Atomausstieg E.on will gegen Brennelementesteuer klagen

Der größte deutsche Kernkraftbetreiber will dagegen klagen, dass die Regierung an der Brennelementesteuer festhält. Auch wenn der Atomausstieg nun besiegelt ist.

Der Energiekonzern E.on will gegen die Beibehaltung der Kernbrennstoffsteuer klagen. Das kündigte das Unternehmen in Düsseldorf an. Die Regierungskoalition hatte in der Nacht zu Montag beschlossen, an der Steuer trotz des auf 2022 vorgezogenen Atomausstiegs festzuhalten. "Die Beibehaltung der Steuer bei deutlich reduzierten Laufzeiten wirft zusätzliche Rechtsprobleme auf", teilte das Unternehmen mit.

Der Konzern begründete sein Vorgehen mit dem Argument, durch den früheren Ausstieg aus der Kernenergie entstünden dem Unternehmen Vermögensschäden in Milliardenhöhe. Schon aus aktienrechtlichen Gründen und zum Schutze seiner über 500.000 Kleinanleger dürfe E.on solche Vermögensschäden nicht hinnehmen. Der Konzern erkenne zwar den politischen Mehrheitswillen zum früheren Ausstieg an, hieß es weiter. Gleichzeitig erwarte das Unternehmen aber "den gebotenen Ausgleich". E.on habe im Vertrauen auf die im Herbst beschlossenen Laufzeitverlängerungen Investitionsentscheidungen in erheblichem Umfang getroffen.

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Laufzeit

Die meisten Meiler sollen bis 2021 vom Netz, drei AKW sollen bei Bedarf bis 2022 Strom produzieren. Sie sind eine Art Sicherheitspuffer, falls es mit der Energiewende nicht schnell genug vorangeht. Die sieben ältesten Meiler und das AKW Krümmel werden stillgelegt. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist nach Angaben der Koalition unumkehrbar. Es soll keine Revisionsklausel geben.

Standby

Zwar sollen acht AKW stillgelegt werden, aber ein Kraftwerk soll bis 2013 als stille Reserve im Standby-Modus vorgehalten werden. Zeichnen sich Engpässe ab, könnte der Meiler wieder Strom produzieren. Die Kosten für eine stille Reserve könnten bis zu 50 Millionen Euro pro Jahr betragen. Im Gespräch sind Philippsburg I oder Biblis B. Entscheiden soll die Netzagentur.

An trüben, kalten Wintertagen gibt es kaum Solarstrom. Da die EU-Nachbarn ihren Strom selbst brauchen, fehlen Importe, um Engpässe abzufedern. Laut Bundesnetzagentur könnten im Süden Deutschlands bis zu 1.000 Megawatt fehlen, das entspricht in etwa der Leistung eines AKW.

Reststrom

Jeder Meiler bekommt eine bestimmte Menge Strom zugebilligt, die er noch produzieren darf. Zugleich wird die Betriebszeit auf 32 Jahre begrenzt. Bis dahin muss der zugestandene Strom produziert sein.

Von dem Meiler Krümmel und dem früher schon vom Netz gegangenen AKW Mülheim-Kärlich dürfen Reststrommengen auf andere Anlagen übertragen werden. Das führt dazu, dass fast alle verbliebenen AKW bis etwa 2020 laufen und es dann bis 2021/2022 zu einer Ballung von Abschaltungen kommen dürfte. Sind nicht alle zugewiesenen Mengen bis zum Abschaltdatum genutzt, verfallen sie. Dagegen kann möglicherweise geklagt werden.

Endlager

Das mögliche Endlager in Gorleben soll weiter erkundet werden. Darüber hinaus vereinbarte die Koalition, dass allgemeine geologische Eignungskriterien festgelegt und "mögliche alternative Entsorgungsoptionen" geprüft werden.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) plädiert zudem für einen Neustart, alle geologischen Aspekte sollen noch einmal überprüft werden. Vor allem im Norden und in Süddeutschland gibt es mögliche Salz-, Ton- und Granitformationen.

