Die Liberalen haben es offenbar gewusst. Noch nicht mal eine Handvoll Anhänger ist an diesem lauschig warmen Frühsommerabend in die Berliner FDP-Parteizentrale gekommen, um vor den aufgestellten Fernsehern mit den Bremer Parteigenossen auf den Wiedereinzug in die Bürgerschaft zu hoffen. Also sind die wartenden Journalisten unter sich, als zur ersten Wahlprognose um kurz nach 18 Uhr der gelbe FDP-Balken schon bei drei Prozent stehen bleibt.

Das Häufchen FDPler hingegen trinkt lieber auf dem Innenhof sein Bier aus. Die wenigen Liberalen sind eigentlich nur da, um Generalsekretär Christian Lindner demonstrativ laut zu beklatschen, als der eine dreiviertel Stunde später vor den Kameras das abermalige Scheitern seiner Partei an der Fünfprozenthürde kommentiert. Im Fernsehen soll es schließlich so aussehen, als fiebere man in Berlin mit den Bremern.

Der Rausch des Parteitages vom vergangenen Wochenende, die Hoffnung auf eine rasche Erholung der erfolglosen Partei unter dem jungen Chefliberalen Philipp Rösler – bei den Liberalen ist das alles spätestens jetzt verflogen. Lindner wählt mit ernstem Blick eine dieser Politik-Worthülsen und spricht von einer "schmerzhaften Niederlage".

Er weiß wie alle Anwesenden hier: Bremen ist natürlich das denkbar schlechteste Bundesland, um bei einer Landtagswahl die Auferstehung der FDP zu feiern. Denn die Hansestadt ist SPD-Hochburg , die Sozialdemokraten regieren hier seit Kriegsende. Die Liberalen hingegen sind außerparlamentarische Opposition gewöhnt: Bei den Wahlen 1995, 1999 und 2003 verpassten sie verlässlich den Einzug in die Bürgerschaft. Erst 2007, zur Halbzeit der Großen Koalition im Bund, kamen sie mit dem damals zackigen Oppositionsführer der Bundes-FDP Guido Westerwelle auf sechs Prozent der Wählerstimmen.

Doch gerade dies zeigt auch: Die Ergebnisse von Landtagswahlen sind am Ende doch nie nur in lokalen Eigenheiten begründet. Auch das aktuelle Negativergebnis hat neben den SPD-freundlichen Bremern eine weitere Ursache: Die Unbeliebtheit der schwarz-gelben Bundesregierung. Und die Verachtung, die viele Bürger für die FDP nur noch übrig haben.

Das Superwahljahr 2011 mit sieben Landtagswahlen ist nun fast zur Hälfte rum – und die FDP hat fast nur verloren: In Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt flogen die Liberalen aus den Landtagen. Besonders bitter war das in Mainz, weil die FDP dort jahrelang Regierungspartei war. Im Stammland Baden-Württemberg schafften es die Liberalen gerade so ins Parlament. Lediglich in Hamburg feierte die FDP stolzer Brust ihre 6,6 Prozent – doch wer spricht heute noch über Katja Suding ?

Nein, die Neuaufstellung, die hektischen Personalrochaden vor zwei Wochen, haben der Partei bisher noch nichts geholfen. In aktuellen Umfragen erreichen die Liberalen auch bundesweit weiterhin schlimme Werte: drei Prozent.

Doch nicht nur Lindner, auch sein Amtskollege von der CDU, Generalsekretär Hermann Gröhe, benutzte an diesem Abend das Wort "schmerzhaft". Die stolze christliche Volkspartei ist in Bremen zur drittstärksten Kraft degradiert worden. Nicht in Ostdeutschland und nicht von den Linken, das gab es ja bereits. Nein: Im Westen und von den ehemaligen Turnschuh-Chaoten im Bundestag, die sich anschicken, neue Volkspartei zu werden.

Auch dies hat landestypische Ursachen: Die Christdemokraten an der Weser sind zerstritten, schickten eine unbekannte und damit quasi chancenlose Spitzenkandidatin ins Rennen. Karoline Linnert , die grüne Spitzenkandidatin und derzeitige wie wohl auch künftige Finanzsenatorin, ist hingegen sehr beliebt.