FDP-Bundesparteitag Die FDP soll wieder kämpfen

Harte Konfrontationen mit der Union und den Grünen: Der neue FDP-Chef Rösler sucht Wege, um seine Partei aus dem Umfragetief zu führen.

Der neue FDP-Chef Philipp Rösler möchte seine Partei wieder selbstbewusst sehen. Die FDP habe den Fehler gemacht, ihr Profil in den ersten beiden Jahren der schwarz-gelben Regierung nicht klar genug gemacht zu haben, sagte Rösler in seiner ersten Grundsatzrede auf dem Bundesparteitag in Rostock. "Ab heute wird die FDP liefern", versprach Rösler, der am Freitag mit einer breiten Mehrheit von 95,1 Prozent zum neuen Parteichef gewählt worden war.

Die bisherige stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper und Schleswig-Holsteins Fraktionschef Wolfgang Kubicki schafften es erst im zweiten Anlauf in den neuen Bundesvorstand. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt erhielt beim FDP-Parteitag in Rostock schließlich 65,7 Prozent der Delegiertenstimmen. Kubicki kam auf 69,8 Prozent. Im ersten Durchgang hatte beiden jeweils eine Stimme zur Mehrheit gefehlt.

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Rösler sagte in seiner Rede: "Mit Rücksicht auf den Koalitionspartner haben wir wichtige und dringende Projekte zurückgestellt". Das habe die Wähler enttäuscht, die die FDP für versprochene Reformen gewählt hätten. Die Menschen wollen Berechenbarkeit und Verlässlichkeit.

So kritisierte Rösler beispielsweise CSU-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich für dessen Forderung nach Grenzkontrollen nach Österreich oder der Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze. "Wir lassen eine solche Freiheitseinschränkung auch durch unseren Koalitionspartner schlichtweg nicht zu", sagte der FDP-Chef. Wenn überhaupt, dann könne es eine Verlängerung der Sicherheitsgesetze nur mit einer Befristung geben. Eine liberale Partei könne Sicherheitsgesetze nicht einfach pauschal verlängern, sondern stehe in der Verantwortung, jede einzelne Maßnahme auf Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit zu prüfen. Gerade in Zeiten des Terrorismus brauche es eine liberale Partei, die "immer wieder versucht, die Balance zu finden zwischen notwendiger Freiheit auf der einen und Sicherheit auf der anderen Seite".

Rösler griff vor allem auch die Grünen an, die in den Umfragen bislang weit vor den Liberalen liegen und deren erster Ministerpräsident in Baden-Württemberg in dieser Woche vereidigt worden war. Rösler kritisierte, dass die Grünen Freiheiten beschränken würden und nannte als Beispiel in touristenfeindliche Aktionen der Grünen im Berliner Stadtteil Kreuzberg und den vegetarischen Tag in Bremen. "Ich käme nicht im Traum darauf, auch nicht als Arzt, den Menschen vorzuschreiben, was sie essen sollen und was nicht. Mit Freiheit hat das nichts zu tun." Zum Schluss versuchte er die Grünen von seiner Partei abzugrenzen: "Die Grünen können niemals eine liberale Partei sein. Und ich füge hinzu: Auch wir wollen niemals eine grüne Partei sein."

Rösler sprach den Delegierten danach Mut zu und forderte die Partei auf, die Bandbreite liberaler Themen jenseits der Wirtschaftskompetenz stärker zu betonen. Da die FDP besonders in der Steuerpolitik die Erwartungen der Wähler nicht erfüllt habe, vertrauten die Menschen der Partei derzeit nicht so, "wie wir es uns wünschen", räumte Rösler mit Blick auf die schlechten Umfragewerte und die Wahlniederlagen der vergangenen Wochen ein. Er kündigte an: "Wir werden dieses Vertrauen zurückgewinnen." Die FDP müsse sich auf ihren "klaren liberalen Kompass" besinnen und sich den Problemen der "ganz normalen Menschen" im Alltag zuwenden.

