ZEIT-ONLINE-Umfrage Mehrheit für öffentliche Kanzlerkandidaten-Wahl

Die meisten Bürger befürworten die Idee, auch Nicht-Parteimitglieder bei der K-Frage mitbestimmen zu lassen. Und sie ziehen Steinmeier Steinbrück als SPD-Kandidat vor.

Eine große Mehrheit der Bundesbürger begrüßt den Vorschlag der SPD-Spitze, Kanzlerkandidaten künftig auch von Nichtmitgliedern wählen zu lassen. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE.

Demnach halten knapp drei Viertel der Befragten die öffentliche Wahl der Kanzlerkandidaten für eine gute Idee. Nur 14 Prozent lehnen sie ab. Bemerkenswert ist dabei, dass die Zustimmung zum Prinzip der Urwahl wächst, je älter die Befragten sind. Dieses Ergebnis widerspricht der Vorstellung, dass vor allem junge Menschen eine Öffnung der Parteien wünschen.

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SPD-Chef Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles hatten die Idee der Urwahl kürzlich ins Spiel gebracht, um die SPD wieder attraktiver für die Bürger zu machen. Die Menschen würden sich wieder mehr für die Partei interessieren, wenn sie bei wichtigen Entscheidungen wie der Wahl des Kanzlerkandidaten mitreden könnten. Diese Argumentation der SPD-Spitze wird nun vom Ergebnis der ZEIT-ONLINE-Umfrage gedeckt: Drei Viertel aller Befragten sehen das so.

Der Vorschlag ist innerhalb der SPD stark umstritten. Viele Sozialdemokraten in den Landesverbänden, aber auch an der Basis fürchten, damit werde die Parteimitgliedschaft entwertet. Diese Sorge teilen die Bürger mehrheitlich nicht, wie die Umfrage ergab (siehe Grafik).

Interessanterweise befürworten gerade Anhänger derjenigen Partei die öffentliche Kanzlerkandidatenkür, die über ihre Einführung derzeit öffentlich streitet: 84 Prozent der SPD-Wähler halten die Idee für gut. Unter Wählern der Union sind es 67 Prozent (FDP: 70 Prozent; Grüne: 71 Prozent).

Umstrittener ist die Frage, ob sich Parteien auch bei internen Sachfragen für Nichtmitglieder öffnen sollten. Die Hälfte der Befragten befürwortet das, 38 Prozent lehnen es ab. SPD-, Union- und FDP-Wähler lehnen die Beteiligung der Öffentlichkeit bei parteiinternen Sachfragen sogar mehrheitlich ab.

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 31.05.2011 um 11:31 Uhr

    "Mehr Zuspruch als Steinmeier erhält der ehemalige Finanzminister nur von einer Seite, die der SPD bei der Bundestagswahl wohl wenig nutzen würde: von Sympathisanten von Union und FDP."

    Sympathisant von Union und FDP bin ich nun nicht, aber da Steinbrück noch nie eine Wahl gewonnen hat, würde ich den als Kandidaten vorschlagen. Dann wirds einstellig!

  1. Ich würde als Nicht-Mitglied der SPD an der Wahl des Kanzlerkandidaten teilnehmen. Allerdings: bei mir hätte keiner der vier Kandidaten bei der Bundestagswahl eine Chance. Steinmeier steht für mich für einen zu neoliberalen Kurs, der kleine Schröder sozusagen, Steinbrück ist ein Papiertiger der gerne brüllt aber am Ende alles weichkocht, was er vorher lautstark kritisiert hat, bei Gabriel weiß ich ehrlich nicht was er eigentlich will und Frau Nahles ist für mich eine typische Karrierepolitikerin, so wie es sie haufenweise in der FDP gibt und das geht gar nicht.

    Also: gute Idee von der SPD-Führung, aber man sollte die Resonanz bzw. ein Wahlergebnis dieser Art nicht überbewerten.

    • xpeten
    • 31.05.2011 um 11:40 Uhr

    Ist das wirklich zu Ende gedacht?

    Theoretisch könnte doch eine sich verabredete Mehrheit von außen, die sich sogar aus Rechts- und Linksextremisten zusammensetzen kann, verbindlich die Politik der SPD bestimmen. Da kann einem ja nur Angst und Bange werden.

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    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:04 Uhr

    Wie viele Menschen müsstest du dafür zusammentrommeln, die dann die knapp 500.000 Mitglieder, selbst wenn die nicht alle mitwählen, sowie nicht-extremistische Nicht-Mitglieder überstimmten? Diese Angst ist bei großen Abstimmungen wie der über den Kanzlerkandidaten doch vollkommen irrational.

    Hinzu kommt, dass diese Abstimmungen de facto verbindlich sein werden, aber nicht de jure. Wenn tatsächlich Extremisten gegen jede Wahrscheinlichkeit eine Abstimmung kapern würden, nähme die Parte diese "Empfehlung" eben nicht an und fertig.

    Diese Sorgen kommen mir vor wie das Suchen nach dem Haar in der Suppe.

