ZEIT ONLINE: Herr Schmiedel, Sie haben den Grünen ein Ultimatum gestellt: Wenn bis zum Mittwoch kein plausibler Vorschlag zu Stuttgart 21 vorliegt, wird nicht weiter verhandelt. Sind Sie wirklich bereit, die Koalition wegen des Bahnhofs aufs Spiel zu setzen?

Claus Schmiedel: Ich habe überhaupt kein Ultimatum gestellt. Wir sind uns klar mit den Grünen, dass wir die Punkte, bei denen wir wirklich auseinander liegen, jetzt klären wollen – und zwar im Detail. Denn das muss jetzt geschehen, nicht erst dann, wenn wir an der Regierung sind. Gerade da, wo wir auseinander liegen, muss man sehr präzise formulieren, damit es später keinen Streit über unterschiedliche Auslegungen gibt.

ZEIT ONLINE : Im Moment wird heftig über den Volksentscheid gestritten. Die Grünen wollen ihn nur, wenn die Bahn den Stresstest besteht . Sie wollen ihn in jedem Fall. Warum?

Schmiedel: Wenn die Bahn nach dem Stresstest das Projekt von sich aus beerdigen sollte, werden wir natürlich keine Abstimmung mehr darüber machen. Aber wir erwarten nicht, dass die Bahn das Projekt stoppt. Wir haben Verträge mit der Bahn. Die beinhalten eine finanzielle Beteiligung des Landes an einem Projekt, das eine Größenordnung von 4,5 Milliarden Euro hat. Über diese Landesbeteiligung soll eine Volksabstimmung stattfinden.

ZEIT ONLINE: Aber diese Bedingung stellen die Grünen doch auch, wo liegt dann überhaupt der Dissens?

Schmiedel: Die Grünen behaupten, Stuttgart 21 könne nicht funktionieren. Die wissen das angeblich jetzt schon. Wir sind da ganz gelassen und warten erst einmal den Stresstest ab. Wenn der ergibt, dass die Bahn mit Stuttgart 21 einen zusätzlichen Verkehr von 30 Prozent abwickeln kann, dann gibt es eine Abstimmung über die finanzielle Beteiligung des Landes. Mit den Grünen reden wir jetzt über die Durchführung der Volksabstimmung. Damit wollen wir verhindern, dass später die Frage, was nach dem Stresstest geschieht, die Regierung auseinander treibt. Ein solcher Streit würde doch alles überschatten: Bildungspolitik, Umweltpolitik, Energiepolitik, die wir ja gemeinsam auf den Weg bringen wollen. Und das würde die große Aufbruchstimmung, die die neue Koalition in Baden-Württemberg trägt, sofort zerstören.