Rösler erneuerte die Forderung der Liberalen nach Steuersenkungen. Die FDP habe nach der Wahl 2009 den Fehler gemacht, nicht zu erkennen oder einzugestehen, dass wegen der Finanzkrise der Spielraum für Steuererleichterungen wesentlich gesunken sei. "Liebe Freunde von der Union: Umgekehrt muss man auch erkennen, wenn aufgrund der wirtschaftlichen Lage die Spielräume größer werden, so wie es jetzt der Fall ist", fügte Rösler hinzu. Die Entlastung der Menschen sei ein gemeinsames Versprechen der bürgerlichen Regierung. "Wir sagen, wir sind dazu bereit, wir warten nur auf unseren Koalitionspartner." Eine Jahreszahl für die Steuersenkung nannte er nicht.

Außerdem will Rösler seine Partei inhaltlich breiter aufstellen. Die FDP müsse sich künftig wieder mehr an den "Alltagssorgen der ganz normalen Menschen in Deutschland" ausrichten, sagte er. Als Beispiel nannte er eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf

Rösler gab Fehler zu, zog insgesamt aber eine positive Zwischenbilanz der schwarz-gelben Regierungsarbeit in Berlin. "Den Menschen in Deutschland geht es heute besser als zu Zeiten der großen Koalition." Der künftige Vizekanzler verwies insbesondere auf die gute Wirtschaftsentwicklung und den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die FDP sei in Deutschland die "Partei der Mitte".

Der FDP-Chef äußerte aber auch Verständnis für Unmut über seine Partei. "Die Menschen wollen von uns vor allem Ergebnisse, liberale Ergebnisse." Die gegenwärtigen Umfragewerte seien "ausbaufähig nach oben". Die FDP liegt nach ihrem Spitzenergebnis bei der Bundestagswahl 2009 (14,6 Prozent) derzeit bei nur noch etwa fünf Prozent.

 
Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

  2. "Die Menschen wollen von uns vor allem Ergebnisse, liberale Ergebnisse. Liebe Wählerinnen und Wähler: Ab heute wird die FDP liefern."

    Große Worte gelassen ausgesprochen.
    Ich bin gespannt, was die FDP abliefert.

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    Schon seltsam, dass die FDP erst ab heute liefern will - oder kann - oder es nur ankündigt... Man ist jetzt schon bald seit zwei Jahren in der Bundesregierung und hat - außer Klientelpolitik - nichts auf die Reihe bekommen. Bei allen Versprechungen - Steuersenkungen, "Mehr Netto vom Brutto", "Arbeit muss sich wieder lohnen" - hat man sich im Zweifelsfall gegenüber CDU und CSU nicht durchsetzen können - oder hat die Forderungen durch eigenes Verhalten - siehe Koch-Mehrin - in vielfältiger Hinsicht konterkariert. Und auch in Vorstand und Bundestagsfraktion sehe ich nichts Neues - man hat einfach die Ämter rei um getauscht - und mehr noch: dem sich siegreich gebenden Phillip Rösler haben Guido Westerwelle und Rainer Brüderle gleich mal zum Anfang nicht nur schwere Niederlagen beigebracht, sondern ihm auch noch mal gezeigt, wer auch zukünftig in der FDP das Sagen hat: nämlich zwei Altvordere, die den Karren in den Dreck gefahren haben. Ein Neuanfang sieht anders aus.

    Schon seltsam, dass die FDP erst ab heute liefern will - oder kann - oder es nur ankündigt... Man ist jetzt schon bald seit zwei Jahren in der Bundesregierung und hat - außer Klientelpolitik - nichts auf die Reihe bekommen. Bei allen Versprechungen - Steuersenkungen, "Mehr Netto vom Brutto", "Arbeit muss sich wieder lohnen" - hat man sich im Zweifelsfall gegenüber CDU und CSU nicht durchsetzen können - oder hat die Forderungen durch eigenes Verhalten - siehe Koch-Mehrin - in vielfältiger Hinsicht konterkariert. Und auch in Vorstand und Bundestagsfraktion sehe ich nichts Neues - man hat einfach die Ämter rei um getauscht - und mehr noch: dem sich siegreich gebenden Phillip Rösler haben Guido Westerwelle und Rainer Brüderle gleich mal zum Anfang nicht nur schwere Niederlagen beigebracht, sondern ihm auch noch mal gezeigt, wer auch zukünftig in der FDP das Sagen hat: nämlich zwei Altvordere, die den Karren in den Dreck gefahren haben. Ein Neuanfang sieht anders aus.

