Thomas de Maizière Merkels Mann für schwierige Fälle
Er war lange genug der Ausputzer. Beim Antrittsbesuch in New York zeigt Thomas de Maizière, dass er mehr will, als immer nur Trümmer zu beseitigen.
Natürlich hat einer gefragt, ob er sich mal kurz auf den Times Square stellen könne. "Ich weiß gar nicht, warum Sie das von mir wissen wollen", hat Thomas de Maizière in das Reportermikrofon gesagt. Das ist eine glatte Schwindelei. Aber schon weil um de Maizières Mundwinkel dabei dieses spitzbübische Lächeln aufblitzt, kann man sie ihm nicht krummnehmen.
Auf dem Times Square, der berühmtesten Straßenkreuzung New Yorks, hat sich sein Vorgänger einmal fotografieren lassen. Das Bild des Karl-Theodor zu Guttenberg mit ausgebreiteten Händen und übermütigem Was-kostet-die-Welt-Lachen war der Beginn einer glamourösen Karriere. Thomas de Maizière muss die Trümmer zusammenfügen, die das jähe Ende dieser Karriere hinterlassen hat. Er hat nicht vor, dabei an Guttenberg mehr als nötig anzuknüpfen. Schon gar nicht, was den Glamour angeht.
Am Mittwochmittag steht der neue Verteidigungsminister statt am Times Square also auf dem Bürgersteig vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen. Es geht schon wieder um Trümmer. Für die hat diesmal Guido Westerwelle gesorgt, gemeinsam mit Angela Merkel. Die deutsche Enthaltung bei der Libyen-Abstimmung im Sicherheitsrat schlägt immer noch Wellen. Von Isolation in der Weltgemeinschaft, im Nato-Bündnis ist die Rede. Treue Verbündete haben kopfschüttelnd die Frage aufgeworfen, wieso die Deutschen überhaupt in den Sicherheitsrat gedrängt haben, wenn sie sich dann vor Entscheidungen drücken. Der Schaden ist beträchtlich.
De Maizière hat sich vorgenommen, seinen Antrittsbesuch in Amerika trotzdem nicht als Bußprozession erscheinen zu lassen. Das ist, er weiß das, nicht einfach. Der Antrittsbesuch beim wichtigsten Verbündeten ist Routine für jeden Neuen im Bendlerblock. Aber er kommt kaum zur Routine. Ständig wird er gefragt nach der peinlichen Angelegenheit. Mit stoischer Miene antwortet er ein ums andere Mal, dass die Debatte jetzt lange genug gedauert habe und er jedenfalls nichts tun wolle, um sie zu verlängern.
Immerhin hat ihm UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Gefallen getan, über den Vorgang diplomatisch hinwegzugehen. "Über den Nahen Osten haben wir nicht ausführlich gesprochen", sagt de Maizière, und dass das auch ganz natürlich sei, weil die Weltgemeinschaft in Sachen Libyen derzeit vom deutschen Verteidigungsminister nichts wolle.
Erst ganz zum Schluss, die Kameras sind schon abgeschaltet, kommt noch ein letzter Satz. Auf beiläufige letzte Sätze muss man bei de Maizière achten. Sie reißen oft die Wolken des Preußisch-Korrekten auf und geben kurz den Blick auf den Mann dahinter frei. "Ich bin hier nicht der Außenminister", heißt der letzte Satz diesmal. Soll sich doch der die Prügel abholen, der die Trümmer angerichtet hat. Auch an den möchte de Maizière nicht anknüpfen.
Überhaupt kann man in diesen Tagen ganz gut auf den Gedanken kommen, dass dieser Thomas de Maizière gerade sachte, aber zielstrebig an seiner politischen Emanzipation arbeitet. Er ist jetzt lange genug der Ausputzer gewesen, Angela Merkels Mann für schwierige Fälle. Die beiden kennen sich seit den letzten Tagen der DDR. Der Beamte de Maizière kam aus Westberlin als Berater in die Regierung seines entfernten Cousins Lothar, Merkel kam aus dem Osten als Vizeregierungssprecherin. Beide reden kaum über diese frühe Zeit; aber beide müssen schnell erkannt haben, dass sie eine ähnliche Idee von Politik haben als einem Geschäft, das zunächst mal mit der pragmatischen Lösung praktischer Probleme befasst ist und nicht mit Visionen.
Merkel machte dann West-Karriere und de Maizière leitete Staatskanzleien und Ministerien in Ost-Bundesländern. Der Kontakt blieb. Als die Kanzlerin der großen Koalition einen Chef fürs Kanzleramt brauchte, rief sie den alten Vertrauten in Dresden an.