Gebäude

Das auslaufende Programm für Gebäudesanierungen wird wieder belebt und ausgebaut: Ab 2012 sollen jährlich 1,5 Milliarden Euro aufgebracht werden, um die Zinsen für Kredite der staatlichen KfW-Bank zu senken. Zusätzlich sollen Dämmung und Modernisierung der Gebäude steuerlich besser abgeschrieben werden können. Dies kostet den Staat wohl im ersten Jahr weitere 150 Millionen Euro, Tendenz stark steigend.

Die Brennelementesteuer war vor einem Jahr als Teil des Sparpakets der Regierung beschlossen worden, obwohl die Atomkonzerne schon damals rebellierten. Sie sehen die neue Abgabe als einseitige Diskriminierung ihrer Branche im Energiesektor. Die Steuer sollte ursprünglich 2,3 Milliarden Euro pro Jahr bringen. Durch die Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke und des Meilers Krümmel wird das Aufkommen auf etwa 1,3 Milliarden Euro sinken.

E.on-Vorstandschef Johannes Teyssen hatte in den vergangenen Wochen mehrfach angekündigt, er werde Klage gegen die Brennelementsteuer einreichen, sofern sie nicht abgeschafft werde, wenn die Laufzeitverlängerung zurückgenommen würde. E.on habe die Abgabe im Zusammenhang dieser Verlängerung schon aus verfassungsrechtlichen Gründen für rechtswidrig gehalten. Die Steuer sei zudem kontraproduktiv, "weil sie Milliardensummen abschöpft, die nicht mehr für Investitionen in den Umbau des Energiesystems zur Verfügung stehen werden", hieß es in der Erklärung.

Im Gegensatz zu E.on zögert Deutschlands drittgrößer Versorger EnBW noch mit einer Entscheidung über eine Klage gegen die umstrittene Brennelementesteuer. "Diese Frage stellt sich derzeit nicht", sagte ein Unternehmenssprecher in Karlsruhe. "Wir warten den Steuerbescheid ab."

EnBW unterzieht derzeit den Atomreaktorblock Philippsburg II einer Revision, in deren Rahmen in der Regel auch neue Brennelemente eingebaut werden. Beim Wiederanfahren des Atommeilers wird die von der Bundesregierung im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer fällig. Die Revisionsarbeiten sollen in den kommenden Wochen beendet sein.

RWE hält sich noch zurück und spricht von juristischen Optionen, die man sich offenhalte. Macht die Bundesregierung aber keine Zugeständnisse mehr, wird sich auch RWE wohl nicht lange bitten lassen. Immerhin hat Konzern-Chef Jürgen Großmann schon gegen die vorübergehende Stilllegung von Biblis A im Zuge des Atommoratoriums Klage eingereicht. Er habe mit dem Schritt die Wahrung der Aktionärsinteressen sicherstellen wollen, hatte Großmann argumentiert. Dem Konzern entgehe mit jedem Tag Stillstand eine Million Euro an Einnahmen.

Viel zu verschenken haben die Energieversorger nicht. RWE will angesichts einer erwarteten Durststrecke bis 2013 das Investitionsbudget von 21 auf 18 Milliarden Euro kürzen, voraussichtlich zulasten des Kraftwerkbaus. Alle laufenden Projekte sollen aber ans Netz gebracht werden, europaweit 10.000 Megawatt. Ein 2100-Megawatt-Braunkohlekraftwerk und ein Steinkohlekraftwerk mit 1530 Megawatt sollen in Deutschland für Stromnachschub sorgen.

