Atomausstieg Töpfer-Kommission gegen Standby-AKW

Die Kanzlerin zeigt sich erfreut über die Ergebnisse der Ethikkommission. Deren Chef Töpfer aber macht klar, dass Schwarz-Gelb den Bericht in mehreren Punkt überging.

Die von der Regierung eingesetzte Ethikkommission lehnt das schwarz-gelbe Vorhaben ab, ein älteres Atomkraftwerk im "Stand-by-Betrieb" weiterhin in Bereitschaft zu halten. "Wir haben das nicht vorgeschlagen, wir halten das für nicht empfehlenswert", sagte der Kommissionsvorsitzende Klaus Töpfer. Sollte es Probleme etwa beim Ausbau erneuerbarer Energien geben, dürfte dies nicht zu längeren AKW-Laufzeiten führen, sondern "dann muss gegengesteuert werden".

Schwarz-Gelb hatte in der Nacht zu Montag entschieden, dass spätestens Ende 2022 die letzten Atommeiler endgültig abgeschaltet werden. Für den Fall, dass die Stromversorgung in Gefahr gerät, will die Regierung eines der ältesten AKW als Reserve betriebsbereit erhalten. Den Bericht, den die Kommission jetzt vorlegte, bezeichnete Merkel gleichwohl als "Richtschnur" für die Entscheidungen der Koalition.

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Auch in anderen Punkten ist die Koalition den Empfehlungen der Kommission nicht gefolgt. Töpfer machte deutlich, dass das von der Koalition beschlossene Ausstiegsdatum 2022 nicht den Ansichten der Kommission entspreche, weil es über den Zeitraum eines Jahrzehnts hinausgehe: "In unserer Empfehlung ist das exakt nicht enthalten." Töpfer riet aber zugleich in diesem Punkt zur Gelassenheit. Es werde besonders international niemand verstehen, "wenn wir uns jetzt wegen sechs Monaten die Köpfe einschlagen". Allerdings sei die Ethikkommission der Auffassung, dass "der Ausstieg auch früher gelingen" könne.

Mit Blick auf ein Atommüllendlager mahnte Töpfer erneut eine Suche an, die über den bislang von der Regierung favorisierten Standort Gorleben hinausgehe. Dies bedeute aber nicht, dass Gorleben nicht mehr in Frage komme. Auf jeden Fall sei es "ethisch zwingend geboten, die Frage der Lagerung von Atomabfällen zu klären". Dabei müsse es notwendigerweise um "eine rückholbare Lagerung mit höchsten Sicherheitsstandards" gehen, um mögliche spätere technische Fortschritte und Erkenntnisse auch nutzen zu können.

Auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach sich überraschend für einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll aus. Alle geologischen Aspekte sollten noch einmal neu auf den Prüfstand gestellt werden. "Wir müssen erst mal Deutschland ausleuchten." Bisher sperrte sich Bayern gegen eine bundesweite Suche nach Alternativen zum Salzstock Gorleben in Niedersachsen.

Nun schlug Seehofer vor, neben Salzstöcken im Norden wie in Gorleben könnten auch Ton- und Granitformationen im Süden als Standorte in Frage kommen. Die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg hatte schon zuvor Bereitschaft zu einer neuen Suche signalisiert.

SPD und Grüne zweifeln seit Langem an der Eignung Gorlebens. Die Atomindustrie hingegen hat hier bereits rund 1,5 Milliarden Euro investiert und setzt auf diesen Standort.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) äußerte sich vorsichtiger. Es sei eine Pflicht, die Untersuchung in Gorleben – "mit welchem Ergebnis auch immer" – zu einem Ergebnis zu führen. Gleichzeitig müsse man zu einem Verfahren kommen, "wie wir auch andere geologische Formationen und andere Optionen der Entsorgung prüfen". Das sei der Versuch, im Rahmen des neuen Energiekonsenses auch diese Frage miteinzubeziehen. Man strecke in dieser Frage auch die Hand zur Opposition aus.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Hat bereits 1,5 MRD € in Gorleben investiert.
    Das Wort Atomindustrie disqualifiziert den gesamten Artikel und weist den Berichterstatter nicht als neutral aus.
    Die deutsche Gesellschaft hat diese Investtionen über den Strompreis bezahlt, das hörte sich doch besser an.

    Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se.

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    • joG
    • 30.05.2011 um 16:54 Uhr

    .... Strompreis bezahlt, das hörte sich doch besser an."

    Mag sein. Es hört sich allerdings nicht sehr differenzierend an. Es ist nämlich keineswegs vernachlässigbar, wer die Kosten der Umstellung bzw der Endlagerung zahlt. Da stehen Recht, und Planungssicherheit verschiedener Gruppen gegeneinander. Je nachdem welche Gruppen die Kosten tragen, wird das in die Zukunft hinein Folgen für Konsum, Investition und Steueraufkommen haben.

    • joG
    • 30.05.2011 um 16:54 Uhr

    .... Strompreis bezahlt, das hörte sich doch besser an."

    Mag sein. Es hört sich allerdings nicht sehr differenzierend an. Es ist nämlich keineswegs vernachlässigbar, wer die Kosten der Umstellung bzw der Endlagerung zahlt. Da stehen Recht, und Planungssicherheit verschiedener Gruppen gegeneinander. Je nachdem welche Gruppen die Kosten tragen, wird das in die Zukunft hinein Folgen für Konsum, Investition und Steueraufkommen haben.

  2. Das Ganze ist eine Lach- oder Kopfschüttel-Nummer.

    Warum hat sich die Koalition nun ausgerechnet auf 2022 festgelegt ? Vielleicht wegen des schönen Datums 2022 obwohl Töpfer von der Ethikkommission sagt, dass der Ausstieg auch früher gelingen könne.

    Die Idee, das älteste AKW als Reserve AKW beizubehalten, verwundert mich auch. Warum eigentlich das Älteste, das müßte ansich doch auch das Schlechteste von allen sein.

    Ebenso unverständlich dazu die Aussage von Merkel, dass die Ergebnisse der Ethikkommission als Richtschnur für die Entscheidungen der Koalition sein sollen - sie dreht sich um und macht das Gegenteil.

    Da frage ich mich, mit was für Menschen ich es da zu tun habe. Alle nur noch d.... oder was ?

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    • umzu
    • 30.05.2011 um 15:21 Uhr

    das es das jüngste AKW sei soll. Aber wer will schon ein AKW wieder anfahren, nachdem es erst einmal zwei Jahre kalt rungestanden hat. Da weiss man ja garnicht, was sich alles kaputtgestanden hat. Dieser Teil zeugt nur von mangelnder technischer Kompetenz.

    Ich rechne fest mit dem 2. Februar! ;-)

    • umzu
    • 30.05.2011 um 15:21 Uhr

    das es das jüngste AKW sei soll. Aber wer will schon ein AKW wieder anfahren, nachdem es erst einmal zwei Jahre kalt rungestanden hat. Da weiss man ja garnicht, was sich alles kaputtgestanden hat. Dieser Teil zeugt nur von mangelnder technischer Kompetenz.

    Ich rechne fest mit dem 2. Februar! ;-)

    • umzu
    • 30.05.2011 um 15:21 Uhr

    das es das jüngste AKW sei soll. Aber wer will schon ein AKW wieder anfahren, nachdem es erst einmal zwei Jahre kalt rungestanden hat. Da weiss man ja garnicht, was sich alles kaputtgestanden hat. Dieser Teil zeugt nur von mangelnder technischer Kompetenz.

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    Also wenn Brennstäbe mal im Einsatz waren, reagieren sie intern noch nach. Stichwort Nachzerfallswärme (die in Fukushima z.B. aufgrund mangelnder Kühlung für eine Kernschmelze ausgereicht hat). Insofern würde ich bei einem heruntergefahrenen AKW die Brennstäbe einfach im Reaktor lassen. Wenn ich das AKW brauche: Kontrollstäbe raus, eventuell boriertes Kühlwasser gegen sauberes Wasser austauschen und es geht wieder los.

    ...an der Stelle hat man dann auch griffige Argumente, warum wir aus dieser Technologie so schnell wie möglich aussteigen müssen und das um jeden Preis:

    1) Instabile Technik: Es gibt keinen An/Ausschalter. Man kann nur warten und kühlen. Passiert irgendwas (Kühlsystem fällt aus, Moderator fällt weg, etc), hat man direkt wieder den Reaktionszustand.