  3. ... gewesen.
    Die FDP hat ihre Chance zur Runderneuerung verspielt.

    Wer einen als Oppositionspolitiker geborenen Mann, der nur das Krakelen beherrscht, auch noch ausgerechnet als Aussenminister belässt, der hat keinen Plan und ist offenbar auch zu dumm, die Auswirkungen zu begreifen.

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    • SarahA
    • 14.05.2011 um 14:06 Uhr

    Ein Türkenmafiosi will wassen was richtig ist für die FDP? :D

    Die Mitglieder der FDP sollten selber entscheiden was richtig ist, statt sich ständig von außen schlecht reden zu lassen. Das gleiche Spielchen wurde doch schon bei der SPD getrieben.

    • SarahA
    • 14.05.2011 um 14:06 Uhr

    Ein Türkenmafiosi will wassen was richtig ist für die FDP? :D

    Die Mitglieder der FDP sollten selber entscheiden was richtig ist, statt sich ständig von außen schlecht reden zu lassen. Das gleiche Spielchen wurde doch schon bei der SPD getrieben.

    • B.B.
    • 14.05.2011 um 12:50 Uhr

    Die FDP hat zu liefern, das ist klar. Ich bin aber zuversichtlich, dass sie das Zeichen der Zeit erkannt haben. Selbstkritik ist auf dem Parteitag ja ausführlich ausgesprochen worden. Die Ziele sind jetzt bekannt und müssen erreicht werden.

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  4. Die FDP hat seinerzeit schwache Politiker ins Parlament geschickt, die sich nicht durchsetzen konnten. Die CDU hat den kleineren Koalitionspartner am langen Arm verrecken lassen. Ob sich das nun ändern wird, müssen wir abwarten. Ebenso bleibt abzuwarten, ob Rösler der richtige Mann für die Spitze ist. Ich denke da eher an einen Fehlgriff.

  5. ...will seiner Partei mehr Geltung verschaffen."

    Das hat er auch bitter nötig, denn die FDP steht kurz vor der Beudeutungslosigkeit.

    Die Frage ist nur, wie Herr Rösler dies bewältigen will? Die "liberalen" Inhalte werden von einer Parteispitze präsentiert die wegen Skandalen, Postengeschachere, Egomanie und Realitätsverlust kritisiert wird.

    Hinzu kommt noch eine neuer FDP-Chef der selbst für Klientelpolitik, Stichwort Pharmaindustrie, in der Kritik steht.

    Geltung und Glaubwürdigkeit liegen nahe beieinander, doch letzteres hat die FDP über Jahre hinweg in Eigenarbeit demontiert.

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  6. Die FDP liegt mit Recht unter 5 Prozent. Urteil: nicht parlamentstauglich. Die FDP marginalisiert sich, fällt aus den Landtagen und verliert bundespolitisch die Legitimation und trotzdem zieht der "Designierte" eine mehrheitlich positive Bilanz - Realitätsferne trifft auf Wunschdenken.

    Wie ist es um den "Lotterladen" aber wirklich bestellt: Personaldecke - dünn, dünn, sehr dünn. Programmatik: einseitig und einsichtslos - kaum rehabilitierbar, keine Bewährung. Im Namen des Volkes: Der Wiederholungstäter FDP wird zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Der gelbe Pollunder wird konfisziert. Die finale Rede hält H.D. Genscher - in Schwarz.

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    • B.B.
    • 14.05.2011 um 13:11 Uhr

    Personaldecke: sehr gut bestückt mit neuen, kreativen Köpfen
    Programmatik: Freiheitsbegriff ist auf der gesamten Palette dekliniert und im Grundsatzprogramm zu lesen. Nur die verschiedenen Themen wurden leider ein Jahr lang nicht in die Öffentlichkeit getragen.
    Schauen Sie doch selbst: http://www.fdp.de/files/5...

