Der Bundestag hat über die quer durch alle Fraktionen umstrittene Methode der Präimplantationsdiagnostik (PID) diskutiert. Zur Debatte standen drei fraktionsübergreifende Anträge. Dabei geht es um die gesetzliche Regelung der Methode zur Untersuchung künstlich befruchteter Eizellen. Ein Teil der Abgeordneten will die PID begrenzt zulassen, andere verlangen ein Verbot mit Ausnahmen, die dritte Gruppe ein völliges Verbot.

Für die PID warb FDP-Fraktionsvize Ulrike Flach. Dies sei ein "rechtlich sicherer, verlässlicher Weg für Familien in Not." Einer Frau Wissen über den Embryo vorzuenthalten, führe zur Schwangerschaft auf Probe. Flach versicherte, auch die Befürworter öffneten nicht "alle Türen der PID". Geplant seien nur Ausnahmen bei grundsätzlichem Verbot. Diese sollten gelten, wenn Eltern wahrscheinlich wegen einer schweren Erbkrankheit mit einer Tot- oder Fehlgeburt rechnen müssten oder mit einer schweren Erbkrankheit, die später beim Kind ausbreche. "Es ist eine Entscheidung pro Kind genetisch belasteter Eltern", sagte sie. Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU) mahnte, der Gesetzgeber habe die Pflicht, Paaren eine frühe Auflösung innerer Konflikte zu ermöglichen "und nicht das Drama eines Schwangerschaftsabbruchs abzuwarten".

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bekannte, mit sich selbst "gerungen" zu haben. Ein Verbot sei keine höherwertige ethische Haltung. "Das strikte Verbot löst keine der Fragen, die in der Realität ja für die Familien bestehen." SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann sagte: "Viele Betroffene haben eine unvorstellbare Leidensgeschichte hinter sich." Linken-Forschungspolitikerin Petra Sitte verwies auf Eltern, die bereits schwer kranke Kinder haben: Sie wollten weitere Kinder ohne Leid. "Warum sollten wir das nicht respektieren?"

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warnte vor rechtlichen Widersprüchen bei einem Verbot. Im Deutschlandfunk plädierte die Ministerin für eine PID mit engen Grenzen. Es sei nicht geboten Eltern oder Müttern in seelischen Konfliktsituationen eine Untersuchung zu verbieten, wenn sie bei einer weiteren Schwangerschaft noch eine viel schwierigere Situation erlebten. Dadurch könne auch die Gesundheit der Mutter gefährdet werden. "Von daher denke ich, können wir widerspruchsfrei eigentlich nur eine begrenzte Zulassung der PID vertreten", sagte sie.

Für die Verbotsanhänger sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU), der Wunsch nach gesunden Kindern könne nicht das Lebensrecht eines Embryos überspielen. "Lassen Sie uns gemeinsam verhindern, dass Menschen zu Richtern werden über lebenswertes und unlebenswertes Leben." Ein Dammbruch drohe, würde die Methode zugelassen. Die Begehrlichkeit der Forschung nach befruchteten Eizellen sei groß. Grünen-Gesundheitspolitikerin Birgitt Bender warnte vor der Auswahl "passender" Embryonen: "Worum es uns geht, ist diese Option auf Selektion."

Die frühere SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt mahnte, betroffen sei die Würde des Embryos, egal ob er sich nach einer PID weiterentwickeln dürfe oder nicht. "Für mich ist das Prinzip eingeschränkt, dass jedes Leben sich um seiner selbst Willen entwickeln darf." Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) warnte vor Entscheidungen gegen ein Embryo wegen möglicher späterer Krankheit: "Wie ist es mit einer Lebensspanne, die vielleicht 30, 40 Jahre reicht?"

Der FDP-Abgeordnete Pascal Kober sagte: "Aus liberaler Überzeugung sage ich, dass der Staat kein Recht hat, sich selbst oder andere zu ermächtigen, wertende, seien es ab- oder aufwertende Entscheidungen über andere Menschen zu treffen."

SPD-Fraktionsvize Elke Ferner sagte, er wollte nicht, dass sich "Eltern für ein Kind mit Behinderung rechtfertigen müssen." Der behindertenpolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Ilja Seifert, gab zu bedenken: "Wer ein solches Leben hat, für den- oder diejenigen gibt es nichts Wichtigeres."

Für eine "vermittelnde Position", eine Zulassung in sehr engen Grenzen, warb SPD-Forschungsexperte René Röspel. "Wir stellen nicht die Frage: Darf ein Leben gelebt werden? Sondern wir stellen die Frage: Kann ein Leben gelebt werden." Nur Menschen mit klarer Veranlagung für eine Fehl- oder Totgeburt sollten die PID durchführen lassen dürfen. Es sei nicht so, dass Abbrüche dadurch vermieden werden, mahnte die Grünen-Politikerin Priska Hinz, die für diesen Weg warb. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil appellierte an Röspel und Hinz, sich mit der Gruppe um die FDP-Politikerin Flach zusammenzutun, "bevor es zu einem absoluten Verbot in Deutschland kommt".

Knapp 180 der 620 Abgeordneten haben noch bei keinem der drei Entwürfe unterschrieben. Die meisten Unterstützer, insgesamt 215, zählt bisher die Initiative zur Zulassung, dicht gefolgt von der pro Verbot. Derzeit darf die PID nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes vom Juni 2010 angewandt werden. Zuvor war es allgemeine Auffassung, solche Gentests seien nicht erlaubt, auch wenn sie nicht im strengen deutschen Embryonenschutzgesetz von 1991 erwähnt werden.