    2) Abwärme: Anhand der Leistung eines AKW kann man die Nachzerfallswärme ermitteln. Irgendwer hat mal ausgerechnet, dass wir, wenn wir alle AKWs abschalten, drei neue AKWs bauen müssten um die Energie zu erzeugen, die die abgeschalteten AKWs für die Kühlung auffressen. Falls diese Energie nicht lieferbar sein sollte -> Siehe 1)

    3) Endlagerung: Dazu sag ich nix, da sind alle Fakten bekannt. Und ich lach mich jedesmal über die Bayern und ähnliche Bundesländer tot, die sich als AKW-Standort anbiedern... aber die Endlagerung bitte nicht bei uns. Poakts des bittschön bei die Saupreiß'n, des moacht dene nix. Schon klar...

    ...und so weiter.

    Also wenn Brennstäbe mal im Einsatz waren, reagieren sie intern noch nach. Stichwort Nachzerfallswärme (die in Fukushima z.B. aufgrund mangelnder Kühlung für eine Kernschmelze ausgereicht hat). Insofern würde ich bei einem heruntergefahrenen AKW die Brennstäbe einfach im Reaktor lassen. Wenn ich das AKW brauche: Kontrollstäbe raus, eventuell boriertes Kühlwasser gegen sauberes Wasser austauschen und es geht wieder los.

    ...an der Stelle hat man dann auch griffige Argumente, warum wir aus dieser Technologie so schnell wie möglich aussteigen müssen und das um jeden Preis:

    1) Instabile Technik: Es gibt keinen An/Ausschalter. Man kann nur warten und kühlen. Passiert irgendwas (Kühlsystem fällt aus, Moderator fällt weg, etc), hat man direkt wieder den Reaktionszustand.

    2) Abwärme: Anhand der Leistung eines AKW kann man die Nachzerfallswärme ermitteln. Irgendwer hat mal ausgerechnet, dass wir, wenn wir alle AKWs abschalten, drei neue AKWs bauen müssten um die Energie zu erzeugen, die die abgeschalteten AKWs für die Kühlung auffressen. Falls diese Energie nicht lieferbar sein sollte -> Siehe 1)

    3) Endlagerung: Dazu sag ich nix, da sind alle Fakten bekannt. Und ich lach mich jedesmal über die Bayern und ähnliche Bundesländer tot, die sich als AKW-Standort anbiedern... aber die Endlagerung bitte nicht bei uns. Poakts des bittschön bei die Saupreiß'n, des moacht dene nix. Schon klar...

    ...und so weiter.

    • Kumidi
    • 30.05.2011 um 15:28 Uhr

    Ist ja schön, dass schwarz-gelb sich geeinigt hat - aber das wird nicht das letzte Wort sein. Mit genügend Druck aus den Bundesländern wird sich das Austiegsszenario hoffentlich noch deutlich optimieren lassen.

    Es ist schon mal gut, dass Deutschland aussteigt - nur wo bleibt das Konzept zur weiteren Entwicklung der Erneuerbaren Energieen? Davon war bislang nicht zu lesen. Ohne eine entsprechende Weichenstellung macht das keinen Sinn. Die Gefahr besteht, dass man lieber auf schnelle und "grundlastfähige" Kohle-Kraftwerke setzen könnte, was im Bereich Klimaerwärmung kontraproduktiv wäre.

    Also her mit Steueranreizen, verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten und Forschungsprogrammen in Richtung mehr und effektivere Erneuerbare Energie.

    Der Druck muß hochgehalten werden, damit eine solche Reaktion auch stattfindet!

  3. Wir fahren auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Atlantik. Da hören wir über Funk, dass im Pazifik ein ( japanisches ) Schiff brennt. Um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden, sprengen wir sofort ein Loch in den Schiffsboden und versenken den Dampfer, weil, unter Wasser wird der nie brennen. Wir besteigen die Gummiflöße und blasen sie auf und hoffen, dass sie, wenn wir nur genug blasen, einmal die Größe des ( versenkten ) Kreuzfahrtschiffs erreichen, hoffentlich bevor sie dann platzen.
    Ey!

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    blödsinnige Story.

    blödsinnige Story.

