Parteireform SPD will Nicht-Mitglieder mitbestimmen lassen

Die SPD versucht, Bürger stärker einzubinden: Sie will ihnen laut Medienbericht die Möglichkeit geben, sich an bestimmten Wahlen zu Personalfragen zu beteiligen.

Die SPD-Spitze will die Partei öffnen und in bedeutsamen Personalfragen alle Bürger mitentscheiden lassen. Der Kanzlerkandidat, die Bewerber für Landratsposten sowie Bundestags- und Landtagsabgeordnete sollen künftig in der Regel in Urwahlen bestimmt werden, die auch für Nicht-Mitglieder offen seien, sagte Generalsekretärin Andrea Nahles der Süddeutschen Zeitung. Die Wahlen für Parteiämter, etwa die der Vorsitzenden, sollen aber weiterhin nur Mitgliedern vorbehalten bleiben. "Wir wollen die Beteiligung von Nicht-Mitgliedern, aber sie muss Grenzen haben", sagte Nahles, die Vorschläge zu einer geplanten Partei-Reform erarbeitet hat.

Nahles kündigte weitere Neuerungen an: So wolle die SPD-Führung den Wunsch der Basis erfüllen, auch über Sachentscheidungen abzustimmen. Vorstellbar etwa sei ein Votum über die Frage, ob die Mitglieder einer kostenlosen Kinderbetreuung oder Kindergelderhöhungen den Vorzug gäben. Das könne die Parteiarbeit beflügeln. "Wir wollen uns nicht nur programmatisch, sondern auch organisatorisch erneuern. Wir wollen die Fenster aufmachen, eine Partei sein, in der Mitarbeit Spaß macht", sagte sie.

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Mit der Reform will die SPD-Spitze den Mitgliederschwund stoppen und auf die veränderte Parteienlandschaft und die Lebensgewohnheiten der Menschen reagieren. "Die Lage hat sich seit den Zeiten Willy Brandts geändert. Die Volkspartei SPD hat Konkurrenz bekommen, durch zwei andere Parteien im linken Lager, aber auch durch Umwelt- und andere Verbände", sagte Nahles. Im Jahr 1976 hatte die SPD noch 1.022.191 Mitglieder, Ende Dezember 2010 waren es nur noch 502.063. Die Vorschläge zur Partei-Reform sollen bald dem Bundesvorstand zugehen. Ein Beschluss ist demnach für den Bundesparteitag im Dezember geplant. Wird diese Neuerung angenommen, wäre die SPD die erste traditionelle Partei in Deutschland, die Nicht-Mitgliedern weitgehende Mitspracherechte einräumt.

In der Parteibasis ist die Neuerung stark umstritten. Die einfachen Parteimitglieder sehen sich bei dieser Reform übergangen. Externe an den Personal-Wahlen zu beteiligen, empfinden sie als Einschränkung ihrer Privilegien.  

 
Leser-Kommentare
  1. Gibt es dann bald eine neue TV-Casting-Show:

    "Deutschland sucht den/die SPD Kanzerkandidaten/in"?

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    • joG
    • 24.05.2011 um 12:25 Uhr

    ....Das war auch mein erster Gedanke.

    • maslow
    • 24.05.2011 um 16:09 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen und bemühen Sie sich um eine differenzierte Kritik. Danke. Die Redaktion/ag

    • joG
    • 24.05.2011 um 12:25 Uhr

    ....Das war auch mein erster Gedanke.

    • maslow
    • 24.05.2011 um 16:09 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen und bemühen Sie sich um eine differenzierte Kritik. Danke. Die Redaktion/ag

  2. Schröder-Münte-Clement haben die Mitgliederzahl der
    SPD halbiert.
    Nun versucht man mühsam Gegenmaßnahmen.
    20 Jahre Opposition ist das Mittel der Wahl.

    • pfeiol
    • 24.05.2011 um 10:51 Uhr
    3. Frage

    Liegt es überhaupt an einer solchen Abstimmung???