    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:04 Uhr

    Wie viele Menschen müsstest du dafür zusammentrommeln, die dann die knapp 500.000 Mitglieder, selbst wenn die nicht alle mitwählen, sowie nicht-extremistische Nicht-Mitglieder überstimmten? Diese Angst ist bei großen Abstimmungen wie der über den Kanzlerkandidaten doch vollkommen irrational.

    Hinzu kommt, dass diese Abstimmungen de facto verbindlich sein werden, aber nicht de jure. Wenn tatsächlich Extremisten gegen jede Wahrscheinlichkeit eine Abstimmung kapern würden, nähme die Parte diese "Empfehlung" eben nicht an und fertig.

    Diese Sorgen kommen mir vor wie das Suchen nach dem Haar in der Suppe.

  2. ich finds krass, dass Steinmeiers Kurnazaktion scheinbar vergessen wurde. Zur Erinnerung: Da wurde ein deutscher Staatsbürger in ein Geheimgefängnis verschleppt, über Monate gefoltert und fürs Leben verbrannt. Steinmeier als Außenminister wusste es, unternahm aber nichts, den Mann da rauszuholen, obwohl er es hätte tun können!

    Dass Kurnaz unschuldig dort festgehalten wurde ist das Tüpfelchen auf dem i, die implizite Akzeptanz nicht-rechtstaatlicher Zwangsmaßnahmen sowie Folter machen den Mann für mich absolut unwählbar, so nett er auch dreinschauen kann.

    Verstehe nicht, wie die Bevölkerung sowas nur akzeptieren kann...

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    Das war für mich auch ein absolutes "no go". So eine Marionette, die bei der erstbesten Gelegenheit auf das Grundgesetz pfeift, darf keinen deutschen Staatsbürger vertreten - Deutschland schon gar nicht.

    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:15 Uhr

    Wenn es tatsächlich Beweise gegen Steinmeier gegeben hätte, wären die ihm im Bundestagswahlkampf um die Ohren gehauen worden.

    Ich behaupte mal, Steinmeier war nicht der einzige der davon wusste und es toleriert hat. Angesichts der sehr angespannten Lage damals wäre es nicht überraschend, wenn die Oppositionsspitzen (zumindest mal die der CDU) davon erfahren hätten.

    Angenommen sie haben davon gewusst, dann haben sie sich indirekt genauso schuldig gemacht wie der direkt Verantwortliche Steinmeier. Dass man bei der Aufklärung dann den Ball flach halten will ist nur verständlich.

    Hätte die Opposition demnach Steinmeiers Verantwortung und Nichthandeln angeprangert, dann wäre seine simple Antwort gewesen: Ihr wusstet davon und habt trotzdem nichts dagegen getan. Ein Eigentor also.

    Zur Abrundung vielleicht noch der Absatz zum Thema bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...

    Das war für mich auch ein absolutes "no go". So eine Marionette, die bei der erstbesten Gelegenheit auf das Grundgesetz pfeift, darf keinen deutschen Staatsbürger vertreten - Deutschland schon gar nicht.

    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:15 Uhr

    Wenn es tatsächlich Beweise gegen Steinmeier gegeben hätte, wären die ihm im Bundestagswahlkampf um die Ohren gehauen worden.

    Ich behaupte mal, Steinmeier war nicht der einzige der davon wusste und es toleriert hat. Angesichts der sehr angespannten Lage damals wäre es nicht überraschend, wenn die Oppositionsspitzen (zumindest mal die der CDU) davon erfahren hätten.

    Angenommen sie haben davon gewusst, dann haben sie sich indirekt genauso schuldig gemacht wie der direkt Verantwortliche Steinmeier. Dass man bei der Aufklärung dann den Ball flach halten will ist nur verständlich.

    Hätte die Opposition demnach Steinmeiers Verantwortung und Nichthandeln angeprangert, dann wäre seine simple Antwort gewesen: Ihr wusstet davon und habt trotzdem nichts dagegen getan. Ein Eigentor also.

    Zur Abrundung vielleicht noch der Absatz zum Thema bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...

    • loemy
    • 31.05.2011 um 11:57 Uhr

    Was soll das! Dafür sollen die Mitglieder der Parteien verantwortlich sein und niemand anderes. Die Partei muss entscheiden, wer sie am besten vertritt und das Klientel dieser Partei am besten mobilisiert. Auf was für Ideen man kommt, wenn man am verzweifeln ist.

  3. 6. na ja

    wir sollten erst mal den bundespräsidenten durchs volk wählen lassen.
    dann hat es wenigstens was zu entscheiden gehabt.

    einen kandidat wählen zu dürfen ist schlicht quark.
    zu ende gedacht, müßte die politische opposition jeweils für den schlechteren voten, damit der gegner im folgenden wahlkampf geschwächt ist.
    eine narretei.

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    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:20 Uhr

    In anderen Ländern finden ähnliche Vorwahlen statt, und da ist es dem politischen Gegner nicht gelungen, einen vermeintlich schwachen Kandidaten an die Spitze des Rivalen zu wählen.