  4. Also wenn Brennstäbe mal im Einsatz waren, reagieren sie intern noch nach. Stichwort Nachzerfallswärme (die in Fukushima z.B. aufgrund mangelnder Kühlung für eine Kernschmelze ausgereicht hat). Insofern würde ich bei einem heruntergefahrenen AKW die Brennstäbe einfach im Reaktor lassen. Wenn ich das AKW brauche: Kontrollstäbe raus, eventuell boriertes Kühlwasser gegen sauberes Wasser austauschen und es geht wieder los.

    ...an der Stelle hat man dann auch griffige Argumente, warum wir aus dieser Technologie so schnell wie möglich aussteigen müssen und das um jeden Preis:

    1) Instabile Technik: Es gibt keinen An/Ausschalter. Man kann nur warten und kühlen. Passiert irgendwas (Kühlsystem fällt aus, Moderator fällt weg, etc), hat man direkt wieder den Reaktionszustand.

    2) Abwärme: Anhand der Leistung eines AKW kann man die Nachzerfallswärme ermitteln. Irgendwer hat mal ausgerechnet, dass wir, wenn wir alle AKWs abschalten, drei neue AKWs bauen müssten um die Energie zu erzeugen, die die abgeschalteten AKWs für die Kühlung auffressen. Falls diese Energie nicht lieferbar sein sollte -> Siehe 1)

    3) Endlagerung: Dazu sag ich nix, da sind alle Fakten bekannt. Und ich lach mich jedesmal über die Bayern und ähnliche Bundesländer tot, die sich als AKW-Standort anbiedern... aber die Endlagerung bitte nicht bei uns. Poakts des bittschön bei die Saupreiß'n, des moacht dene nix. Schon klar...

    ...und so weiter.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "ich denke schon,"
  5. Ich rechne fest mit dem 2. Februar! ;-)

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    • Hokan
    • 30.05.2011 um 16:02 Uhr

    Vielen Dank für den Hinweis. Ich hatte schon den Verdacht, Schwarz-Gelb hätte gar keine Gründe, den vorgeschlagenen Termin auf 2022 zu verschieben.

    • c2j2
    • 30.05.2011 um 17:40 Uhr

    Nein, 29.2.2022 ;)

    • Hokan
    • 30.05.2011 um 16:02 Uhr

    Vielen Dank für den Hinweis. Ich hatte schon den Verdacht, Schwarz-Gelb hätte gar keine Gründe, den vorgeschlagenen Termin auf 2022 zu verschieben.

    • c2j2
    • 30.05.2011 um 17:40 Uhr

    Nein, 29.2.2022 ;)

  6. Wer was und wie viel für Gorleben bezahlt hat ist es für die Entscheidung Ja oder Nein irrelevant. Selbst wenn sich nach 100 Mrd. Euro Investition herausstellt, dass der Standort nicht taugt, würden auch diese 100 Mrd. Euro den Standort nicht besser machen. Argumente vom Kaliber "jetzt haben wir schon viel Geld verbrannt, da können wir den Rest auch verbrennen" sind ja - nun ja - nicht weiter erläuterungsbedürftig.

    Mal davon hab halte ich die Idee Röslers einige Kraftwerke nicht sofort zurück zu bauen für insgesamt sinnvoll. Sie birgt zwar die Gefahr, dass Ausstiegsbemühungen anfangs nur halbherzig angegangen werden, bringt jedoch jeden "wir werden im Dunkeln sitzen"-Rufer zum schweigen. Ich glaube zwar nicht daran, dass wir im Dunkeln sitzen werden, doch halte ich in der Diskussion weder die Analysen der Atomkraftbefürworter noch die der Atomkraftgegner für belastbar. Ich kenne mich mit der Energieversorgung Deutschlands zu schlecht und mit Statistik zu gut aus, um an dieser Stelle irgendwem wirklich glauben zu können.

    Bezüglich der Endlagerung bin ich froh, endlich mal zu lesen, dass der Müll umlagerbar sein muss. Kein seriöser Geologe wird eine Prognose für die notwendige Einlagerzeit der langlebigen Abfälle abgeben können. Wieder ist hier das Stichwort Statistik, auf der am Ende alles basiert, sowohl Erfahrungswerte als auch Prognosen.

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