realitätsverlust und Größenwahn, ein ausgesprochen unverkrampftes Verhältnis zum aktuellen Finanzrahmen, sowie die Angewohnheit sich für viel Geld ausgesprochen durchschnittlich zu kleiden..
Die Windsors sind nicht nur ein Symbol für England allein; sie stehen stellvertretend für die gesamte christlich zappendustere Zivilisation.

Besser geeignet wären nur noch Angehörige des Hauses Usher.

Emily who?

Wer bitte ist diese Person?

Großbritannien hatte mehrfach die Möglichkeit die Monarchie abzuschaffen, zuletzt Mitte des 20. Jahrhunderts es wurde nie etwas draus.

Diese "Republikaner" sind eine Gruppe von Menschen, die hoffe in einer Republik besser an Pfründe zu kommen.

Die Debatte gibt es schon seit Jahrzehnten, es gab schonmal eine "TED-Abstimmung", die ging 60/40 für die Monarchie aus.

Was auch immer vergessen wird ist, dass es de facto keine Previligien mehr für die "Royals" gibt, außer einer bestimmten Autofarbe.

Also jedenfalls gibt es kaum noch Privilegien.

Abgesehen von den Almosen mit denen das Königshaus sein kärgliches Dasein finanziert.
"..Im Fiskaljahr 2007/08 betrugen die Einkünfte aus den königlichen Ländereien 211 Millionen Pfund, während die Summe der Zivilliste und der Zuschüsse 40 Millionen Pfund betrug.."
(http://de.wikipedia.org/w...)
Und das Britische Pfund steht ja nicht mehr so gut da wie früher..

Einfach mal in unser GG schauen!

Der Bundespräsdient kann auch den Bundestag auflösen, wenn...

Das ist das selbe in Rot!
Ohne den Premierminister kann sie gar nichts, der bittet sie rein formal das Parlament aufzulösen, er bestimmt über den Wahltermin und alles.

Das selbe gilt für die Dominions, also Canada Australien etc..
Wenn die gewählten Premierminister sie nicht bitten das Parlament aufzulösen, dann macht sie das nicht.

Das ist schon so seit Mitte des 19. Jahrhunderts, Queen Victoria hat das Gesetzt schion früh unterschrieben.

@cvnde

Ach ja? Wenn sie den Monarchen nicht bitten, dann macht er es nicht? Darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass er es auch ohne Bitte *kann*! Klar ist es Usus, dass es nur auf Anraten des Prime Ministers etc. geschickt. Oh, aber Moment mal, wer ernennt denn diesen Untertan? Und den deutschen Bundespräsidenten mit dem unfehlbaren Monarchen von England zu vergleichen, ist ja wohl der Hohn. Lies Dir erstmal durch, was die Monarchie auf der Insel bedeutet, z.B. hier: http://en.wikipedia.org/w... (v.a. der Abschnitt zum "royal prerogative"). Das britische Parlament kann aber mit Gesetzen jedes einzelne dieser Hoheitsrechte abschaffen. Sollten sie mal besser tun. Monarchy sucks big time. Diese Witzfiguren, die sich König oder Königin oder was weiß ich nennen, haben allein aufgrund ihrer Geburt noch längst keinen Respekt verdient.

Wer ernennt den PM?

de facto oder de iure?
De facto wird der PM durch wahl ernnant, er ist der Parteichef, der die Wahlen zum Unterhaus gewinnt.

Diesen wird der Monarch auch ernnent, denn alles andere wäre sinnfrei, denn er braucht eine Mehrheit im Unterhaus.

Das Parlament löst de facto der PM auf, das er sich einen Termin geben lässt bei der Queen ist ein rein formaler Akt.
Auch das Kaffetrinken einmal die Woche ist ein rein zeremonieller Akt, bei dem sich der PM mal "ausweinen " kann wenn er will, denn was da gesprochen wird ist geheimer als die Beichte.

