Die Amerikaner hätten sich daran gewöhnt, "das Völkerrecht für sich selbst nicht für zwingend zu halten", sagte Altkanzler Helmut Schmidt dem ZEITmagazin. Dabei gebe es, so Schmidt, klare völkerrechtliche Vorschriften wie die Satzung der Vereinten Nationen. Damit verurteilte er die Tötung des Terroristenführers Osama bin Laden als völkerrechtswidrig.

Seitdem bin Laden Anfang Mai von amerikanischen Soldaten erschossen wurde, diskutieren Politik und Medien, ob dieser Schritt rechtmäßig war.

Schmidt kritisierte weiter, dass der Westen seit einigen Jahren gegen die pakistanische Souveränität verstoße. Anstelle von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte er nicht gesagt, dass er sich über den Tod des Terrorführers freue, weil er wisse, welche "zweischneidigen Konsequenzen" eine solche Äußerung haben könne.

Das Attentat auf Adolf Hitler war nach Schmidts Auffassung hingegen gerechtfertigt. Es "war ein Anschlag auf das Leben eines Verbrechers, um diesen auszuschalten und daran zu hindern, weitere Verbrechen zu begehen". Es sei kein Verstoß gegen das Völkerrecht gewesen, "weil es sich um einen Vorgang innerhalb eines souveränen Staates handelte, nicht um eine Intervention von außen". Bei bin Laden hätte es sich jedoch längst um eine "unwichtige Figur" gehandelt, sagte Schmidt. Er habe die operative Führung von al-Qaida offensichtlich nicht mehr in der Hand gehabt.

Schmidt sagte weiter, man könne nur schwer vorhersehen, welche psychologischen Folgen die Tötung in den islamisch geprägten Gesellschaften haben werde.