Sonderparteitag Grüne stimmen für Atomausstieg der Regierung

Die Grünen werden den Zeitplan der Bundesregierung für einen Atomausstieg mittragen. Nach einer kontroversen Debatte wurde ein entsprechender Antrag angenommen.

Die Grünen wollen den Zeitplan der schwarz-gelben Bundesregierung für einen Atomausstieg bis 2022 zustimmen, die Begleitgesetze zur Energiewende aber ablehnen. Ein Sonderparteitag in Berlin folgte damit nach einer rund sechsstündigen, kontroversen Debatte einer Beschlussvorlage der Parteispitze.

Mit großer Mehrheit empfahlen die Delegierten der Bundestagsfraktion, der Änderung des Atomgesetzes im Bundestag zuzustimmen. Für den Ausgang der Parlamentsabstimmung ist dies ohne Belang: Union und FDP können das Paket alleine verabschieden. Im Bundesrat sind sie dagegen auf Stimmen von SPD und Grünen angewiesen. Außerdem stimmte die Mehrheit der rund 770 Delegierten am Samstag für eine Aufnahme der Atomgesetz-Novelle in die deutsche Verfassung. Diese Forderung war zuvor bereits bei SPD und Linken erhoben worden.

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Der Entscheidung war eine heftige Kontroverse innerhalb der Partei vorangegangen. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, die Rücknahme der "unsäglichen Laufzeitverlängerung", nach der die Atomkraftwerke bis weit über 2040 gelaufen wären, sei Grünes Ziel gewesen. "Da müssen doch wir Grünen zupacken." Auch Fraktionschef Jürgen Trittin forderte die Partei zu Geschlossenheit auf: "Wie glaubwürdig wäre es, wenn wir gegen unsere eigenen Anträge stimmen würden?" Er sagte, es gehe um den Atomausstieg 2022 oder 2040: "Da muss jeder, der für 2017 ist, für 2022 stimmen."

Die Chefin der Grünen Jugend, Agena, gab zu bedenken, dass der Ausstieg möglicherweise nicht dauerhaft sei. Bis 2022 gebe es noch drei Bundestagswahlen: "Unumkehrbar ist da nichts", sagte sie. Gegen eine Zustimmung hatte sich auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele ausgesprochen.

Ströbele forderte, die Grünen sollten von ihren bisherigen Forderungen nicht abrücken und auf Verhandlungen mit der Koalition bestehen. "Wir können nicht dem Gesetzesantrag der Koalition zustimmen, ohne vorher wenigstens unsere Forderungen vorgebracht zu haben. Es geht schließlich um 1.528 Tage weniger Atomkraft", sagte Ströbele. Er warnte auch vor einem Verlust der Glaubwürdigkeit seiner Partei. "Wenn wir jetzt zustimmen, wird uns immer vorgehalten werden, dass wir das Ausstiegsdatum 2022 akzeptiert haben."

Ihm widersprach Grünen-Fraktionschefin Renate Künast: Die Grünen könnten nicht Nein sagen, wenn die Laufzeitenverlängerung zurückgenommen werde und acht Atomkraftwerke vom Netz gingen: "Da werden wir sagen: Ja, das wollen wir." Mit Künasts Rede wurde eine Mehrheit auf dem Parteitag für eine Zustimmung greifbar. Lange war der Ausgang des Parteitags offen. Befürworter und Gegner erhielten in der turbulenten Debatte lauten Applaus der rund 770 Delegierten.

Die Grünen wollen eigentlich bis 2017 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abschalten. Nun wollen sie nach der Zustimmung eine Beschleunigung des Ausstiegs erreichen, falls sie nach der Bundestagswahl 2013 an die Regierung kommen. Der Bundestag stimmt am Donnerstag über die Gesetze zum Atomausstieg und zur Energiewende ab. Die Koalitionspläne für einen Ausbau der erneuerbaren Energien lehnen die Grünen indes geschlossen als unzureichend ab. Ihnen greifen die von Merkel geplanten Maßnahmen zur Förderung des Stroms aus erneuerbaren Energien als Ersatz für den Atomstrom zu kurz.