Genauso wie wenn in D. eine "gefakte" Vertrauensfrage abgeht, dann löst der Bundespräsident auch auf, obwohl er es nicht muss nur kann.

Auch wird der Bundeskanzler vom Bundespräsidenten vorgeschlagen und ernnannt. Ebenso alle Minister und Generäle etc..
Kriegen ein paar warme Worte gesagt und eine schicke Urkunde.

Bisschen juristische Methodik lernen, kann nicht schaden,
oder mal googlen "Auslegung von Gesetzestexten".

@cvnde

Verstehe, Du bist Monarchist… oder eine Art quasi-monarchistischer Apologet? Warum Antidemokraten in Schutz nehmen? Wie ein demütiger Untertan? Wie gesagt: der britische Herrscher ist was ganz anderes als der dt. Bundespräsident. Das beginnt schon beim Unterschied zwischen den Rechtssystem, die eher vom Law of Nations (Vattel) ausgehen, und dem British Common Law, wobei letzteres zugegebenermaßen immer mehr kodifiziert wird. (Die USA waren da Vorreiter.) Der britische Herrscher kann einfach so den Prime Minister absetzen, auch *ohne* Beratung des PM das Unterhaus auflösen (auch die Parlamente im Commonwealth, z.B. in Kanada ohne Beratung des königlichen Gouverneurs et al.), kann auch einen anderen PM auswählen als den, der bei der Wahl die Mehrheit erhalten hat. Der Monarch hat viele Möglichkeiten *de jure*, die die Bundespräsident nicht hat. (Vieles davon übrigens noch gar nicht kodifiziert.) Weiterhin herrscht er z.B. über die ungewählte Oligarchenkammer des Oberhauses usw. usf. Scheint mir ein bisschen sehr old-school zu sein. Es wird uns immer so verkauft, als hätte der britische Monarch (und die Lords) politisch nichts mehr zu sagen und zu lenken, und sie seien quasi nur noch Symbole, Winkewinkemännchen, teesaufende alte Greise. Nnnnnnnope. Wenn er wollte, könnte der Monarch im Commonwealth (und in GB nicht zuletzt durch seinen Adel) mit seinen Untertanen (subjects!) noch eine Menge anstellen. Wie riefen die Studenten letztes Jahr? "Off with their heads". Warum nicht?

Sie haben da was nicht verstanden!

Sie debattieren hier theoreetische Rechtskonstruktionen, die wirklichkeitsfremd sind und bar jeder Logik.
Wenn der PM im Unterhaus keiner Mehrheit hat, ob nun eine eigene oder wie im Moment eine "hängende" Mehrheit, via Koalition.

Sie sollten mal an Jellinek denken, von wegen der "normativen Macht des Faktischen" denken.

Aber seien sie beruhigt, es gibt so gar Jura-Profs. vergallopieren sich da mal:
Es war 2001 da wollte Rupert Scholz mit seinen Kenntnissen im Verfassungsrecht glänzen hat dann ein kompliziertes Konstrukt dargelegt, darauf dann Peter Struck (sinngemäss):
Was spielen wir denn jetzt hier, wer hat mehr recht oder wie?
Sie sind Prof., ich bin promoviert, Merz ist gar nichts,

Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass wenn der Deutsche Bundestag beschließt, dass die Trupopen zurück zu holen sind und der Bundeskanzler sich weigert, der noch lange Bundeskanzler ist.

Analog ist das beim PM zu sehen, der braucht eine Mehrheit im HoC sonst kann der x-mal ernannt sein, nur regieren kann er nicht.

Das letzte Mal, dass dieses versucht wurde war unter William IV., damals waren die Mehrheiten noch etwas fragiler als heute, wegen des komplexeren Wahlsystems.

Lord Grey hat hingeschmiessen (Whig) und man bekniete Lord Melbourne (Whig) den Job zu machen. Die Politik gefiel dem König nicht und er entließ ihn, Rober Peel konnte aber keine Mehreit hinkriegen und so musste Neuwahlen stattfinden, Folge Melbourne kam wieder dran.