Atempause für die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin: Die Heidelberger Staatsanwaltschaft wird wegen der Plagiatsvorwürfe nicht gegen sie ermitteln. Die Veröffentlichung der Dissertation liege mehr als fünf Jahre zurück, ein möglicher Verstoß gegen das Urheberrecht sei verjährt, teilte die Behörde mit.

"Nach dem Ergebnis der Überprüfung kann es dahingestellt bleiben, ob die im Internet erhobenen Plagiatsvorwürfe zutreffen und ob diese gegebenenfalls strafrechtlich relevant wären", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Politisch gerät Koch-Mehrin, die bisher eisern zu den Vorwürfen geschwiegen hat, allerdings zunehmend unter Druck.

Die SPD verlangt von ihr umgehend eine Stellungnahme. "Ihr Schweigen gibt Rätsel auf", sagte der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy. "Ich verstehe nicht, wie sie die Untersuchung der Heidelberger Universität abwarten kann. Sie muss doch wissen, ob sie abgeschrieben hat oder nicht." So aber könne ein ausbleibendes Dementi als Eingeständnis durch Schweigen gewertet werden, sagte Edathy.

Die Universität Heidelberg, bei der die Vize-Präsidentin des Europaparlaments promoviert hat, prüft die Vorwürfe noch. Spätestens Ende Mai soll das Ergebnis des Promotionsausschusses vorliegen.

Die FDP-Führung hält sich bisher bedeckt, es gibt aber kein öffentliches Abrücken von der Vizepräsidentin des Europaparlaments. Die Opposition kritisiert, Koch-Mehrin wolle das Thema aussitzen, nachdem Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auch wegen seiner öffentlichen Äußerungen zu den Plagiatsvorwürfen bei seiner Doktorarbeit immer stärker unter Druck geraten war.

Vor gut einer Woche begannen Plagiatsjäger im Internet die Doktorarbeit von Koch-Mehrin ins Visier zu nehmen – und fanden zahlreiche Textpassagen aus anderen Arbeiten. Die anonymen Überprüfer der Internet-Plattform VroniPlag Wiki kommen zu dem Ergebnis: "In der untersuchten Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht oder nicht hinreichend als Zitat gekennzeichnet wurden."

Weiter heißt es in dem im Netz veröffentlichten Bericht: "Die zahlreichen textuellen Anpassungen der Plagiate sowie die Tatsache, dass Plagiate über die gesamte Dissertation hinweg zu finden sind, lassen darauf schließen, dass die Textübernahmen kein Versehen waren, sondern bewusst getätigt wurden." Dem Bericht zufolge sind bislang auf 56 von 201 Textseiten Plagiatstellen nachgewiesen.  Bei den angeblich kopierten Quellen handele "es sich auffallend häufig um Artikel aus Handbüchern der Wirtschaftswissenschaft und der Wirtschafts- und Sozialgeschichte". Der Münchner Plagiatsexperte Volker Rieble hält den Entzug des Doktortitels für möglich.

Koch-Mehrin hatte ihre Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" bei der Uni Heidelberg eingereicht und 2001 in einem renommierten Verlag veröffentlicht.