 
Leser-Kommentare
  1. Da lohnt es sich, noch einmal im Geheimvertrag nachzulesen:

    "Minderung des Förderbeitrags: Der Förderbeitrag mindert sich für das laufende und für künftige Jahre, (i) wenn insgesamt oder für das jeweilige KKW (a) Bestimmungen zur Laufzeitverlängerung und zur Übertragbarkeit von Elektrizitätsmengen abweichend von der gem. Anlage B. vorgesehenen Fassung geregelt, verkürzt, verändert, unwirksam oder aufgehoben werden oder in sonstiger Weise entfallen oder (b) ab dem 6.September 2010 gestellte Nachrüstungs- oder Sicherheitsanforderungen einen Gesamtbetrag von 500Mio. € für das betreffende KKW überschreiten, [...]"

    "Wirksamkeit des Vertrags steht unter folgenden Bedingung:
    -Bestimmungen zur Laufzeitverlängerung und Übertragbarkeit von Elektrizitätsmengen sind in der gem. Anlage B vorgesehenen Fassung in Kraft getreten.[...]"

    Quelle:
    http://www.greenpeace.de/...

  2. Ich bin recht froh das die Atomindustrie einfältig genug ist um zu klagen. Schwarzgelb hatte der Atomindustrie ein riesiges Hintertürchen offen gelassen (siehe http://www.zeit.de/wirtsc... ), welches man jetzt wird schließen müssen, um sich nicht an den Wahlurnen völlig unwählbar zu machen.

    Kurzum: Knickt die Regierung wieder einmal vor der Atomwirtschaft ein war's das endgültig für CDU/CSU und FDP. Ich hoffe dann wird der Druck stark genug, damit es Neuwahlen geben kann.

    PS: Was ist eigentlich mit der Verfassungsklage weil der Ausstieg aus dem Ausstieg am Bundesrat vorbei organisiert wurde? Könnte die nicht im erfolgreichen Falle das ganze endgültig regeln?

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    dass man sich mit der Stromwirtschaft nicht herumschlagen muss.

    Würden die Bundesländer, die gegen die schwarz-gelben Vereinbarungen klagen, siegen, würde die Atomausstiegsvereinbarung von rot-grün wieder in Kraft treten - und die hat die Stromwirtschaft unterschrieben. Ein Gesetz über eine Brennelementesteuer könnte ja immer noch erlassen werden.

    Gell Herr Grossmann und Herr Teyssen!

    dass man sich mit der Stromwirtschaft nicht herumschlagen muss.

    Würden die Bundesländer, die gegen die schwarz-gelben Vereinbarungen klagen, siegen, würde die Atomausstiegsvereinbarung von rot-grün wieder in Kraft treten - und die hat die Stromwirtschaft unterschrieben. Ein Gesetz über eine Brennelementesteuer könnte ja immer noch erlassen werden.

    Gell Herr Grossmann und Herr Teyssen!

    • mcbb
    • 31.05.2011 um 17:43 Uhr

    für ein Gesetz, dass regelt, dass die Atommüllbeseitigung diejenigen bezahlen müssen, die diesen Müll erzeugen, so wie jeder Mensch seine Müllgebühren bezahlen muss. Ob die Schwarz-Gelben Atomlobbyisten das hin bekommt, daran habe ich aber erhebliche Zweifel.

    18 Leser-Empfehlungen
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    ...denn dann endet der ganze Müll bestimmt unter einem Neubau!

    • joG
    • 31.05.2011 um 18:38 Uhr

    ....was ein solches Gesetz bewirken würde. Wer zahlt sie jetzt und auf Basis welcher Verträge oder Regulierung?

    ...denn dann endet der ganze Müll bestimmt unter einem Neubau!

    • joG
    • 31.05.2011 um 18:38 Uhr

    ....was ein solches Gesetz bewirken würde. Wer zahlt sie jetzt und auf Basis welcher Verträge oder Regulierung?

