Bei der Landtagswahl im kleinsten deutschen Bundesland Bremen sind bis zum Nachmittag erst 38,1 Prozent der Wähler zu den Urnen gegangen. 2007 hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 43 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben, teilte der Landeswahlleiter mit. Allerdings ist das Interesse an der Briefwahl diesmal deutlich größer als in den Vorjahren: Fast ein Viertel aller gut 500.000 Wahlberechtigten beantragte die Stimmzettel bereits im Vorfeld, um die Kreuzchen zu Hause zu machen.

Unter den Wahlberechtigten sind auch etwa 10.000 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren. Bremen ist mit dem Wahlrecht ab 16 bundesweiter Vorreiter, Rheinland-Pfalz will folgen. Umfragen zufolge wird die rot-grüne Koalition unter Führung des amtierenden Regierungschefs Jens Böhrnsen (SPD) wieder vorne liegen.

Böhrnsen appellierte bei seiner Stimmabgabe an die Jugendlichen, sich an der Wahl zu beteiligen, um ein bundesweites Vorbild zu sein. "Sie sind Pioniere", betonte Böhrnsen. Zu den Erstwählern in Bremen gehörte auch der 16 Jahre alte Julian Burmester, der nach seiner Stimmabgabe sagte: "Es war schon eine Befriedigung, dass man sich beteiligen kann. Ich weiß aber auch von vielen Freunden, die nicht wählen gehen."

Die SPD, die dort seit Kriegsende den Regierungschef stellt, dürfte den Umfragen zufolge erneut Sieger in Bremen werden. Die Grünen sehen die Demoskopen mit mehr als 20 Prozent Stimmanteil auf Platz zwei, die CDU könnte nur noch drittstärkste Kraft werden. Der FDP droht, den Einzug in den Landtag zu verpassen. Nach Ansicht von Wahlforschern spiegelt die Abstimmung in dem traditionell links ausgerichteten Stadtstaat kaum bundesweite Trends wider.

SPD-Spitzenkandidat Böhrnsen sagte, er erwarte für die Sozialdemokraten ein "ordentliches Ergebnis". Er will die Koalition mit den Grünen fortsetzen. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Karoline Linnert, rechnet mit mindestens 20 Prozent Stimmanteil für ihre Partei. "Wenn es dann mehr wird, freu' ich mich auch", sagte sie. CDU-Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann zeigte sich am Morgen bei ihrer Stimmabgabe trotz schlechter Umfragewerte für die Union zuversichtlich. "Noch habe ich nicht aufgegeben. Mich interessieren die echten Stimmen", betonte sie.

Die Wahllokale haben bis 18 Uhr geöffnet. Das Auszählen der Stimmen wird Tage in Anspruch nehmen. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wird wegen Änderungen im Wahlrecht nicht vor Mittwoch nächster Woche erwartet. In Bremen können die Stimmberechtigten erstmals fünf Kreuzchen für Kandidaten und Parteien machen. Es gibt keinen Wahlzettel mehr, sondern ein ganzes DIN-A4-Heft, in dem neben den Parteien alle Bewerber auf einen Abgeordnetensitz aufgeführt sind. Dieses System macht die Auszählung kompliziert.

Im Wahlkampf in Bremen blieben heftige Attacken in den vergangenen Wochen aus. Die Finanzpolitik in dem mit rund 18 Milliarden Euro verschuldeten Bundesland war in der politischen Auseinandersetzung der einzige große Streitpunkt.

Bremen ist das fünfte Bundesland im Superwahljahr 2011, in dem die Bürger über ein neues Parlament entscheiden. Regierungschef ist der 61 Jahre alte Sozialdemokrat Jens Böhrnsen, der seit 2005 amtiert.