Roth und Trittin versicherten, bei einer Regierungsbeteiligung würden die Grünen den Ausstieg möglichst beschleunigen, die Sicherheitsstandards erhöhen und das Atommülllager in Gorleben schließen. "Dann setzen wir die Daumenschrauben an", versprach Roth. Viele Menschen erwarteten, dass die Grünen auch in der Opposition Politik gestalten.

 
Leser-Kommentare
  1. war die CDU/CSU/FDP noch im letzten Jahr! Plakative Headlines wie diese sind in der Form journalistisch nicht sauber.

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    nicht um sauberen Journalismus.

    Um so wichtiger, daß Sie anmahnen. Herzlichen Dank!

    nicht um sauberen Journalismus.

    Um so wichtiger, daß Sie anmahnen. Herzlichen Dank!

  2. Gegen sieben von acht Gesetzen soll gestimmt werden.

    Mal raten.

    Gegen Überlandleitungen die den zauberischen GRÜNEN Windstrom von den Küsten in das Landesinnere befördern müssten.

    Gegen den Bau von Gas- und Kohlekraftwerken die paarallel vorhanden sein müssen wenn, besonders im Winter, mal die liebe Sonne nicht scheint oder der Wind zu wenig oder zu viel bläst. Exorbitante Verschwendung von Volksvermögen!

    Gegen, gegen, gegen!

    Es kann doch nicht sein, dass die ganzen schönen Gelegenheiten für Demotouristen weg fallen. Was will man den das ganze liebe Jahr über so machen?!

    10 Leser-Empfehlungen
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    • tillh
    • 22.06.2011 um 23:54 Uhr

    gegen Winkraftwerke, die die Landschaft verschandeln!

    gegen Offshore Windkrafwerke; Die beeinträchtigen ja den
    "unverstellten Blick aufs Meer"!

    gegen Überlandleitungen, weil die arge Kopfschmerzen verursachen!

    Und gegen Atomstrom, na das ist doch Chefsache!

    Ähhm, also.. deutsch darf er nicht sein. Ein bisschen tschechischer Atomstrom, ein bisschen französischer Atomstrom und schon ist die deutsche Atomstromfreiheit doch schon so gut wie sicher und das auch locker schon 2017, wenn nicht sogar früher...

    Plan B:
    Wir lassen die Norweger schön grünen Turbinenstrom produzieren und den mit Kabeln zu uns rüber schicken. Haben blos die Norweger gar nicht so richtig Lust ihre Natur mit den Dingern vollzupflastern.

    Schade eigentlich..

    • tillh
    • 22.06.2011 um 23:54 Uhr

    gegen Winkraftwerke, die die Landschaft verschandeln!

    gegen Offshore Windkrafwerke; Die beeinträchtigen ja den
    "unverstellten Blick aufs Meer"!

    gegen Überlandleitungen, weil die arge Kopfschmerzen verursachen!

    Und gegen Atomstrom, na das ist doch Chefsache!

    Ähhm, also.. deutsch darf er nicht sein. Ein bisschen tschechischer Atomstrom, ein bisschen französischer Atomstrom und schon ist die deutsche Atomstromfreiheit doch schon so gut wie sicher und das auch locker schon 2017, wenn nicht sogar früher...

    Plan B:
    Wir lassen die Norweger schön grünen Turbinenstrom produzieren und den mit Kabeln zu uns rüber schicken. Haben blos die Norweger gar nicht so richtig Lust ihre Natur mit den Dingern vollzupflastern.

    Schade eigentlich..