De Maizière hielt, was sie sich von ihm versprochen hatte. Dass das Bündnis mit der SPD trotz aller Schwierigkeiten funktionierte, dass das Kabinett fast bis zum letzten Wahlkampftag ein Ort des Vertrauens blieb, hatte viel mit dem unauffälligen Problemlöser im Kanzleramt zu tun. Seither gilt der heute 57-Jährige bei Merkel als der Einzige in ihrer Truppe, der im Zweifel alles kann. Dass der Innenminister das Finanzministerium übernommen hätte, wenn Wolfgang Schäuble nicht mehr gekonnt hätte – keine Frage. Dass er das Verteidigungsministerium übernahm, als Guttenberg kapitulierte – keine Frage. Wer sonst sollte die Trümmer zusammenfegen können? "Das Konzept der Reform steht", hatte Guttenberg in seiner Rücktrittserklärung behauptet. Es war der letzte Versuch, das strahlende Bild vom Times Square für die Nachwelt zu retten.
De Maizière hat die Behauptung gar nicht erst geglaubt, sondern Guttenberg zum Abschied ein paar bedenkenswerte Worte über die Vergänglichkeit des Ruhms gesagt und anschließend dessen Staatssekretär Walther Otremba rausgeworfen. Jetzt leitet sein eigener Vertrauter Stéphane Beemelmans die Trümmerarbeit. Alle anderen im neuen Haus hat er gewohnt knapp wissen lassen, dass er Loyalität schätzt, sofern sie erwidert wird.
- Datum 29.04.2011 - 11:25 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Wenn er es will, kann er Bundeskanzler werden.
Er repräsentiert deutsche 'Elite' in sehr positivem Sinne, dagegen sind Guttenberg, Westerwelle etc. unterste Gosse.
Ich würde CDU wählen, allein wegen seiner Kanzlerkandidatur.
Ja, Herr de Maizière strahlt viel Kompetenz aus und scheint seine Sache ziemlich gut zu machen. Auch wenn ich den werten Herrn schätze, ist das kein Grund, die CDU zu wählen. Das diese Partei gerade sehr rummurkst, wird auch beim Bundesminister seine Spuren hinterlassen. Der Artikel spricht darüber, dass er als eine "Auräumer" Merkels fungiert. Daher muss er sich aus dieser Rolle befreien und neue, eigene Akzente setzen, um sich an der Spitze deutlich profilieren zu können. Dann stünde ihm sicher der Weg zum Kanzleramt offen...
Wie das Karusell sich dreht!
Innerhalb von 6 Wochen: nach dem charismatischen Supertalent Guttenberg, dem bescheidenen "Klare-Kanten"-Steinbrück entpuppt sich plötzlich der in die Bresche geschickte neue Verteidigungsminister sogar als bislang verkanntes politisches Genie!
Immerhin, so hieß es bislang überdeutlich aus dem Dunstkreis der Großen Vorsitzende der CDU:
Die Alternative zur Kanzlerin wäre nur Angela Merkel - wegen Personalmangels.
Schön, dass Herr Birnbaum da evtl. eine neue Perspektive aufgezeigt hat.
Mal sehen, was die Medien nun draus machen.
Ja, Herr de Maizière strahlt viel Kompetenz aus und scheint seine Sache ziemlich gut zu machen. Auch wenn ich den werten Herrn schätze, ist das kein Grund, die CDU zu wählen. Das diese Partei gerade sehr rummurkst, wird auch beim Bundesminister seine Spuren hinterlassen. Der Artikel spricht darüber, dass er als eine "Auräumer" Merkels fungiert. Daher muss er sich aus dieser Rolle befreien und neue, eigene Akzente setzen, um sich an der Spitze deutlich profilieren zu können. Dann stünde ihm sicher der Weg zum Kanzleramt offen...
Wie das Karusell sich dreht!
Innerhalb von 6 Wochen: nach dem charismatischen Supertalent Guttenberg, dem bescheidenen "Klare-Kanten"-Steinbrück entpuppt sich plötzlich der in die Bresche geschickte neue Verteidigungsminister sogar als bislang verkanntes politisches Genie!
Immerhin, so hieß es bislang überdeutlich aus dem Dunstkreis der Großen Vorsitzende der CDU:
Die Alternative zur Kanzlerin wäre nur Angela Merkel - wegen Personalmangels.
Schön, dass Herr Birnbaum da evtl. eine neue Perspektive aufgezeigt hat.
Mal sehen, was die Medien nun draus machen.
