Die künftigen Koalitionäre scherzten, über die Stimmung, über Schreibweisen im Vertrag, über den Frauenanteil. "Spaß" habe man miteinander gehabt, sagte Grünen-Landeschef, Daniel Köbler, respektvoll sei man miteinander umgegangen, dabei habe man aber in der Sache hart verhandelt.

Genau fünf Wochen nach der Landtagswahl am 27. März ist es dann soweit gewesen: SPD und Grüne haben sich am Montag auf eine Koalition geeinigt. Der Koalitionsvertrag soll Ende der Woche vorgestellt werden, die erste rot-grüne Landesregierung in Rheinland-Pfalz wird am 18. Mai im Mainzer Landtag gewählt und vereidigt. Zwar müssen dem Koalitionsvertrag am Wochenende noch die Parteitage von SPD und Grünen zustimmen. Aber dass die Koalition noch platzt, damit rechnet niemand.

In der neuen rheinland-pfälzischen Regierung wird damit die SPD fünf Ministerien besetzen, drei gehen an die Grünen. Die SPD behält die Zuständigkeit für ihre Kernressorts Bildung und Wissenschaft, Finanzen sowie Arbeit und Soziales mit den bisherigen Ministern Doris Ahnen, Carsten Kühl und Malu Dreyer. Neu ins Kabinett rückt der bisherige Innen-Staatssekretär Roger Lewentz. Er wird neuer Minister für Inneres, Sport und Verkehr – und gilt als heißer Kandidat für die Nachfolge von Ministerpräsident Kurt Beck in fünf Jahren. Auch Justizminister Jochen Hartloff ist neu im Kabinett. 

Neu geschaffen wird unter Rot-Grün ein Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen, das die Grüne Irene Alt führen soll. Bisher war sie Beigeordnete der Kreisstadt Bingen. Weiter sicherten sich die Grünen das Umweltministerium, das die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Diplom-Agraringenieurin Ulrike Höfken führen soll.

Das größte Ressort sicherte sich die Landeschefin der Grünen. Eveline Lemke wird nicht nur stellvertretende Ministerpräsidentin, sondern auch die erste Grüne, die in einem Flächenland ein Wirtschaftsministerium führt. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin wird dabei auch die Bereiche Energie, Klimaschutz und Landesplanung verantworten und hat damit die Chance, den Umbau des Landes hin zu erneuerbaren Energien und einer umweltgerechten Wirtschaft zu lenken.

Praktisch geräuschlos hatten SPD und Grüne in den vergangenen Wochen alle strittigen Punkte abgearbeitet. Vier Wochen lang wurde hinter verschlossenen Türen miteinander gerungen und konzentriert gearbeitet, nach draußen drang praktisch nichts. Dass es zur ersten rot-grünen Regierungsbildung in Rheinland-Pfalz kommen würde, war bereits seit dem Wahlabend klar: Um fast zehn Prozentpunkte war die SPD abgestürzt, die letzte absolute Mehrheit eines roten Regierungschefs war futsch.

Becks Glück war, dass die CDU auch nur auf 35,2 Prozent kam und die SPD nicht überholte. Sein Pech war, dass sein früherer Koalitionspartner FDP mit 4,2 Prozent aus dem Landtag flog. So wurden die Grünen zum großen Sieger der Wahl: Von der außerparlamentarischen Opposition marschierte die Partei mit 15,4 Prozent gleich in die Regierung durch, und das im eigentlich noch immer strukturkonservativen Rheinland-Pfalz.

Damit war schon am Wahlabend klar: Die SPD würde Kompromisse machen müssen. Am Ende standen drei Ministerien und das Aus für eine Reihe von Verkehrsprojekten auf der Haben-Seite der Grünen. Nicht durchsetzen konnten sie sich wiederum beim Hochmoselübergang. Die umstrittene Mega-Brücke an der Mosel wird gebaut. Das Projekt, das Bürgerinitiativen auf mehr als eine Milliarde Euro Kosten schätzen, soll über berühmte Weinlagen hinwegführen und die Eifel an den Hunsrück und die Rhein-Main-Region anbinden.