    Ein Blick über den nationalen Tellerrand hinaus, wo solche Vorwahlen üblich sind, kann diese Befürchtungen zerstreuen.

    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:20 Uhr

    In anderen Ländern finden ähnliche Vorwahlen statt, und da ist es dem politischen Gegner nicht gelungen, einen vermeintlich schwachen Kandidaten an die Spitze des Rivalen zu wählen.

    Ein Blick über den nationalen Tellerrand hinaus, wo solche Vorwahlen üblich sind, kann diese Befürchtungen zerstreuen.

  4. des großen Willy Brandt, der bereits 1969 den Vorstoß wagte zu: "Mehr Demokratie wagen!".

    Es wird in der Tat allerhöchste Zeit zu einem deutlichen, und vor allen Dingen ehrlichen, Bekenntnis zum demokratischen Sinnen, Trachten und Handeln, bei dem dann wirklich der Wille des Volkes zum Ausdruck kommen kann.
    In dem sich nicht allein die parteipolitische Räson der s. g. etablierten Parteien spiegelt, sowie deren, wesentlich nach ihrem spendenfreudigen Klientel aus Kapital und Wirtschaft ausgerichteten, fadenscheinigen Intentionen niederschlägt!

  5. Ob Steinmeier oder Steinbrück, für Menschen, die eine wirkliche soziale Politik wünschen, sind beide nicht akzeptabel.Der eine ( Steinmeier ) ist Miterfinder der Agenda 2010 und dem Hartz IV - Desaster und ist noch heute der Überzeugung, das alles richtig und alternativlos ist und der andere ( Steinbrück )hat von je her die Deregulierung der Finanzmärkte betrieben, mit allen auf Jahrzehnte negativen Folgen für die Gesellschaft und den Steuerzahler.Außerdem gibt es im Bundestag wohl keinen arroganteren Politiker wie Ihn.Das hat selbst Westerwelle nicht geschafft.Ich glaube nicht, das es der SPD mit diesem Personal gelingen wird, den nächsten Kanzler zu stellen.Da aber offenbar eine große Mehrheit die Chaospolitik von Union und FDP satt hat, wird es vielleicht einen grünen Kanzler geben.Immer noch besser, als ein erneuter Merkel - Aufguss oder einer von den neoliberalen SPD - Kanditaten.

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    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:25 Uhr

    ... sieht es im Moment weder in den Umfragen noch auf dem Personaltableau der Grünen aus. Wer sollte dort kandidieren? Claudia Roth und Jürgen Trittin, unabhängig davon, wie ich persönlich über sie denke, sind für eine Hälfte der Bevölkerung ein rotes Tuch, eine Mobilisierungshilfe für das bürgerliche Lager. Cem Özdemir? Selbst vielen Grünen schon wieder zu glatt. Joschka Fischer? Der lehnt dankend ab.

    Die Idee, den Kandidaten direkt von den SPD-Mitgliedern wählen zu lassen finde ich gut. Ihn auch von Nicht-Mitgliedern wählen zu lassen verstehe ich nicht. Wer mitbestimmen möchte, soll sich ein Parteibuch holen. Dass kann schließlich so schwer nicht sein.

    Die Kandidaten der SPD finde ich allerdings zur Zeit mehr als traurig... ich würde keinem von denen meine Stimme geben.

    Und zu diesem ewigen Hartz IV Geseiere gegen Steinmeier...

    1. Da hat er wenigsens mal was gemacht.

    2. Ohne diese Reform wären wir heute vermutlich Griechenland II. Denn genau solche Reformen haben sich die griechischen Regierungen aus Rücksicht auf ihre Wahlergebnisse jahrelang verkniffen.

    • Kelhim
    • 31.05.2011 um 13:25 Uhr

    ... sieht es im Moment weder in den Umfragen noch auf dem Personaltableau der Grünen aus. Wer sollte dort kandidieren? Claudia Roth und Jürgen Trittin, unabhängig davon, wie ich persönlich über sie denke, sind für eine Hälfte der Bevölkerung ein rotes Tuch, eine Mobilisierungshilfe für das bürgerliche Lager. Cem Özdemir? Selbst vielen Grünen schon wieder zu glatt. Joschka Fischer? Der lehnt dankend ab.

    Die Idee, den Kandidaten direkt von den SPD-Mitgliedern wählen zu lassen finde ich gut. Ihn auch von Nicht-Mitgliedern wählen zu lassen verstehe ich nicht. Wer mitbestimmen möchte, soll sich ein Parteibuch holen. Dass kann schließlich so schwer nicht sein.

    Die Kandidaten der SPD finde ich allerdings zur Zeit mehr als traurig... ich würde keinem von denen meine Stimme geben.

    Und zu diesem ewigen Hartz IV Geseiere gegen Steinmeier...

    1. Da hat er wenigsens mal was gemacht.

    2. Ohne diese Reform wären wir heute vermutlich Griechenland II. Denn genau solche Reformen haben sich die griechischen Regierungen aus Rücksicht auf ihre Wahlergebnisse jahrelang verkniffen.

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