  3. 4. *lol*

    "Der Kanzlerkandidat, die Bewerber für Landratsposten sowie Bundestags- und Landtagsabgeordnete sollen künftig in der Regel in Urwahlen bestimmt werden, die auch für Nicht-Mitglieder offen seien..."

    Ich fasse das mal als nette Geste auf, allerdings bezweifle ich, dass viele *Bürger* diese Möglichkeit nutzen. Schon allein deshalb, weil die wenigstens die potentiellen Kandidaten wirklich kennen. Wahrscheinlich führt das nur zu noch mehr Medienkaspern in der Politik. Personenkult-System halt.

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    • Kelhim
    • 24.05.2011 um 14:04 Uhr

    Sigmar Gabriel hat bereits vor Jahren einmal eine solche Öffnung bei einer Personenwahl in Goslar ausprobiert, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Und damit nur gute Erfahrungen gemacht.

    • Kelhim
    • 24.05.2011 um 14:04 Uhr

    Sigmar Gabriel hat bereits vor Jahren einmal eine solche Öffnung bei einer Personenwahl in Goslar ausprobiert, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Und damit nur gute Erfahrungen gemacht.

  4. Wenn die Mitglieder eine(n) Spitzenkandidatin(en) wählen, wissen Sie, dass danach der Wahlkampf geführt werden muss. Machen das dann auch die Nichtmitglieder? Oder sollen wir Mitglieder für einen Kanzlerkandidaten Sarrazin die Prospekte verteilen?

  5. Eine tolle Idee! Die Amerikaner praktizieren dieses Verfahren mit ihren "Primaries" schon seit langem!

    Und es wird auch höchtste Zeit, daß verschiedene Interessensgruppen ihre persönlichen Spitzenkandidaten und deren Wahlkämpfe direkter mit Spenden unterstützen können! Bis jetzt mussten sie sich mit späterem Vergeben von "Aufsichtsratsposten" an bereits gewählte Politiker zufrieden geben, aber nun können sie gleich von Anfang an dabei helfen, daß nur die richtigen Leute auf die richtigen Posten gehoben werden!

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  6. Ich finde die Idee garnicht schlecht. So kann die SPD wenigstens die Gewissheit erlangen, dass ihr neuer Kanzlerkandidat kein neuer Schröder sein darf.

    Ein Steinbrück z.B. wäre ein Desaster für die Glaubwürdigkeit der SPD als sozialdemokratische Partei.

    Die SPD hat ja zum Glück noch ein paar Leute im Petto und sollte lediglich darauf achten, den Seeheimern nicht die Medienhoheit der Kandidatenwerbung zu überlassen.

  7. Der Mitgliederschwund (Müdigkeit?) liegt an der Abkehr von wichtigen, zuletzt im Godesberger Programm fest gelegten Zielen der SPD. Spätestens seit Schröders Agenda war den SPD Mitgliedern nicht mehr zu vermitteln in welche Richtung man sich bewegt. Viele Anregungen, Diskussionen (z.B. La Fontain) wurden vom Vorstand brutal abgewürgt. Kritik und Selbstkritik sind zum Fremdwort verkommen.

    Gestandene SPD Mitglieder trauten sich im Wahlkampf nicht mehr auf die Strasse - sie schämten sich, wurden beschimpft und dann ausgegrenzt. Das ist der Grund für die Entwicklung der "Volkspartei" zu einer politischen Kaste mit Anhängern die von OBEN bestimmt werden.

    Scheinbar sind dem Vorstand politische Posten und Mandate wichtiger als seine Mitglieder geworden. Das steht einer motivierten Mitgliedschaft, wie es sie unter Willi Brandt noch gab widersprüchlich entgegen. Wenn man mir von OBEN das Maul verbietet - dann kann ich nicht motiviert sein. Wenn man mir Schul-Lehrerhaft vorschreibt was ich sagen darf, was ich besser nicht sagen soll dann kann ich mich mit dieser Partei nicht mehr identifizieren. Die Partei hängt immer noch an Personen die mit Schröder den Untergang eingeläutet haben - keiner im Vorstand will das sehen da sie ja z.T beteiligt waren.

    Jetzt kommt das große Heulen. EINSICHT IST DAS NICHT!!

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