    • w.h.k.
    • 22.06.2011 um 20:07 Uhr

    Sie können nicht dagegen stimmen, weil sie damit zugeben würden, dass sie vor 10 Jahren MIST beschlossen haben. (Gleiches gilt im Übrigen für die SPD.)
    Also wird ein bisschen herumgemäkelt und heraus kommt ein "Ja, aber...".

    Die Chance auf den schnellstmöglichen Atomausstieg, den sogar Merkel noch vor ein paar Wochen gefordert hat, wird damit vertan. Die Grünen verraten wieder mal ihre Wähler, zeigen sich aber "verantwortungsbewusst" und bereit für eine schwarz-grüne Koalition. Das ist Politik.

    • vril
    • 22.06.2011 um 20:16 Uhr

    Eigentlich ist doch alles ein fauler Kompromiss. Besser als vorher - klar. Aber schon wieder nicht im Sinne der Bevölkerung. Die Lobby hat sich durchgesetzt, droht mit Klagen - alles inszeniert !!! Der Ausstieg ist viel früher möglich ! Ich hoffe immer noch, dass sich die Medien besinnen und endlich die Seiten wechseln und im Sinne des Volkes Mängel und Schwachstellen unseres Systems thematisieren.

  3. durch die Institutionen
    endet folgerichtig
    im Allerwertesten
    der CDU.

    Genau da will die Mehrheit der Grünen hin!
    ...

    13 Leser-Empfehlungen
  4. Ich seh da kein Problem, guten Gewissens "ja" zu sagen.
    Jetzt für den Antrag stimmen, weil irgendEIN Atomausstieg besser ist als KEIN Atomausstieg. Die Situation also besser ist, wenn der Antrag angenommen wird, als wenn er abgelehnt würde. Danach sollte man sein Abstimmungsverhalten grundsätzlich richten. Kritik darf man ja trotzdem anbringen und evtl. kann man sogar später noch nachbessern, wenn man rankommt.
    Das wäre in jeder Hinsicht glaubwürdig und richtig.

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    • AHSH
    • 26.06.2011 um 11:11 Uhr

    sich entschieden haben. Aber, wenn das ein Zeichen sein soll dafür, dass die Tür für eine Schwarz-Grüne Koalition aufgestoßen werden soll, wird sie das Schicksal von 18-Plus-Partei (FDP)ereilen.

    • AHSH
    • 26.06.2011 um 11:11 Uhr

    sich entschieden haben. Aber, wenn das ein Zeichen sein soll dafür, dass die Tür für eine Schwarz-Grüne Koalition aufgestoßen werden soll, wird sie das Schicksal von 18-Plus-Partei (FDP)ereilen.

    • NDT
    • 22.06.2011 um 20:29 Uhr

    Der Erfolg der Grünen fußt doch maßgeblich auf dem "Dagegen sein". Denn sicher ist nur das grüne Nein.

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    • kael
    • 26.06.2011 um 11:19 Uhr

    Die Grünen sind gegen Manches. Warum auch nicht? Das ist ihr Auftrag. Aber sie haben dabei eine Linie, die sie konsequent verfolgen.

    Die einzig wirklichen "Dagegen-Parteien" sind Schwarz/Gelb. Denn sie wendeten sich aus reinem Opportunismus um 180 Grad gegen ihre eigenen Beschlüsse.

    • kael
    • 26.06.2011 um 11:19 Uhr

    Die Grünen sind gegen Manches. Warum auch nicht? Das ist ihr Auftrag. Aber sie haben dabei eine Linie, die sie konsequent verfolgen.

    Die einzig wirklichen "Dagegen-Parteien" sind Schwarz/Gelb. Denn sie wendeten sich aus reinem Opportunismus um 180 Grad gegen ihre eigenen Beschlüsse.

