Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versucht, Irritationen über ihre Wortwahl nach dem Tod von Osama bin Laden zu beschwichtigen. Sie hatte die erfolgreiche US-Aktion mit den Worten kommentiert: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten."

Die Worte Tod und Freude in einem Satz habe man als unpassend empfinden können, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Kanzlerin habe Verständnis dafür, im Zusammenhang ihrer Worte werde aber klar, "welche Gefühle die Kanzlerin geleitet haben". In diesem Zusammenhang würde sie dies auch wieder so ausdrücken, sagte Seibert. "Das Motiv ihrer Freude war der Gedanke: Von diesem Mann wird nun keine Gefahr mehr ausgehen. Die Welt lebt hoffentlich ein Stück sicherer."

Die demonstrative Freude Merkels war in der Union auf erhebliche Kritik gestoßen. "Ich hätte das nicht so formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsauschusses, Siegfried Kauder. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Philipp Mißfelder sagte: "Ich freue mich nicht, dass ein Mensch gestorben ist".

Die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, kritisierte, aus christlicher Sicht sei es nicht angemessen, Freude über die gezielte Tötung eines Menschen zu äußern. Ähnlich äußerte sich auch der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck: "Man kann sich als Mensch und erst recht nicht als Christ über den Tod eines Menschen freuen."

Auch aus der FDP kam Kritik. Hartfrid Wolff, Innen- und Rechtspolitiker der FDP, sagte, er habe Merkels Freude über die Tötung mit "Unverständnis" aufgenommen.

Dagegen nahm der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Polenz, die Kanzlerin in Schutz. "Man darf sehr wohl erleichtert und auch froh darüber sein, dass bin Laden keine Anschläge mehr planen kann", sagte er. "Im Nachhinein jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, ist nicht angemessen." Stattdessen sollte man die wichtige Frage diskutieren, was die Folgen des Todes von bin Laden seien.

Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach und Generalsekretär Hermann Gröhe verteidigten die Kanzlerin. "Man darf sich darüber freuen, dass es den Amerikanern gelungen ist, einen Massenmörder daran zu hindern, sein blutiges Handwerk fortzusetzen", sagte Bosbach. Die Worte der Kanzlerin seien ein Ausdruck der Solidarität und des Mitgefühls mit den USA gewesen. Gröhe sagte: "Das war eine gute Nachricht für die ganze Welt, die nun nicht dadurch überlagert werden sollte, dass Einzelformulierungen aus dem Zusammenhang gerissen oder bewusst missverstanden werden." Man dürfe nicht vergessen, dass bin Laden "für den brutalen Mord Tausender unschuldiger Menschen" verantwortlich gewesen sei.