Habe noch nie in meinem Leben die CDU gewählt... aber dieser Mann ist einfach herrlich :)
Ogott, dann scheinst Du Politik nicht ganz verstanden zu haben...
Im Falle des Niedergangs der gegenwärtigen Regierung erkennt man ja, dass Koalitionäre auch Regierungen vernichten können. Einzelne vermögen derzeit parlamentarisch nichts, wenn andere alles zu Fall bringen (bspw. Westerwelle, Sarrazin, Guttenberg, die Führungsdebatten bei den Linken). Auf den Parteikonsens kommt es an - und da spielen nun einmal die Grünen eine großartige Rolle. Abzuwarten belibt natürlich die Enwticklung in BaWü.
Frag` mal Frau Merkel, wer ihr nachts im Traum begegnet...
Ja, Herr de Maizière strahlt viel Kompetenz aus und scheint seine Sache ziemlich gut zu machen. Auch wenn ich den werten Herrn schätze, ist das kein Grund, die CDU zu wählen. Das diese Partei gerade sehr rummurkst, wird auch beim Bundesminister seine Spuren hinterlassen. Der Artikel spricht darüber, dass er als eine "Auräumer" Merkels fungiert. Daher muss er sich aus dieser Rolle befreien und neue, eigene Akzente setzen, um sich an der Spitze deutlich profilieren zu können. Dann stünde ihm sicher der Weg zum Kanzleramt offen...
De Maizière in den USA und bei Gates?
Jetzt ist er der Minister einer von Guttenberg und Merkel kastrierten Bundeswehr,
die nur noch 185.000 alte Beamte und Berufssoldaten hat, die ohne geeignetes Material bei Luftwaffe und Reaktionskräften nicht einsetzbar sind und nur mit den alten Schiffen der Bundesmarine Flagge heute zeigen kann und zum Tee mit den Piraten Somalias auf Kreuzfahrt geht.
Als Guttenberg vor einem Jahr die USA betrat, hatte die Bundeswehr noch 252.000 Mann mit 8.000 Soldaten -netto- im Auslandseinsatz, das läßt der scheidende Gates dem de Maizière und Deutschland bestimmt nicht durchgehen und deshalb wenig Respekt erfahren.
Egal, er ist der Knecht seiner Meisterin und Ehre wem Ehre gebührt.
Wie das Karusell sich dreht!
Innerhalb von 6 Wochen: nach dem charismatischen Supertalent Guttenberg, dem bescheidenen "Klare-Kanten"-Steinbrück entpuppt sich plötzlich der in die Bresche geschickte neue Verteidigungsminister sogar als bislang verkanntes politisches Genie!
Immerhin, so hieß es bislang überdeutlich aus dem Dunstkreis der Großen Vorsitzende der CDU:
Die Alternative zur Kanzlerin wäre nur Angela Merkel - wegen Personalmangels.
Schön, dass Herr Birnbaum da evtl. eine neue Perspektive aufgezeigt hat.
Mal sehen, was die Medien nun draus machen.
....getan, über den Vorgang diplomatisch hinwegzugehen. "Über den Nahen Osten haben wir nicht ausführlich gesprochen""
Eher war das ein vergifteter Becher, den man dem Deutschen reichte. Mit einem Mitglied des Sicherheitsrats eine der wichtigsten Themen (erste Präzedenz von R2P) und das wahrscheinlich grösste Problem, das die UNO aktuell auf dem Teller hat nicht anzusprechen ist ein massiver Vorwurf und die Aussage es lohne nicht mit den Deutschen zu sprechen, das sie irrelevant sind.
Vielleicht sollte sich mal ein Minister trauen, das Kind beim Namen zu nennen: Der Libyeneinsatz dient ausschließlich der Sicherung der Ölinteressen der USA, GB und Frankreich und ist in der jetzigen Form völkerrechtlich mehr als bedenklich.
Er sollte lediglich (in einem souveränen Staat...) ein Flugverbot durchgesetzt werden, das ist längst erledigt und der Einsatz geht trotzdem weiter - man könnte mittlerweile wie im Irak also von einem Angriffskrieg sprechen.
Warum sollte sich Deutschland daran beteiligen und wie wollten die Alierten ihren Druck auf Deutschland eigentlich rechtfertigen?
Lässt man ethische und völkerrechtliche Aspekte mal ganz weg, sind ja nicht einmal am Geschäft beteiligt und zahlen trotzdem für diesen Wahnsinn.
Liest man die internationale Presse, scheinen eh nur die Deutschen (und vornehmlich die deutsche Presse) mit der Enthaltung ein wirkliches Problem zu haben.
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