    • ASasse
    • 22.06.2011 um 21:23 Uhr

    Kein einziges deutsches AKW hat im "Stresstest" den Persilschein bekommen, dass es einen Flugzeugabsturz vom Typ A380 überstehen würde. In jedem AKW käme es auch ohne Flugzeug, ohne Tsunami zu einer Kernschmelze, wenn die Stromversorgung über einige Stunden ausfallen würde. Der CDU mag der unbedarfte Wähler noch glauben, sie wüsste das alles nicht und würde erst lernen wenn es wie in Fukushima zu spät ist. Aber bei den Grünen ist der atomwissenschaftliche Sachverstand vorhanden. Sie wissen um das "Restrisiko".

    Wenn die Grünen aus taktischen Gründen dem Weiterbetrieb zustimmen, dann verhöhnen sie die Opfer der Atomkatastrophen. Nach Fukushima gab es schnell eine Diskussion darum, ob Siedewasserreaktoren wie in Fukushima in Deutschland noch eine Zukunft haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Delegierten der Grünen so vergesslich sind, dass sie einem Betrieb des Siedewasserreaktors Gundremmingen C bis ins Jahr 2021 zustimmen. Dieser ist nahezu baugleich mit Fukushima und hat die selben konstruktiven Mängel.

    Da hilft nur die Forderung alle AKW erst dann weiter betreiben zu lassen, wenn sie gegen den Absturz eines A380 gesichert sind.

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    das ist doch klar, oder?

    wäre, den Flugverkehr so lange auszusetzen, wie die AKWs laufen.

    """"Aber bei den Grünen ist der atomwissenschaftliche Sachverstand vorhanden. """"""

    Woher wissen Sie das?

    Unlangst hat der Vorsitzende C. Özdemir anläßlich der Fukushima Katastrophe festgestellt, dass bereits 2.000 Megabit Strahlung dort austrete. C. Roth sollte man besser nicht zitieren. Soweit zum wissenschaftlichen Sachverstand der Grünen.

    Es ist wissenschaftlich unredlich, ja sogar unzulässig, wenn man von einer äußersten Ausnahmesituation ausgehend auf eine allgemeine Gesetzmäßigkeit schließt. Ich gebe ein Beispiel:- Es ist gedanklich nicht auszuschließen, dass ich von einem herunter gefallenen Dachziegel erschlagen werde, wenn ich an einem Haus mit Ziegeldach vorbeigehe.Das ist natürlich vollkommen unwahrscheinlich, also die totale Ausnahmeerscheinung.Die unzulässige generalisierte Schlussfolgerung wäre, dass nun alle Menschen nicht mehr an Häusern vorbeigehen dürfen, weil die Dächer hochgefährlich sind.
    Wie oft fliegt nun eine A380 über ein AKW?

    das ist doch klar, oder?

    wäre, den Flugverkehr so lange auszusetzen, wie die AKWs laufen.

    """"Aber bei den Grünen ist der atomwissenschaftliche Sachverstand vorhanden. """"""

    Woher wissen Sie das?

    Unlangst hat der Vorsitzende C. Özdemir anläßlich der Fukushima Katastrophe festgestellt, dass bereits 2.000 Megabit Strahlung dort austrete. C. Roth sollte man besser nicht zitieren. Soweit zum wissenschaftlichen Sachverstand der Grünen.

    Es ist wissenschaftlich unredlich, ja sogar unzulässig, wenn man von einer äußersten Ausnahmesituation ausgehend auf eine allgemeine Gesetzmäßigkeit schließt. Ich gebe ein Beispiel:- Es ist gedanklich nicht auszuschließen, dass ich von einem herunter gefallenen Dachziegel erschlagen werde, wenn ich an einem Haus mit Ziegeldach vorbeigehe.Das ist natürlich vollkommen unwahrscheinlich, also die totale Ausnahmeerscheinung.Die unzulässige generalisierte Schlussfolgerung wäre, dass nun alle Menschen nicht mehr an Häusern vorbeigehen dürfen, weil die Dächer hochgefährlich sind.
    Wie oft fliegt nun eine A380 über ein AKW?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
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