Energiewende : Bundestag besiegelt den Atomausstieg

Die Kernenergie steht in Deutschland nun endgültig vor dem Aus. Mit großer Mehrheit hat der Bundestag den vollständigen Atomausstieg bis Ende 2022 beschlossen.
Das AKW Brokdorf bei Brunsbüttel © Krafft Angerer/Getty Images

Der Bundestag hat den Atomausstieg bis zum Jahr 2022 beschlossen. Die Regierungskoalition, SPD und Grüne stimmten gemeinsam mehrheitlich für eine entsprechende Änderung des Atomgesetzes. Es gab 513 Ja- und 79 Nein-Stimmen sowie 8 Enthaltungen. Damit wird die erst im Herbst 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung zurückgenommen.

Die Oppositionsparteien hatten eigentlich einen schnelleren Ausstieg gefordert. Die Linke begründete damit ihre Ablehnung.

Das neue Atomgesetz sieht vor, dass die sieben ältesten Atommeiler, die nach der Katastrophe von Fukushima zunächst vorläufig abgeschaltet worden waren, nicht mehr ans Netz gehen sollen, auch nicht der schon länger abgeschaltete Pannenreaktor Krümmel. Die neun verbleibenden AKW sollen in den folgenden Jahren schrittweise abgeschaltet werden. Neu ist, dass allen AKW feste Daten zugeordnet werden, bis wann sie vom Netz gehen müssen. Die meisten werden allerdings voraussichtlich erst 2021 und 2022 abgeschaltet werden.

Der Bundestag beschloss zudem weitere Gesetze zum Ausbau erneuerbarer Energien und für mehr Energieeffizienz. Der Ausbau der Stromnetze soll beschleunigt werden. Die Oppositionsfraktionen stimmten einigen dieser Gesetze nicht zu.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ein bisschen Druck ...

... seitens der Energiekonzerne wird sicherlich auch schnell aufgebaut werden. Stellen Sie sich vor, aufgrund einer - durch die Abschaltung der AKW's 'bedingte' (Version der Energiekonzerne) - Überlastung des Stromnetzes kommt es in großen Gebieten Deutschlands zum Stromausfall. Im Winter. Sie werden dann schneller wieder einen starken Rückhalt in der Bevölkerung für die AKW's haben, als Sie es glauben können.
Mir erscheint dieser Ausstieg eher wie eine Farce, zumal es noch elf Jahre sind - bis dahin ist Fukushima vergessen - oder haben wir uns durch Tschernobyl beeindrucken lassen?

Verzicht üben

Es ist toll wenn einige glauben Verzicht wäre eine schöne Sache. Was meint denn der Verbraucher damit?

Kühlschrank ausstecken? Wie groß ist dann das Risiko einer Lebensmittelvergiftung?

Oder lieber keinen Herd?
Wie ist es mit Fön und Spülmaschine?

Ach ich vergaß: Der Verzicht wird nicht partiell stattfinden sondern in der Fläche. Ich hoffe das THW hat genügend Notstromaggegate für die Altenheime, damit dort niemand ohne Beatmungsgerät weiterleben muß.

Rätsel

Es wird mir ein Rätsel bleiben, warum die Mehrheit der Grünen Bundestagsfraktion diesem Gesetz zugestimmt hat.
Sie sind weit von den Menschen weg gerutscht, die sie wählen. Noch 11 Jahre werden wir auf den "tickenden Zeitbomben" leben. Noch 11 weiter Jahre wird Atommüll weiter produziert.
Entweder, verehrte Grüne, stimmt die Gefährlichkeit der Atomkraftwerke nicht, die sie immer behauptet haben, oder sie tragen - ohne Not - weiter zur Gefährdung von Menschen bei. Es bleibt mir ein Rätsel, wie sie denken.

Historische Chance?

Ich diskutiere nicht um eins, zwei Jahre, sondern um über 10 Jahre und das sind ein siebtel der durchschnittlichen Lebenszeit eines Menschen.

Ein laufendes Atomkraftwerk wird auch nicht dadurch sicherer, weil es in x-Jahren einmal abgeschaltet wird.

Die historische Chance bestand darin, dass diese offenkundig nicht verantwortbare Form der Energiegewinnung, in schnellstmöglicher Zeit beendet worden wäre.

Ich erinnere mich noch gut, wie die Bundesregierung den weiteren Betrieb deutschen Kernkraftwerke nach Tschernobyl durchgesetzt hat. Nun tut sie es ein zweites Mal. Diesmal geschickter, denn den Betrieb von knapp 10 Atomkraftwerken retten sie über "Fukuschima" hinüber.

Dass die Grünen dieser atomaren Rettungsaktion zustimmen ist, wie gesagt, ein Rätsel für mich.

@ 5 Rätsel

Zitat: "Es wird mir ein Rätsel bleiben, warum die Mehrheit der Grünen Bundestagsfraktion diesem Gesetz zugestimmt hat."

Die Grünen vergegenwärtigten das, was man als "tragischen Konflikt" bezeichnet. Was sie auch tun, es ist immer falsch.

Ich denke, es siegte Glaubwürdigkeit gepaart mit poltischer Verantwortung. Und ich denke, ihr Verhalten könnte einigen anderen Parteien als Vorbild dienen. Für ihre Art der Konfliktlösung kann ich den Grünen nur gratulieren.