    • bx16v
    • 31.05.2011 um 17:43 Uhr

    frage: kann für nicht angefallenen gewinn steuern eingefordert werden? wenn ich eine taxilizenz beantrage, allvorraussetzungen erfülle und eine amtliche genehmigung erhalte und daraufhin ein taxi kaufe und was sonst noch für die ausübung des berufes nötig ist muß ich steuern bezahlen wenn ich gäste befördere und gewinn erziele. wenn aber meine genehmigung widerrufen wird weil zb in china ein taxifahrer einen schweren unfall verursacht und mir das ja auch passieren könnte, muß ich dann von den nicht erzielten gewinnen trotzdem steuern zahlen? und wovon soll ich sie als arbeitloser taxifahrer bezahlen? was wird aus den krediten und investitionen die ich auf grund der erhaltenen genehmigung getätigt habe und auf denen ich nun sitzen bleibe. wovon also sollen die energieerzeuger die abgaben für die gewinne, die nun nicht anfallen, bezahlen? vielleich hilft ein blick nach schweden. ASTRID LINDGRIN und INGMAR BERGMANN sollten von ihrem einkommen aufgrund der schwedischen steuergesetze 113 % steuern bezahlen was sie zum verlassen des landes zwang.

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    Und mit denen wird Gewinn gemacht, sonst würde man keine Neuen gebrauchen. Ihre Argumentation schiesst ins Leere.

    Laut Wikipedia wohnte Astrid Lindgren ab 1941 bis zu ihrem Tod in der Dalagatan 46 im Vasaviertel in Stockholm.

    Und mit denen wird Gewinn gemacht, sonst würde man keine Neuen gebrauchen. Ihre Argumentation schiesst ins Leere.

    Laut Wikipedia wohnte Astrid Lindgren ab 1941 bis zu ihrem Tod in der Dalagatan 46 im Vasaviertel in Stockholm.

  3. Nach Abschluss des Atomausstiegel, also 2022, sollte auch die Brennelementesteuer gestrichen werden. Das wäre nur fair! Warum auch sollte E.on für einen Verdienst Gelder abführen, der so nicht mehr gemacht wird? Denn es war ja nicht die Steuern die einen Super-GAU erlebten, sondern die Brennelemente. So gesehen scheint mir die grosszügig bemessene Übergangsfrist von 11 Jahren für die Brennelementesteuer ausreichend. Beiden Parteien wäre gedient: den Anlegern in ihrem Verlangen nach Dividende und dem Bürger in seiner Forderung nach einem schnellen Ausstieg aus dem Strahlentod.

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    • mcbb
    • 31.05.2011 um 17:45 Uhr

    Beitrag Nr. 3.

    Die Brennelementesteuer läuft 2016 aus.

    Und die Brennelemente sind in vielen AKWs noch im letzten Jahr früher als geplant und noch vor dem Inkrafttreten der Steuer, ausgetauscht worden.

    • mcbb
    • 31.05.2011 um 17:45 Uhr

    Beitrag Nr. 3.

    Die Brennelementesteuer läuft 2016 aus.

    Und die Brennelemente sind in vielen AKWs noch im letzten Jahr früher als geplant und noch vor dem Inkrafttreten der Steuer, ausgetauscht worden.

    • mcbb
    • 31.05.2011 um 17:45 Uhr

    Beitrag Nr. 3.

    • pat
    • 31.05.2011 um 17:47 Uhr

    diesen Kernkraftbetreibern mal in Rechnung gestellt werden. Jeder Betreiber eines KKW's sollte selbst für die Lagerung von IHREM Atommüll aufkommen... Ich möchte keinen Atomstrom beziehen, also warum sollte ich als Streuerzahler für die Endlagerung aufkommen? Würde der Konzern diese Forderung auch beklagen können, mit Aussicht auf Erfolg?

  4. Die Brennelementesteuer läuft 2016 aus.

    Und die Brennelemente sind in vielen AKWs noch im letzten Jahr früher als geplant und noch vor dem Inkrafttreten der Steuer, ausgetauscht worden.

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