    ... "Personaldecke" bei den anderen Parteien aus? Können Sie mir beispielsweise bei den Grünen außer Trittin,Künast,Özdemir und C.Roth Personalnachwuchs von der Qualität und einem Bekanntheitsgrad namhaft machen, wie ihn bei der FDP Rösler, Lindner, Bahr verkörpern? Das Gleich probieren Sie mal bei der SPD. Wer fäll Ihnen da im Vergleich ein?

    • B.B.
    • 14.05.2011 um 13:11 Uhr

    Personaldecke: sehr gut bestückt mit neuen, kreativen Köpfen
    Programmatik: Freiheitsbegriff ist auf der gesamten Palette dekliniert und im Grundsatzprogramm zu lesen. Nur die verschiedenen Themen wurden leider ein Jahr lang nicht in die Öffentlichkeit getragen.
    Schauen Sie doch selbst: http://www.fdp.de/files/5...

    ... "Personaldecke" bei den anderen Parteien aus? Können Sie mir beispielsweise bei den Grünen außer Trittin,Künast,Özdemir und C.Roth Personalnachwuchs von der Qualität und einem Bekanntheitsgrad namhaft machen, wie ihn bei der FDP Rösler, Lindner, Bahr verkörpern? Das Gleich probieren Sie mal bei der SPD. Wer fäll Ihnen da im Vergleich ein?

    • B.B.
    • 14.05.2011 um 13:11 Uhr

    Personaldecke: sehr gut bestückt mit neuen, kreativen Köpfen
    Programmatik: Freiheitsbegriff ist auf der gesamten Palette dekliniert und im Grundsatzprogramm zu lesen. Nur die verschiedenen Themen wurden leider ein Jahr lang nicht in die Öffentlichkeit getragen.
    Schauen Sie doch selbst: http://www.fdp.de/files/5...

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    ... was man unter Kompetenz misst und wen man tatsächlich als geeigneten Kandidaten erachtet, nicht wahr? Für die Wirtschaft und Pharmakonzerne ist die Neubesetzung sicherlich nicht unbedingt die schlechteste Wahl gewesen, da gebe ich Ihnen durchaus recht. Aber die FDP hat nach wie vor nicht begriffen, dass es eben nicht reicht, nur ihre eigene Klientel zu befriedigen, denn die wählen sie ja schon (siehe die 3-5%, der Rest wählt CDU/CSU).

    Davon ab, war die FDP schon immer meisterhaft darin, heiße Luft zu produzieren, viel zu reden, wenig dahinter zu haben. Ihre Gallionsfigur hat dies mit ihrer Dissertationsaffaire ja erst in den vergangenen Tagen und Wochen aufs Neue hervorragend unter Beweis gestellt, ein summa cum laude möchte man da vergeben....

    Ich meine, wenn Ihnen die Partei nützt, wählen Sie sie, aber glauben Sie doch nicht, dass sich innerhalb der FDP jetzt großartig etwas ändert, das wäre einfach nur naiv.

    ... was man unter Kompetenz misst und wen man tatsächlich als geeigneten Kandidaten erachtet, nicht wahr? Für die Wirtschaft und Pharmakonzerne ist die Neubesetzung sicherlich nicht unbedingt die schlechteste Wahl gewesen, da gebe ich Ihnen durchaus recht. Aber die FDP hat nach wie vor nicht begriffen, dass es eben nicht reicht, nur ihre eigene Klientel zu befriedigen, denn die wählen sie ja schon (siehe die 3-5%, der Rest wählt CDU/CSU).

    Davon ab, war die FDP schon immer meisterhaft darin, heiße Luft zu produzieren, viel zu reden, wenig dahinter zu haben. Ihre Gallionsfigur hat dies mit ihrer Dissertationsaffaire ja erst in den vergangenen Tagen und Wochen aufs Neue hervorragend unter Beweis gestellt, ein summa cum laude möchte man da vergeben....

    Ich meine, wenn Ihnen die Partei nützt, wählen Sie sie, aber glauben Sie doch nicht, dass sich innerhalb der FDP jetzt großartig etwas ändert, das wäre einfach nur naiv.

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